Wie weit ist BDSM in der Bevölkerung verbreitet?

Das Problem bei dem Zahlenmaterial darüber, wie viele Personen denn BDSM praktizieren, beziehungsweise dafür offen sind ist, dass es nur sehr wenige repräsentative Befragungen gibt, die einer wissenschaftlichen Hinterfragung standhalten. Bei den Studien, die übrig bleiben, ist das größte Problem die oftmals schwammige Fragestellung.
Eines ist jedoch sicher: BDSM ist nicht etwas, an dem nur ein sehr kleiner Anteil der Bevölkerung Interesse hat. Keine der mir bekannten Befragungen oder wissenschaftlichen Publikationen seit 1997 kam zu dem Ergebnis, dass weniger als 3% der Befragten offen für solche Spielarten sind. Folgend einige Ergebnisse repräsentativer Umfragen und wissenschaftlicher Veröffentlichungen.

Studie von Durex (2007/8), weltweit
Anmerkungen: Derzeit ist nur die jeweils letzte Studie zum Download freigegeben Titel: Sexual Wellbeing Global Survey Quelle: Durexwebseite Teilnehmer: 26.028

Interesse an Fesselspielen/S&M Mann, heterosexuell 8
Frau, heterosexuell 5
Mann, homosexuell 12
Frau, homosexuell 28
Mann, bisexuell 24
Frau, bisexuell 23

In dem Kontext ist zu erwähnen, dass es einen weitaus größeren Anteil bisexueller Frauen geben soll, womit die Verteilung von BDSMlern nach Geschlechtern relativ paritätisch ist. Die Studie wird auch als übersichtliches PDF angeboten. Hier sind die BDSM betreffenden Zahlen aber nicht so genau aufgelistet wie in der Onlineversion. Laut dem PDF auf Seite 15 hat 9% den Wunsch nach Fesselspiele/S&M gehegt, immerhin 7% leben dieses auch aus.

Frühere Durexstudien, weltweit: Laut "Durex Global Sex Survey 2005", S. 15 (Onlineversion), für den 317.000 Personen in 41 Ländern befragt wurden, bekannten sich 5% (Deutschland 4%) ausdrücklich zu sadomasochistischen Spielarten. In der Erhebung im Jahr 2004 (Seite 14), an der mehr als 350.000 Personen teilnahmen, bekannten sich weltweit 19% (Deutschland 5%) der Befragten zu praktiziertem Spanking und 22% (Deutschland 34%) zum Gebrauch von Augenbinden und/oder Handschellen.

Studien von Durex nur Deutschland
Titel: Local Report Deutschland
Jahr 2007, 1037 Teilnehmer: Erfahrungen mit SM und/oder Fesselspielen 13%, Wunsch nach diesen Spielarten 11% im Schnitt dabei ein deutlich höherer Anteil bei den Frauen (PDF, Seite 12)
Jahr 2006, mehr als 13.000 Teilnehmer: Erfahrung mit Fesselspielen : 20% (PDF, Seite 11)
Jahr 2005, mehr als 18.000 Teilnehmer: Erfahrung mit Augenbinden und/oder Handschellen: 34%; Rollenspielen 14%, Spanking 5% ohne Jugendliche sogar 7-8% (PDF, Seite 12)

 

Studie Brett Kahr (2007/8), Großbritannien
Titel: "British Sexual Fantasy Research Project"
Quelle: Siehe Titel, aber nur gegen Bezahlung erhältlich, jedoch berichtete das deutsche Magazin Neon und die Times über die Studie.
Teilnehmer: etwa 19.000

31% der Befragten verfügen über sexuelle Fantasien, die BDSM Inhalte (Schmerzlust, Demütigung etc.) haben.

Studie des Instituts für rationale Psychologie (1999), Deutschland
Quelle: Arne Hoffmann, "Lexikon der Tabubrüche", Schwarzkopf&Schwarzkopf, 2003, erwähnt auch bei Wikipedia.

