Ich bin jung, ich bin schlank, ich bin solo und Sub. Egal wo ich mich anmelde, mein Postfach quillt über. Geht es um eine Spielbeziehung, bin ich sowohl offen für meine eigene Altersklasse als auch deutlich ältere Männer. Es gibt aber einen Unterschied zu meiner eigenen Altersklasse: Kommen in jener 20% der Leute, die mich anschreiben, als Partner potenziell in Frage, sind es bei den Männern im Alter meines Vaters vielleicht 2%. Dabei geht es mir nicht einmal um das Äußere. Ich finde gepflegte Männer in allen Altersklassen attraktiv. Aber ein Mann muss mir inhaltlich etwas bieten können, und damit meine ich weder Geld noch Status.
Was mir immer wieder auffällt, viele Männer, gerade im BDSM Bereich, hinterfragen sich selbst und ihre Rolle in Beziehungen erstaunlich selten, vor allem im Hinblick auf die biologische und emotionale Natur von uns Frauen. Der weit verbreitete Glaube, es reiche einfach ein dominanter Mann zu sein und die frühere Wirkung auf Frauen bliebe ewig erhalten, entspricht eben nicht der Realität.
Natürlich sind in unserer Szene öfters junge Frauen unterwegs, die sich selbst noch gar nicht gefunden haben. Viele folgen dabei anerzogenen Verhaltensmustern oder dem Glauben, dem Mann etwas geben zu müssen, um Liebe oder Respekt zu erhalten. Manche verarbeiten unbewusst traumatische Erfahrungen. Bei solchen Frauen haben ältere Männer dann doch teilweise Erfolg und das bestärkt sie in dem Glauben, sich nicht hinterfragen zu müssen. Damit verpassen sie aber die Chance zu lernen und zu wachsen. Das ungleiche Alter ist in diesen Fällen nicht das Problem, problematisch wird es erst, wenn emotionale Unerfahrenheit oder destruktive und erkennbare Muster ausgenutzt oder gar noch aktiv durch den Dom verstärkt werden.
Ein Mann, der verheiratet ist und mit seiner Frau zusammenwohnt, vielleicht noch Kinder hat? Selbst das ist für mich kein Ausschlusskriterium, wenn die Frau ihre Zustimmung gegeben hat und für mich ausreichend und immer Zeit vorhanden wäre. Aber an dem Punkt scheitern die älteren Männer regelmäßig doppelt. Kommunikation ist nicht immer möglich, weil die Frau davon nichts weiß und Kinder und Job auch noch Zeit beanspruchen. Warum sollte ich, die eben genug Auswahl hat, so jemanden überhaupt in Betracht ziehen? Wäre die Frau selbst vielleicht BDSM-Praktizierende und auch offen für einen Austausch, dann wäre so etwas sogar super spannend!
Jene älteren Männer, die ihre Rolle kritisch hinterfragen können, was leider viel zu selten der Fall ist, bringen durchaus ihre Stärken mit. Ein älterer Dom bringt in der Regel eine große Portion Lebenserfahrung und BDSM-Know-how mit, was sich für mich als Sub in mehrfacher Hinsicht positiv auswirken kann. Solche Doms sind oft sehr souverän in ihrem Auftreten, führen mit innerer Ruhe und besitzen ein tiefes Verständnis für psychologische und körperliche Dynamiken im Spiel. Das kann ein echter Jackpot sein! Diese Selbstsicherheit wirkt auf mich nicht nur anziehend, sondern schafft auch Vertrauen, besonders wichtig, wenn es darum geht, in den Subspace zu gelangen. Ältere, reflektierte Doms sind häufig geduldiger und empathischer, können auf meine Unsicherheiten gelassen reagieren und ihnen ohne Druck begegnen. Auch die Rolle eines Mentors kann in diesem Kontext ebenso erregend wie vertrauensstärkend sein.
Ich finde es schade, dass sich dominante Männer so selten kritisch hinterfragen, liegt hier doch ein riesiges Potenzial für ihre eigene Entwicklung aber auch für die Dom-Sub Ebene.
