Wenn die Affäre der letzte Ausweg zu sein scheint

Immer wieder stoße ich auf das Thema Affären, wenn es darum geht, dass Menschen ihre Neigung einfach nicht mehr unterdrücken können. Es staut sich meist über Jahre an. Wunsch, Sehnsucht und Abenteuer auf Neues vermischen sich und werden eine gefährliche Masse die nur darauf wartet irgendwann hervorzusprudeln. Man verdrängt eine für sich neue Welt, die im Alltag immer mal wieder aufblitzt, als würde sie darauf warten endlich entdeckt zu werden. Und während man manchmal in seinen Träumen versinkt, packt die Realität umso härter zu, zum Beispiel dann, wenn man feststellt, dass die Partnerin oder der Partner genau diese Welt eben nicht kennenlernen will.

Auch mit einem guten Bekannten von mir habe ich genau das Thema besprochen, denn als er an der Kreuzung stand, an der er sich für Treue, Kommunikation oder für die Neigung entscheiden musste, wählte er letzteres. Ohne seine Partnerin einzuweihen. Was für viele Menschen absolut nicht vollziehbar ist, ist zumindest für mich teilweise verständlich. Denn irgendwann im Laufe der Zeit möchte man seine Leidenschaft nicht mehr ansprechen, denn viel zu oft arten die Diskussionen aus, führen zu Streit oder eben Unverständnis. Wie also soll man den Kampf zwischen Neugier und altbewährtem gewinnen? Genau wie mein Bekannter wählen viele den Weg der Affäre. Es scheint einfach zu sein, denn den Diskussionen geht man so aus dem Weg, die Neigung ist auch befriedigt und man ist wesentlich entspannter Zuhause, weil eine Last weniger auf den Schultern liegt. Und es heißt nicht, auch wenn sich Meinungen hier spalten, dass man den Partner weniger liebt. Doch aus dieser Erleichterung kommen ganz oft ungeahnte Schuldgefühle hervor, vor allem dann, wenn der Partner nichts von dieser neuen Konstellation weiß. Für einen selber scheint das klar zu sein: „nur weil ich meine Neigung mit jemandem ausübe, heißt das noch lange nicht, dass ich in diese Person verliebt bin und weitere Gefühle diesbezüglich entwickeln werde.“ Klar kann dies passieren, aber das ist meist nicht die Intention. Doch genau diesen Gedanken wird der andere Partner nicht verstehen, denn eine Affäre ist (aus gutem Grund) ein Vertrauensbruch. Was also tun?

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es sehr schwer ist dieses Thema zum gefühlt 100mal anzusprechen. Doch ich weiß auch, dass sich eben diese Neigung nicht verdrängen lässt und man selber tief im Innern sehnlichst auf den Tag wartet, endlich durch diese Tür in die neue Welt schlüpfen zu können. Es gilt also nicht nur eine temporäre, sondern viel mehr eine zukunftsorientierte Lösung zu finden, die alle Beteiligten glücklich macht. Dafür muss natürlich genau herausgefunden werden, wie wichtig die Neigung ist und daraufhin kann dann ein Lösungsplan geschaffen werden, der den Partner involviert , oder eben nicht. Denn letztendlich – und das muss man sich immer wieder deutlich vor Augen führen, ist diese Neigung ein Teil von uns und macht uns ein Stück weit aus. Manche mehr und manche weniger - wie viel, muss jeder für sich entscheiden. 

Als ich meinen damaligen Partner kennengelernt habe war er gänzlich abgeschreckt von meiner Neigung. Es gab viele Abende, an denen wir geredet haben, viele Stunden, in denen wir uns deswegen angeschwiegen haben, aber letzten Endes haben wir es nach einigen Monaten einfach probiert und bis heute klappt es immer besser. Ja, ich hatte Glück.

Mein Bekannter hatte hierbei nicht allzu viel Glück, denn seine Affäre hat letzten Endes seine Beziehung beendet. Auch wenn er es bis heute nicht genau sagen kann, ist er dennoch der Meinung, dass wahrscheinlich vieles anders gekommen wäre, hätte er intensiver mit seiner Partnerin kommuniziert.

So oder so gibt es immer einen Weg. Es ist vermutlich nicht immer der angenehmste Weg, aber letzten Endes zumindest der Ehrlichste und vor allem der Fairste. 


Kommentare:


Mara schrieb am 23.04.2018


Ich stehe ebenfalls ganz am Anfang. Ich fange gerade an zu verstehen wonach ich mich sehne. Mein Partner wird mir hier niemals folgen. Er hat für sich mit dem Thema als solches abgeschlossen. Deshalb stellt sich die Frage der Moral für mich nicht. Ich nehme ihm nichts weg. Er hat kein Interesse mehr an Erotik, egal wie geartet. Deshalb gibt es keinen Grund für mich auf etwas zu verzichten das fürmich wichtig und ein Bedürfnis ist.


Antwort auf diesen Kommentar

Es tut mir sehr leid für dich, dass dein Partner dich in dieser Hinsicht nicht versteht. Ich kann dich auch sehr gut verstehen und hoffe sehr, dass du deine Erfahrungen machen wirst und den richtigen Weg findest. Wichtig ist, dass du hierbei in erster Linie an dich und dein Wohlbefinden denkst. :)

Luisa schrieb am 29.03.2018


Ja, Ehrlichkeit ist immer der richtige Weg... Was aber wenn man eben den Partner doch nicht dazu bekommt, auch nicht nach dem 100 Mal wo man ihn dazu versucht zu animieren? Ist es dann richtig ehrlich zu sein und die Beziehung zu beenden, wenn man sich sicher ist, es wird mit ihm eben nicht klappen, in einem brennt aber dieses Verlangen? Nicht jeder Partner lässt sich darauf ein oder gibt einen frei. Dann wäre es also besser die Beziehung zu beenden, selbst wenn man noch gar nicht wissen kann, ob BDSM (oder etwas anderes) eben das ist ohne das man nicht leben kann. Ich glaube einem Partner ist es lieber betrogen zu werden als, dass er verlassen wird aufgrund einer Lust bei der man selber nicht einschätzen kann, wie wichtig sie einem später sein wird. Im den Fällen wo alles versucht wurde bin ich für den Betrug, denn ohne ihn gibt es nur die Trennung und mit ihm gibt es die Option die Beziehung fortzuführen, entweder weil einem Verziehen wird oder weil man merkt, so wichtig ist es einem doch nicht und man kann dann für den Partner in Zukunft drauf verzichten.


Antwort auf diesen Kommentar

Ich verstehe Dich, das ist immer schwer. Zumal man diese Person ja auch ziemlich gerne hat. Findet man seine Neigung gerade erst raus, ist der Weg noch komplizierter, da hast zu völlig Recht. Deswegen muss jeder selber bestimmen, wie er damit umgeht.

Danke deshalb für Deine Worte! :)

 

Liebe Grüße

Mia

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