Dienstag, 12:39 Uhr, ich war beim Gyn, hab einen neuen Stempel in meinem Muschi-Qualitäts-Paß. Es gibt Tage, da finde ich es oberordinär, einen Arzt da unten reingucken zu lassen, dann gibt´s Tage, da geht es mir am Arsch vorbei ... so war es heute ... der Doc und ich waren ja so was von professionell ... ts ts ts ...
Eigentlich war ich heut Nachmittag mit einer Freundin verabredet, doch die hat kurzfristig abgesagt und ich bin nicht böse drum, so kann ich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgehen und die Gedanken in meinem Hirn beobachten.
ER war gestern noch bei mir und wir empfinden es verwandt: Das Gehirn ist ein Bahnhof und unsere Gedanken sind Züge, manchmal arg zusammenhanglos und trotzdem wird dort alles koordiniert und am besten fragt man nicht WIE.
Ich schäkere mit ihm rum und sage, dass das Verkehrsknotennetz von New York ein Dreck gegen mein Hirn ist, ich beobachte immer wieder, wie ich „mehrspurig“ denken kann. Während ich mich vordergründig damit beschäftige, dass ich noch die Wäsche aufhängen muss, meine Eltern mal wieder mit nöliger Kleinkindstimme gepaart mit Vorwurf meinen Besuch einfordern, blitzt irgendwo eine Erinnerung auf, dass ich ihm doch noch Fotos zeigen wollte.
Fotos aus der Vergangenheit, die seine kleine Wohnung von damals zeigen, alles furchtbar durcheinander gewürfelt und ohne Stil, aber es war unser „Nest“.
Es ist wie in diesen Hollywood-Movies, in denen sich Paare aus den vermeintlichen Slums hochgearbeitet haben. Sie haben alles erreicht, er ist Rechtsanwalt, sie aktiv in der Charity, tolle Villa, tolle Kinder und eine ekelhafte Traurigkeit bemächtigt sich ihrer, weil der Genuss flöten gegangen ist.
Man erinnert sich daran, sich irgendwann unterwegs verloren zu haben und so ein melancholisches Gefühl von „früher war alles besser“ fliegt einen an. Man seufzt ... doch es gibt irgendwie keinen Weg zurück, aber eventuell einen neuen, anderen Weg zueinander. Hoffnung blitzt auf, dann schwappt der Alltag wieder über dem eigenen Kopf zusammen und entreißt einen aus diesem Gefühl.
Er seufzt: „Mit Kindern geht das alles nicht mehr so.“
Ich merke, wie ich prompt aggressiv werde und entgegne: „Quatsch, Nicht-Können ist unterm Strich immer Nicht-Wollen.“
Aber es ist schwachsinnig, an dieser Stelle irgendwelche Diskussionen zu starten und wir lenken beide ein. Trotzdem, es ist wirklich das, was ich denke und glaube, auch wenn es Tage gibt, wo ich den Zugang dazu verliere.
Mir geht so vieles durch den Kopf, z.B. das ich ihn für ein wenig unvernünftig halte, er wird mich später verlassen, mit MEINEM Geruch an sich – dabei könnte er hier durchaus mal eben duschen.
Wir haben ein bisschen mit Wachs rumgesaut und was ist, wenn seine Frau das an ihm entdeckt? Aber ich kenn das alles schon, irgendwas in einem schreit sogar danach, eventuell entdeckt zu werden. Es könnte ja ein Durchbruch werden, ein Ausbruchs-Versuch der alte Mauern wegsprengen könnte, um echtere, ehrlichere, offene Kommunikation zu erreichen.
Wunsch-Denken ... dafür braucht man nichts, außer Mut und die Bereitschaft, die Konsequenzen dafür zu tragen und da das Gegenüber, in dem Fall die Ehefrau, nicht kalkulierbar, nicht berechenbar ist, geht das Unterbewusstsein so seltsame Wege. Gegebenenfalls kann man ja dann noch leugnen, nicht wahr?!
Ja, manchmal ist lügen einfach einfacher. Aber es war nie mein Ding und phasenweise bin ich einfach ZU bereit, den Preis für die Art, wie ich bin, zu zahlen.
Er gibt mir den Hinweis, dass diese Taffheit, die ich an mir habe, es ihm schwer macht, mich zu erreichen. Ich kenn das schon ... den Hinweis hab ich zu oft erhalten. Ich bin dem nachgegangen und weiß, dass es mein Ego-Schutzschild ist.
Viele dominante Menschen haben das Problem, dadurch unnahbar zu wirken. Meines Erachtens nach verbirgt sich dahinter etwas furchtbar zartes, durch und durch reines, absolut verletzliches und einfach nur wunderschönes. Unter anderem ist es so unendlich kostbar und so absolut schützenswert, dass es eben nur durch diese Unnahbarkeit genau DAZU wird.
Letztendlich, die Gefahr droht auch einfach, dass wenn man diesen empfindsamen Kern von sich offenbart und preisgibt, die Gefahr riesig ist, dass das Gegenüber den Anblick als zu gleißend schön und die damit verbundene Verantwortung als zu schwerwiegend empfindet.
Ganz banal antworte ich, dass ich keinen Einfluss darauf habe, wann dieses Ego-Schutzschild mal kurz runterfährt, es gibt da nun mal keinen Schalter für und auch wenn er es ausspricht, das bewirkt gar nichts. Es nervt mich ... es ist nun mal so.
