Den Topf leer essen, 09.09.2008

Es ist schon verrückt, dieser Abwesenheitsschmerz macht einen ganz kirre. Man ist so HUNGRIG und möchte sich satt essen, aber ER ist nicht verfügbar – wie auch. Der Gag ist, SO funktioniert das Spiel:

Immer schön auf „Distanz“ halten, NIE, aber auch wirklich NIE den Topf bis auf den Boden leer essen, denn der Bodensatz wird irgendwie benötigt, um neue Subkulturen zu züchten ... o.k., der Vergleich hinkt in Punkto Essen ein wenig, aber verlagern wir dieses Gedankenkonstrukt mal in ein Labor und züchten Pilzkulturen, dann passt es wieder.

Was ist das? Das nennt man GIER ... und Gier reimt sich auf Tier und man tut sich selbst echt nichts gutes, wenn man sich wirklich satt isst, geschweige denn überfrisst, denn dann schwappt es in die andere Richtung, genannt ÜBERDOSIS!

Ich kann auf eine Überdosis Nähe ungefähr so schlecht, wie auf eine chronische Unterversorgung ... aber wie oft kriegt man diesen Zustand der wirklichen AUSGLEICHUNG überhaupt hin? Na, gar nicht! Ehrlich, ist mein voller BIERERNST!
Dieses ewige Gelaber von wegen: „Finde deine Balance!“ Ey, ich kann die kaum in mir selbst finden, geschweige denn halten, wie soll das denn noch mit jemandem gemeinsam gehen – von diesem ganzen Affairen-Verheirateten-Dingsbums mal abgesehen ... aber ehrlich, das himmelschreiend ungerechte ist, dass ich mit einem vollgefressenen Bauch diese Dekadenz ausstrahle (und dem kurzfristigen Irrglauben verfalle), dass ich nie wieder hungrig sein würde.

Mit diesem Trugschluss kann ich jemanden ganz easy ziehen lassen - mit einer chronischen Unterversorgung NICHT! Und irgendwie ist Sehnsucht nur ein anderes Wort für Bodensatz und ich finde Sehnsucht voll toll ... seufz-schmacht-schluchz ... mich zu sehnen, mich zu winden, ihn herbei zu wünschen ... das ist schon ein echt großartiges Hungergefühl!

Ich bin Mitglied der anonymen Oraliker, das bedeutet, das ich für mein Leben gern esse, außerdem passionierte Raucherin bin, bekennend Labellosüchtig, ein Kommunikations-Junkie und ... na ja, was man sonst noch so mit dem Mund machen kann!
Ich bin also jemand, der so gut wie nie satt zu kriegen ist, was wiederum zu einer chronischen Überforderung und Überanstrengung meiner Umgebung führt.

Sorry, Leute, wollt ich immer schon mal sagen: Tut mir leid, dass ich so ein Gierlappen bin! So lebenshungrig und anspruchsvoll, so lebensbejahend ... was mir im Umkehrschluss mal wieder so dermaßen einleuchtend klar macht, dass ich, sollte ich je meine Todesursache selbst aussuchen dürfen, folgende die passende sein dürfte: LANGEWEILE!
Echt, auf meinem Grabstein wird mal stehen: Sie starb an chronischer Langeweile! Und, hey, um an dieser Seuche zu erkranken, brauche ich phasenweise keine 3 Sekunden. Ich find´s furchtbar und eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass ich immer so WACH bin, so BEWUSST, so ewig auf der SUCHE nach irgendetwas, das mein Interesse weckt!

EIGENTLICH (und das ist ja immer eine Verneinung in sich) bin ich mit Hitch dem Date-Doktor auf Pro7 verabredet. Wirklich ein guter Film, unterhaltsam, kurzweilig, trotzdem enthält er einiges Wissenswertes über den ewigen Tanz der Geschlechter. Das weiß ich, weil ich den Film schon mal gesehen habe und mein Elefantenhirn kollabiert, weil ich mich gelangweilt fühle, eben WEIL ich den Film schon kenne ...

