Endometriose und BDSM

Heute gibt es mal einen Blogeintrag über ein etwas ernsteres Thema: Endometriose. Als Betroffene möchte ich Euch ein wenig in die Krankheit einführen und Euch erklären, worauf ihr achten müsst, sollte Eure Spielpartnerin an Endometriose erkrankt sein. Bitte beachtet, dass ich aus meiner Sicht schreibe. Jede Frau erlebt Endometriose anders - trotzdem werde ich versuchen einen allgemeinen Überblick zu schaffen. Meine Aussagen sind auf wissenschaftlichen Grundlagen, sowie eigenen Erfahrungen basiert. Gerne könnt ihr unter diesem Blogeintrag auch Eure Erfahrungen & Euer Wissen teilen und mir Euer Leben mit Endometriose und BDSM schildern. Ich würde mich darüber riesig freuen.

Endo... bitte was?!

Endometriose ist eine Krankheit, die alle Personen mit einem weiblichen Geschlechtsorgan bekommen können. Es wird geschätzt, dass etwa eine von zehn Frauen im fruchtbaren Alter unter dieser Krankheit leidet. Endometriose leitet sich von dem Wort Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) ab und bedeutet, dass sich Gewebe aus der Gebärmutter in dem Körper festsetzt. Es handelt sich hierbei um äußerst schmerzhafte Wucherungen, die nicht nur im Unterleib, sondern auch am Darm, in der Lunge oder gar im Gehirn vorkommen können. So wie die Gebärmutterschleimhaut bluten auch diese Wucherungen im Körper, wenn die Periode eintritt. Warum die Krankheit entsteht, ist wissenschaftlich noch nicht erforscht und auch eine Heilung gibt es nicht. Viele Frauen quälen sich mit enormen Schmerzen durch das Leben, haben viele Operationen hinter sich oder müssen Hormone zu sich nehmen. Oftmals wird die Krankheit jahrelang nicht entdeckt und als psychische Krankheit diagnostiziert. Die Endometriose wächst meist trotzdem weiter und breitet sich im Körper aus - zumindest so lange, bis die Wechseljahre eintreten. Auch hinter der ungewollten Kinderlosigkeit steckt meist die Krankheit, die oftmals als Chamäleon bezeichnet wird, weil sie sich in jedem Körper anders zeigt.

Denn neben den Schmerzen im ganzen Körper können auch andere Sypmtome auftreten. Viele Frauen haben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, sind oft müde und erschöpft, öfter krank oder kämpfen mit den Nebenwirkungen der Hormone (wie beispielsweise Depressionen und/oder Libidoverlust). Eine Person, die die Diagnose bekommt ist erst mal am Boden zerstört. Kein Wunder, wird einem doch gesagt, dass man von nun an mit einer tickenden Zeitbombe im Körper lebt. Die Angst, die danach entsteht ist nicht mehr rational, sondern äußerst emotional. Was, wenn der Dom zu feste schlägt? Können sich neue Wuscherungen durch den Aufprall bilden? Was, wenn der Sex zu stark ist? Was, wenn ich plötzlich blute? Was, wenn ich nicht mehr spielen kann? Was, wenn ich nie wieder spielen kann?

Fragen über Fragen strömen in den Körper und in den Kopf und lassen die Betroffene meist nur noch traurig in der Ecke kauern. Es klingt schlimm - ist es zu Beginn auch, weil der Kopf jegliche Handlungen blockiert. Als Betroffene kann ich sagen: macht Euch nicht verrückt, denn das Leben geht weiter. Es ist ein anderes Leben und es ist kein einfaches Leben, doch es ist immer noch unser Leben, in dem es darum geht zu leben und eine Krankheit hat nicht das Recht dieses zu steuern. 

 Was hat das alles mit BDSM zu tun?

