Brief von Lady Diabolo

Lieber Heinrich, wie geht es Dir? Hast Du deine Kurse in Fußreflexzonenmassage inzwischen abgeschlossen? Ich würde deine Dienste gerne in Anspruch nehmen, sobald ich wieder schmerzfrei laufen kann.

Ich kontaktiere Dich heute als meinen Versicherungsvertreter und bin sehr froh, dass ich deinen Rat angenommen habe, alles über dich zu koordinieren.

Ich habe ungünstigerweise einen der vielen Sklaven erhört, die sehr davon überzeugt sind, wahrhaftig und hingebungsvoll dienen zu wollen. Daher habe ich nun einige Schäden zu vermelden. Zählt ein Putzsklave eigentlich versicherungstechnisch als Haushaltshilfe? Falls ja, käme meine Hausratversicherung für den Schaden auf?

Vermutlich schildere ich die Vorfälle besser der Reihe nach: Wie Du weißt, bevorzuge ich, den Menschen, der mich umgibt – und sich überdies in meinem Zuhause bewegt – zunächst erst einmal kennen zu lernen. Dafür bietet sich üblicherweise ein gemeinsames Kaffeetrinken an. Der Auftrag, in meiner Küche Kaffee zu kochen und mir diesen zu servieren, resultierte leider darin, dass gleich zwei Tassen aus dem hübschen Service von Großmutter zu Bruch gingen und die Brücke im Wohnzimmer gereinigt werden muss, da der Sklave beim Servieren slapstickartig auf gerader Fläche stolperte und exakt vor meinen Füßen zu liegen kam.

Zur Vermeidung weiterer Schäden habe ich vorsichtshalber das Picknickgeschirr aus dem Keller geholt und beim Abspülen selbigen gerade noch rechtzeitig die Wasserlache um die Kaffeemaschine entdeckt, bevor das Wasser hinter den Küchenschrank verschwinden konnte. Weißt Du, ob Wasserflecken auf unlackiertem Holz durch Nachölen unsichtbar werden? Gegebenenfalls muss die Arbeitsfläche etwas abgeschliffen werden?

Der Sklave hat sodann den Auftrag bekommen, im Wohnzimmer Staub zu saugen. Immerhin ist ein Staubsauger robuster als eine Porzellantasse, jedoch haben sich die Möbel als nicht robuster als der Staubsaugerfuß erwiesen. Der Sklave war offenbar bestrebt, bei der Hausarbeit beaufsichtigt zu werden und hat zur Verdeutlichung seines Wunsches den Staubsaugerfuß derartig laut – und heftig - gegen die Möbel gefahren, dass die Fußblende des Wohnzimmerschrankes gebrochen und die Fußblende des Sideboards lose geschlagen und zerkratzt ist. Da ich nicht komplett die Möbel austauschen möchte, benötige ich nun einen Schreiner, der das – möglichst optisch unauffällig – wieder instand setzt.

Wie Du weißt, bin ich nicht bereit, immer sofort jeden Wunsch zu erfüllen, auch nicht den der Beaufsichtigung. Zur Strafe habe ich den Sklaven zum Fensterputzen ins Schlafzimmer geschickt. Immerhin ist ein Fensterleder weich und ich glaubte, einen ungefährlichen Auftrag erteilt zu haben, zumal es sich um ein Dachfenster handelt und der Sklave auch bei großer Ungeschicktheit nicht rausfallen könnte. Leider hat der Sklave sich trotz Beschriftung aller Reinigungsmittel „irgendeine“ Sprühflasche geschnappt und sowohl das Dachfenster als auch den Holzrahmen und die Tapete um das Fenster eingenebelt, um sich sodann „von dem Gestank“ in der Küche zu erholen.

Dies wiederum alarmierte mich und ich konnte mich davon überzeugen, dass der Dekor auf der Mustertapete im Schlafzimmer rein farblich einem Chlorreiniger nicht stand hält. Der Holzrahmen müsste nun lackiert werden; ich habe den Verdacht, dass lasieren nicht ausreichen wird. Es sei denn, auch dieser wird vorher leicht abgeschliffen?

Da die großzügig gesprühte Menge des Chlorreinigers denknotwenig der Erdanziehung unterliegt, kann die blaue Bettwäsche im Bett unter dem Fenster jetzt allenfalls noch zu Putztüchern zum Schuhe putzen verwendet werden.

Ich benötige also zuerst einmal einen Tapezierer für die Außenwand im Schlafzimmer. Das Schleifen und Lasieren bzw. ggf. Lackieren des Holzrahmens kann ich selbst übernehmen.

Ab sofort hielt ich es für sinnvoll, den Sklaven nicht mehr aus den Augen zu lassen, und nachdem ich meine Hände vom Chlorreiniger befreit hatte, verlangte ich nun eine Fußmassage, was offenbar auch dem Sklaven genehm war. Bedauerlicherweise stellte sich heraus, dass nicht nur Feinmotorik, sondern auch Grobmotorik bei diesem Sklaven nicht wirklich gut gesteuert werden. Er hat mir einen der obenliegenden Knöchel am rechten Fuß gebrochen. Sodann war der Zeitpunkt gekommen, den Sklaven rauszuwerfen und mich von einem nicht BDSM-orientierten, aber sehr fürsorglichen Taxifahrer ins Krankenhaus transportieren zu lassen.

Für meine Krankenversicherung wird möglicherweise auch von Bedeutung sein, dass ich am Abend leider erst nach dem Verteilen meiner Nachtcreme im Gesicht bemerkte, dass die nunmehr eigenartige Konsistenz der Creme dadurch verändert wurde, dass sich der Sklave ausgerechnet in das Cremetöpfchen sexuell erleichtert hatte. Ich werde mich nunmehr in vielerlei Hinsicht auf einschlägige Erkrankungen testen lassen müssen, und zwar aus rechtlichen Gründen einmal sofort und einmal nach der entsprechenden Inkubationszeit. Der Sklave teilte hierzu nachträglich mit, dass er so aufgeregt gewesen sei, dass er nicht gewusst habe, wohin damit und wegen der Proteine darin habe er mir was Gutes tun wollen …

Die Auflistung der angerichteten Schäden habe ich dem Sklaven übersandt. Er entschuldigt sich vielfach für seine „Ungeschicktheit“ und gestattet mir großzügig, ihn hierfür zu bestrafen, nicht ohne eine Liste beizufügen, welche Strafen ihm genehm wären. Die Liste enthält exakte Mengenangaben.

Ich habe dem Sklaven den gewünschten Bestrafungstermin für den Zeitpunkt meiner voraussichtlichen Genesung zugesagt und benötige nun von Dir – äußerst vorsorglich – eine Liste guter Strafverteidiger für den Fall, dass etwas schief gehen sollte. Während die letzten Stunden des Sklaven minutiös geplant sind, habe ich noch keine klare Vorstellung davon, wie und wo ich seine erbärmlichen Reste loswerde.

Liebe Grüße

Lady Diabolo

© Text: ElaMichelle

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