Was sind eigentlich Brats und passen sie zu einem konsequenten Dom?

Ich las neulich auf einer Seite mit sehr vielen jungen und eher unerfahrenen Subs das Ergebnis einer Umfrage, in welcher sich 63 % der devoten Frauen als Brats verstanden. Ich stellte dort die Frage ein, was ein Brat denn auszeichnet und erhielt als Antwort: „Ein Brat ist nicht zähmbar, es wird ständig versuchen, den Dom herauszufordern. Wenn es friedlich ist, dann nur für kurze Zeit!“ In meinen Augen eine ganz gute Zusammenfassung dessen, was ein Brat ausmacht.

Ich verstehe darunter jemanden, der Doms Führungsanspruch ständig prüft, Dom gerne provoziert, Grenzen austestet, ihn ärgert und neckt. Unter dieser Art von Subs gab (vielleicht gibt es ihn auch noch, aber ich habe ihn lange nicht mehr gelesen) es den Spruch: „Bin ich zu stark, ist er zu schwach.“ Bevor vor einigen Jahren der Begriff Brat immer mehr im deutschsprachigen Raum aufkam, nannte man solche Personen auch gerne „Kampfsubs“ oder auch „Krawallsubs“.

Das Brat unterwirft sich richtig nur Dominanz, die es unmittelbar spürt. Bereits kurze Zeit nach der Disziplinierung kommt in der Regel die Aufmüpfigkeit wieder durch. Es ist also ein immer neues Aufbegehren und erneut unterworfen werden. Daraus entsteht eine intensive Spieldynamik beider, was nicht immer einfach ist und durchaus auch zu Problemen führen kann.

Dass dieses Bild der starken Frau, die zudem durch ihre Handlung (beispielsweise Provokation) bestimmt, wann eine Session beginnt, unerfahrene Frauen anspricht, wundert mich nicht. Ich kann die Vorstellung, gerne ein Brat sein zu wollen, sehr gut nachvollziehen. Man ist und bleibt emanzipiert, kann durch die eigene Handlung mitbestimmen, wann ein Spiel beginnt und wie hart es wird und wenn das Spiel vorbei ist, ist man weiterhin die starke Frau.

Aber ich finde nicht, dass eine Frau, die sich freiwillig und ohne Gegenwehr unterwirft, schwach ist, sie mag auf manchen schwach wirken, aber muss es beim besten Willen nicht sein. Auch zeugt Provokation nicht von Stärke, es ist eine Handlung, die ebenso aus Schwäche wie aus Stärke heraus erfolgen kann.

Bevor es den Trend Brat gab, assoziierten sich viele junge Anfängerinnen der letzten Jahre mit dem Begriff Little. Ein Little wird umsorgt und nachsichtig behandelt, es bekommt sehr viel Aufmerksamkeit und darf sich oft ankuscheln, hört sich doch auch gar nicht so schlecht an. Dass auf einen Trend ein anderer folgt, der genau in die entgegengesetzte Richtung ausschlägt, ist nicht untypisch und mag sich das assoziierte junge Alter bei Brat und Little gleichen, so sind sie ansonsten doch sehr verschieden.

Ein wenig Brat und ein wenig Little stecken nach meiner Erfahrung in jeder Sub :), das bedeutet aber nicht, dass sie alle Little, Brats oder Littlebrats sein müssen. Die meisten Subs versuchen durchaus Grenzen auszuloten, gerade am Anfang einer Beziehung und wenn sie spüren, dass es an der nötigen Konsequenz fehlt. Das macht aber eine Sub für mich nicht zu einem Brat. Ebenso mögen viele Subs eine liebevolle Dominanz und ein ausgiebiges Aftercare, wie eben auch den großen Beschützer, in dessen Arm sie sich mal fliehen können, so etwas macht aber eine Sub nicht direkt zu einem Little.

Wie würde also ein Brat zu einem konsequenten Dom passen? Ich nehme für mich an dieser Stelle einfach mal in Anspruch, zur Sorte konsequenter Dom zu gehören, dann ist es auch leichter zu erklären. Wenn Sub mich provoziert, nehme ich das entweder nichts ernst, weil es einfach nur eine kindische/unbedeutende Alltagsneckerei ist (=stehe drüber) oder aber sanktioniere das Verhalten. Ein Brat würde es bei mir auf die Sanktion anlegen und schnell herausfinden, wie viel ich durchgehen lasse, wahrscheinlich freut sie sich, weil es nicht allzu viel ist. Wir hätten also eine Strafsession und Brat wäre zufrieden, da es eine Session bekommen und Dominanz gespürt hat. Innerhalb eines überschaubaren Zeitraums würde Brat also wieder provozieren, eben weil es Lust auf ein Spiel hat. Das Problem wäre aber, dass ich bei jedem Fehlverhalten innerhalb eines gewissen Zeitraum die Strafe in etwa verdoppeln würde. Was regelmäßig zu dem Punkt führt, an welchem Sub die Konsequenz zu viel wird und sie aufgibt oder anders formuliert, sich fügt und brav wird, weil nun die Grenzen festgelegt sind und Überschreitungen unangenehm geahndet werden.

