Wenn Dom sich nicht meldet... (Teil 1)

Heute gibt es ein paar sehr direkte und ehrliche Worte von mir. Das mag dem ein oder anderen sehr hart vorkommen, aber ich glaube manchmal sieht man selbst den Wald vor lauter Bäumen nicht. Da es mir selbst bereits ähnlich ging, traue ich mich heute dieses Thema auch von Außen zu betrachten.

Und keine Sorge, Teil 2 folgt auch sehr bald.

 

 

Einen wunderschönen Guten Morgen vom Schreibtisch, an dem ich mich gerade mit der Kaffeetasse niedergelassen habe. Als ich heute das Forum geöffnet habe, sprang mir erneut in einem Thread ein alter Beitrag ins Auge, in dem sich über Dom beschwert wurde, weil er gerade äußerst schweigsam und wenig kommunikativ in Erscheinung tritt.

Dabei fiel mir auf, Beiträge wie „Warum meldet er sich nicht?“ „Er hat sich seit xy Tagen nicht gemeldet?“ „Er schreibt zu selten“ „Er ruft nie an“ und ähnliche Aussagen lese ich in regelmäßigen Abständen immer wieder. Nicht nur im Forum, auch privat kenne ich sowas aus dem Freundeskreis in immer wiederkehrenden Versionen.

 

Nun scheint dies ein typisches Problem der submissiven / devoten Damenwelt  in Spielbeziehungen zu sein, denn von männlichen Subs habe ich es zumindest noch nie gelesen oder überlesen.  Daher verzeiht wenn ich hier nun nur die devote Damenwelt anschreibe oder meinen Artikel an diese adressiere, es darf aber natürlich auch gerne aus männlicher Sicht gesehen werden, wenn die holde Weiblichkeit dem Kontaktbedürfnis nicht nachkommt. Wir sind ja auch nicht immer unschuldig... gottseidank. 

 

Zunächst mal, an alle die sich mehr Kontakt wünschen: Ist es denn wirklich zu wenig, oder verlangt ihr zu viel? Ich weiß das mag nun hart klingen, aber habt ihr denn bereits darüber nachgedacht, ob ihr vielleicht ein erhöhtes Bedürfnis an Kontakt mit ihm habt, welches er eigentlich gar nicht stillen kann oder welches nicht zu der geführten Art der Beziehung passt?

Klar, auch in lockeren Spielbeziehungen, usw. sollte ein gewisses Maß an Kontakt da sein; aber welches Maß passt denn überhaupt zu euch und zu ihm?  Gerade was Spielbeziehungen angeht, vielleicht möchte und braucht er ja gar nicht mehr? Vielleicht will er ja „nur“ eine Spielbeziehung um nicht 10x am Tag Kontakt halten zu müssen und regelmäßig von seinem Alltag zu berichten. Eventuell sind es für ihn ja nur Ausbrüche aus seinem Alltag, die aber genau das sein sollen, Ausbrüche eben und nicht Alltag.   Möglicherweise seid ihr seine besondere Insel, sein Wochenhighlight, sein Kurzurlaub und sein Vergnügen, aber eben nicht mehr.  Das mag hart klingen, aber warum wollte er; wolltet ihr, denn eine Spielbeziehung und keine Beziehung?

 

Reicht euch das? Wenn ja, dann akzeptiert auch sein Maß an Kontakt, dass er im Alltag halten kann und verlangt nicht weitaus mehr. Denn das wird dazu führen, dass ihr nicht mehr das Wochenhighlight seid, nicht mehr die besondere Insel als Ausbruch aus dem Alltag, sondern ganz schnell ein Teil dieses Alltags werdet und dann wird er sich umso mehr von euch zurückziehen.

Genießt es wenn er sich meldet und führt euch vor Augen, dass er sich zwar selten meldet, aber eben gerade dann, wenn er an euch denkt und sich dafür und nur dafür Zeit nimmt.

 

Natürlich gilt dies nicht für besondere Situationen, wie Abstürze, ernste Probleme, wichtige Momente, in denen man den Partner/Dom benötigt. Aber auch da, gesteht ihm bitte zu, dass er in einer angemessenen Art und nach einer angemessenen Dauer antwortet, denn gerade wenn es eine Spielbeziehung ist, kann er vielleicht gar nicht sofort und immer da sein. Manchmal braucht man ein paar Stunden bis man Nachrichten lesen kann, da muss nicht immer gleich was passiert sein wenn man nicht auf sein Handy sieht. Es ist vermutlich WhatsApp etc. geschuldet, dass wir heutzutage erwarten, dass der jeweils andere promt und regelmäßig auf sein Handy oder Ähnliches schaut und schürt nur umso mehr unsere Ungeduld. Und sind wir ehrlich, Geduld ist ja ohnehin selten Subs Stärke. Meine zumindest ist es nicht. ^^

 

Alles in allem ist die Kommunikation aber auch eine Frage, die man sich vor Beginn einer Spielbeziehung stellen sollte und was man regelmäßig hinterfragen sollte.  Welche Art des Kontaktes benötige ich? Kann mein Partner mir dies überhaupt geben? Möchte er das?

