Warum wir ohne Safeword spielen

Salut, hier mein erster Artikel. Ich bin gespannt auf Eure Kommentare!

Warum wir ohne Safeword spielen...

In unserem Spiel hat der Umgang mit dem Safeword einen Wandel erfahren.
Wir haben erst spät nach über 14 Jahren Beziehung gemeinsam zu BDSM gefunden. Anfangs noch unbedarft und ahnungslos, was die praktische Umsetzung angeht, haben wir erstmal Alles richtig und sicher machen wollen.
Nach den ganzen Infos, durch die wir uns gelesen hatten war es völlig unstrittig, zum sicheren Spielen gehört zwingend ein Safeword.
Also haben wir ein Abbruch-Safeword vereinbart, das auch auf Parties übliche "Mayday", ein Wort was in einem normalen Satz nicht versehentlich vorkommen kann, ein unmissverständliches Wort.

Nach ein paar Sessions fiel mir als Dom aber auf, dass meine Frau, die "Sub" diese Safeword-Vereinbarung aber gar nicht so wichtig nahm, sie hatte es nach ein paar wenigen Sessions schlicht vergessen. Na ja, denk ich mir als Dom, dann kann ich mich im Zweifel nicht auf die Nutzung des Safewords verlassen. Sicheres Spiel ist mir sehr wichtig, daher achte ich permanent auf ihre Reaktionen, ob es ihr noch gut geht, ob es irgendwelche Signale gibt, die vielleicht Zweifel aufkommen lassen, dass alles gerade passt. Aber das ist nichts Besonderes, ich denke, verantwortungsvolle Doms machen das so normalerweise.
Durch die (vermeintliche?) Sicherheit des Safewords war ein klitzekleiner Teil der Verantwortung für die Session auch bei Sub, der Rest dann natürlich klar bei Dom... haben wir gedacht.
Aber die Zweifel, ob es im entscheidenden Moment auch tatsächlich fällt haben mir vor Augen geführt, ich muss als Aktiver 100% der Verantwortung für die Session tragen.

Nach ungefähr einen halben Jahr wollte sie aber das Safeword dann nicht mehr, sie fand, es hindere sie, sich fallenzulassen. Sie müßte sich immer wieder darauf konzentrieren, ob nun gerade Safeword fallen sollte oder nicht. Wenn sie geknebelt war, war das "Safeword" ein kleiner fallengelassener Ball, den wollte sie auch nicht immer in der Hand halten müssen, war zuviel Ablenkung.
Ganz behaglich war mir diese Entscheidung "probieren wir es doch mal ohne" zuerst nicht, ich wollte auch gerade am Anfang ja soviel Rückmeldung wie möglich.
Ab dann gab es das "offizielle" Safeword nicht mehr, was natürlich nicht bedeutet, dass wir in der Session nicht normal kommunizieren können.
Der Unterschied zum einfach ausgerufenen "Stop", "langsamer" oder "nicht mehr" und dem alten offiziellen Safeword ist für uns, dass es komplett in meinem Ermessen liegt, ob und wie ich auf dieses Signal reagiere, Unterbrechung, Nachfrage, Abbruch oder gar nicht. Das hängt komplett vom Kontext ab und ist bei uns deshalb so möglich, weil wir uns nach der langen Zeit zusammen sehr vertrauen. Mancher würde jetzt sagen "Seht Ihr, Ihr habt ja doch ein Safeword". Möglich, dann ist es für uns die Form der Kommunikation, die zu uns passt.
Natürlich liegt mir an der Sicherheit, bin im Zweifel übervorsichtig. Ich würde auch nicht so ungehemmt spielen, dass ich keine Kontrolle mehr über mich hätte. Das sollte Dom auch nicht tun, finde ich, er darf sich nicht komplett im Spiel fallenlassen.

Nun, keine Regel ohne Ausnahmen, selten haben wir dann doch wieder mit offiziellem Safeword gespielt, sogar mit Ampelcode. Das nutzen wir dann, wenn wir Dinge ausprobieren, die neu sind für uns und die uns etwas riskant scheinen, zum Bespiel gezieltes Spiel mit Erniedrigung.

Da wir unsere Ehe nun auch offener führen, ist eine Spielbeziehung neben der Hauptbeziehung nun eine Möglichkeit für uns. Bei einer neuen Spielpartnerin würde ich nicht auf ein offizielles Safeword verzichten wollen, am Besten noch den detaillierten Ampelcode nutzen. Eine neue Partnerin kann ich ja nicht gleich so gut einschätzen, auch das Vertrauen muss sich erst noch aufbauen. Da würde es schon lange dauern, bis ich auf ein Safeword verzichten wollte, wenn das in einer Spielbeziehung überhaupt mal drin ist.

Sieur


© www.Gentledom.de

Kommentare:


pixeldom schrieb am 19.11.2014


MIt dem Safewort habe ich so meine Probleme, nicht das ich das "Spiel ohne Grenzen* mag, nein ganz im Gegenteil.

