Rapegame

Vorweg: Vergewaltigung ist eines der schlimmsten Verbrechen und ich denke, dass die Täter für immer weggesperrt werden sollten, da die Hemmschwelle nie wieder vollständig aufzubauen sein wird. Ein Rapegame ist jedoch etwas, auf das sich alle Beteiligten freiwillig einlassen, es ist eine Art gespielte Vergewaltigung, die sinnigerweise auch feste Regen hat. Wenn nicht alle beteiligten Personen dabei über eine sehr gefestigte Persönlichkeit verfügen, sollte von dieser Spielart unbedingt die Finger gelassen werden.

Ich selber habe mich dreimal an dieser extremen Variante des BDSM versucht, zweimal mit Erfolg und einmal klappte es nicht. Zum Glück war aber bei dem fehlgeschlagenen Versuch die einzige Konsequenz, dass es eben einfach nur eine härtere Session und nicht das eigentlich geplante wurde.

Ich denke, fast jeder Mann hatte schon einmal eine solche Fantasie, eben der Schurke zu sein, welcher sich nimmt, was er will und auch viele Frauen haben solche solche Fantasien. Dabei müssen weder Mann noch Frau BDSMler sein. Selbst devote heterosexuelle Männer haben solche Fantasien, somit geht es hier mehr darum, wer der vermeintliche Täter und wer Opfer ist und nicht welchem Geschlecht die Person angehört.
Natürlich gibt es bei einer einvernehmlichen und nur gespielten Vergewaltigung keinen wirklichen Täter und kein Opfer. Da dieser Artikel nur diese Konstellation behandelt, erspare ich allen Lesern jedes Mal ein vermeintlich vorzustellen.

Es gibt nun zwei Optionen, dieses Spiel kann mit einer Person gespielt werden, der man sehr vertraut oder aber mit einer fremden Person.

Der Vertraute
Die Gefahr, dass das Spiel eskaliert, ist hierbei weitaus geringer. Das Opfer vertraut und fühlt sich trotz der Situation in Sicherheit. Der Täter kennt die Grenzen seines Opfers und weiß in der Regel auch, wie er sein Gegenüber wieder auffangen kann, wenn er zu weit gegangen ist. Die Vorlieben des Täters sind bekannt und so kann das Spiel gut beherrscht werden.

Das Problem ist der Skrupel, wenn man auf Täterseite sein Gegenüber vielleicht sogar liebt und vor allem ist es dieses Kennen des anderen, was ihn berechenbar macht. Man weiß, er spielt den Bösen, aber er ist es eigentlich ja gar nicht. Somit kann die Spannung nur schwerlich aufgebaut werden und eine positive Eskalation des Ganzen ist so gut wie ausgeschlossen. Woher sollte diese Eigendynamik auch kommen, immerhin hat Dom Sub schon hundert Mal ausgepeitscht, angespuckt, gevögelt und was auch immer.
Sprich, mein Versuch, der scheiterte, war eben mit einer langjährigen Spielbeziehung und wir hatten zwar beide unseren Spaß, aber nachher stand für uns fest, dass es eigentlich nur von meiner Seite aus eine härtere, rein egoistisch orientierte Session war. Dies war aber nichts Schlimmes, da wir beide durch dieses missglückte Rapegame herausgefunden hatten, dass wir ruhig ein wenig weiter gehen konnten als wir es bis dahin miteinander getan hatten.

Der Fremde
Ein „Fremder“ ist nicht einschätzbar und darin liegt der Kick, aber auch eine sehr große Gefahr. Wie kann man einem Fremden wirklich so weit vertrauen, dass man die Sicherheit hat, keine wirklichen Schäden davonzutragen. In diesem Fall müsste man sehr viel über den anderen Wissen und diese Informationen auch kritisch hinterfragt haben.

Absprachen
Wer ein solches Spiel spielt, sollte, auch wenn es etwas den Kick nehmen mag, ein Safeword einbauen. Die Einwilligung in eine gespielte Vergewaltigung kann zu jeder Zeit juristisch wieder zurückgenommen werden. Geschieht dies, kann sich der Täter nicht mehr auf die Einwilligung berufen und die Gerichte haben hier kein Verständnis für die Neigung BDSM. Ohne ein Safeword sieht das Gericht bereits in einem einfachen „Nein“ eine Äußerung, welche dazu führt, dass die Einwilligung entzogen wird.
Also lieber Dom, der du mit dem Gedanken spielst ohne ein Safeword zu spielen, du stehst bereits mit einem Bein im Gefängnis und dort könntest du dich evtl. auf der anderen Seite einer Vergewaltigung wieder finden. Das Opfer benötigt immer eine Option auszusteigen, gerade dann, wenn er oder sie merkt, es könnte sonst zu psychischen Schäden kommen. Jedoch selbst mit einem Safeword ist die Gefahr nicht gebannt. So kann das Opfer so in der Situation gefangen sein, dass er oder sie einfach nicht in der Lage ist, das vereinbarte Zeichen zu geben.
Weiterhin können auch bei einem Rapegame Tabus ausgesprochen werden. Ob dies geschieht, darüber sollten sich beide Seiten sehr viele Gedanken machen. Dabei sollte aber immer beachtet werden, dass etwas, das sonst tabu ist und welches dann in einer solchen Extremsituation durchgeführt wird, sehr leicht zu psychischen Schäden führen kann. Tabus sollten in meinen Augen wenn dann gemeinsam überwunden, aber niemals gebrochen werden. Zudem ist es möglich, das Spiel zeitlich zu begrenzen. So hat das Opfer immerhin eine Gewissheit, dass dies alles nach einer bestimmten Zeit einfach vorbei ist.

