Die Angst vor der Angst

Was tun bei Panikanfällen während einer Session?

Manche kennen dieses Gefühl und fürchten es wie nichts in dieser Welt. Die Panik. Sie kriecht durch den Körper wie ein schwarzer Geist, umhüllt das Innere und lässt das Herz fast aus der Brust springen. Der Atem wird stockend, der Hals schnürt sich zu, in den Ohren ist nur noch das wummernde Herz zu hören, die Knie verlieren plötzlich an Halt und der Kopf ist voll von dunklem Nebel der Angst. Der einzige Instinkt: die Flucht. Doch wovor eigentlich – kommt die Angst doch aus dem tiefen Inneren.

Ein Thema wie dieses ist natürlich ein sehr Unangenehmes. Aber genau deswegen sollte man es ansprechen, um richtig damit umgehen zu können. Auch im BDSM Bereich fällt es Leuten, die zu Panikanfällen leiden, schwer, sich fallen zu lassen. Zu Vertrauen. Zu wissen, dass es immer einen Ausweg gibt. Auch wenn ich eine dieser Personen bin, die im Alltag ab und zu von der Panik überfallen wird, so hatte ich bisher immer das Glück mich mit vollem Vertrauen in die Hände meines Doms begeben zu können. Er kennt meine Grenzen, meine Ängste, meine Panik und hat das Verständnis. Eine für mich wichtige Grundlage, ohne die eine Session kaum möglich wäre und wie allzu oft im Leben ist auch hier das wichtigste Instrument dafür die Kommunikation.

Nun hatte ich zwar noch nicht die Situation mich während einer Session in negativen Sinne selbst zu verlieren, kann mir aber durchaus vorstellen, wie es wäre. Definitiv kein schöner Gedanke. Was also tun, wenn Sub sprichwörtlich in den Seilen hängt?

In der Ruhe liegt die Kraft. Das ist zwar schwer umzusetzen, während bei einer Session die Panik alle Glieder in Beschlag nimmt, aber dennoch machbar. Der Partner sollte zur Stelle sein, merken, dass etwas nicht stimmt und diesen dementsprechend aus der Lage befreien. Nur gemeinsam kann man diese Hürde meistern. Wichtig hierbei: die Atmung. Für mich ist das in den meisten Fällen der Schlüssel zur inneren Ruhe. Gemeinsam ein- und ausatmen, während mein Partner beruhigend streichelt, krault oder was auch immer. Umarmungen sind für mich zum Beispiel in dem Fall ein no go, denn dann bin ich ja wieder „eingesperrt“, was zu dem Zeitpunkt sehr ungünstig ist.

Worauf muss denn nun geachtet werden?

Ich kann natürlich nur aus meiner Sicht sprechen und berichten, was mir geholfen hat, vor allem, wenn es darum geht in einer Session ruhig zu bleiben und die Panik erst gar nicht zuzulassen. Haltet immer den Blutzuckerspiegel bei einer Session auf einem normalen Niveau. Menschen, die sowieso mit Panik zu kämpfen haben, sollten also vor und auch während der Session dafür sorgen, dass sie Blutzuckertechnisch ausgeglichen sind. Das kann zum Beispiel mit Nüssen zwischendurch erreicht werden. Außerdem solltet ihr auf keine Mahlzeit am Tag verzichten. Auch nicht aus Nervosität.

Oft weiß man auch schon vor einer Session, dass die Stimmung kippen könnte – hier sollte man dann einfach auf die Session verzichten und kein Risiko eingehen. Euer Partner sollte - nein, er muss dafür Verständnis haben. Euch auffangen und Euch wieder in die Normalität zurückholen. Vertrauen ist hierfür die Basis. Ich würde auch niemals eine Session mit einem fremden Menschen machen, denn ich weiß, dass ich mich nur demjenigen in die Hände begeben kann, der mich kennt. 

Natürlich kann so eine Panikattacke während einer Session auch heißen, dass die Angst nun noch größer ist und kaum noch Sessions stattfinden. Die Angst vor der Angst also. Diese Angst lauert dann gefühlt hinter jeder Ecke - ist aber absolut der falsche Weg, denn ich kann aus Erfahrung berichten, dass man nur über die Panik siegen kann, wenn man gegen sie kämpft. Man muss also immer und immer wieder in die Schlacht ziehen. Es ist schwer, es ist unangenehm und es ist manchmal nervenzerreißend. Aber es lohnt sich. Ich selber habe vor einiger Zeit den Kampf gegen die Panik gewonnen und kann aus diesem Grund jede Session beschwerdenfrei genießen. 

