Ich glaube, viele denken, wenn sie mit mir den Bereich BDSM entdecken, werden sie durch meine Offenheit und Erfahrung vielleicht überrollt. Gerade in einer Beziehung ist dieser Bereich aber nur einer von vielen und ich sehe es als zwingend an, mein Tempo an die Bedürfnisse meiner Partnerin anzupassen. Im Gegenteil gab es sogar Beziehungen, in denen ich eher bremsend agierte und eben nicht wollte, dass meine Partnerin zu schnell zu weit geht, da ich nicht das Gefühl hatte, sie wäre wirklich schon bereit für den nächsten Schritt. Dies leitet sich schon grundlogisch aus der Verantwortung ab, welche ich in diesem Kontext als Partner und Dom/Herr übernehmen.
In einer Beziehung, in der BDSM neben den alltäglichen Dingen auch eine Rolle spielt, ist es für den devoten Part besonders wichtig, vertrauen zu können und sich geborgen zu fühlen. Natürlich spielen Vertrauen und Hingabe auch in einer Affäre eine Rolle, aber doch an entscheidenden Punkten eine ganz andere.
Dominiere ich eine Partnerin, die mir im Alltag gleichgestellt ist, muss sich diese immer sicher sein können, dass ich die mir gegebene Macht eben auch nur in diesem Kontext ausnutze und der Alltag davon unberührt bleibt. Eine Affäre muss sich hier keine Gedanken machen, sie kann genießen und muss nur darauf vertrauen, dass ich mich eben im Spiel an die Regeln halte, einen echten gemeinsamen Alltag wird es kaum geben.
Wer liebt und sich hingibt wird noch verletzlicher, denn er gibt noch mehr von sich preis, dies kann sehr intensiv sein, aber es gehört eben auch eine große Überwindung dazu, dies zuzulassen.
Sich gemeinsam und langsam vorzutasten, Neues bewusst zu entdecken und genießen - dies kann seinen besonderen Reiz haben. Es gibt keinen Stress, beide haben auch Zeit für andere Dinge, denn BDSM steht nicht immer im Fokus und natürlich es gibt sehr lange sehr viel zu entdecken. Auch ich entdecke mit einer Partnerin viele mir bereits bekannte Bereiche neu. Meine Lust ist in verschiedenen Bereichen sehr eng an die Lust meiner Partnerin gekoppelt und so ist es auch für mich mit jeder Partnerin etwas Neues, auch wenn ich die Sache an sich vielleicht schon sehr gut kenne. Als dominanter Part sehe ich mich als Künstler oder auch Gärtner an, ist mir mein Werk sehr wichtig und davon gehe ich in einer Beziehung immer aus, so kann ich mir sehr viel Zeit nehmen, dieses zu erschaffen.
Nicht vergessen sollte ich zudem auch eine gewisse Angst, die ich immer dann in Beziehungen habe, wenn BDSM zu einem dominanten Teil ebendieser wird. Bereits zweimal wurde ich als Herr geliebt, aber wohl nicht auch als Mann. Ich finde dies sehr verletzend, denn dadurch werde ich auf eine sexuelle Rolle reduziert und der Mensch tritt in den Hintergrund. Bei einer Affäre ist dies sicher sogar von Vorteil, in einer Beziehung ist es hingegen ein Schlag ins Gesicht. Die beiden Male, in denen sich diese Entwicklung vollzog, waren eben Beziehungen, in denen die Neugier auf BDSM bei meinen Partnerinnen wohl so groß war, dass die Neugier an der Person verloren ging. Somit waren sie so sehr auf diese Punkte fixiert, dass die Annäherung von Mann und Frau auf der Strecke blieb.
Am besten kann man die Exploration BDSM vielleicht mit einer schönen Stadt vergleichen, die es zu entdecken gibt. Ich kann nun den Shuttelexpress an der Touristikinformation buchen und mich von einer Sehenswürdigkeit zur anderen karren lassen, um möglichst schnell möglichst alles zu sehen und ganz viele Fotos fürs Fotoalbum zu bekommen. ODER ich besorge mir bei der Touristikinformation einen Stadtplan und erkunde sie auf eigene Faust. Dies dauert länger und sicher ist es auch anstrengender, aber ich kann mich zwischenzeitlich einfach in ein nettes Café oder einen Park setzen und die Situation genießen, lerne viel mehr Facetten und Eigenheiten der Stadt kennen und am Ende werde ich mehr zu berichten haben und genau wissen, welche Orte ich gerne wieder sehen will und welche ich meiden sollte. Langsam erkundet erfährt man das Flair und den Pulsschlag einer Stadt und selbst erkundet bestimmt jeder über seine eigene Route und nicht ein routinierter, aber gelangweilter Busfahrer.
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