El-Don

Summer: Stell Dich bitte kurz vor:

El-Don: Ich bin ein Mann, Ende 50, der mit Humor und Freude das Leben nimmt, viel erlebt hat und erfahren hat, aber noch viel erleben und erfahren will, mit Geduld, Kreativität und Phantasie so manche Aufgabe meistert und noch lange kein „Silberrücken“ ist.

Summer: Wie hast Du Deine Neigung entdeckt?

El-Don: Angesprochen hat mich ein Artikel über das Thema SM in der Zeitschrift „twen“, mit 17. Kurz darauf habe ich die „Geschichte der O“ praktisch verschlungen, und da ist der Groschen gefallen, da ist mir meine Neigung bewusst geworden. Die ersten realen Erfahrungen kamen aber erst viel später, so mit Anfang 30. Zweifel kamen mir an meiner Neigung nicht, ich erlebe auch im Alltag die Fähigkeit, andere zu führen und zu motivieren. Das hat sich im sexuellen Bereich fortgesetzt. Am Anfang mehr zufällig, im Laufe der Zeit dann intensiver und bewusster, ohne die Freude an „Vanilla-Sex“ zu verlieren.

Summer: Wie bist Du damals ausgerechnet auf die „Geschichte der O“ gekommen?

El-Don: Wenn ich mich recht erinnere, wurde das Buch in dem Artikel der „twen“ erwähnt. Also begab ich mich auf die Suche. Ich habe es dann zufälligerweise in einer kleinen Buchhandlung gefunden. Ich meine, es war da schon auf dem Index. Aber ich habe es bekommen. Den zweiten Band „Rückkehr nach Roissy“ habe ich Jahre später in einem Erotikshop entdeckt. Interessant, ich habe wohl bewusst nach dem Buch gesucht.

Summer: Wie war Dein Einstieg in die Welt des BDSM?

El-Don: Es fing mit Handschellen an, diesen Dingern, die zu der Ausstattung eines Karnevalskostüms gehörten. Nicht wirklich belastbar, aber als erster Versuch ganz nett. Meine Partnerin hatte sie entdeckt und damit gespielt. Dann kam die Hand dazu, irgendwann die erste Peitsche aus Wildlederresten. Es war noch mehr Spiel. Anregend für beide Seiten, aber nur gelegentlich und sicher weitab von jeder Art einer Session. Internet als Informationsquelle gab es damals noch nicht.

Summer: Wie hat sich Dein BDSM im Laufe der Zeit entwickelt bzw. verändert?

El-Don: Aus dem Experimentieren und der Spielerei wurde mit der Zeit eine Entwicklung zur Session. Erst kamen mehr Spielzeuge hinzu, Klammern von Topflappen-Aufhängern, kleine Ketten aus dem Baumarkt. Die Partnerinnen wechselten, manche hatten mit BDSM nichts am Hut, lehnten es ab. Also schlief es wieder etwas ein. Ganz das Interesse verloren habe ich nie. Mit Mitte 40 hatte ich dann eine Partnerin, der BDSM auch gefiel. Zusammen haben wir dann sehr viel ausprobiert, neue Spielzeuge gekauft. Inzwischen gab es ja auch Internet, um sich Anregungen zu holen. Mit meiner letzten Partnerin wurde es dann ausgiebiger, wir spielten häufiger und länger privat, besuchten SM-Parties in einem SM-Keller, der ganz in unserer Nähe war. Lernten Gleichgesinnte kennen, veranstalteten selbst diese Parties, indem wir die Räumlichkeiten mieteten. BDSM wurde ein wichtiger Bestandteil unserer Partnerschaft.

Summer: Wie hast du deiner Partnerin deine Neigung offenbart und wie hat sie es aufgenommen? Wie habt ihr eure ersten Erfahrungen mit BDSM gemacht?