Wenn nicht, ist es vielleicht die bessere Entscheidung weiterzusuchen, bevor das Ende bereits vorprogrammiert ist, ehe es überhaupt begonnen hat. Sonst führt es eventuell dazu, dass man später dem anderen vorwirft zu wenig Zeit zu haben oder einem zu wenig Aufmerksamkeit zu schenken, obwohl er nie mehr versprochen hat oder mehr wollte.

Dies mag nun sehr rational und nüchtern klingen, aber insbesondere bei Spielbeziehungen ist es sinnvoll, von Beginn an die Fronten zu klären.

Geht man diese Spielbeziehung vielleicht nur ein, weil der Andere einem gerade nicht mehr geben kann und möchte? Will man das überhaupt selbst?  Wenn nicht, dann sollte man sich überlegen ob man wirklich so große Abstriche machen möchte, oder eben nicht und nicht am Ende dem Anderen vorwerfen, zu wenig Kontakt zu halten bzw. zu wenig da zu sein; wenn er von Anfang an nie mehr als das in Aussicht gestellt hat.

Sprecht darüber, welche Art der Kommunikation ihr benötigt und wie und wie häufig ihr gemeinsam kommunizieren möchtet.  Bei dem berühmten Buch mit den fünfzig Farbnuancen ist die Rede von einem „Vertrag“, der alle 3 Monate neu verhandelt werden muss. Könnte für euch ja auch eine Möglichkeit sein, sich zu Beginn der Beziehung nur grob festzulegen und später oder zu einem festen Zeitpunkt wenn sich alles ein wenig „eingespielt“ hat dann neu zu verhandeln. Solche „Verhandlungen“ können ja auch Spaß machen – oder?

 

Schlussendlich bleibt mir darüber hinaus nur der Rat; wenn ihr mehr benötigt, mehr braucht als nur eine lockere Geschichte, dann solltet ihr es euch auch wert sein, dies einzufordern oder zu suchen. Wenn ER es euch nicht geben kann, ist er vielleicht nicht der Richtige. Ihr habt das verdient, was euch glücklich macht, also seid es euch wert, danach zu suchen und euch nicht mit weniger zufrieden zu geben.

 

Euer SchriftStück

 


Kommentare:


Corina schrieb am 06.09.2017


Hallo Schriftstück,

ich finde in diesem Thema sind immer zwei Seiten der Medaille gefragt. Wird nicht klar und deutlich festgestellt, inwieweit und in welcher Form dieser Kontakt von allen Beteiligten gewünscht wird, kann es schnell zu Missverständnissen und Unverständnis führen. Allerdings ist das auch außerhalb BDSM ein Problem. Dennoch manchmal habe ich den Eindruck, dass viele auf der submissiven Seite sich nicht trauen, weil sie denken es ziemt sich nicht als Sub zu fordern. Aber warum? Jeder sollte sich im Klaren sein, dass er in erster Linie ein Mensch mit Wünschen, Rechten und Pflichten ist. Die Pflicht besteht darin, dass ich mir selbst treu bleibe und meinen Wunsch auf mehr Kontakt nicht unterdrücke. Will man mehr und braucht man mehr Kontakt, dann sagt man es. Nur so kann man feststellen, inwieweit die Wünsche mit seinem Gegenüber zusammenpassen. Sagt man nicht, dass man mehr will, dann finde ich es etwas unfair, sich hinterher über zuwenig "Zuneigung/Kontakt" zu beschweren. Dom kann doch nicht hellsehen. ;) Nun gibt es aber auch auf der anderen Seite diese Art von Mensch, die zuerst großes Interesse haben und dies in regelmäßigen und intensiven Kontakt ausdrücken. Tja und dann verlieren sie nachdem sie sich ihrem Gegenstück zu sicher sind, das Interesse und lassen den Kontakt einfach schleifen. Sein Gegenstück wiederum macht sich Gedanken, warum, weshalb und ist weit vom Wohlfühleffekt in dieser Konstellation entfernt. Das ist zwar unschön aber menschlich und auch das muss man akzeptieren und sich gleichzeitig dabei bewusst werden, was man von seinem Gegenüber erwartet und ob man mit diesem "Schwund" von Kontakt leben kann oder nicht. Ehrlichkeit ist hier das Stichwort. Nur so kann man auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

Ich für mich brauche Nähe, die aber nicht erdrückt. Weder auf der einen Seite noch auf der anderen. Ich würde mich nicht wohl fühlen, mit diesem Gedanken im Hinterkopf, er fühlt sich genötigt mir seine Nähe durch tägliche Nachrichten zu beweisen. Nähe zu spüren. Eingeforderte Nähe ist für mich ein erdrückendes Gefühl. Es muss von selbst kommen. Davon abgesehen, jeder hat in seinem Umfeld noch andere Dinge, die einen beschäftigen und die Aufmerksamkeit benötigen. Nicht zuletzt die Arbeit, sondern auch Familie, Freunde und Co. :)

Nun kommt es natürlich auch auf die jeweilige Konstellation an und was vorher miteinander vereinbart wurde. Ist es eine Affäre mit einer vergebenen Person mit Familie, dann ist der Kontakt nicht ganz so einfach wie mit jemanden der Single ist. Aber auch Singles haben noch anderes im Kopf. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass der dominante Part seine Sub vernachlässigt. Es kann immer mal etwas dazwischen kommen, kein Grund für Untergangsstimmung. Ich denke, wenn Sub sich ihr soziales Netz bewahrt und ihre/seine Welt nicht nur auf eine Person fixiert, fällt es auch leichter mit weniger Kontakt aus zukommen und umso mehr freut man sich über eine Nachricht oder Besuch und kann die Nähe in vollen Zügen genießen.