Alles! Denn Endometriose kann nicht nur Einschränkungen für die Frau bedeuten, sondern auch für den Mann. Der erste Schritt ist die Akzeptanz der Krankheit. Es wird beiden zu Beginn schwer fallen, denn Endometriose tritt häufig sehr spontan auf und wirft sehr schnell Pläne oder Ziele über den Haufen. Logischerweise führt dies oft zu Verzweiflung und leider auch zu Unverständnis. Eine Frau, die an Endometriose erkrankt ist braucht zu Beginn eine ganz besondere Stütze. Sie benötigt viele Gespräche und vor allem die Sichherheit, die die Krankheit ihr nimmt. Sie möchte sich geborgen und akzeptiert fühlen, auch dann, wenn wieder ein ungewollter Schub der Krankheit zum Vorschein tritt. 

Zeit heilt zwar nicht die Krankheit, aber auf jeden Fall die Angst vor ihr. Und diese Zeit solltet ihr Euch immer nehmen. 

Meine Erfahrungen

Bis hier klingt alles ganz arg schlimm. Daher kommen jetzt ein paar beruhigende Worte von meiner Seite. Viele werden die Krankheit Endometriose noch gar nicht kennen. Dafür ist auch der Eintrag gedacht, denn es ist eine Krankheit, mit der wir uns intensiver auseinandersetzen müssen. Ja, die Krankheit nimmt Einfluss auf das Leben, aber sie definiert noch lange nicht das Leben. Wie schaut es also bei mir aus?

Bei mir äußert sich die Krankheit vor allem durch Magen-/Darm- und Unterleibsschmerzen. Mit der Zeit habe ich herausgefunden, dass mein Dom mich in diesem Bereich einfach nicht anfassen sollte (Kraulen ist sogar die Grenze). Auch während des Eisprungs oder der Periode habe ich intensive Schmerzen, Müdigkeit und hin und wieder sogar leichte Depressionen. Auch an diesen Tage spiele ich nicht und komme grundsätzlich nicht in meine Rolle - wie auch, wenn ich nicht mal mit mir selber zurecht komme? 

Hin und wieder kommt es ebenfalls vor, dass ich Schmerzen habe, wenn Dom mich mal wieder nicht kommen lässt, oder Edging zum Einsatz kommt. Ich liebe das Spiel unglaublich, doch hin und wieder holt mich meine Krankheit dann doch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich kann es trotzdem nicht sein lassen und sehr oft bleiben die Schmerzen auch aus. Probieren geht hier über Studieren. Auch der Sex ist nicht mehr so einfach wie noch vor ein paar Jahren. Obwohl ich spontanen Sex sehr liebe, ist es mittlerweile nicht mehr ganz so einfach möglich. Schmerzen beim Sex sind ein weit verbreitetes Phänomen der Endometriose. Meist kann ich dieses Problem umgehen, in dem Dom mir schon vorher Aufgaben gibt und ich mich dadurch aufwärmen kann. 

Spontanität ist durch die Krankheit immer noch gegeben, jedoch ist hin und wieder ein bisschen Planung erforderlich, auf die sich beide Seiten einlassen müssen. Es gibt Phasen, da sind die Schmerzen stärker und es gibt Phasen in denen keine Schmerzen vorhanden sind. Mir ist es zwar noch nie passiert, aber oft kann es vorkommen, dass eine Session abgebrochen werden muss, weil die Schmerzen nicht mehr auszuhalten sind. Wichtig ist also das Kennenlernen der Person und der Krankheit, um möglichst keine Einschränkungen beim Spielen zu haben. Teilt Euch mit und kommuniziert! 

Wir haben oft das Gefühl, dass die Krankheit die Fäden in der Hand hält und wir nur die Puppe ist, die sich ihr fügen muss. Aber es ist nicht so. Wir definieren uns nicht durch irgendeine Krankheit - das wäre viel zu einfach. Die Krankheit ist ein Teil von uns, aber sie macht höchstens 1% unserer Person aus. Und das müssen wir uns immer ins Gedächtnis rufen, denn wir dürfen uns niemals (!) den Spaß am Leben verderben lassen. 


