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BDSM Geschichten

Obsession

Hier stehe ich nun, mein Handy in der zitternden Hand und starre auf die SMS: „In 30 Minuten, alte Fabrik.“ Kein Wort mehr von dir, aber ich weiß, was das bedeutet. Du würdest sagen: „Wir spielen ein kleines Spiel.“ Doch du ahnst, dass es mehr als nur das ist.

Keine zwanzig Minuten später bin ich am vereinbarten Treffpunkt. Der Wind rauscht durch die alten Bäume, bringt die morschen Äste zum knarren. Die herbstlich gefärbten Blätter fallen von den Bäumen, liebkosen meine vom Wind gekühlte Haut. Meine Kleidung hab ich im Auto gelassen, dich interessiert sie nicht.

In „unserer“ Halle angekommen knie ich mich nackt auf den Boden, mit dem Rücken zum Eingang, den du immer benutzt. Durch die zerborstenen Scheiben dringen die letzen wärmenden Sonnenstrahlen des Altweibersommers und wärmen mich, während sich Scherben, Splitter und kleine Steinchen in meine Knie bohren. Die ganze Fabrikhalle erinnert an vergangene Zeiten, man atmet förmlich die Zeit der industriellen Revolution, als es die Arbeiter in den Fabriken und deren Vorgesetzte gab, eine Zweiklassengesellschaft. Ich lächle bei dem Gedanken, dass ich genauso auf dich angewiesen bin, wie die Arbeiter damals auf ihre „Herren“. Du weißt die Stimmung der Halle ganz für dich zu nutzen. Doch bevor ich weiter über uns nachdenken kann, spüre ich wie du die Halle betrittst – lautlos.

Deine Anwesenheit füllt den ganzen Raum. Du siehst mich nackt und weißt, dass auch meine Seele genauso nackt vor dir ausgebreitet ist. Ich fühle, dass auch du nackt sein musst, kein anderer Mann hat diese Präsenz, diese dominante Ausstrahlung, die die Luft regelrecht zum Vibrieren bringt.

Plötzlich durchzuckt mich ein Schmerz, löscht alles was in mir vorgeht, löscht die Bedenken, die ich wegen meiner Verbindung zu dir habe. Du schlägst mich mit dem Gürtel, doch er liebkost mein Inneres, lässt mich eins werden mit meinem Ich. So völlig versunken, spüre ich erst wieder, als dein Finger mein Kinn berührt. Der Kontakt konfrontiert mich wieder mit der Umwelt und mit meiner Welt – mit dir. Du zwingst mich, dir in die Augen zu sehen, denen diese unglaubliche Tiefe eigen ist, dieses dunkle Braun, das wie ein schwarzes Loch alles um sich herum in den Bann zieht. Dein Finger leitet mich weiterhin unbeirrbar nach oben – ich muss aufstehen, langsam, mit zitternden Beinen.

Wir befinden uns auf Augenhöhe und doch seh ich zu dir auf: „Mein Dom“ ist alles was ich denken kann. „Ja.“, du hast es also gehört, wohl mehr erahnt, wie so vieles in Bezug auf mein Innenleben. Haut an Haut – so stehen wir da, unsere Herzen räumlich getrennt, und doch – sie schlagen gemeinsam, füreinander, im selben Takt. Ich weiß, dass ich mich bei dir fallen lassen kann, denn du fängst mich immer wieder auf, gibst mir alle Zeit die ich dafür brauche, forderst nichts, was ich dir nicht geben kann, forderst, was ich bereit bin zu geben. Du bist immer für mich da und ich für deine Lust. Und doch weiß ich, du würdest mich niemals enttäuschen, denn dir einzig und allein ist die Macht über mich gegeben.

Wenn wir jetzt nach draußen gehen, du mich in die Decke wickelst, die du, fürsorglich wie du bist, mitgebracht hast, da die Abende doch merklich kühl sind, und wir dann nach Hause fahren, weiß ich, wir werden Liebe machen und es ist nicht einfach nur so dahingesagt, keine leere Worthülse.

Verfasserin Jay-Liz