Wie gesagt, das zählt nur für mich. Viele brauchen mehr. Ich würde mich freuen, wenn jeder, der meint er braucht mehr, dies auch klar und deutlich kommuniziert, damit niemand ins Hintertreffen gerät. Wichtig ist wirklich, dass alle Beteiligten sich darüber im Klaren sind, was sie geben können und auch wollen, so ist die Enttäuschung im Rahmen , wenn es mal nicht gleich eine Nachricht von seinem Gegenüber gibt. Jedenfalls keine ausführliche. Es reicht doch auch einfach ehrlich zu sein und kurz zu schreiben: "Ich kann gerade nicht, später mehr". Oder ich rufe dich heute Abend an". Dann weiß das Gegenstück bescheid und muss sich keine Sorgen machen. Nach einem Treffen bitte ich auch beim Abschied darum, dass mein Date mir kurz mitteilt, dass es gut nach Hause gekommen ist und das Gleiche gestehe ich meinem Gegenüber zu.

Dieses Thema ist wie vorher erwähnt von zwei Seiten zu beleuchten und nicht nur von einer. ;) Danke für das Grübeln und fröhlichen Einstand. ;)

LG

Corina



Antwort auf diesen Kommentar

Hallo liebe Corina,

 

was ein schöner Kommentar, der sehr zum Nachdenken anregt. Danke hierfür!

 

Ja, da gehören definitiv zwei Seiten zu dieser Medaille. Allerdings ist es so, dass man selbst nur eine Seite wirklich beeinflussen kann. Daher hast du genau Recht meiner Meinung nach, dass man deutlich kommunizieren und erklären muss, was man benötigt.

Vermutlich trauen sich wirklich viele gerade zu Beginn nicht deutlich zu äußern was sie benötigen und haben dann später das Problem, dass Dom gar nicht wusste, was von ihm erwartet und gebraucht wird. Dann wird es für jeden schwer, etwas zu entsprechen, von dem man nicht wusste, dass es von einem erwartet wird.

 

Natürlich gibt es auch die, die anfangs sehr viel Kontakt auch ihrerseits suchen und das Interesse plötzlich verlieren... damit habe ich mich allerdings in Teil 2 befasst. Sonst würde mein verworrener Schreibstil nur mehr Verwirrung führen, wenn ich das auch noch mische :D

 

Schön, dass du die "eingeforderte Nähe" ansprichst. Das ist etwas, was vielen vielleicht gar nicht bewusst ist. Ich selbst würde nicht wollen, dass Dom sich meldet, nur weil ich es möchte, er aber eigentlich gar keine Lust darauf hat.

Vielleicht ist es aber vielen auch zu Beginn gar nicht bewusst welches Maß an Nähe sie benötigen, vielleicht entwickelt es sich mit der Zeit und der wachsenden Beziehung auch weiter... am Ende hilft aber auch da nur eins, Ehrlichkeit und Kommunikation, wie du sehr schön ansprichst.

Und Dom kann einem auch nur entgegen kommen, wenn man ihm mitteilt was Sache ist. Das hat auch nichts mit Sub/Dom zu tun.... denn jeder Mensch hat Bedürfnisse und Wünsche und die darf und sollte man auch als Sub äußern.

 

Vielen Dank für deine Sicht und diesen Einblick!

 

liebe Grüße vom Schreibtisch (an dem ich wohl noch bis heute Abend festsitze)

 

SchriftStück

Fremdspielerin schrieb am 06.09.2017


Schöner Artikel und auch etwas "erschreckend", wie sehr ich mich doch darin wiederfinde.. ich glaube Frauen sehen so etwas sowieso immer etwas emotionaler als Männer, weswegen dann solche Äußerungen zustande kommen :)
Aber der Artikel hat mich selber auch zum nachdenken angeregt! Danke dafür :)


Antwort auf diesen Kommentar

Danke für deinen Kommentar liebe Fremdspielerin.

 

Ja, ich glaube da hast du Recht, Frauen empfinden solche Dinge emotionaler. Oder aber Männer zeigen es einfach nur nicht so nach außen, wie wir.

Freut mich, wenn es zum Nachdenken angeregt hat.

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    SchriftStück
    Zitat Gentledom "eine Mädelskolumne"... ja vielleicht, aber macht euch doch selbst ein Bild. Schriftstück - frech, fröhlich, ehrlich und ziemlich direkt von der Leber geschrieben. Thematisch von Suballtag über Frauenpower, bis hin zu amüsanten Anekdoten.
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