Lachen während der Session

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Selbst dem geübten BDSMler widerfährt ab und an ein Missgeschick und ich kann es ohne Umschweife zugeben, auch ich hatte diesbezüglich schon meine Sternstunden. Das reicht vom versehentlichen Schlag auf die eigenen Juwelen bis hin zu einem „erzwungenen“ Blowjob, nachdem ich Subi erst zwanzig Minuten vorher ein starkes Hustenbonbon gab. Ebenso kann Sub eine Sternstunde erleben und etwas sehr Amüsantes passieren. Die interessante Fragestellung ist, wie man mit einer solchen Situation am besten umgeht.

Ich denke, gerade viele Doms machen sich hier unnötig das Leben schwer, nur weil sie (einem) dem typischen Bild einer dominanten Person entsprechen wollen und dies besagt: Wir sind immer Herr der Situation, haben alles und jeden unter Kontrolle und sind ernsthaft und souverän. Daher gilt es immer, das Gesicht und das dominante Gebaren zu wahren, koste es was es wolle. Lachen ist daher uns allein vorbehalten und auch selbstverständlich nur als demütigende Abwertung der/des Sub(s): „Hahaha, du nichtsnutzige(r) Sklave(in), dir werde ich schon zeigen, wie du hier zu kriechen hast“, gleichzeitig super böse schauend und mit dem Rohrstock wild in der Luft herumfuchtelnd. Wie soll Sub aber jemanden ernst nehmen, der lächelt, wenn er spielt, womöglich sogar über die eigenen Fehler lacht und dies selbst einer Sklavin erlaubt?

Meiner Ansicht nach ist BDSM etwas Schönes, das allen Beteiligten Spaß bereiten soll und gemeinsames Lachen ist ein wunderbarer Ausdruck von Lebensfreude, darauf wegen BDSM verzichten, wäre doch dumm oder?
Lachen ist gesund, menschlich und natürlich, unterdrücke ich also eine solche Regung, scheine ich Angst vor der Situation zu haben und gelingt es mir nicht, die Fassade vollkommen aufrecht zu halten, so wirkt das alles andere als souverän.
Weder Sub noch Dom sind Maschinen, daher ist es oft souveräner, auch im Spiel solche Gefühle zuzulassen. Wenn Dom also die Situation dadurch bereinigen will, dass er besonders ernst ist oder gar zu einer Strafe greift, um das ungebührliche Verhalten zu sanktionieren, was sagt dies dann über ihn aus?

Viele BDSMler (gerade die dominanten unter uns) scheinen sich und ihre Sexualität so ernst zu nehmen, dass sie zu vergessen scheinen, dass BDSM für die meisten primär eine sexuelle Spielart und keine 24/7 Lebenseinstellung ist, daher schaffen sie es auch nicht, sie als solche zu behandeln. Jede Form der Sexualität hat in erster Linie den Zweck, einen Lustgewinn hervorzurufen und soll daher den eigenen Gelüsten doch entgegenkommen und sie nicht weiter geißeln. Ups, das böse Wort Sex - ja, ich weiß: Richtige BDSMler ficken nicht

Vielleicht ist das auch ein Grund, warum wir BDSMler vom Rest der Bevölkerung nicht ganz verstanden werden. Für die meisten Menschen ist Sexualität eben Spaß und keine todernste Sache und vielleicht wäre das Bild zweier normaler Menschen die zusammen lachen, ficken, Nähe geben und nehmen und sich dabei auch noch den Po versohlen oder gar erniedrigen, ein besseres, auf jeden Fall ein passenderes als diese immer grimmige, peitschenschwingende Lackdomina oder den böse dreinblickenden lederwestentragenden Bierbauch Dom.

Lachen bewirkt eine Bindung und Sympathie zwischen den Lachenden, stärkt die Vertrautheit und angeblich die Kreativität wie auch das Selbstvertrauen. Für mich alles Punkte, die eine BDSM Beziehung verstärken und bereichern. Das Lachen schwächt die Beziehung wohl nur, wenn es dilettantisch durch den dominanten Part unterdrückt wird, denn nur das wirkt in meinen Augen wirklich nicht souverän.

"Take it easy" soll einfach dafür stehen, Spaß zu haben und zu genießen oder wörtlich: Es auch mal leicht zu nehmen. Leicht nehmen heißt aber eben nicht, alles auf die leichte Schulter zu nehmen und bedeutet schon gar nicht, verantwortungslos zu handeln.
Take it easy bedeutet: Habt Spaß, vergnügt euch und genießt den Augenblick!

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