El-Don: Bei meiner ersten Partnerin habe ich ihr das offenbart, sie hat versucht, mitzuspielen. Es war aber nicht so ihre Richtung. Auch vorsichtiges Ausprobieren half nicht. Die nächste Partnerin hatte schon Erfahrung, wenn auch mehr auf der dominanten Seite. Wir hatten uns über eine SM-Website kennengelernt. Gemeinsam stellten wir dann fest, dass devot viel mehr ihrer Empfindung entsprach. Wir haben dann unsere Erfahrungen gemeinsam auf- und ausgebaut. Gegenseitiges Vertrauen, Liebe und eine Beziehung, die nicht nur BDSM beinhaltete, half dabei sehr. Ich glaube, das macht eine schöne, tolle und intensive Beziehung aus.

Summer: Oft liest man von Abstürzen, eine ähnliche Situation schon mal erlebt?

El-Don: Wir hatten schon viel davon gehört und gelesen. Erlebt haben wir es nie, vielleicht auch deshalb, weil wir sehr auf safe, sane and consensual geachtet haben, also auf sicher, vernünftig und einvernehmlich. Abstürze haben wir erlebt bei SM-Partys, also in Situationen, in denen viele Rahmenbedingungen ganz anders sind als in den eigenen vier Wänden. Da spielt auch eine Rolle, dass einige meinen, besonders toll sein zu müssen, sich besonders anstrengen, sie verlieren die notwendige Aufmerksamkeit, und dann passiert es. Gut war, dass Anwesende in der Situation geholfen haben und sich um Sub und Dom gekümmert haben. Wenn das nicht geschieht, ich will gar nicht daran denken, wie so was ausgehen kann.

Summer: Wie habt ihr euch abgesichert? Hattet ihr ein Safeword, Ampelcode o. ä.?

El-Don: Wir hatten kein Safeword, keinen Ampelcode. Wir haben uns viel Zeit genommen, sind sehr bedacht die Dinge angegangen. Versucht, beobachtet, gesprochen, Grenzen ausgelotet. Und dann kam es wie von selbst, das Fliegen, dieser Höhenrausch, dieser Übergang von Schmerz zu Lust. Als „Treibender“ muss man das erkennen und richtig handeln, rechtzeitig aufhören und auffangen. Viel Fingerspitzengefühl, viel Gefühl, viel Nähe, viel Vertrauen, wichtige Grundlagen. Safeword und Ampelcode sind aber sehr wichtig, besonders in der Anfangsphase und auch, wenn man sich noch nicht so gut kennt.

Summer: Wie bringt man in einer Partnerschaft BDSM und Kinder unter einen Hut?

El-Don: Am Anfang hatten wir Glück, wir hatten ein Au-Pair und dadurch freie, unbeobachtete Zeit. Wir haben das Au-Pair eingeweiht, das half sehr. Später mussten wir das Kind bei den Großeltern übers Wochenende „parken“, oder wir nahmen uns einen Babysitter, wenn wir in den nahegelegenen SM-Keller gingen. Die Planung nimmt leider die Spontanität. Gut, dass Kinder doch sehr tief schlafen, da sind „leichte“ Spiele noch möglich. Aber das Risiko des plötzlichen Endes besteht, wenn Geschrei aus dem Kinderzimmer kommt. Den Morgenmantel sollten man fürs schnelle Überwerfen bereit halten und die Schlafzimmertür abschließen. Sonst steht der Teddy-Träger plötzlich im Geschehen. Ideal ist halt, wenn man die Möglichkeit der Außer-Haus-Übernachtung für Kinder hat, dann ist man vor solchen Überraschungen gefeit.

Summer: Wie hast du deine Spielsachen vor den Kindern versteckt?

El-Don: In einem Werkzeugkoffer unten im Kleiderschrank, abgeschlossen natürlich. Passt vieles geordnet rein, ist unauffällig und vor Kinderaugen verschlossen. Schwieriger wird es mit SM-Möbeln, entweder in den Keller, dann müssen sie demontierbar oder zumindest leicht transportierbar sein, oder so unauffällig, dass sie auch verdeckt im Abstellraum nicht bemerkt werden. Schwierig sind Vorrichtungen an Wand oder Bett, entweder was drüber hängen oder abnehmbar konstruieren bzw. zwischen Matratze und Lattenrost verschwinden lassen. Ideal ist halt ein Raum mit versteckter, abgeschlossener Tür, aber wer hat das schon? Mit Kindern muss man halt sehr viel Vorsicht walten lassen, Kinder sind von Natur aus sehr neugierig. Wie erklärt man Piercings den Kids?

