Angst, 15.09.2008

Angst wurzelt wohl unter anderem in Unsicherheit. Es fällt mir sehr schwer, wenn Kontakte – meinem Gefühl nach – zu weit auseinander liegen. Das ist nicht nur in DER Beziehung so.

T. hab ich vor einer Woche das letzte Mal gesehen, er ist beruflich stark eingespannt, ständig unter Leuten, alle zwei Tage eine Mini-SMS, kein Telefonat ... keine Zeit, keine Zeit ... jaja ... und dann reißt mir der Faden ab ...
Ich verliere die Verbindung, wobei die Verbindung zwar mäßig via SMS, Mail und Telefon aufrechterhalten werden kann, aber mir geht nichts über eine Umarmung, dabei den Duft des Anderen zu inhalieren, den Herzschlag wahrzunehmen, die Vibration der Stimme und ein Blick in die Augen.

Es ist wie ein langsames Verhungern, ein Aushungern ... und dann reißt plötzlich der Faden ab, die Verbindung ... ich kann nicht mehr „zu ihm hinfühlen“, fühle mich allein, verlassen, einsam ... und habe auch keine Lust mehr, dagegen anzukämpfen, wie ich es früher verzweifelt versucht habe. Wenn der Faden ab ist, ist er ab.

Für Mittwoch sind wir verabredet und ich weiß, dann entscheidet sich, ob ich wieder anknüpfe, knüpfen kann und will ... hängt viel von ihm ab, hängt grundsätzlich davon ab, ob das Gegenüber mir Sicherheit, emotionale Sicherheit, ja, irgendwie Stabilität geben kann.

Immer wieder fliegt mich ein Satz an: „Meer, Meer ... nicht mehr!“ Ich liebe die Weite des Meeres, Wasser ist für mich wie Gefühl, es fließt, mehr als das Meer geht nicht. Kein Gegenüber, kein Kontakt ... versickert das Wasser, das Gefühl ... Trockenheit und Dürre droht ... ich wandere durch die Wüste ...

Ich will keinen Druck, weder meinerseits auf ihn, noch von mir auf mich selbst. Ich spüre, wie Gedanken in mir auftauchen, dass wir nicht wissen, wann wir uns nach besagtem Mittwoch wiedersehen und ich mit mir scheinbar „verhandle“, dass ich doch die Gunst der Stunde nutzen sollte ... doch bei jeder körperlichen Vereinigung erneuert mein Körper ein Versprechen ... ich bin – glaube ich – echt naturmonogam veranlagt ...

Habe schon fast ein schlechtes Gewissen, weil ich in der SZ auf eine Kontaktanzeige geantwortet habe. In den letzten Tagen folgten wirklich interessante Mails ... die etwas berühren ... und das ist über Mails möglich.
Doch sowohl er als auch ich haben beide die Erfahrung gemacht, dass eine schnelle Verlagerung auf die nächste Ebene sinnvoll ist, um nicht in einer Illusion zu verharren, die zerplatzen kann wie eine Seifenblase. Also haben wir Fotos ausgetauscht und der Anblick löste beidseitig kein K.O. aus – was nicht selten vorkommt.

Heut haben wir miteinander telefoniert .... und es war angenehm warm. Dieser Mann ist VERFÜGBAR, er ist FREI, er hat ZEIT ... und sein Profil weist ihn als monogamen Switcher aus ... Faye hat´s gelesen und staunt! Doch was viel, VIEL wichtiger ist ... ER HAT HERZ! Mehr weiß ich noch nicht ... man wird sehen ...

Aber selbst da spüre ich so etwas wie Angst. Das Wort ist vielleicht zu stark, aber was will ich es abmildern, es zaudern oder hadern nennen ... ich bin der Typ, der zwei Schritte vor und einen zurück macht. Unterm Strich reicht es, um vorwärts zu kommen.

Aber ich war noch nie der Typ, der „unsauber gespielt“ hat ... ich habe immer erst die eine Geschichte beendet, bevor ich die andere begonnen habe. Ohne Garantien darauf, ob der nächste Mann der Richtige sein mag ... denn richtig sind sie ja alle, eben für die Zeit, die man an ihrer Seite verweilt.

