Mehr als nur Worte

Wenn viele Menschen an BDSM denken, fallen ihnen sofort Peitschen, Fetischklamotten und Schmerzen ein. Doch wer genauer hinschaut, kann erkennen, dass BDSM weit mehr beinhaltet, als die Allgemeinheit annimmt.

Ich möchte einen kleinen Einblick in die Macht der Worte verschaffen, die zumindest für mich eine entscheidende Rolle in meiner Ausübung von BDSM spielt. Ich bin Sub und liebe die Unterwerfung. Dies tue ich freiwillig und ohne Zwang, jedoch nicht grundlos. Um es dazu kommen zu lassen, benötige ich einen Dom, der in der Lage ist, meine Lust zu leiten, zu steuern und aufrechtzuerhalten.

Dies geschieht zumindest bei mir nicht durch die pure Einforderung von Unterwerfung oder durch Strenge. Ich benötige dazu seine Gabe, mit Worten meine Hingabe zu provozieren und zu fördern. Den Hintern verhauen kann jeder Trottel. Ebenso bekommt fast jeder Mensch eine leichte Fixierung hin; Dank sei den fortschrittlichen Klettverschlüssen, die keine großen Bondage-Kenntnisse voraussetzen. Auch Befehle, wie „knie dich hin“ sind leicht ausgesprochen.

Wenn es aber um die Kunst des Dialoges geht, zeigt sich recht schnell, dass BDSM durchaus einen hohen Anspruch an den dominanten Part stellt. Der klassische „Dirty Talk“, der ja sehr gerne auch von Nicht-BDSMlern betrieben wird, kann zwar stimulierend wirken, reicht aber letztendlich nicht aus, um eine wirkliche Unterwerfung zu bewirken.

Es ist die emotionale Stimulierung, die mit Vergnügen und Wohlwollen auf mich einwirkt. Ein anmutig und schöner sprachlicher Ausdruck, der eine Sanftheit und eine Sicherheit beinhaltet, die mich zu der Überzeugung gelangen lässt, dass genau er derjenige ist, in dessen Hände ich mich begeben möchte. Er erreicht nicht meine Vernunft, sondern wirkt auf meine Gefühle und meinen Willen.

Dies kann auf unterschiedlichste Weise erfolgen, und jeder Dom hat seine eigene Art, seine Sub anzusprechen. Die Macht der Worte ist eine Goldgrube der Lust: Nicht umsonst heißt es „jemanden mit Worten fesseln“. Ein kleines Beispiel: Ich selbst genieße es, wenn er mich bereits im Vorfeld des Spielbeginns wissen lässt, dass er genau weiß, was mir heute gut tun würde. Wenn er mir gegenüber sein Vorhaben verbalisiert, es stilvoll und auch „dirty“ rüberbringt, ist das sehr erregend, und der Spannungsbogen steigt immens. Damit zeigt er zum einen, dass er mich wahrnimmt und sieht, und zum anderen, dass er in der Lage ist, meine Erlebniswelt zu gestalten, und sich der Verantwortung bewusst ist, die er mir gegenüber trägt.

Dies erfordert natürlich den Mut zur Kommunikation, gerade in einer Session, eine gute Beobachtungsgabe und ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen. Ein zu hoher Anspruch, den ein für mich guter Dom erfüllen muss? Ich denke nicht. Es ist ein Erfahrungsfeld, das man gemeinsam betreten kann, und der Lustgewinn kann für beide enorm sein. Für mich ist somit das Wort weit mehr als nur eine verbale Stimulation. Es ist die Gabe, mich dorthin zu bringen, wo Dom mich gerne haben würde, und wohin ich mich sehne. Und dies ist ja letztendlich das Ziel einer D/S-Beziehung – zumindest für mich.

Gastautorin: Adena

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