Stell dich bitte kurz vor:
Mein Name ist D, im Portal Schattengestalt und ich komme aus dem Raum München. Ich bin männlich, 30 Jahre jung und sehe mich in der dominant-sadistischen Rolle.
Seit wann reizt dich BDSM, gab es einen Auslöser?
Der Reiz an BDSM kam in der späten Jugend. Ich fand seinerzeit besonders das Spiel mit Grenzen und echten Emotionen spannend, es war das einzige sexuelle Gebiet, in dem Reaktionen nicht gekünstelt waren/sein konnten. Die erste Auslebung folgte mit etwa 18-19, ziemlich zeitgleich mit der Auslebung von eigentlicher Sexualität.
Was genau reizt dich an dem sehr weiten Feld BDSM?
Nur im BDSM erlebe ich eine solch intensive Verbindung zwischen mir und meine(r/n) Spielpartner(i)n. Die Hingabe, die Verantwortung und die Innigkeit ist unvergleichbar. Auch das Wechselbad der Gefühle bei meinem Gegenüber und das Auffangen während oder nach dem Spiel schenkt mir als Dom sehr viel Nähe und Vertrauen.
Es gibt nicht die eine Spielart, die solche Emotionen auslösen kann. Aber ich bevorzuge Spielarten, in denen ich meinem Gegenüber sehr nah bin. Mehr zu meinen Spielarten klärt sich in der nächsten Frage auf.
Falls du BDSM inzwischen auslebst: Hat sich „dein“ BDSM im Lauf der Zeit verändert?
Hui, und wie! In meinem Leben habe ich bisher mit vier Spielarten des BDSM gespielt und alle zu schätzen gelernt.
Begonnen habe ich mit dem Spiel von Schmerz in verschiedensten Formen. Je nach Gegenüber genoss ich das Austeilen von sanftem Schmerz mit viel Nähe genauso wie die Annäherung von Grenzen mit erst späterem Auffangen. Schmerzen mit Distanz waren früher mein Einstieg, geben mir heute aber wenig, dieser Aspekt findet praktisch keinen Teil mehr in meinem Spiel. Starker bis grenznaher Schmerz mit gleichzeitig viel Körperkontakt kann durch das Wechselspiel von Geborgenheit und Hingabe jedoch bis heute sehr viel bei mir auslösen.
Relativ zeitgleich fand ich einen Reiz an Überwältigungsspiel, an körperlicher Überlegenheit, Fixierung mit dem Körper, CNC. Dieses animalische, vielleicht triebgesteuerte Spiel ist nicht meine präferierte Spielform, findet aber bei regelmäßiger Abwechslung bis heute in mein Spiel. Beim CNC (Consensual non consent) genieße ich Rapeplay, das Überschreiten von Grenzen, das Umkehren von "Nein" in "Mehr!" und habe Interesse an der Jagd. Alles, wie der Begriff schon sagt, im vorab abgesteckten Konsens und nur bei der von mir erworbenen Fähigkeit, mein Gegenüber zu lesen.
In den letzten Jahren entwickelte ich meinen Sadismus in Richtung Lustspiel weiter. Tease and denial, Edging, Überreizung, endlose, genauso wie ruinierte Orgasmen regen mich sehr an. Dieses Spiel erlaubt großartige Qual... äh Reaktionen durch mininale Berührungen. Als Reaktionsfetischist weiß ich dieses Spiel auch heute sehr zu schätzen.
Zuletzt haben wir das mentale Spiel. In Teilen war es immer präsent, schließlich entsteht die Lust primär im Kopf. Ungewissheit, Überraschung, Variation. Hier ein undefinierbares Geräusch, dort ein Hauchen im Nacken, das Spiel mit Erwartung und Lust. Doch zuletzt habe ich großen Gefallen daran gefunden, vor allem mit der Psyche zu spielen. Was, wenn die sanfte und wohltuende Berührung immer tiefer wandert, jedoch stets zu früh endet? Was, wenn mein Atem über Nacken und Brust zu spüren ist, aber jedes körperliche Aufbäumen ins Leere geht?
Dieses Spiel ist die reinste Folter und kann gleichzeitig die größte Erfüllung auslösen, wenn man sich fallen lassen kann.
Mehr zu diesem konkreten Spiel findest du aktuell in meinem Profiltext.
Wo es mich nie hin trieb:
Ich bin kein Rigger und im Fesseln mit Seilen auch eher ungeübt. Seile sind für mich Mittel zum Zweck, während sie bei vielen Menschen deutlich mehr auslösen. Tatsächlich könnte ich mir eher vorstellen, mich binden zu lassen, statt selbst zu fesseln.
