"Safeword“ von Nala Martin

Zur Story:

Die 30-jährige Domina Sharon steht mit beiden Beinen fest im Leben, als sie aufgrund einer leichtfertig eingegangen Wette mit einem ihrer Kunden gezwungen wird, ihre submissive Seite mit ihm als Dom auszuleben. Ganz ohne Safeword, ohne jedes Sicherheitsnetz und ohne Grenzen, zieht sie der dominante Dave in seine Welt voller Schmerz und Erniedrigung und reißt ihr den Boden unter den Füßen weg. Zunächst ist Sharon geradezu begeistert von Daves Dominanz und Konsequenz, doch nach und nach rutscht sie in eine Hörigkeit, die es ihr fast unmöglich macht, die Notbremse zu ziehen, als die Geschehnisse unerträglich werden.

Zum Buch:

„Safeword“ ist Nala Martins Debütroman, und obwohl er sich stellenweise wie eine Autobiografie liest, ist er keine. Dennoch merkt man schnell, dass sich die Autorin mit dem Genre des Sadomasochismus bestens auskennt. Der Schreibstil, wenngleich ausbaufähig, ist durchaus fesselnd und bewegt sich aufgrund harter, ungeschönter, Beschreibungen stets nah an der Realität. Die Protagonistin wirkt authentisch und sympathisch, so dass man als Leser Seite für Seite gemeinsam mit ihr die Abgründe durchschreitet, in die Dave sie unerbittlich führt. Wer einen knisternden Erotikroman erwartet, kommt hier sicherlich nicht auf seine Kosten. Stattdessen taucht die Autorin tief in die emotionale Welt und die widersprüchlichen Gefühle ihrer Protagonistin ein.

Etwas klischeehaft wird hier deren innerer Dialog durch Engelchen und Teufelchen dargestellt, was ein wenig an die „innere Göttin“ aus „Fifty Shades of Grey“ erinnert, wobei „Safeword“ jedoch alles andere als ein weichgespülter SM-Roman ist. „Safeword“ zeichnet auf eindringliche Weise auf, was passieren kann, wenn man ohne jede Grenze, ohne jedes Tabu, also ohne Safeword SM praktiziert. An sich geht es bei Sadomasochismus – wie bei allen anderen sexuellen Praktiken – darum, sich gegenseitig Lust und Erfüllung zu verschaffen.

Dies erschließt sich jedoch angesichts der teilweise äußerst brutalen Praktiken, die hier geschildert werden, auf weiten Strecken nicht. Heftige Tritte, brutale Schläge, Würgen, Analfolter mittels Knebelbirne usw. sind sicherlich Praktiken, die auch bei dem einen oder anderen SM-Erfahrenen gemischte Gefühle aufkommen lassen dürften, vor allem angesichts des hemmungslosen Machtmissbrauches, den der Protagonist Dave hier an den Tag legt.

Wer sich mit Sadomasochismus auskennt, weiß, dass die hier geschilderten Praktiken gegen jede gesunde Regel des BDSM verstoßen und dass SM in der Regel nicht so praktiziert wird, da die meisten SMer nämlich durchaus vernünftig sind und die Denkweise „safe, sane, consensual“ statt „schneller, höher, weiter“ bevorzugen. Leser ohne SM-Hintergrund werden sich womöglich in ihren Vorurteilen bestätigt fühlen, dass Menschen sowohl seelisch als auch körperlich durch SM verletzt werden, auch wenn die Autorin gegen Ende der Geschichte durchaus klarstellt, dass die Beziehung zwischen Sharon und Dave völlig aus dem Ruder gelaufen ist und keineswegs eine normale SM-Beziehung darstellt.

Fazit:

Ein Buch, spannend genug geschildert, um es zu Ende zu lesen – aber auch so beklemmend, dass man es erst einmal nachdenklich zur Seite legt, wenn man die letzte Seite gelesen hat.

Redakteur:


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