Sicherheit versus Spannung
Je mehr Sicherheit bei einem Rapegame dabei ist, umso mehr leidet natürlich die Spannung. Aber hier gilt es sich genau zu überlegen, was man will. Ein solches Spiel ist ein Kick für einen Abend, geht etwas wirklich schief, kann daraus ein Psychoknick für ein ganzes Leben resultieren.

Der Täter
Dieser muss die volle Verantwortung für sein Handeln übernehmen und sollte auch über ein gutes Gespür für menschliche Emotionen verfügen. Nur so kann er Fehlentwicklungen bemerken, das Spiel in eine andere Richtung lenken oder eben auch in letzter Konsequenz dieses vorzeitig abbrechen.
Der „Spaßfaktor“ ist in dieser Rolle sehr klar. Es geht darum ganz egoistisch seinen Spaß auszuleben, sich das zu nehmen, was man braucht und das mit jemandem, der darin eingewilligt hat, womit es keine moralischen Bedenken mehr gibt, die sonst jeden normal denkenden Menschen davon abhalten, eine solch extreme Handlung vorzunehmen.

Das Opfer
Dieses muss psychisch sehr stabil sein.
Der große Vorteil an der Opferrolle ist, dass man sich immer darauf zurückziehen kann. Alles was geschieht und was man ansonsten vielleicht gar nicht zulassen würde, all das kann vielleicht sogar ohne moralische Bedenken genossen werden. Wer Opfer ist, hat keinen Einfluss, also gelten moralische Überlegungen, die einen sonst vielleicht hindern, auch nicht. Zudem ist hierbei die extreme Überlegenheit des anderen Parts und vielleicht auch eine ganz neue Art von Dominanz, die man verspürt.

Flashbacks
Ein Flashback ist eine Erinnerung, die wieder aufkommt. Gerade wenn man eine Situation schon einmal erlebt hat, können durch ähnliche Handlungen diese Erinnerungen wieder hervor-/abgerufen werden. Die große Gefahr geht dabei von Missbrauchsfällen oder gar Vergewaltigungen auf Seiten des Opfers aus, gerade wenn diese Erfahrungen noch nicht wirklich gänzlich aufgearbeitet sind.
Zum Teil weiß das Opfer nicht einmal mehr von diesen belastenden Ereignissen, weil es diese Erinnerungen erfolgreich verdrängt hat. Dies geschieht besonders häufig, wenn der Missbrauch in sehr jungen Jahren erfolgt ist.
Auch auf der dominanten Seite können solche Erinnerungen aufkommen, wenn er oder sie selber einmal ein solches reales Opfer war, dies ist aber weitaus seltener. Einige Vergewaltigungsopfer suchen gezielt gerade eine Situation, in der sie das Erlebte neu erleben können, sei es um es besser zu verstehen oder auch als eine Art Eigentherapie. Hiervon ist dringenst abzuraten und der Gang zu einem geschulten Psychotherapeuten ist weitaus sinnvoller als dieses Spiel mit dem Feuer.

Umfeld und Zeit
Wo ein solches Spiel stattfinden soll, ist eine gute Frage. Auf jeden Fall sollte der Ort sehr gut gewählt sein. Bekommen es unbeteiligte Dritte mit, werden diese hoffentlich einschreiten und das kann sehr unsanft erfolgen. Würde ich so etwas in einem Wald sehen, würde ich auch nicht erst fragen, ob das ein Spiel ist, sondern mir den nächsten stabilen Stock schnappen und dem Typen eins über die Mütze geben. Vorwarnen wäre nicht meine Sache, da ich immer Bedenken hätte, er sei bewaffnet, und dann ist es mir lieber, erst zu hauen und dann erst Fragen zu stellen.

Am besten ist ein solches Spiel spontan, nur ist dies fast nie möglich - außer in einer festen Beziehung wird irgendwann, bis auf Widerruf, von der devoten Seite in ein solches Spiel eingewilligt. In dem Fall kann es natürlich stattfinden, wenn es gerade passt. Kennen sich die Beteiligten, ist es sehr schwer, die Note spontan einzubringen.

