Aller Anfang ist schwer....auch bei einem Dom/ Femdom

Ich habe zwar Erfahrung, aber eine Meisterin bin ich auch nicht. Denn nicht jeder Partner ist gleich und auch Bedürfnisse unterscheiden sich enorm. Was mich bei dem einen gekickt hat, muss beim anderen nicht automatisch auch so sein.

Die reine Theorie, die Technik, wie man etwas am geschicktesten macht, war nicht mein Problem. Wenn etwas nicht wie erwartet klappte, dann hat man halt gemeinsam darüber gelacht. ;-) Schwer war es die dominante Seite auszuleben....
Jahrelang lebte ich in einer reinen Vanilla Ehe, mal mehr, mal weniger glücklich. Mit dem voranschreitenden Scheitern meiner Ehe, musste ich mich mit vielem in meinem Leben auseinandersetzen. Vorranging mit mir, meiner Identität und den Phantasien, die in meinem Kopf tobten.

Wer war ich? Wer bin ich?
Ich bin Mutter dreier wundervoller Kinder. Mutter ganz und gar: war bekennende Langzeitstillende und besaß keinen Kinderwagen, sondern habe meine Kinder gerne im Tragetuch gehüllt ganz nah an meinem Herzen getragen.
Dann bin ich noch Tochter, Schwester und eine Frau, die Ehrenämter auskleidet. Die im Elternrat sitzt, Kuchen für Sportveranstaltungen backt, das Sommerfest im Kindergarten organisiert .

Ich war Ehefrau. Zumindest für die Öffentlichkeit. Wir hatten uns nicht mehr viel zu sagen. Die Häuser und die Kinder hielten die Fassade noch aufrecht. Nach gemeinsamer Absprache durfte ich unter gewissen Regeln meine Sexualität in Spielbeziehungen ausleben. Dafür war ich dann weiter seine " Dekoration" und diejenige, die den Alltag am Laufen hielt.
Bis dato dachte ich noch, diese Lösung könnte funktionieren.... Zumindest, bis die Kinder aus dem gröbsten raus sind.

Die Theorie zu BDSM hatte mich angefixt. Eine online Flirterei fixte mich weiter an. Ich versuchte, mich in die Materie einzulesen. Hmmmm.... Nur theoretisches Wissen brachte mir auch nichts. - Also hab ich ein Praktikum in einem Domina Studio gemacht. Konnte Fragen stellen, Dinge ausprobieren und mich im geschütztem Rahmen ausprobieren.
Danach folgten zwei Spielbeziehungen, wovon eine recht lange andauerte. Ja, ich fühlte mich angekommen und sicher: die Theorie saß und Praxis hatte ich auch. Keine Nervosität. Alles relaxt. Dachte ich...

Bis mir ein Mann begegnete, der mich sehr bewegte und innerlich sehr berührte. Ich habe ihn unsagbar geliebt, ihn angehimmelt und wollte ihn glücklich sehen. Wollte ihn behüten, beschützen und für ihn da sein. Die Frau sein, die er liebt - und ihm gefallen.
Oh mein Gott! Plötzlich war alles anders.^^ Meine Bedürfnisse waren nach wie vor da. Die andere Seite in mir verlangte ihr Recht auf Dominanz. Pochte darauf, dass er " mein Spielzeug" ist, welches ich körperlich benutzen darf, wie ich es wünsche. Ich wollte nach wie vor die Kontrolle über seine Lust und seine Orgasmen .Jedoch gestaltete sich die Umsetzung plötzlich anders. Schwieriger! Wie soll ich denn jemanden quälen, sei es auch liebevoll, den ich doch liebe?!

Plötzlich war ich unsicher. Denn ich wollte ihm gefallen, wollte ihn behüten und glücklich sehen. Wie passen dazu meine dunklen Phantasien? Dominanz, Kontrolle, Schläge und ein Strafbuch???? Wie kann ich beide Seiten an mir schätzen und ausleben? Die weiche, mütterliche und warme Seite - und das Miststück, welches nicht bittet, sondern sich nimmt, was es begehrt?
So, ihr lieben Subs. Ja, auch wir dominant veranlagten Menschen sind nicht immer selbstsicher.^^ Wenn ihr so hingebungsvoll vor uns steht... wunderschön in unseren Augen seid... unser Innerstes sehen könnt... so innig von uns geliebt werdet.... Ja, dann ist es gar nicht so einfach in euer Haar zu fassen und zu verlangen, dass ihr unserer Lust dient, euch vor uns niederkniet oder euch einen roten Popo zu verpassen, euch euren Orgasmus zu verweigern ect..