Ich persönlich finde, als DOM übernimmt man doch automatisch auch die Verantwortung für die Sub in der Session. Genau das unterscheidet doch eigentlich den rohen Rinderzüchter mit seiner Bulwhip aus einem der vorherigen Posts vom einem kultiviertem Dom ;)

Emphatie ist für mich das Schlüsselwort. Klar ist das schwierig in einer Spielbeziehung die nur alle paar Wochen zusammen trifft, aber nehmen wir mal Dom-Sub Paare, die sich auch ausserhalb des Spiels nahe stehen. Ich finde in keinem Spiel dürfen die Triebe des Doms höher stehen als die Grenzen der Sub - denn sonst wird auch ein Safewort überhört und die Situation wird echt gefährlich;)

Mit ein wenig Emphatie kann man doch ganz genau den "Zustand" seiner Sub "fühlen" - ob es nun lautet *einen Gang runter schalten* oder *gib Gas, wir fliegen grade*. Ein Safewort ist ja nur eine harte rote Linie und einmal ausgesprochen, ist die Situation kaum zu retten.

Sich also nur auf ein Safewort verlassen und sich den *technischen Möglichkeiten* hinzugeben, hat für mich entweder etwas motorisches *Ist die Haltungsnote beim Peitschenschwingen gut?* oder dem rücksichtslosen Ausleben der eigenen Triebe bis an die Grenzen der Sub. Beides fördert wohl kaum die emotionalen Empfindlichkeiten.

Wer sich also rein auf seine limbische Gehrinebene beim Spiel verlässt das nur Refelexe steuert, der brauch wahrscheinlich das fette rote "NOGO" Schild - aber der wird auch kaum über einen mittelmäßigen Fly hinauskommen. Fühle ich allerdings durch Empathie mit der Sub, werden neue Horizonte eröffnet - und Dom erkennt Meilen vor einem möglichen Safewort die Grenzen und kann gegensteuern.

In diesem Sinne, guten Flug, und Doms sind eben manchmal nur Flugbegleiter ;)


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kleines-sub-Biest schrieb am 16.11.2014


Lieber Sieur,
dein Bericht hat mir sehr gut gefallen und mich in vielen Punkten, an meine Erfahrungen erinnert. Mein Mann und ich haben die Erfahrung gemacht, dass ich das Safeword in all den Jahren nur zwei oder dreimal genutzt habe. Es gab Situationen, da ist es mir nicht möglich gewesen, das Wort zu gebrauchen. Ich war sehr weit abgedriftet und nur das Einfühlungsvermögen meines Mannes hat mich vor unangenehmen Folgen bewahrt.
Darauf haben wir ein Handzeichen ausgemacht, das ich auch in solchen Situationen noch einsetzen kann.
Wir haben das Safeword nicht gestrichen, aber verwendet habe ich es, bis auf einmal nach Einführung des Handzeichens, nicht mehr.
Da wir manchmal hart an meinen Grenzen spielen, fühle ich mich einfach sicherer damit und auch mein Mann möchte nicht darauf verzichten.

Danke, für das Teilen deiner Erfahrungen.

Liebe Grüße
k-s-B


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beloved schrieb am 15.11.2014


Vielen Dank für diesen spannenden Einblick Sieur.

Bei mir ist es genau anders herum, ich kann mich gerade viel besser fallen lassen, weil ich ein Safeword habe. Ich sorge mich nicht, weil ich weiß, dass ich im Zweifelsfall eine Notbremse ziehen kann.

Wobei ich ein "Stopp" als Vorstufe wesentlich angenehmer finde, weil es eben innehalten lässt und das Spiel sanfter oder anders gestaltet werden kann. Wohingegen das Safeword zum Abbruch führen kann.

Ich finde es genau so wichtig wie Sieur, die Anzeichen von Sub ziemlich genau im Blick zu halten und sie zu beobachten. So befand ich mich in der Anfangszeit in einer blöden Situation. Ich war sehr empfindlich und konnte einen Schmerzreiz nicht gut bis gar nicht ertragen. (Es war nichts Wildes und ich wäre nicht zu Schaden gekommen.) Blöd nur, wenn Sub sich mit zugehaltenem Mund gefesselt aufbäumt und dieses Verhalten nicht als "Das ist mir gerade zu viel" interpretiert werden kann, weil dieses Verhalten auch unter Erregung auftreten kann. Sub kann immer wieder mal in Situationen kommen, in denen sie/er das Wort nicht sagen kann.

Deswegen ist, eine "schlichte einfache Kommunikation" einfach wichtig. Sei es durch Worte, Gesten oder vereinbarte Zeichen.

Ob nun das Safeword als Rettungsanker erhalten bleiben soll, ist eine Vereinbarungssache. Auch wenn ich bisher nur einmal Gebrauch davon machen musste, bleibt es für uns erst mal bestehen, weil es mir hilft, mich fallen zu lassen. Und irgendwie glaube ich auch, dass es meinen Partner ein bisschen entlastet und freier agieren lässt.

