Gefühle sind etwas Seltsames. Wir geben uns Zeit unseres Lebens so viel Mühe, sie zu unterdrücken, sie im Zaum zu halten. Mit dem Ergebnis, dass sie letztendlich doch machen, was sie wollen und uns in allen möglichen und unmöglichen Situationen heimsuchen.
Ich habe mir so viele Gedanken über BDSM-Affären gemacht, aber einen völlig ausgelassen – wie viel Gefühl darf/muss man eigentlich füreinander aufbauen, um gut miteinander spielen zu können? Bei einer normalen Affäre oder ONS ist das völlig klar – reine Triebbefriedigung braucht nicht unbedingt das große Gefühl, Sympathie taugt auch. Aber bei einem Spiel mit den tiefsten Gefühlen, Sehnsüchten und auch Ängsten eines Menschen muss doch eine größere Vertrauensbasis gegeben sein.
Was genau heißt das? Reicht es zu wissen, dass mir dieser Mensch nichts Schlimmes antun wird? Kann ich einem Menschen vertrauen, wenn ich mir sicher sein kann, nach der Session nicht zerstört und mit schweren Minderwertigkeitskomplexen nach Hause zu gehen?
Oder ist Vertrauen vielleicht doch ein bisschen mehr, eine tiefere innere Überzeugung, dass der Partner, mit dem ich spiele, gut auf mich aufpassen und mich in dieser Gratwanderung zwischen Flug und Absturz beschützen wird?
Und wo wir gerade dabei sind – welchen Platz hat Zuneigung in diesem Konstrukt? Ich sollte den Menschen schon mögen, der mit mir spielt – aber wie sehr?
Mir wird zum xten Mal in den letzten Wochen klar, dass ich hier emotionales Neuland betrete. Bei ONS war dieses Thema für mich nie ein Problem und ich habe immer im Vorfeld klargestellt, dass hier nichts außer Sex passieren wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Frauen ist es mir nie schwergefallen, Liebe vom Körperlichen zu trennen (auch wenn beides in Kombination immer noch am meisten Spaß macht;-).
Aber beim BDSM... kriege ich langsam das Gefühl, dass es um einiges heikler ist.
Damit meine ich weniger die Gefahr, mich ernsthaft zu verlieben. Der Begriff Liebe ist für mich ein sehr schönes, wenn auch schwammiges Konstrukt. Wann bin ich denn „verliebt“, wann liebe ich jemanden? Echte Liebe braucht meiner Meinung nach viel Zeit; die berühmten Schmetterlinge im Bauch sind eher Verliebtheit (die den Einstieg in die echte Liebe erleichtert).
Wichtig für eine Partnerschaft ist meiner Meinung nach das, was übrig bleibt, wenn diese Schmetterlinge verschwunden sind... Aber ich denke immer mehr, dass es ohne eine gewisse Zuneigung einfach nicht funktionieren kann.
Und da ist für mich der Haken. Es ist eine Sache, praktisch-pragmatisch darüber nachzudenken, mit jemandem ein Spiel zu beginnen. Aber bei dem Gedanken tatsächlich etwas zu FÜHLEN und an manchen Tagen verstrahlt durch die Gegend zu laufen, den Kopf voll mit irgendwelchen Tagträumen – das steht auf einem ganz anderen Blatt... Und das macht mir Angst.
Das Gefühl ist vergleichbar mit den Schmetterlingen, hat aber mit Liebe eigentlich nichts zu tun. Liebe ist für mich eher die tiefe Vertrautheit in einer Partnerschaft. Trotzdem stellt sich mir die Frage – ist das legitim? Ist das meinem Partner gegenüber noch fair? Denn auch wenn er kein Problem damit hat, mich körperlich zu teilen – entziehe ich ihm nicht einen Teil meiner Seele und damit unserer Beziehung ein Stück ihrer Basis?
Immerhin schließe ich ihn aus einem nicht unbeträchtlichen Teil meiner Gefühlswelt aus und teile die Schmetterlinge des Neuen, Unbekannten und damit Spannenden mit jemand anderem...
Auf der anderen Seite denke ich, dass dieses kribbelige Gefühl wahrscheinlich genau der Grund ist, warum man sich von Zeit zu Zeit nach solchen verbotenen Früchten sehnt; es ist nun einmal so, dass in einer längeren Partnerschaft das heiße lodernde Feuer zu einer gemütlichen, aber dafür sehr verlässlichen Flamme wird. Aber das berühmte Spiel mit dem Feuer wäre ohne zischend heiße Flamme ja nur halb so interessant, denn auch die Gefahr, sich die Finger zu verbrennen, übt einen gewissen Reiz aus.
Die Frage ist letztendlich wahrscheinlich nur, wie gut man mit dem Feuerlöscher umgehen kann – und ob man es im Zweifelsfall schafft, die Flamme unter Kontrolle zu bekommen, bevor sie sich zum Flächenbrand auswächst...
Wenn ich es recht bedenke - ich glaube, es gibt schlimmere Arten, sich zu verletzen...