Eigene Erfahrungen
Neben dem einen gescheiterten Rapegame (siehe der Vertraute) hatte ich auch zwei sehr intensive gute Erfahrungen damit gemacht. Die eine Frau lernte ich virtuell kennen und wir kamen recht schnell auf das Thema und, dass es uns beide ungemein reizt. Bis auf Mailverkehr und ein Telefonat hatten wir keinen weiteren Kontakt miteinander. Jedoch fanden wir durch Zufall heraus, dass wir eine gemeinsame Bekannte hatten, welche mich als Dom und sie als Sub kannte. Als Switcherin, die auch Frauen mag, hatte sie in der Vergangenheit mit uns beiden gespielt. Jene Frau war damit so etwas wie unsere Patin, sie konnte dem jeweils anderen neutral Fragen zu der Person beantworten. Mir war es wichtig, dass diese Frau psychisch stabil war und ihr war es wichtig, nicht an einen totalen Freak zu geraten.
Nachdem wir also beide unsere Informationen eingeholt hatten, hinterlegten wir bei ihr beide das, was wir erleben wollten. Sie erhielt einen Wohnungsschlüssel und durfte sich in meiner Abwesenheit eine halbe Stunde meine Wohnung anschauen, danach wartete sie entkleidet mit dem Rücken zur Eingangstür in meiner Wohnung. Als ich wiederkam legte ich ihr eine Augenbinde an und erst zwei oder drei Stunden später sah sie dann zu ersten Mal ihren Täter, der inzwischen schon sehr viel mit ihr angestellt hatte.

Das andere Rapegame fand mit einer Exaffäre statt. Wir hatten uns aus den Augen verloren und trafen uns durch Zufall auf einer ganz normalen Grillparty von gemeinsamen Bekannten an einem See. Unsere Affäre war damals sehr intensiv und kratzte nicht nur an der Oberfläche, für mich war sie damals eine richtige Sklavin. Ein Bekannter sagte mir auf Nachfrage dann noch, dass sie derzeit solo sei, also gab es keinen Grund mehr, nicht etwas dreister zu sein.
Ich passte also einen Moment ab, in dem sie abseits telefonierte. Als sie das Gespräch beendet hatte, ging ich auf sie zu, packte ihr wie früher in den Nacken und sagte ihr direkt: „Ich hätte gerade richtig Lust dich zu missbrauchen.“ Sofort danach lockerte ich meinen Griff, sie drehte sich zu mir um, grinste und sagte: „Dann mach es doch“. Tja von der Partygesellschaft haben wir nicht mehr wirklich viel gesehen, aber das Schöne war, dass wir uns kannten, aber dennoch genug Abstand hatten und vor allem nüchtern waren.

Wie man sieht, auch nach elf Jahren recht aktiver Beschäftigung mit dem Thema BDSM ist dies auch für mich etwas, das ich sehr selten auslebe, wenn auch in diesen Fällen dann mit großem Genuss.

Nachsorge
Gerade vom dominanten Part sollte erwartet werden, dass er sich danach um sein Opfer kümmert und es nicht nur auffängt, sondern in den nächsten Tagen und Wochen auch immer ein offenes Ohr hat, wenn Redebedarf besteht.
Aber auch der Täter kann ein schlechtes Gewissen haben, weil er meint vielleicht zu weit gegangen zu sein. In dem Fall muss der devote Part die Rolle übernehmen und den anderen stützen. Lief wirklich viel schief, mag es sogar anzuraten sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Update: Weitere Beiträge zu dem Thema
Sachartikel
Blogbeitrag aus weiblicher Sicht
Umfrage
Fachbeitrag Vergewaltigung (nicht Fantasie!)
Mitmachgeschichte (2 Kurzgeschichte nicht die Nr.1)
 


Kommentare:


FrecheSchülerin schrieb am 24.05.2018


Ich sehe solche Spielarten sehr kritisch, weil damit oft Reinszenierungen von Traumata stattfinden.

Außerdem bin ich mir nicht so sicher, ob jedes "Opfer" die möglichen Auswirkungen richtig einschätzen kann.

Und selbst, wenn nichts reinszeniert wird und das "Opfer" psychisch stabil ist, finde ich so etwas höchst bedenklich.






Antwort auf diesen Kommentar

Alles Gründe sich die jeweiligen Mitspieler sehr sehr genau auszusuchen und wohl auch einer der Gründe, warum ich es so selten umgesetzt habe.

Nina schrieb am 14.03.2015


Also ich muss sagen das diese Fantasie durchaus was hat.
Obwohl ich bezweifle das ich sie jemals ausleben werde da ich mir nicht vorstellen kann einem Fremden so zu vertrauen :(


Antwort auf diesen Kommentar

Was auch sehr gesund ist. Wie geschrieben, war ich bei meinen echten Rapegames jemand den die andere Person einschätzen konnte. Zumal man bei mir wohl noch den sehr großen Vorteil hat, dass ich durch meine Bekanntheit jemand wäre, bei dem es, wenn er denn dazu neigen würde Mist zu machen, sehr schnell sehr publik würde.

Anna-Marie schrieb am 29.12.2013


Sehr interessante Überlegungen

Lese mich gerade mit Wonne durch deine Seite.... immer auf der Suche nach Antworten auf meine unzähligen Fragen. Ich danke dir für soviel Einblicke in die Seele eines dominanten Mannes.


Antwort auf diesen Kommentar

Und du hast hier sicher noch einiges zu entdecken ;)

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