Ein jüngerer Dom bietet mir in der Regel mehr Spontanität (hat ja auch meist mehr Freizeit) und könnte eben auch jemand sein, mit dem ich sesshaft werde. Gerade in Phasen, in denen ich mehr als nur einen Spielpartner will, sind sie naturgemäß die näherliegende Wahl für mich. Auch als ich selbst mit den Machtdynamiken experimentiert habe, waren junge Männer deutlich eher bereit zu switchen oder neue Rollenmodelle (Little) zu testen. Seit ich meine Rolle gefunden habe, ist mir der Punkt nicht mehr wirklich wichtig; Offenheit und Flexibilität außerhalb von BDSM schätze ich weiterhin sehr. Die oft noch spielerische Dominanz junger Doms, gepaart mit Spontanität, kann eine sehr lebendige und dynamische Erfahrung schaffen, die sich deutlich von klassischen oder starren Dom-Sub-Konzepten abhebt.
Jugend ist kein Garant für Offenheit und Alter ist kein Garant für Qualität, aber beides ist eben auch kein Hindernis für das jeweils andere.
Gottfried schrieb am 01.08.2025
Nachtrag zu meinem Beitrag vom 10.7.2025
Der Vorwurf, dass es an Selbstreflexion mangelt, hört und liest man öfter. Dabei trifft dieser Vorwurf doch sowohl ältere als auch jüngere Männer (Doms). Doch ich glaube nicht, dass dies ein wirklicher Grund dafür ist, dass man (Mann) auf wenig Interesse stößt. Ich kenne aufgrund meiner Reflexion meine Nachteile ganz genau. Ich bin den meisten Subs zu alt (73) , zu klein (171), wohne zu weit weg, sodass man sich nicht mal spontan zum Kaffee treffen kann, ich mag kein Blut, kein NS, kein Kaviar, keine Frau die raucht oder viel trinkt, kein eheähnliches Zusammenleben, keine andere Spielpartner neben mir, kein Verleihen und kein Gangbang und ich kann nicht tanzen. Auch wenn ich mich nun endlos reflektiere werde ich diese Dinge nicht ändern wollen oder können. Mir ist schon klar, dass diese Kriterien dazu führen, dass ich bei den ohnehin wenigen Subs für fast gar keine mehr in Frage komme. Doch damit muss ich leben und weiterhin hoffen, dass auch ein "blindes Huhn mal ein Korn findet".
Stilvoller Lehrling schrieb am 23.07.2025
"Ein Mann, der verheiratet ist und mit seiner Frau zusammenwohnt, vielleicht noch Kinder hat? Selbst das ist für mich kein Ausschlusskriterium, wenn die Frau ihre Zustimmung gegeben hat und für mich ausreichend und immer Zeit vorhanden wäre. Aber an dem Punkt scheitern die älteren Männer regelmäßig doppelt. Kommunikation ist nicht immer möglich, weil die Frau davon nichts weiß und Kinder und Job auch noch Zeit beanspruchen."
Das sehe ich anders. Leider verstehen einige Ehefrauen nicht, was einem devoten Mann antreibt. Ich habe es mehrfach versucht meine devoten Gefühle zu erklären und wurde immer abgewiesen. Meine devote Neigung versteht meine Ehefrau nicht.
Daher finde ich diese Aussage hier im Blog nicht ganz in Ordnung. Es gibt Ausnahmen. Für mich ist es nicht möglich mit Offenheit und Kommunikation etwas zu erreichen. Ich finde es unfair, dass ich von dominanten Frauen ausgeschlossen werden, nur weil meine Ehefrau nicht offen kommunizieren möchte. Ich habe es versucht und es hat nicht geklappt.
Auch dann kann man ehrlich zur Ehefrau sein.
Gottfried schrieb am 17.07.2025
In diesem Blog geht es vorwiegend um Jüngere Subs und ältere Doms. Doch es gibt auch jüngere Doms und ältere Subs. In den Kommentaren werden die Schwierigkeiten in diesen Konstellationen heraus gestellt. Doch ich frage mich, was daran so ungewöhnlich sein soll. Hat das etwas mit der Neigung zu tun? Wie oft kommen denn in Vanilla-Beziehungen große Altersunterschied vor, doch auch nur recht recht selten. Ich glaube, das hat etwas mit der im Alter nachlassenden erotischen Anziehungskraft zu tun. Dies betrifft sowohl Männer als auch Frauen. Auch hier bei GD kommen auf 10 suchende Doms eine suchende Sub. Warum sollte sich dann eine jüngere Sub mit einem Dom abgeben, dessen Körper schon Abnutzungserscheinungen zeigt, wenn doch gleichzeitig die jungen Doms Schlange stehen.