Sollte Eure Panik dennoch nicht verschwinden, so muss natürlich Hilfe besorgt werden, was Euch aber wahnsinnig helfen wird. Die Panik ist ein mieser Begleiter, aber spätestens bei der nächsten Wegeskreuzung kann man sie nach rechts schicken, während man links geht. Befreit und mit einem ganz neuen Lebensgefühl. 

Es ist zwar kein leichter Kampf, aber mit einem verständnisvollen Partner absolut machbar, denn großes Vertrauen wirkt allzu oft wahre Wunder! :-) 


Kommentare:


Corina schrieb am 11.09.2017


Hallo Ceerny,

ein nicht zu unterschätzendes Thema und darum danke dafür. Bei der Atmung fällt mir noch etwas ein. Um wieder einen ruhigen Rhythmus zu bekommen, Papiertüte vor Mund und Nase halten und den Betroffenen mit ruhigem Ton zum Einatmen durch die Nase und Ausatmen durch den Mund animieren. Als Vorsorge Traubenzucker. Beim Essen bin ich ganz bei dir Aber ich würde nicht zu reichhaltig Nahrung zu mir nehmen. Also nicht bis zum Anschlag. Auch besonders schweres Essen würde ich je nach Art der Session vermeiden. Eine Brühe egal ob Gemüse oder Fleischbrühe mit Reiseinlage oder eine Eierblumensuppe. Was auch wichtig ist, ist viel und regelmäßig trinken. Damit meine ich nicht gleich mit einem Mal eine ganze Flasche Wasser trinken aber immer wieder ein paar Schlücke.

Vertrauen ist hierbei auch sehr wichtig und Eigenverantwortung. Wenn man merkt, es geht nicht mehr, dann seinem Partner das mittels Safeword oder was auch immer man als Signal ausgemacht hat, signalisieren. Keine Session ist es wert, seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Der/die Partner/ in wird dem/ der Betroffenen bestimmt keine Vorhaltungen machen. Im Gegenteil, durch diese Ehrlichkeit kann womöglich Schlimmeres verhindert werden und es zeugt von Stärke. Ich denke, es hilft auch gegen die Panik in kleinen Schritten zu kämpfen. Nicht von 0 auf 100 sondern sich langsam steigern, wie es nun auch bei Grenzerweiterungen gilt. Nichts überstürzen, damit man sich und seinen Partner nicht überfordert. Man sagt, man soll sich seiner Angst stellen. Ich bin mal vom Pferd gefallen und ja ich bin sofort wieder aufgestiegen, allerdings habe ich erst wieder langsam angefangen, vertrauen zu fassen ohne Hast und Eile. Alles andere empfinde ich als kontraproduktiv und nicht zielführend.

Danke für den Gedankenanstoß. :)

LG
Corina


Antwort auf diesen Kommentar

Liebe Corina,

 

ich danke dir für deinen Kommentar und auch noch für weitere Tipps!

Ich gebe dir recht, viel essen sollte man definitiv nicht. Aber überhaupt etwas vorher essen ist wirklich wichtig und trinken natürlich sowieso.

Wie so oft im Leben ist die Geduld ein sehr großer und wichtiger Faktor. :-)

 

Danke für deine Gedanken und ganz liebe Grüße

Mia

Sub Mara schrieb am 11.09.2017


Schön, dass jemand auch mal dieses Thema anspricht. Ich habe dazu vor einigen Monaten nicht wirklich etwas im Netz gefunden und kenne diese Situationen nur zu gut. Vielen, vielen Dank für deinen Beitrag!


Antwort auf diesen Kommentar

Danke für deinen Kommentar Sub Mara.

Mir ging es da ähnlich wie dir und ich habe nichts im Netz gefunden. Dabei ist dies ein wahnsinnig wichtiges Thema, das ich sehr gerne mal thematisiert habe. :-)

Liebe Grüße

Mia

 

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