Außerdem bin ich ein sanfter, fürsorglicher Dom. Sucht man nach einer furchterregenden Gestalt, wird man sie in mir nicht finden. Ich bin achtsam, aufmerksam und fürsorglich. Ich bin vorsichtig, selbst dann, wenn ich an Grenzen treibe (bedingte Ausnahme: CNC). Und ich frage auch im Spiel nach, wenn ich unsicher bin, wie es meinem Gegenüber geht.
Lange Zeit wollte ich eine solch unheimliche Erscheinung sein, die schon beim puren Anblick einen Nervenkitzel erzeugt. Mir wurde jedoch mittlerweile häufig zurückgemeldet, dass meine achtsame und fürsorgliche Art das Fallenlassen viel leichter erlaubt und man sich in meinen Händen schnell sicher fühlen kann. Dass sie im Gegenteil sogar bereichernd ist, weil sich mein Gegenüber mir leichter hingeben und besser abschalten kann.
Mein Appell an Doms ist also, dieser Form des Umgangs mit dem Gegenüber gerne einen Platz zu schaffen, da es bisher auch bei den erfahrensten Subs immer gut ankam.
Mein BDSM hat sich also von dem Porno-BDSM zu einem sehr intensiven Spiel mit dem Kopf gewandelt. Dadurch, dass ich auf alle Spielarten zurückgreifen kann, hat sich außerdem ein sehr abwechslungsreiches Spiel entwickelt.
Welchen Stellenwert hat BDSM für dein Leben und für deine Beziehung?
Für mich ist dauerhafter Sex ohne BDSM-Komponenten nicht mehr reizvoll. Ich könnte mir ein Leben ohne BDSM also nicht vorstellen.
An dieser Stelle möchte ich einwerfen, dass ich schon mit mehreren Menschen in Kontakt war - teils deutlich über 50 - die erst sehr spät von ihrer Neigung erfuhren und, beispielsweise zum Schutz einer (oft unerfüllenden) Beziehung/Ehe auf die Auslebung verzichten. Ich möchte jede(n) ermutigen, der eigenen Neigung eine Chance zu geben und das Gefühl der Andersartigkeit zu überwinden. Oft gibt es offene Beziehungsmodelle, in denen die Neigung ausgelebt werden kann. Kommunikation ist hier alles.
Wie lebst Du BDSM in deiner Beziehung aus, beziehungsweise wie würdest du es ausleben wollen?
Wir haben teils liebevollen Sex, teils BDSM-Komponenten und teils Sessions. Wir leben kein 24/7, doch ich habe die Möglichkeit, mir zu nehmen, was ich brauche, wenn ich es brauche. Ich mag Widerstand, sowohl im CNC als auch im Alltag (Richtung Brat)
Im Alltag befinden wir uns jedoch immer auf Augenhöhe und Diskussionen oder Streits werden niemals mit BDSM(-Elementen) unterbunden.
Abgesehen von meiner eigenen Partnerin/Ehefrau führen wir eine offene Beziehung. So spielen wir beide gelegentlich mit anderen Menschen, auch dort im BDSM-Kontext. Mir ist dort wichtig, dass ich mein jeweiliges Gegenüber sehr umfassend und bis in die Tiefe kennenlerne. Erst dann starte ich das Spiel mit echtem BDSM. Und, weil das des Öfteren gefragt wird: es wird nicht zu viel. Wenn du mehrere enge Freundschaften führst, wird das auch zu keiner Belastung. Genauso sehe ich es im BDSM-Kontext: in dem jeweiligen Moment hat mein Gegenüber meine volle Aufmerksamkeit, doch jeder führt sein eigenes Leben. Wichtig ist mir, dass ich immer ein offenes Ohr für meine Partnerinnen habe.
Da ich gleichzeitig sapiosexuell (dem Intellekt hingezogen) und vor allem demisexuell (großes Bedürfnis nach einer emotionalen Verbindung) bin, ist ein Spiel mit Fremden für mich nicht reizvoll. Zuerst möchte ich mein Gegenüber wirklich kennenlernen.
In meinem Profil steht das Motto "Lass' mich in deinen Geist eintauchen, nicht in deinen Körper". Das körperliche Interesse kommt immer erst nachrangig.
Hast du mit deiner Neigung gehadert? Wenn ja, warum und wie bist du damit umgegangen?
Nein. Ich stieß schon früh auf Forenbeiträge und mit einem früheren Profil auf dieses Portal, wo ich in meiner Neigung sehr viel Sicherheit fand. Eher hatte ich das Gefühl, endlich angekommen zu sein.
Welche Erfahrungen hast du mit der Partnersuche gemacht?