Zu oft habe ich erlebt, dass jemand damit nicht umgehen konnte und „reingetreten“ hat.
Sinnigerweise bewirkt dieses reintreten, dass die Mauern immer verstärkt werden, es ist wie eine Art Wettrüsten. Man verschließt sich immer mehr, die Mauern werden dicker und dicker und es ist egal, ob man den Wunsch hätte, sich zu offenbaren, es geht nicht mehr ... überleben ist wichtiger, überleben ist ALLES.
Ich bin das Produkt meines Lebens, die Summe meiner Erfahrung ... ich hab schon so viel SCHEISSE überlebt, was mich nicht umbringt, macht einen härter und phasenweise bin ich so ein harter Brocken, dass ich in mir selbst eingekerkert bin. Und da schließt sich der Kreis: Schläge schocken mich nicht mehr ... hört sich doof an, aber womit man mir manchmal wirklich Angst und Bange machen kann, ist Zärtlichkeit... Na ja, aber eben auch nur manchmal ...
Ute hat mich letztens Pathologie-Freak genannt und ich muss ihr ja leider Recht geben, mein Hang zur Analyse ist oft das perverseste, was ich zu bieten habe. Andererseits beinhaltet es das Problem, dass man einen Kuchen, den man in zig Stücke zerteilt hat, anschließend nicht mehr zum Kuchen zusammensetzen kann – es sind dann eben nur noch Stücke. Aber wer will denn auch ewig nur einen Gesamtkuchen anschauen und sagen: „Nee, den zerschneid ich nicht, dann ist es ja kein Kuchen mehr!“ Also, was soll der Geiz ... vor dem Kuchen ist nach dem Kuchen!
Mein „dicker dummer Dom R. aus M.“ (jaja, ich schreib das jetzt hier, weil ich weiß, dass er es liest und sich drüber aufregt ... winke-winke ... hab dich trotzdem lieb!) hat sich an meiner Scheiß Intelligenz schon so den einen oder anderen Zahn ausgebrochen.
Wir lieben und wir hassen uns, das, was wir am besten miteinander können, ist streiten. Zum ficken und bespaßen nimmt er sich dann manchmal so ein Dumm-Huhn, den Reiz dieses Unterfangens kann ich nicht nachvollziehen, gönne es ihm aber phasenweise aus tiefstem Herzen. Ihn kann ich echt in weiten Zügen so nehmen, wie er ist, denn er ist einfach ekelhaft ECHT und ich konfrontiere ihn mit meiner Echtheit genauso und es ist herrlich befreiend, so miteinander umgehen zu können.
Es ist ein harter Prozess, der einen wirklich an die Grenzen bringt, aber unterm Strich kommt dabei so etwas heraus wie: WIRLICH ZU WISSEN, WER DER ANDERE IST. Er ist er ... IMMER!
Ich werd nie vergessen, wie verdattert er aus der Wäsche geschaut hat, als er mich anbrüllte: „Du bist doch wie Fimo ... dich kann man doch formen, wie man will.“
Ich bin ja nun mal bekennender Verbal-Akrobat und liebe diese Fights und brüllte zurück: „Ja, und? Da bist du doch drauf angewiesen! Du bist doch dieser scheiß Fels in der Brandung und es würde nichts, aber auch gar nichts gehen, wenn ich mich nicht um dich herumschmiegen würde, du Idiot!“
Und ich sah an seinem Gesichtsausdruck, dass ich Recht habe ... ein Fels in der Brandung gepaart mit einem zweiten .... da kommt nix bei rum. Dominanz braucht Devotion und umgekehrt.
Gaga war auch, als er mich anbrüllte: „Und denk dran – WO ICH BIN, DA IST VORNE!“
Ich könnt mich heut noch ausschütten vor Lachen, denn meine Antwort lautete: „Wo zeigt denn dein scheiß Zeiger immer drauf, hm? Na, doch wohl auf mich! Also, WER ist VORNE?????“
Bin ja felsenfest davon überzeugt, dass ein Mann VOR der Frau läuft, damit er gegebenenfalls zuerst erschossen wird und Frau unverletzt bleibt ... hach, na ja ... das Leben bietet einem verdammt viel Entertainment, wenn man einfach mal die Ärmel hochkrempelt und sich ins Getümmel wirft – ohne Rücksicht auf Verluste.
Gestern hab ich noch zu meinem Affären-Hengst gesagt: „Es erfordert unheimlich viel Mut, sowohl das MACHEN, als auch das SICH-FALLEN-LASSEN."
Er meinte nämlich, als wir uns über BDSM unterhielten: „Ich kann dich doch beim Sex nicht würgen!“ Dabei zog er dieses typische Vanilla-Gesicht, so leicht neugierig, irritiert, abwehrend und irgendwie auch verurteilend.
Ich hab ihn nur angeschaut und gesagt: „Doch, kannst du und du wirst es genau ab dem Moment irgendwie geil finden, in dem du erkennst, dass es mich anmacht!“
Das ist echt ein springender Punkt. Wenn du nämlich jemanden würgst, der das Scheiße findet, dann ist es einfach nur ein VERBRECHEN... Und er hat mich nachher ein bisschen gewürgt und ein klein wenig geschlagen ... noch ganz verhalten, muss ja erst mal Mut tanken, der Süße, aber na ja, es ist ausbaufähig ... schaun wir mal ...
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