Es war schwierig, alle Facetten unter einen Hut zu bringen. Es war mental schwierig, denn er wachte ja morgens neben mir auf. Und ich wünschte mir seine Liebe.

Manchmal kämpfte ich dabei gegen meinen stärksten Gegner: Gegen mich selbst. Es dauerte lange, bis ich ohne schlechtes Gewissen beide Seiten akzeptieren und ausleben konnte. Bis ich mir selbst sagen konnte " Du liebst ihn, aber ebenso die Dominanz":)
Und dann konnte ich entspannt lachen, wenn er mich bezauberndes Miststück genannt hat, denn genau das bin ich für ihn gewesen. Und genau das wollte ich auch sein: bezaubernd und Miststück ;-)
Es ist nichts, wofür ich mich schäme oder das mir unangenehm ist. Ich habe ihn geliebt und wollte gefallen, auch wenn ich dominant bin :)
Woran liegt es? Ganz einfach...in erster Linie sind wir alle Menschen mit Ängsten, Wünschen und Sehnsüchten. Erst danach Dom oder Femdom.

Ich habe nun aus weiblicher Sicht geschrieben, kann mir aber gut vorstellen, dass auch so mancher Mann sich ab und an ähnlich gefühlt haben wird.

Liebe Grüße,
Dark Desire


Kommentare:


Vipera Venata schrieb am 26.03.2015


Liebe Dark Desire,

ich kann mich absolut mit dem von dir geschriebenen identifizieren. Meine dominanten Neigungen sind mir sicher schon seit geraumer Zeit bewußt, allerdings war ich lange nicht in der Lage, diese auch auszuleben. Mein langjähriger Partner war daran absolut nicht interessiert und bis auf ein "Reinschnuppern" in einem Studio war mir daher nicht viel mehr möglich. Nachdem ich mich von oben genanntem getrennt hatte, habe ich erst ein mal zwei Jahre gebraucht, um mir überhaupt klar zu werden was ich denn genau will. Auf das Thema BDSM bin ich bei meinen Überlegungen noch garnicht angekommen gewesen, als ich letztes Jahr meinen jetzigen Partner kennengelernt habe. Allerdings wusste ich von Anfang an von seinen Neigungen. Also habe ich nun, ohne explizit danach gesucht zu haben, einen Partner gefunden, mit dem ich mich ausleben kann. Was sich aber, wie du es treffend beschreibst, als garnicht so einfach darstellt... Es ist in der Tat nicht einfach, den liebevollen, umsorgenden Part meiner selbst mit dem dominanten, strafenden in Einklang zu bringen. Ist ja nicht so, dass man nach Belieben einen Schalter umlegt und - schwups - los gehts :D
Vielen Dank für deinen Eintrag, es ist immer gut zu wissen, dass es anderen ähnlich geht!
Gruß
Vipera Venata


Antwort auf diesen Kommentar

Innueno schrieb am 15.03.2015


Sehr offene Worte, vielen Dank!

Ich finde es auch immer sehr bezeichnend, wenn man zu hören bekommt, dass man als FemmeDom doch über vielem zu stehen hat.

Für mich selbst war es anfangs sehr schwer, damit zurecht zu kommen. Nicht genug damit, dass ich lesbisch bin, musste ich plötzlich auch noch erkennen, dass ich auf härteren Sex stehe, dass mich Blümchensex kalt lässt und dass ich in manchen Situationen liebend gern anders reagiert hätte. Nicht nur mit Worten sondern eben in Form von "Hand heben". Damals hatte das Ganze aber noch nicht so die Möglichkeit, benannt zu werden, denn ich lebe seit gut 22 Jahren BDSM.

Ich habe sehr lange mal die eine, mal die andere und oft sogar beide Neigungen gehasst und verflucht und mir gewünscht, wach zu werden, um "normal" zu sein. Das war natürlich unerfülltes Wunschdenken.