Rund zwei Drittel der interviewten Frauen gaben an, ihrem Sexualpartner hin und wieder ausgeliefert sein zu wollen. Insgesamt hatten 69% Fantasien, die sexuelle Unterwerfung zum Inhalt hatten. Weitere 42% gaben Interesse an expliziten DS und oder SM Praktiken und 25% an Bondage an.

Studie Angela Brokmann (1996), Deutschland
Titel: ”Was ist pervers?“ für das Sexologisches Institut e.V. Hamburg
Teilnehmer: unterschiedliche Befragungen mit jeweils mindestens 1000 Befragten zwischen 16 und 45 Jahren.

Der Anteil der aktiven oder interessierten BDSMler ist in den alten Bundesländern bei den Befragungen deutlich höher. Weicher SM wurde von 11% der Frauen und 4% der Männer praktiziert. Interesse daran, es auszutesten, hatten 6 % der Frauen und 11% der Männer. Erotische Träume diesbezüglich wiesen 16% der Männer und 11% der Frauen auf. Erfahrungen mit Hartem SM hatten hingegen nur insgesamt 1%, jedoch würde es 5% der Männer reizen. Erotische Träume diesbezüglich wiesen 7% der Männer und 5% der Frauen auf.

Studie Samuel und Cynthia Janus (1993), USA
Quelle: "The Janus Report on Sexual Behavior"
Teilnehmer: 2765 zufällig ausgewählte Teilnehmer

Erfahrungen mit SM zu haben räumten 14% der Männer und 11% der Frauen ein, zudem fanden 16% der Männer und 12% der Frauen, dass Schmerz und Sex gut zusammenpassen können. Im Bereich Bondage wiesen Männer und Frauen jeweils zu 11% reale Erfahrungen mit Bondage auf. Weitere 5% der Männer und 7% der Frauen kannten sich mit der verbalen Erniedrigung aus und immerhin 6% der Männer sowie 4% der Frauen mit Urinspielen.

Studie Glenn Wilson (1986), USA
Quelle: "Personality and Individual Differences" Teilnehmer: nur 600

Dabei gaben 4% der Männer und 13% der Frauen an Vergewaltigungsfantasien gehabt zu haben. Interessanterweise stimmt dies exakt mit den Prozentsätzen der zusammen die Interesse an SM hatten.

Studie durch ein unabhängiges Institut im Auftrag des Playboys (1976), USA
Quelle: What's Really Happening on Campus", Playboy Oktober 1976, S. 128-131, 160-164, 169., erwähnt auch im Datenschlag
Teilnehmer: etwa 3700 Collagestudenten

Von den Befragten Studenten hatten bereits 2% sadomasochistische Erfahrungen gemacht. Sexuelle Fantasien diesbezüglich hatten 8% der Frauen und 5% der Männer. Mit 3% waren DS- und Bondageerfahrungen verbreiteter, Neugier dafür bestand bei 12% der Frauen und 18% der Männer.

Playboy Press, Chicago (1974), USA
Teilnehmer: 2026 Männer und Frauen

Bei den Probanden jünger als 35 Jahre gab es folgende Anteile. Im Einzelnen hatten 8% der Männer sowie 3% der Frauen schon einmal sexuelle Fantasien, in welchen sie zum Sex gezwungen wurden. Zudem gaben 14% der Männer und 24% der Frauen an, es bei der Masturbation als luststeigernd zu empfinden sich vorzustellen, zum Sex gezwungen zu werden. Lust am Sadismus hatten danach schon 7% der Männer und 3% der Frauen genossen. Beim Masochismus gab es einen Anteil von 4% bei Männern und 6% bei den Frauen.

 

Weitere Informationsquellen:

Überblick über viele weitere, aber meist nicht repräsentative Studien im Datenschlag sowie eine interessante amerikanische Langzeituntersuchung, die in verschiedenen Publikationen verarbeitet wurde.


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