LG
beloved


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Juja schrieb am 14.11.2014


Hallo Sieur!

Schön geschrieben und beschrieben :)
Ich finde es gut, dass du herausgestellt hast, dass du das mit deiner Partnerin machst, die du schon ewig und sehr gut kennst. Das du dies am Anfang, oder wenn etwas neues dazu kommt, aber nicht machst.

LG Juja


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Luna schrieb am 14.11.2014


Lieber Sieur,

Dein Thema finde ich sehr wichtig. Denn ich beobachte hier einen Trend, dass viele nach einer "Step by Step Anleitung zum Spielen" suchen. Solche Aussagen wie: vereinbart ein Safeword, damit ihr abgesichert seid, birgt m. E. auch große Gefahren. Verleitet es doch viele dazu, zu denken, wenn der submissive/devote Part ein Safeword hat, wird schon alles rechtzeitig ausgebremst.... Und das ist mitnichten immer der Fall. Das kann ins Auge gehen. Denn jeder muss für sich seinen Weg und seinen Umgang finden. Jeder reagiert in Situationen anders. Benötigt daher andere Mittel, andere Möglichkeiten der Kommunikation.

Ich kann beispielsweise nicht mit einem Abbruch-Safeword umgehen. Es gab Situationen, in denen ich schlicht vergessen hatte, dass ich eines habe. Es gab Situationen, in denen ich nicht reden konnte. (hierbei ist der Ausfall des Sprachzentrums besonders kritisch, da dieser außerhalb der Kontrolle des Partners liegt und somit von ihm erst mal gar nicht wahrgenommen wird). Und es gab Situationen, in denen ich unter keinen Umständen die Verbindung zu meinem Partner/Dom abbrechen wollte.

Schon öfter hatte ich in der Vergangenheit mit einem Partner ein Abbruch-Safewort vereinbart. Zwei mal kam es zur Anwendung .- Einmal lag ich verschnürt wie ein Rostbraten da, das zweite Mal war ich angekettet und in beiden Fällen fragte mich der Mann mit gesenktem Haupt (einmal davon vor mir knieend), was er tun solle.... Da war das Safewort extrem nützlich! In diesen Situationen ist es mir auch promt eingefallen.
Aber mal ehrlich: in solch fragiler Konstellation sollte man eigentlich eh nicht spielen. Diese Pleite möchte ich keinesfalls wieder erleben. Zudem gehe ich davon aus, dass man gemeinhin andere Situationen als die geschilderte im Sinn hat, wenn man ein Safewort vereinbart. ;)

Bei mir haben sich, anstatt eines Safewords, sehr einfache Handzeichen bewährt. Zeichen deshalb, weil ich manchmal nicht reden kann und ihre Anwendung fühlt sich "natürlicher" für mich an.
Ein Handzeichen dient dazu, anzuzeigen, sobald etwas "zuviel" ist. Das ist kein richtiges Abbruchsignal. Dadurch ist es mir möglich, es anzuwenden.
Ein anderes Handzeichen signalisiert den beginnenden Abflug in den Subspace... oder das Beschreiten des Wegs zu einem anderen mentalen Rauschzustand. In einer solchen Phase habe ich stark verminderte Vitalfunktionen. Das hatte, ohne Handzeichen, ein jähe Ende der Session zur Folge. Neben dem gehörigen Schrecken für mein Gegenüber ist der Abbruch an sich für mich gefährlich, da ich auf dem Weg zum anderen Zustand "stecken" bleibe; Endresultat: Absturz. :(

Durch Sieurs Beitrag hoffe ich, dass insbesondere Anfänger ermutigt werden, sich mit ihren persönlichen Besonderheiten auseinanderzusetzen; ein wenig mehr über sich und die Beziehung nachzudenken. Sich überlegen, wie sie in welcher Situation reagieren können, welche Form der Kommunikation für sie geeignet ist.

Es geht nicht darum zu sagen: "Lasst jegliche Sicherheitsaspekte beiseite". Ganz im Gegenteil!
Ich finde es wichtig, dafür zu sensiblisieren, dass die Vereinbarung eines Safeworts ein Element zur Absicherung sein kann - aber nicht muss. Es kann sogar dazu führen, dass man sich in trügerischer Sicherheit wiegt. Nicht jeder ist so besonnen, wie Sieur, die Partnerin vor der Session zu fragen, ob sie sich noch an ihr Safewort erinnert.... Was geschieht in so einem anderen Fall? Der Top denkt, wir haben ein Safewort und der Bottom denkt nichts (weil er es ja vergessen hat). Beide gehen nach bestem Wissen und Gewissen davon aus, dass alles paletti ist... bis es zum "Unfall" kommt. DAS ist gefährlich - und entspricht in keinster Weise dem Grundgedanken einer Safewort-Vereinbarung.

Viele Grüße,

Luna


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