Irgendwann habe ich diese beiden Neigungen nach und nach angenommen und akzeptiert, habe zugelassen, dass sie zu mir und meinem Leben gehören. Was auch nicht leicht und schon gar nicht einfach war.

Immer wieder angeeckt und auch bei neuen Beziehungen kam sehr oft: du bist pervers!!!!!! Ich habe mich dann nach und nach zurück genommen, wieder versucht, diese Neigung zu unterdrücken, mich einzuschränken in dem, was ich bin. Auch wenn ich in einer Beziehung dann wirklich gar nichts vermisst habe, kam irgendwann der Gedanke in meinen Kopf, der förmlich danach geschrien hat, endlich wieder ich sein zu können, meine BDSM-Neigung auszuleben um erfüllt zu sein.

Inzwischen lebe ich es aus, aber nicht öffentlich, denn es gehört zu mir und zu meiner Partnerin und zu niemandem sonst.

Was ich aber immer wieder feststelle: man trifft auf neue Menschen, denen man im Vorfeld davon erzählt hat, weil es sich zB so ergeben hat. Trifft man sich dann: du bist ja gar nicht dominant! Doch, das bin ich, sehr sogar, jedoch wird das, wie bereits erwähnt, niemand beim ersten Treffen merken. Denn da bin ich zurückhaltend, sehr beobachtend und versuche mir ein möglichst genaues Bild über mein Gegenüber zu machen. Werde ich dann in eine Schublade gestopft, dann ist mein einziger Kommentar: "Selbst schuld, du weißt nicht, was du verpasst....."


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Spätzle schrieb am 05.01.2015


Vielen Dank für diesen Einblick in die Gefühlswelt der dominanten Seite liebe Dark Desire!

Ich greife mal eine Stelle aus Deinem Text heraus, die ich für den Knackpunkt an der Sache halte:

"Plötzlich war ich unsicher. Denn ich wollte ihm gefallen, wollte ihn behüten und glücklich sehen. Wie passen dazu meine dunklen Phantasien? Dominanz, Kontrolle, Schläge und ein Strafbuch???? Wie kann ich beide Seiten an mir schätzen und ausleben? Die weiche, mütterliche und warme Seite - und das Miststück, welches nicht bittet, sondern sich nimmt, was es begehrt?"

Genau das ist der Zwiespalt, in den dominante Menschen früher oder später häufig geraten, wenn sie ihre Neigung mit einem Menschen ausleben, den sie lieben. Aber auch schon davor, wenn sie anfangen es auszuleben - auch mit Partnern, die sie jetzt nicht unbedingt lieben, sondern es einfach mal versuchen wollen.

Und Du hast Recht: Es betrifft Männer wie Frauen! Nicht alle, aber viele. Warum Männer nicht so gerne darüber reden, weiß ich nicht, aber der Meine hat sich dazu entschieden und wir konnten dann gemeinsam mit diesen zwiespältigen Gefühlen viel besser umgehen.

Es ist eben doch eine starke Veränderung des eigenen Verhaltens, die nicht der gängigen Erziehung entspricht, mit wir für gewöhnlich aufgewachsen sind. Alles das, was man eigentlich nicht machen darf (Hauen, fies sein, demütigen usw.), vor allem nicht mit dem Menschen, den man liebt, ist plötzlich reizvoll und gibt einen sexuellen Kick.

Mit dem dem geliebten Gegenüber drüber reden und gangbare Wege suchen scheint doch die beste, wenn auch nicht immer ganz einfache Lösung zu sein.

Liebe Grüße
von Spätzle


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Vicky Vanilla schrieb am 19.12.2014


Liebe Dark Desire,

vielen Dank für den Blick in die Tiefen einer dominanten Seele! Die Grundsorge, die du beschreibst - Liebe und Partnerschaft auf der einen, das Spiel mit Unterwürfigkeit und Dominanz auf der anderen Seite, ist ja der einer(s) Sub gar nicht so unähnlich. Mit dem Kopf weiß ich das zwar eigentlich. Es hier zu lesen, ist noch einmal etwas anderes.

Gegen sich selbst zu kämpfen, ist das Schwierigste überhaupt. Besonders dann, wenn man im Begriff ist, etwas zu tun oder sich zu etwas zu bekennen, das in der Öffentlichkeit (und damit ist durchaus auch nur ein kleinerer Kreis gemeint) als out oder inakzeptabel gilt. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die diesen Kampf dennoch führen, egal, ob sie als Sieger oder Verlierer daraus hervorgehen. Aber kann man überhaupt Verlierer sein?