Ist es nicht sinnig (ich hätt fast pervers geschrieben ... lächel...) dass ich SO bin und T. ganz anders?! Manche können nicht allein sein, manche brauchen „Ausstiegshilfen“ aus der einen Beziehung in die nächste ... ich weiß nicht, ob das bei ihm so ist.
Nur bemerke ich oft, dass ich nun mal nicht so bin und aus Ts. Andersartigkeit eine gewisse Verachtung bei mir erwächst ... ich bin tolerant, ja, lacht ruhig ... ich bin genau SO lange tolerant, bis mir die Andersartigkeit ZU NAHE kommt, in den ganz PERSÖNLICHEN Bereich, in den nur wenige vordringen dürfen, nämlich die, die einem gut tun und auch viele Ähnlichkeiten aufweisen, nämlich im Wesentlichen ... in den W E R T E N .

Zieh einen Mensch nackt aus, verkleide ihn Millionenfach ... das, was du im Nacktsein und in all seinen Rollen als immer GLEICHES ausmachen kannst, ist ER ... das UNVERWECHSELBARE ICH.

Ich kenne T. nur als Betrüger ... hab ihn nie anders erlebt ... kann ihn heut so lieben und lassen wie er ist ... aber muss das so nah sein? So nah, dass er in mich hinein darf? Irgendetwas an diesem DING disqualifiziert ihn für mich und ich glaube, dass hat er schon immer, IMMER gespürt.

Wir stehen voreinander und ich merke, dass ich ihm echt keinen Mut zum Sprung machen kann ... da ich will, dass er von sich selbst aus springt ... dabei weiß ich, dass ein Mutmacher oft das Zünglein an der Waage sein kann, dass unabdingbar nötig ist, DAMIT der andere springen kann.

Umgekehrt ist es nicht anders, ER springt nicht, in dem Glauben und Vertrauen, dass es das einzig WAHRE und RICHTIGE ist und er es tun MUSS. Sein Sprung könnte meinen auslösen ... dann könnte man ZUSAMMEN FLIEGEN. Doch hier springt keiner und ich höre kleine „Zankereien“ von Kinderstimmen in meinem Kopf: „Er hat angefangen!“ „Nein – sie war´s!“ Nee, hier fängt irgendwie keiner irgendwas so richtig an ... Es wird mal wieder ERKLÄRT, GEDEUTET, GERECHTFERTIGT und der schwarze Peter hin- und hergeschoben ... und ich bin es SO LEID!

Was ich weiß und erfahren habe ist, wenn es passt, passt es einfach ... und dann ist es leicht ... denn Liebe verleiht Flügel und man springt, weil man weiß, dass man gar nicht abstürzen kann, weil man fliegen wird .... voller Vertrauen, Glaube und Hoffnung.
Und grade der Anfang ist irgendwie ... wichtig ... total wichtig ... und irgendwie ... ach, ich weiß auch nicht ... ist da grad nur Angst ... vorm Alten, vorm Neuen .... und dazwischen bin ich ... in Sicherheit ... auf meinem Sofa, in meine Decke gekuschelt, mit mir allein ... und es ist in Ordnung, denn so kann ich mich mit mir selbst auseinanderklamüsern ... unbeeinflusst in der Ruhe ZU MIR kommen.

T. liest meinen Blog und er weißt, dass ich keinerlei Rücksicht darauf nehme, ob ihn irgendetwas verletzt ... ich mag kein Make-up ... keine Maskerade und Pseudo-Verschönerung. In meiner Offenheit und FÜR die Gesundheit meiner SEELE nehme ich da einfach keine Rücksicht drauf. Und meine neue Bekanntschaft ... liest es vielleicht auch. Dann wissen alle Bescheid und gut ist´s!

Und irgendwie hat das auch was Gutes, denn so bin ich nun mal und – ehrlich - dafür LIEBE ICH MICH!


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    Faye
    Faye ist derzeit zumindest virtuell untergetaucht. Daher wird es erst einmal keine neuen Veröffentlichungen geben. Der alte Blog bleibt aber bestehen und vielleicht greift sie diesen ja auch wieder auf. Ich denke aber sie schaut hier ab und an vorbei!
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