Partnerinnen für Liebesbeziehungen habe ich mehrmals in Gentledom gefunden, oft mit anderen Intentionen (zB. Gedankenaustausch). Der niveauvolle Umgang und die geringe Oberflächlichkeit waren und sind für mich immer sehr reizvoll. Auch meine Ehepartnerin, mit der ich auch nach mehreren Jahren Ehe darauf hoffe, mit ihr mein Leben verbringen zu dürfen, fand ich hier.
Gleichzeitig habe ich während der Partnersuche gerne mit Menschen kommuniziert, die deutlich älter als ich waren oder am anderen Ende des Landes wohnten. Auch hier fand ich die offene und niveauvolle Kommunikation einzigartig.
Bei der Suche nach Spielpartnern habe ich - leider - im Club die einzigen Menschen gefunden, mit denen ich nachhaltig spielte. Leider, weil ich aufgrund meiner Demisexualität im Club eigentlich fehl am Platz bin und Menschen viel lieber schriftlich kennenlerne.
Aber in Gentledom geht es eher um die Partnersuche und auf anderen Portalen um die schnelle Nummer. Dazwischen gibt es leider nur wenig zu finden und alle Menschen, die für eine enge, zwischenmenschliche Beziehung offen wären, werden von einer Vielzahl an Männern belagert und verlieren leicht das Interesse an dem jeweiligen Portal.
Mit geringeren Ansprüchen wäre manches leichter. Aber ich bin nicht unzufrieden über meine Situation.
Was bietest du und was erwartest du von deinen Partnern?
Ich schenke Authentizität. Mein BDSM ist genau das, was ich in dem Moment tun möchte. Das hat Einfluss auf die Ausstrahlung. Auch präsentiere ich meinem Gegenüber meine Schwächen, während wir uns kennenlernen. Meine Spielpartnerin soll wissen, dass ich nicht makel- und sorgenlos bin. Dass auch ich Fehler machen kann und dass ich mir Gedanken zu Gefahren mache.
Ich biete uneingeschränkte Aufmerksamkeit und Interesse an meinem Gegenüber. Ich beobachte lange und lerne, meine Spielpartnerin zu lesen. Im Alltag schenke und erwarte ich Augenhöhe. Im Spiel darf mein Gegenüber zu Beginn mitreden und ist eingeladen, sich langfristig fallen zu lassen. Ich spiele sehr vielseitig, sodass ich mich an mein jeweiliges Gegenüber und dessen Interessen anpassen kann. Wichtig ist mir jedoch, dass mir immer ehrlich kommuniziert wird, wie es ihr geht und was tief im Inneren vielleicht schlummert. Werden in der Kommunikation Dinge unterdrückt, kann ich mein Gegenüber im Spiel nicht mehr einschätzen. Wir spielen also erst, wenn diese Offenheit erreicht wurde - oder im Zweifel dann eben nicht.
Nach dem Spiel wünsche ich mir die Möglichkeit, mit meinem Gegenüber die entstandenen Emotionen zu deuten. Das erfordert manchmal Zeit und fällt manchen Menschen auch sehr schwer. Doch ich finde es unglaublich wichtig, aus dem gemeinsamen Spiel zu lernen und noch besser zusammenzufinden. Menschen, die nicht bereit sind, alle ihre Emotionen mit mir zu teilen, müsste ich leider weiter schicken.
Willst du den Lesern noch etwas mitteilen, was hier nicht angesprochen wurde?
Ganz oft lese ich bei Menschen, die in den BDSM einsteigen (wollen), dass sie sich fehl am Platz fühlen. Dass sie das Gefühl haben, verkehrt zu sein.
Dadurch, dass BDSM so weitreichend ist, ist aber für jeden Menschen ein Platz frei.
Statt die eigene Neigung zu verleugnen, möchte ich jedem Leser und jeder Leserin das Gefühl mitgeben, dass sein oder ihr BDSM einen Platz in dieser Welt hat und er oder sie sich nicht an irgendwelche Standards anpassen sollte.
Die echte Leichtigkeit kommt erst, wenn du authentisch spielst und genau das tust, was dir wirklich Freude bereitet. Distanziere dich von irgendwelchen Erwartungshaltungen - sowohl als Dom, als auch als Sub.
Bei sehr unerfahrenen Subs bitte ich darum, dich in Sachen Sicherheit einzulesen, um Missbrauch jeglicher Art zu verhindern. Das ist leider nach wie vor ein Thema, weil Unerfahrenheit teilweise ausgenutzt wird. Steige lieber etwas langsamer ein, stelle Fragen an andere Doms, wenn dir etwas ungewöhnlich vorkommt und triff' Maßnahmen, um dich zu schützen.
BDSM wird auch in einem Jahr noch wundervoll sein. Missbrauch begleitet dich dagegen ein Leben lang.