Natürlich kann auch ein älterer Dom einer jungen Sub noch sehr viel bieten, nur Eines nicht, eine langwährende gemeinsame Zukunft. Fast alle Subs träumen doch von einem Dom mit dem sie "alt werden können". Dabei blenden sie aus, dass dies, wie die Statistik zeigt, nicht oft vor kommt. Nicht nur, weil die Männer früher sterben, sondern auch weil die Wechselbereitschaft der BDSMler relativ groß ist. Man sucht etwas für die Ewigkeit und dann ist es nach ein paar Jahren doch vorbei.
Dann kommt immer wieder die Frage auf, ob die Doms sich ausreichend reflektieren. Als ehemaliger Marktingspezialist weiß ich ganz genau, dass der Wurm dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler. Ich stelle mich ständig vor den Spiegel und frage mich, wie muss ein Dom sein, damit die Subs ihn mögen. Doch diese Anpassungsbereitschaft hat auch ihre Schattenseiten. Man muss als Dom dabei ständig aufpassen bei den Damen nicht den Respekt und die Dominanz zu verlieren. Ein Dom soll den Spagat schaffen sublike und zugleich durchsetzungsfähig zu sein. Natürlich gibt es auch arrogante und selbstherrliche Doms, doch diese gibt es in jedem Alter und nicht wenige davon finden sogar eine Sub.
Ich bin Ü70 (aber kein Opatyp) und seit zwei Jahren vergeblich auf der Suche nach einer Sub. Dabei habe ich gar nicht den Anspruch eine deutlich jüngere Sub zu finden. Ich werbe sogar um gleichaltrige Damen, auch wenn es davon nicht mehr so viele hier gibt. Doch ich muss erkennen, dass die Damen auch dem Jugendwahn unterliegen. Mehrfach habe ich das Rennen gegen einen deutlich jüngeren Dom verloren. Es gibt erstaunlich viele jüngere Doms die Damen bevorzugen, die ihre Mutter sein könnten. Ich glaube man nennt dies Ödipuskomplex. Meine letzte Kontakt-Dame hat sich nach einem intensiven Kennenlernen dann doch für einen Dom entschieden der 18 Jahre jünger war als sie. Ich habe sie gefragt, was der besser macht oder kann als ich. Sie sagte:" gar nichts, Du bist besser als der, doch seine Jugend fasziniert mich!"
Ich habe fertig !!!!
Submissive99 schrieb am 15.07.2025
Toller Beitrag, er sollte in der Com an all jene verschickt werden, die nach jungen Frauen suchen!
Luisa schrieb am 13.07.2025
Ich kann mich dem nur anschließen, es stimmt mit meiner bisherigen Erfahrung überein. Jedoch gibt es überhaupt viele Möglichkeiten der Reflexion und glaubst du wirklich ein betroffener Leser wird sich durch den Text ändern und nicht nur angegriffen fühlen?
Andreas schrieb am 13.07.2025
Früher hatte man noch Respekt vor den erfahrenen Herren in der Szene, den jüngsten Generationen scheint das irgendwie abhanden gekommen zu sein. Wenn die alten Doms Erfahrungen und Werte nicht an die jüngste Generation weitergeben kann, wird das kein gutes Ende nehmen.
Harald schrieb am 13.07.2025
Hi,
du verlangst viel... bist Du dir dessen bewusst?
>Wäre die Frau selbst vielleicht BDSM-Praktizierende
Dann gäbe es most likeley kein Interesse an Dir.
>ausreichend und immer Zeit vorhanden wäre.
Wer viele Dinge um sich hat, muss mit seiner Zeit haushalten.
Ausreichend ist dabei vielleicht noch erzeugbar ... hängt auch ab davon was Du erwartest,
aber "immer" bekommst Du auch bei einem gleichalterigen Solo Partner nicht.
>Kommunikation ist nicht immer möglich
Das hat auch mit Diskretion zu tun. In beide Richtungen.
