Ds und Sprachlosigkeit (Juni 2009)

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Der Verlust von Sprache in einer Session ist bei mir ein Zeichen für das Abtauchen in den „Subspace“. Diese Sprachlosigkeit ist kein Schweigen, das durch einen Befehl oder mechanischen Dinge wie Knebel erzeugt wird, sondern ein wirklicher Verlust der Ausdrucksfähigkeit. Sie ist ein Fallenlassen in die Submissivität und bringt sie auch gleichzeitig zum Ausdruck.

Sprachlosigkeit ist Kontrollverlust. Ein Kontrollverlust, der nur mit jemandem möglich ist, den ich als „meinen“ Herrn akzeptiert habe. Sprachlosigkeit zeigt, wie tief mich die Situation und vor allem mein Herr gefangen halten. Der Zustand ist schwer zu beschreiben, da sich hier viel sowohl auf der Gefühlsebene als auch auf der körperlichen Ebene abspielt.

 

Ich glaube, dieser Zustand ist ein Zustand tiefer Unterwerfung, da mit ihm neben der Sprachlosigkeit auch eine körperliche Gelähmtheit einhergeht. Bisher ist mir dies immer dann passiert, wenn ich mich sehr stark auf meinen Herrn, entweder auf seine Stimme oder seine Augen konzentriert habe. Außer der Stimme bzw. den Augen war für mich sonst nichts mehr existent.
Es waren immer sehr besondere Momente, sehr tiefe, verbindende Momente, die nicht vorausplanbar oder provozierbar sind. Diese Momente können positive oder auch negative Anlässe haben, ein langsames Hineingleiten oder ein plötzliches Hineinfallen, vieles scheint da möglich.

 

In diesen Momenten gebe ich die Kontrolle über meinen Körper ab. Das ist kein bewusster Akt, sondern es passiert einfach. Ich glaube auch nicht, dass mein Herr dies steuern kann. Es muss einfach alles stimmen. Meine Stimme versagt, ich kann nicht mehr sprechen, maximal ein mühsames Wimmern oder Krächzen. Mein ganzer Körper ist gelähmt und in einer Art Starre, die ich nur mit sehr großer Willensanstrengung durchbrechen könnte.

 

Ich brauche dann keine Fesseln, keine Knebel. Durch seine Stimme bzw. seinen Blick bin ich unfähig auch nur ein Wort zu sagen, einen kleinen Finger zu rühren. Völlige körperliche Starre, auch wenn mein Kopf, mein Geist völlig funktioniert und tausend Gedanken kreisen. Ich kann klar denken, kann in Gedanken auch klare Antworten formulieren, bin aber in mir selbst gefangen.

 

Ich bin in einem Sog, der mich nach unten reißt. Wie ein Strudel, der mich erfasst. Ich falle, falle immer tiefer. Nur die Stimme oder der Blick hält mich. Ich kann diesen Sog zulassen, weil die Stimme/ der Blick mich hält. Im Kopf rotiert es dann oft. Der Gedanke „Hol mich hier raus“ ist da.
Es ist zwiespältig. Beängstigend, diesen Kontrolleverlust so zu spüren. Sozusagen am eigenen Leib zu erfahren, gerade weil keine Fesseln Ursache sind, sondern der eigene Körper die Funktion versagt. Das vollkommene Spüren, dass ich nicht mehr kontrolliere.

 

Komischerweise geht es gar nicht darum, dass er mich in diesen Momenten kontrolliert, sondern eher dass er da ist. Dass ich weiß, ich kann mich in diesem Zustand nicht verlieren. Er hat die Macht mich da rauszuholen. Er ist der Anlass dieser Situation, er ermöglicht diese Situation, er ist Halt in dieser Situation.
Der einzige Strohhalm, der mir bleibt und der mich davor bewahrt, in mir selbst zu versinken. Er führt mich in die Tiefen meines Selbst, hilft mir diese auszuhalten. Ich genieße diesen Zustand wie keinen anderen. Er ist ein Moment tiefster Demut, tiefster Hingabe, tiefster Unterwerfung und kann zu einem Moment tiefster innerer Ruhe führen.

 

Dieser Weg ist ein Weg nach unten. Dieser Weg nach unten ist der Weg zu mir selbst, zu meinem innersten Kern, den ich in diesem Zustand berühren kann ohne mich zu verlieren. Denn ein Band hält mich. Das Band zu meinem Herrn, die Stimme, die mich jederzeit erreicht, der Blick, der bis in die Tiefe meiner Seele geht. Sie bilden dieses Band, das mich aufrecht hält und mir ermöglicht, tief zu fallen ohne hart zu landen. Vielleicht eine Art seelischen Bungeejumpings ;-). Ich werde auf mich selbst zurückgeworfen.

 

Sprache wiederfinden heißt, aus der Versenkung hervorkommen, wieder die Kontrolle über mich und über meinen Körper erhalten. Wenn ich in diesem Zustand eine Frage beantworten muss, muss ich mich wahnsinnig konzentrieren, ist dies eine riesige Kraftanstrengung, die mir nicht immer gelingt. Diese Kraftanstrengung reißt mich auf meinem Weg zu mir selbst in jedem Fall raus. Sobald ich meine Sprache und meine Beweglichkeit wieder gefunden habe, kann ich mir wieder selbst Halt geben und bin nicht mehr auf die Stimme/ den Blick des Herrn angewiesen.


Kommentare:


rubbi64 schrieb am 27.12.2015


Danke!
Ich habe erst seit 4 Monaten meine erste SM-Beziehung. "Geflogen" bin ich noch nie, aber das, was Du hier beschreibst hatte ich schon oft. Es tut gut zu wissen, dass es auch anderen so ergeht. Danke.


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    FREKKJA
    Kurz zu den Fakten: Ich bin 1973 geboren und habe Anfang 2006 angefangen „mein“ BDSM zu leben. In meinem Blog möchte ich euch ein wenig an meinen Gedanken zum Thema BDSM teilhaben lassen.
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