Und trotzdem, dieser Mann, der da so einfach mir nichts dir nichts wieder in mein Leben schlitterte, den kenn ich ja auch schon ... und trotzdem langweilt der mich grad so überhaupt nicht (wie auch, ist ja grad nicht da).
Das ist dieses ewige Spiel mit der Möhre vor Esels Nase ... lock lock lock, Eselchen lauf Galopp ... würd ich die Möhre einfach so kriegen, wäre es doof ... wobei, krieg ich sie NIE bzw. zu selten, ist es auch doof ... tja, das ganze ist irgendwie schon ein gesamt doofes Spiel. Und da komm ich glatt vom Esel auf das Schaf.

Jeder kennt doch diese Sheep-Postkarten mit diesen wunderbaren Vanilla-Sprüchen drauf a la: „Ohne dich ist alles doof!“ Und ich muss sagen, ich bin da kein Fan von, echt nicht, um keinen Preis. Jedes Mal, wenn ich die Dinger seh, denk ich: Der Spruch ist falsch, der muss heißen: Liebe macht doof! (Übrigens möchte ich, als bekennender Schweinelendchen-Fan und Verfechterin der Sauigkeit an dieser Stelle mal das kleine aber feine Buch: „Rosalie und Trüffel“ empfehlen!)

Jedenfalls, die meisten Naturvölker definieren den Zustand der akuten Verliebtheit als KRANKHEIT, man öffnet sich wie verrückt, ist UNGESICHERT und macht NUR Dummheiten!!! Man ist nicht ganz bei sich, ist irgendwie durchgeknallt, die Synapsen im Hirn ballern vor lauter Endorphinüberausschüttung durcheinander (Kabelsalat + Kurzschluss).
Im Prinzip ist man ja besoffen und für das normale Leben nicht mehr als verkehrstüchtig einzustufen und läuft trotzdem frei rum, man ist eine „Gefahr“! ABER wir sind glücklich verstrahlt, die Welt ist rosa, das Licht heller, die Farben bunter ... und irgendwie sitzt man ja dennoch einem Fake auf, oder? Oder etwa nicht?

Nun ja, der Köper akklimatisiert sich irgendwann, die Natur hat es so eingerichtet, dass umgeschaltet wird auf Oxitocyn, das BINDUNGShormon ... es macht schläfrig und entspannt ... die Vorstufe zur Langeweile. Daran kränkelt gerade SEINE Ehe.

Ich lach mich scheckig, was hat Mutter Natur sich bei dieser Freak-Show eigentlich gedacht??? Und wann werden endlich, endlich Hormon-Cocktails erfunden, die mich jederzeit in meinen gewünschten Zustand versetzen können, hm???

Na ja, BDSM ist ja phasenweise auch das kontrollierte Inszenieren von Hormon-HOCH-Zeiten. Gebt´s doch mal zu, Leute, das hat doch echt was von Drogen-Charakter ... ich bin ein Junkie und irgendwie ja auch die Droge gleichzeitig und stoney zu sein ist phasenweise einfach nur herrlich! Obwohl der Spruch KEINE MACHT DEN DROGEN mich mit dem Distanz-Ding wieder aussöhnt.

Das Ganze hat trotz Realismus was von rosa Hollywood-Glamour, es ist süß, zu süß, macht fett (eventuell sogar schwanger), aber es schmeckt zu gut, um es sein zu lassen. Furchtbar ... ach ja, und die Steigerung von furchtbar ist übrigens FURCHTERBARLICH ... im Sinne von furchtbar und herrlich, sozusagen schaurig-schön ... und da schließt sich der Kreis:

Ich bin und bleibe eine schwarz-weiß gestreifte Seele. Eine Vanilla-Zebraline-Süß-Sau!


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    Faye
    Faye ist derzeit zumindest virtuell untergetaucht. Daher wird es erst einmal keine neuen Veröffentlichungen geben. Der alte Blog bleibt aber bestehen und vielleicht greift sie diesen ja auch wieder auf. Ich denke aber sie schaut hier ab und an vorbei!
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