Dem dominanten Part sollte es in einer echten Dom-Brat-Beziehung aber gar nicht darum gehen, das Brat zu erziehen, denn ein Brat ist übersetzt ein verzogenes Kind. Ein Brat Tamer (so nennt man die Bratpartner) soll gar nicht versuchen, das Brat dauerhaft zu erziehen. Brat und Brat Tamer spielen sozusagen Ping-Pong mit Reizen und Reaktionen, wobei dieser Reiz, den es für das neue Spiel/Session braucht, zumeist und für BDSMler eher untypisch vom Subpart (Brat) ausgelöst wird. Manch einer wird hier auf die Idee kommen, dass Dom nur als Wunscherfüller fungieren mag.

Würde dem Brat mit Konsequenz die nötige Erziehung angediehen werden, wäre es dann noch ein Brat, wenn es eben nicht mehr ver- sondern erzogen ist? So wie ich Brat verstehe und was ich dazu gelesen habe, ist diese Spielart recht nah dran an einem Rollenspiel, da der angebliche Erfolg, also die Erziehung, eben gar nicht (dauerhaft) erwünscht ist. Dies deckt sich auch mit der Aussage der Brats über sich selbst: „Ein Brat ist nicht zähmbar, es wird ständig versuchen, den Dom herauszufordern. Wenn es friedlich ist, dann nur für kurze Zeit (Ergänzung: oder um den Dom in falscher Sicherheit zu wiegen)!“. Ein Brat ist eine Herausforderung… und soll eben auch eine bleiben.

Ich glaube nicht, dass wirklich 63 % der eher unerfahrenen und devoten Frauen das wollen. Was ich aber glaube, ist, dass viele Subs sich nicht sofort und vor allem nicht vollständig unterwerfen wollen. Sie wollen die Dominanz austesten, sie wollen Konsequenz ebenso spüren wie das Gefühl, aufgefangen zu werden und geborgen zu sein. Sich zu schenken ist kein leichter Schritt, schon gar nicht für eine starke und emanzipierte Frau, diesen Schritt und vor allem das Gegenüber zu prüfen, ist vollkommen richtig. Vor der Unterwerfung zu kämpfen bedeutet nicht, dass man sich auflehnt, wogegen auch wenn man noch gar nicht unterworfen ist? Es bedeutet vielmehr, dass man sich nicht jedem unterwerfen will und sich ein Dom diese Unterwerfung verdienen muss. Selbst wenn er sich dieses Privileg am Anfang verdient hat, heißt es nicht, dass Dom danach alles schleifen lassen kann. Sub darf und sollte Konsequenz und Dominanz dauerhaft erleben können. Erlebt sie es nicht, ist das Einfordern einer solchen durch das Abklopfen der vormals abgesteckten Grenzen nur normal und natürlich und macht das aus ihr keinesfalls eine Krawallsub aka Brat (auch, wenn mancher Dom das meint). Subs, die bei fehlender Konsequenz anfangen aufzubegehren, machen dies nicht aus fehlendem Respekt, sondern eigentlich zeigen sie damit Respekt vor dem, der sie früher mal unterworfen hat und wollen diesen wieder zurückerhalten.

Auch wenn ich es nicht belegen kann, vermute ich zwischen all den neuen Brats außerdem auch einige Switcherinnen, die ihre dominante Seite erst mit der Zeit kennenlernen werden und sie noch gar nicht so richtig realisiert haben. Schlussendlich muss niemand brav oder unzähmbar sein, findet das, was euch am besten liegt und oftmals ist dieses eben nicht in einem der beiden Extreme beheimatet.

Neugierig auf die andere Seite: Die Sicht eines Brats


Kommentare:


Janus schrieb am 23.02.2021


Wie mich diese Brats nerven, es waren gute Zeiten als es nur sklavin oder sub gab. Warum ist die Jugend nur so komisch geworden?


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Janus,

ich weiß nicht, warum man sich über die Jugend aufregen sollte. Man muss sich als Sub oder Sklavin ja keine BDSM Jugend zulegen und wer meint, die alten BDSMler sein die richtigen, der kann doch unter Seinesgleichen suchen. Wenn sich alte BDSMler über die Jugend beschweren, sind es oft jene die eben trotz recht fortgeschrittenen Alters eine junge Partnerin wollen, wer das will der muss eben geistig auch mit den jeweiligen Trends klarkommen :)

Wie im Text steht, die meisten jungen Damen die sich aktuell als Brat bezeichnen, sind in meinen Augen viel aber ganz sicher keine Brats oder Kampfsubs, wie man es früher verstanden hat. Mit ihnen klarzukommen sollte für einen erfahrenen und vielleicht sogar empathischen Dom doch gar kein Problem sein ;)

Liebe Grüße

Gentle

Kleine Sehnsucht schrieb am 23.02.2021


Ein sehr inspirierender Beitrag, macht vieles deutlicher und erklärt so einiges wo bei mir ein Fragezeichen im Kopf war, zudem regt er mich sehr zum Nachdenken an wo ich mich eventuell selbst einordnen würde.
Vielen Dank für deine Sichtweise.
LG, Kleine Sehnsucht


Antwort auf diesen Kommentar

Schön, solch ein Feedback zu erhalten :)

OPrecious schrieb am 22.02.2021


Danke für den Artikel. Das hast du sehr gut getroffen, wie ich finde :)


Antwort auf diesen Kommentar

So oft wie ich über den Begriff in den letzten Monaten gestolpert bin, wurde es mal Zeit, dazu auch etwas zu sagen :)

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  •   LKDmbiEXkYN schrieb am 21.02.2021
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  •   gatita schrieb am 19.02.2021
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