Devote Männer und Feminismus am Beispiel Damenwäscheträger

Ich sage es direkt! Ich liebe es, wenn Männer aus ihrer Rolle fallen! Nichts ist spannender, als die selbsternannte „starke Männlichkeit“ ins Wanken zu bringen, sei es mit Spitzenhöschen und Strapsen oder durch Erniedrigung mit dem was sonst noch in unserer Gesellschaft als „weiblich/unmännlich“ gilt. Um mich hier nicht zu verzetteln, will ich bei den Damenwäscheträgern bleiben, jenen Männern also, die heimlich (oder offen) BHs, Strümpfe oder Mieder tragen.

Doch während ich einem Mann gern zuschaue, wie er sich in Nylon windet und viele von ihnen behaupten totale Feministen zu sein, sehe ich auch den Widerspruch. Viele dieser Männer haben mit Feminismus ungefähr so viel am Hut wie ein Bierbauch mit Haute Couture. Warum?

Wenn Männer Damenwäsche tragen, geht es selten um ein tiefes Verständnis von Weiblichkeit. Es geht um Lust, um Selbstinszenierung, um das Kitzeln der verbotenen Rolle. Weiblichkeit wird in diesen Momenten auf Dessous, Make-up und erotische Projektionen reduziert. Eine Frau ist dann keine Kollegin, Denkerin oder Aktivistin, sie ist ein Symbol für Lust und Fantasie. Kurz wir Frauen werden erneut sexualisiert um männliche Lust zu erfüllen.

Feminismus dagegen kämpft genau gegen diese Reduktion und dafür, dass Frauen nicht nur über ihr Aussehen oder ihre Sexualität definiert werden.

Der Damenwäscheträger blickt häufig mit dem Gedanken in den Spiegel: „Wie sexy sehe ich in diesem Slip aus?“, eine berechtigte Frage. Doch dabei dreht sich alles um sein Gefühl, seine Erregung, seine Freiheit. Frauen, die tagtäglich mit Sexismus, Diskriminierung und Doppelstandards kämpfen, kommen darin selten vor.

Feminismus aber ist kein Spiegel, sondern ein Fenster. Er öffnet den Blick für Strukturen, die Frauen benachteiligen, und verlangt Solidarität statt Ego-Trip. Einerseits durchbrechen Damenwäscheträger die starren Grenzen von „echter Männlichkeit“. Das ist subversiv, aufregend, ja sogar befreiend.

Andererseits bleibt vieles beim Altbekannten. Weiblichkeit = Strümpfe, High Heels, Unterwürfigkeit. Damit werden die gleichen Stereotype bedient, gegen die Feminismus seit Jahrzehnten ankämpft. Aber, das eine schließt das andere nicht aus und das sollte jedem klar werden.

Devote Männer können beides sein, Männer die Lust an der devoten weiblichen und klischeebehafteten Rolle empfinden und Feministen. Das aber verlangt oft ein deutliches Umdenken.

  1. Reflektiert eure Fantasie: Seht Frauen nicht nur als Projektionsfläche für euren Fetisch, sondern als eigenständige Menschen mit Wünschen und Kämpfen.
  2. Hört Frauen zu: Statt nur in euren Spiegel zu schauen, lest feministische Stimmen, sprecht mit Frauen über ihre Erfahrungen, nehmt Kritik ernst.
  3. Nutzt eure Rolle als Brückenbauer: Wer selbst Geschlechternormen sprengt, versteht vielleicht besser, wie eng Korsette – auch gesellschaftliche – geschnürt sein können.
  4. Unterstützt sichtbar: Ob im Alltag, im Job oder politisch – macht klar, dass ihr Gleichberechtigung wollt. Feminismus ist nicht „gegen Männer“, sondern gegen Ungerechtigkeit.

Wenn du meinen Slip trägst, heißt das nicht automatisch, dass du mich verstanden hast. Weiblichkeit ist mehr als Spitze und Satin. Wenn du den Mut hast, Geschlechtergrenzen für dich selbst aufzuweichen, dann hast du sicher auch die Kraft, Frauen im echten Leben zu unterstützen. Und glaub mir, ein Mann in Strapsen, der gleichzeitig für Gleichberechtigung kämpft, ist zehnmal reizvoller als einer, der nur ins Höschen schlüpft und glaubt, das sei schon Rebellion.

Mistress Abby


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