Jede Situation, in die wir Energie stecken, bringt uns eine Erkenntnis und vielleicht auch eine Veränderung. Und Veränderungen, darauf schwöre ich inzwischen, sind immer etwas Positives.

Bewundernswert finde ich deinen Mut, ein Praktikum in einem Domina-Studio zu machen und auf diese Weise die möglichen Veränderungen selbst einzuleiten und vor allem zu bestimmen. Vielleicht gibt es so was ja auch für Subs. Ich hab keine Ahnung, aber wohl auch nicht den Mut, es auszuprobieren. Noch nicht. Der Leidensdruck muss wohl ein bestimmtes Maß überschritten haben, ehe man bereit ist, den nächsten Schritt zu wagen.

Ich glaube, das hat letztlich etwas mit Selbstliebe zu tun. An einer Stelle heißt es da bei dir: "Du liebst ihn, aber ebenso die Dominanz." Im Grunde könnte da auch stehen "Du liebst ihn, aber ebenso dich selbst". Denn die Dominanz ist ein Teil von dir. Und sie zu lieben, bedeutet, diese Facette in dir zu mögen. Kommt mir gerade (für mich persönlich) in den Sinn. Danke für diesen Denkanstoß!

Liebe Grüße, Vicky


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Liebe Vicky,

grundsätzlich dürfte dieser Kampf vielen Menschen bekannt vorkommen. Schließlich ist einiges nicht konform mit dem,was uns die Gesellschaft abverlangt und unsere Eltern uns anerzogen haben. Dabei ist es gleichgültig welches Geschlecht und welche Rolle vorherrscht.^^

Eine starke und unabhängige Frau wird sich sicherlich auch nicht problemlos eingestehen können, dass es Momrnte gibt, in denen sie sich gerne benutzen lässt, Schläge genießt und sehr gerne gefallen möchte . Ebenso der treue und fürsorgliche Mann, der den Müll runter bringt und ihr Blumen schenkt.... Ich denke auch er wird Zeit brauchen, um sich einzugestehen,dass es ihn erregt,wenn er seiner Herzensdame härter anfasst, sie auf die Knie zwingt oder sie fixiert und für seine Lust benutzt oder sie körperlich züchtigt. Erst wenn man all diese Gedanken sortiert hat, wird man in der Lage sein, hemmungslos zu genießen .

Ach,weißt du ....das Studio habe ich aus egoistischen Gründen gewählt. Dort war ich sicher...nie alleine mit irgendwelchen seltsamen Vögeln.^^ Es war ein Ort voller interessanter Dinge, die ich so nicht nicht kannte. Dort konnte ich üben... gucken... ausprobieren. Jedoch war es auch ein Ort voller tiefer Angründe und kaputter Seelen.

Veränderung ist etwas, vor dem viele Menschen Angst haben. Das Vertraute und Beständige gerät ins Wanken. Unsicherheiten können entstehen. Eine Garantie gibt es nicht. Ein Zustand der Ungewissheit. Aber ich stimme dir zu: Leben besteht aus Bewegung und Dynamik. Und irgendwie geht es immer weiter.

Selbstliebe ?! Jeder sollte sich selbst lieben und achten, was nicht mit Egoismus gleichzusetzen ist. Wenn ich nicht zufrieden bin, übertrage ich es auf mein Umfeld...... Und zu erwarten, dass wer kommt, um mich glücklich zu machen ist absurd. Daran scheitern viele Beziehungen. Glück ...ein großes Wort. Jeder ist für sein eigenes selbst verantwortlich. Vor mir selbst kann ich nicht weglaufen, ich kann mich nicht von mir selbst trennen, nicht morgens aufwachen und wer ganz anderes sein. Nein, mich muss ich immer ertragen. :-) Also ist es auch meine Pflicht, dafür Sorge zu tragen, es bestmöglichst mit mir selbst auszuhalten ;-) Dann greift auch der von dir erwähnte Leidensdruck. Spätestens, wenn man sich selbst nicht mehr erträgt,das Verlangen ins Unermessliche steigt.

Ich danke dir für deinen Kommentar :*

Dark Desire

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