Kommentare:


Jollina schrieb am 16.01.2020


Liebe Ceerny,

Zunächst möchte ich Dir für diesen Beitrag danken. Ich selbst habe die Diagnose erst vor kurzem bekommen und das nicht zuletzt wegen der schlechten Aufklärung. Insofern freue ich mich nun auch im Kontext BDSM etwas darüber zu lesen.
Seit meiner Diagnose mit der Krankheit habe ich gemischte Gefühle: Ich bin einerseits froh darüber nun endlich eine Erklärung für die starken Schmerzen zu haben. Auf der anderen Seite bin ich mir aber unsicher wie ich diese Diagnose anderen gegenüber kommuniziere. Ich habe im Moment keinen festen Spielpartner, frage mich aber ab welchem Zeitpunkt ich einen möglichen Partner darüber informiere, dass ich Endometriose habe. Ich denke das ist etwas sehr privates und eigentlich möchte ich das nur mit jemandem teilen bei dem ich mir auch sicher bin verstanden zu werden. Da die Krankheit aber eben auch möglicherweise den Partner, sein Verhalten und das gesamte Miteinander beeinflusst, ist es wohl nur fair so früh wie möglich darüber zu sprechen.

Das als kleiner Einblick von mir, die noch am Anfang steht mit der Erkrankung umzugehen - nicht nur im BDSM-Kontext. Dein Beitrag war aber schonmal hilfreich sich auf diesem Weg nicht allein zu fühlen.

Lieben Gruß,
Jollina


Antwort auf diesen Kommentar

Liebe Jollina,

 

ich danke Dir für Deine Nachricht und Deinen Erfahrungsbericht. Es tut mir sehr leid, dass Du die Diagnose erst so spät erhalten hast. Leider sind viele Ärzte diesbezüglich noch nicht wirklich aufgeklärt. :-(

Die Kommunikationswege über die Krankheit sind in der Tat nicht ganz einfach - danke für diesen Gedankengang. Ich kann Deine Unsicherheit verstehen. Durch das Öffnen unsererseits über die Krankheit eröffnen wir eine Schwachstelle unserem Gegenüber. Es ist ganz menschlich diesbezüglich vorsichtig zu sein. Aber sieh es mal so: wenn der Gegenüber die Krankheit nicht ernst nimmt, hat er in Deinem Leben einfach nichts zu suchen. An und für sich macht uns die Krankheit also stärker, denn wir erkennen recht früh wer als Spielpartner in Frage kommt und wer nicht. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: im echten Leben wirst Du das auch erkennen. Ich habe schon so viele Menschen gehen lassen aber gleichzeitig neue Freundschaften geknüpft, nicht zuletzt auch wegen der Krankheit und dem Umgang mit dieser. Du wirst die Welt ein wenig mit anderen Augen sehen und vor allem Dich und Deine Bedürfnisse viel besser kennenlernen. :-) Vertraue Dir und Deinem Körper einfach, dann wirst Du den richtigen Weg finden. Versprochen. :-)

 

Du kannst mir auch immer gerne schreiben, wenn Du Fragen hast oder es Dir nicht gut geht. Ein Austausch hilft da sehr oft.

Ganz liebe Grüße

Mia

Verena schrieb am 10.01.2020


Hallo Mia,

Depressionen sind laut meinen Frauenarzt, bei dem ich gestern war, sicher keine Auswirkung dieser Krankheit. Die meisten von uns Betroffenen haben dieses Leiden schon lange bevor wir davon wissen und für mich war die Diagnose eher eine Erleichterung, da ich fortan besser mit den Schmerzen, welche eben auftreten, umgehen konnte. Ich war vor und auch nach der Diagnose aktive BDSMlerin und kann sagen, dass es für mich kein großes Handicap ist. Selbstverständlich empfindet jeder Schmerz unterschiedlich intensiv und die Krankheit kann auch verschieden schwerwiegend sein. Ich finde das Bild welches hier von Endometriose gezeichnet wird aber zu negativ. Sicherlich geht jeder anders mit einer solchen Krankheit um und daher sind die Auswirkungen auch sehr unterschiedlich. Ich für meinen Teil habe die hier beschriebenen Probleme nicht oder nur in einem geringen Umfang. Natürlich gibt es Tage mit heftigen Schmerzen, das sage ich meinem Dom und er geht darauf ein. Echte Einschränkungen haben wir jedoch nur selten.

Ich wünsche Dir, dass du Deinen Weg findest und dein Leiden geringer wird mit der Zeit.