Ausreichend Vertrauen einen Kontakt zu einem anderen "Partner" egal ob verheiratet oder Polykül aufzubauen
kostet erheblich Zeit und beidseitige Offenheit. Erwarte das nicht von Anfang an. Wenn es gut läuft kommt es irgendwann dazu.
>dass sich dominante Männer so selten kritisch hinterfragen,
Es ist doch klar, das ich der tollste, beste und schönste bin... woher soll ich daran zweifeln wenn ich kein Feedback bekomme?
Natürlich sollte man kritikfähig und veränderungsfähig sein, aber ohne Feedback/Spiegel etc. funktioniert das nicht.
Jede Beziehung besteht aus Feedback und Anpassung ... egal ob es darum geht, wer staubsaugt und wer den Müll runter bringt oder ob es um das Schlafzimmer geht.
Ich verstehe zwar was Du meinst... aber verlangst
Du nicht übermenschliches und vergisst Deinen Anteil?
Gruß
Harald
ps. trotzdem Danke für Deinen Beitrag, auch wenn ich mich kritisch äußere.
Sven schrieb am 11.07.2025
"Ein Mann, der verheiratet ist und mit seiner Frau zusammenwohnt, vielleicht noch Kinder hat? Selbst das ist für mich kein Ausschlusskriterium, wenn die Frau ihre Zustimmung gegeben hat und für mich ausreichend und immer Zeit vorhanden wäre. Aber an dem Punkt scheitern die älteren Männer regelmäßig doppelt. Kommunikation ist nicht immer möglich, weil die Frau davon nichts weiß und Kinder und Job auch noch Zeit beanspruchen."
Dieses gebe ich gerne 1:1 an die Frauenwelt der Autorin zurück, ist bei den Frauen nicht anders, egal welchen Alters.
Auch halte ich das ganze für nicht wirklich Hilfreich. Es gibt nur die Aussage nach dem Hinterfragen der eigenen Handlungen, vielleicht noch des Auftretens. Und ganz ehrlich, dies sollten einige jüngere, mittlere oder ältere... Damen hier auch mal tun. Abgesehen davon fehlen mir dabei der konkrete Anlass dessen - was hinterfragt werden sollte. So ist es einfach nur eine blutleere Behauptung in die Richtung einer bestimmten Personengruppe.
Ich denke das mit den "älteren Männern" ist ähnlich zu bewerten wie das mit den "größeren Männern" wie viele Frauen können es sich nicht vorstellen mit einem kleineren Mann verbunden zu sein.... egal wie oft dieser sich hinterfragen würde. *schmunzel
Sehn_sucht schrieb am 11.07.2025
Danke, danke, danke!!!!
Könnte ich noch um einiges ergänzen, und würde mir sehr wünschen, dass die "naturdominanten" Männer, die gerne "unerfahrerne, deutlich jüngere Frauen an die Hand nehmen" möchten und für die "Spiel und Neigung" ein Widerspruch ist, diesen Text lesen.
BratyOne schrieb am 10.07.2025
Toll geschrieben und so viel Wahrheit steckt da drin! Du solltest hier öfters bloggen!
GreenBlueEyes schrieb am 10.07.2025
Sehr schön geschrieben und ziemlich auf den Punkt gebracht.
Obwohl mir jetzt tatsächlich noch kein jüngerer irgendwie passend erschien, irgendwann kam immer der Punkt, wo ich dachte, hach, ich kann mir nicht vorstellen, dass er mich dominieren kann. Ich kann auch keinen expliziten Grund sagen, es ist eher so ein innerliche Abwehrreaktion, die ich nicht erklären kann, aber von der ich mich auch nicht lösen kann…
Harmonier schrieb am 10.07.2025
Als selbstreflektierter Mensch finde das es weniger mit dem alter zu tun hat, mehr mit den Menschen an sich. Den auch jünger war ich so.
Auch auf der anderen Seite sieht es meist eher schlecht aus - und so ist eher selten das man(n) auf einen anderen Menschen inzwischen trifft der wirklich selbstreflektiert ist – zu groß sind die wünsche und Anforderung an das gegenüber ohne etwas überhaupt bieten zu können. Woran das liegt, wohl an der Zeit, wo Frauen im Netz häufig umschwärmt werden von Horden, das eine solche Anspruchshaltung entsteht, aber das ist wohl ein anderes Thema
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