Summer: Welche Spielsachen eignen sich gut für den BDSM Einstieg in einer Beziehung?

El-Don: Das ist nicht einfach zu beantworten, das beste Spielzeug ist immer noch die Hand. Und dann ein breiter Ledergürtel ohne Nieten in den Löchern, und die Schließe immer in die Hand nehmen. Im Internet und im Baumarkt gibt es dann die Spielzeuge für die nächsten Schritte, eine Gerte als erstes Schlaginstrument ist sicher sinnvoll. Reitergeschäfte haben eine gute Auswahl in guter Qualität. Probeweises Schlagen in die hohle Hand zeigt die Wirkung und ist vor dem Kauf unauffällig. Stoffhandschuh mit Heftzwecken in den Fingerspitzen ist schnell selbst gemacht und toll bei leichtem Streicheln. Klammern im ersten Schritt ohne Zähne, der Druck ist ausreichend als erste Erfahrung, Steigerung ist dann immer noch möglich. Eine Peitsche mit weichen Riemen kann man aus Lederresten selbst machen, schön zum Anwärmen und auch bei härterem Gebrauch ungefährlich. Keine Knoten in die Enden machen am Anfang. Und immer vorsichtig probieren, auf Reaktionen auf Haut und beim Partner achten, das Safewort nicht vergessen.

Summer: Welche Erfahrungen hast du mit 24/7 gemacht in einer Partnerschaft?

El-Don: Diese Art der Beziehung war nicht problemlos, die Verantwortung für den Partner und die Kinder zu tragen war sehr aufwendig. Ich glaube, mit Kindern geht es gar nicht, sie würden es schnell merken und sich wundern. In der Zeit ohne Kinder, die gab es auch, war es eine tolle Ergänzung zum Spiel, wenn man es mit Verantwortung und Phantasie gemacht hat. Besonders in der Öffentlichkeit war es prickelnd, die anderen sollten es ja nicht merken. Für eine Zeit machte es Spaß, das Gefühl dieses absoluten Vertrauens des Partners und die Verantwortung zu haben, für mich wurde es dann zu „arbeitsintensiv“, auch weil wir beide berufstätig waren. Es war auf Dauer nicht unsere Art des Zusammenlebens.

Summer: Du suchst aktuell wieder nach einer Partnerin, was wünschst du dir und was bietest du im Gegenzug?

El-Don: Ich suche eine Frau und biete einen Mann. Im Ernst: eine Partnerin für eine liebevolle und innige Beziehung, die um ihre Stärken und Schwächen weiß, für die BDSM nicht alles ist, aber ein Teil, die lachen kann, zu leben und genießen weiß, mit beiden Beinen im Leben steht, auch mal gerne den Boden unter den Füßen verliert, weltoffen ist, und die eine gewisse männliche Dominanz nicht schreckt. Im Gegenzug bekommt sie einen gefühlvollen, kreativen und gebildeten Mann, der humorvoll auch über sich selbst lachen kann, vielseitig interessiert ist, Kunst, Kultur und Genuss nicht abgeneigt, der fliegen lässt und auffängt, Kuscheln mag. Mit dem man Pferde stehlen und die Welt erobern kann.

Summer: Wo bist du zur Zeit aktiv auf der Suche?

El-Don: Finden kann frau mich im Forum von Gentledom und bei der SZ, bei Elitepartner ohne Hinweis auf SM. Aktiv durchstreife ich das eine oder andere Forum, es ist die berühmte Suche nach der Stecknadel, für deren Finden man die große Portion Glück, Zufall und Ausdauer braucht.

Summer: Vielen Dank El-Don für dieses informative und offene Interview und viel Erfolg bei deiner Suche!

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