Liebe Grüße

Verena


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Verena,

 

ich danke Dir für Deinen ausführlichen Kommentar. Es freut mich sehr, dass die Krankheit bei Dir nur wenige Auswirkungen hat. Das ist leider nicht allzu oft der Fall. Ich kann verstehen, dass die Diagnose eine enorme Erleichterung für Dich war. :-)

 

Dass Depressionen keine Auswirkungen dieser Krankheit sind kann keiner mit Sicherheit sagen. Warum? Weil es hierzu noch keine eindeutigen Studien gibt - es ist also wissenschaftlich nicht belegt. Meine Annahme basiert vor allem auf unzähligen Erfahrungsberichten und Beobachtungen. Ob eine Korrelation dies irgendwann wissenschaftlich bestätigt, wird die Zeit zeigen.

 

Das Du das Bild, welches hier von Endometriose gezeigt wird, zu negativ empfindest, tut mir leid. Ich habe mit sehr vielen Frauen zu tun, die mit dieser Krankheit kämpfen. Jede von ihnen hat unterschiedliche Symptome und jeder empfindet diese Krankheit anders - so wie bereits von Dir geschildert. Man sollte diese Krankheit jedoch nicht herunterspielen und genau aus diesem Grund habe ich in diesem Eintrag mehrere Facetten aus verschiedenen Quellen beleuchtet. Auch meine Schmerzen halten sich in Grenzen, jedoch ist dies nicht bei allen Frauen so gegeben - daher sollte man nicht immer von sich auf andere schließen, schließlich sind wir alle Individuen.

 

Alles gute und viele Grüße

Mia

 

Samantha schrieb am 08.01.2020


Liebe Ceerny,

auch ich gehöre zu den Endometriose-Frauen, wie wir uns manchmal selbst bezeichnen. Seit ca. 32 Jahren schlage ich mich nun mit den Auswirkungen dieser Krankheit herum. Zermürbend war auch für mich die Zeit, bis endlich vor 18 Jahren die Diagnose gestellt wurde. Zunächst wurde die Ursache meiner Schmerzen und Probleme auch bei mir in der Psyche gesucht.

Ich gehöre zu den Frauen, die eine besonders ausgeprägte und therapieresistente Form der Endometriose haben. Erst viele Operationen, auch bei Spezialisten, und einigen erfolglosen Versuchen mit Hormonbehandlungen später, bin ich soweit wieder hergestellt, dass ich ganz ordentlich damit leben kann.

BDSM mit Endometriose ist nicht immer einfach, gerade aufgrund der Schmerzen durch die Zysten und die Herde, sowie den Verwachsungen nach den OPs. Ich möchte BDSM dennoch nicht missen, man muss eben, wie bei anderen Erkrankungen auch, sein BDSM an die Vorhandenen Möglichkeiten und Einschränkungen anpassen.

Darf ich an dieser Stelle auf die Endometriose-Vereinigung hinweisen? Mir wurde dort sehr geholfen, denn der Kontakt mit ebenfalls betroffenen Frauen und Menschen, die sich mit der Erkrankung auskennen, war und ist für mich sehr wertvoll.

Liebe Grüße
von Samantha


Antwort auf diesen Kommentar

Liebe Samantha,

 

ich danke Dir für Deine Nachricht und Deinen Erfahrungsbericht. Es tut mir leid, dass Du ebenfalls mit der Krankheit zu kämpfen hast und diese Teil Deines Alltags ist. Es freut mich aber zu hören, dass Du mittlerweile mit der Krankheit leben kannst und sie Dich nicht vollkommen einschränkt. Und es ist schön zu hören, dass Du auch weiterhin BDSM praktizieren kannst. Mir macht das sehr viel Mut, denn ich habe oft die Sorge, dass ich in ein paar Jahren eventuell nicht mehr so problemlos spielen kann, wie es noch aktuell der Fall ist.

 

Die Vereinigung hilft mir auch sehr! Und ich kann auch jedem empfehlen sich dort Hilfe zu suchen, sollte es Fragen oder Anregungen geben.

 

Ganz liebe Grüße

Mia

 

 

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