Meine Mail an ihn:
ICH BIN RAUS!
Das ist zusammengefasst alles, was ich zu sagen habe. Wenn du mehr wissen willst, dann lies:
Ja, heute Morgen war noch alles gut. Dann fuhr ich spontan zu meinen Eltern. Mama war allein zu Hause und freute sich wie eine Schneekönigin über meinen Überraschungs-Besuch.
Wir setzten uns ins Wohnzimmer, sie war dabei Berge Äpfel zu schälen. Ich konnte nicht anders und sagte: „Mama, du GLAUBST nicht, wer wieder aufgetaucht ist.“
Sie guckte mich an, hielt nur den Bruchteil einer Sekunde inne und sagte: „T.!“ Mir fiel der Kitt aus der Brille, zehn Jahre war dein Name nicht gefallen ... Z E H N Jahre!!!! Und sie sagt: „T.!“ Einfach so.
Ich konnte nur nicken, dann haben wir irgendwie ein bisschen hysterisch gelacht und ich fragte sie, wie in Gottes Namen sie so spontan auf dich gekommen wäre. Sie schüttelte selbst nur ungläubig den Kopf und meinte, dass da so ein Moderator im Fernsehen sei, der sie an dich erinnert und sie sich dann immer fragen würde, was aus dir geworden sei... du wärest so ein gutaussehender Mann gewesen und überhaupt ... ja ja, Kopfschütteln ... ts ts ts ...
Als ich dann bestätigte, dass tatsächlich D U dich gemeldet hättest, schüttelten wir gemeinsam noch mal eine halbe Stunde lang den Kopf. Sie fragte, wie es dir ginge und freute sich für dich, dass du nun verheiratet bist, zwei Kinder hast und ein „anständiges Leben“ führst.
Ich schluckte nur – verschluckte den Rest.
Später, sie hatte mittlerweile das Apfelmus auf dem Herd stehen und die Bohnensuppe köchelte ebenfalls leise vor sich hin ... meinte sie so ganz nebenbei zu mir: „Ist schon merkwürdig, dass so nach und nach all deine Ex-Freunde wieder in deinem Leben auftauchen. Sei mir nicht böse, aber ...“
Sie machte eine Pause und ich versicherte ihr, dass – egal was sie sagen würde – ich ganz bestimmt nicht böse sei. Dann holte sie tief Luft und fuhr fort: „... irgendeiner von denen – und ich weiß nicht welcher – wird noch mal unter deine Decke kriechen.“
Ich sagte nichts. Wir lächelten uns unsicher an und waren immer noch damit beschäftigt, ungläubig die Köpfe zu schütteln, schauten uns wieder an und sagten wie aus einem Mund: „Irgendwie unheimlich.“
T., damals sind E. und ich in einen furchtbaren Kampf um dich geraten. Ich hab dir vor kurzem dazu rückblickend noch gesagt, was ich für MEINE Verantwortung in dieser Konstellation gehalten hätte, nämlich, dass wir, die beiden Frauen, dir hätten Zeit und Ruhe geben müssen, wirklich ZU ENTSCHEIDEN, was bzw. WEN du willst.
Wenn ich überhaupt etwas aus der Vergangenheit gelernt haben sollte, dann will ich es zumindest jetzt anwenden ... der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht ... vielleicht, auch wenn ich gestrauchelt bin, so bin ich eventuell zumindest insofern schneller geworden, dass ich dir jetzt die Ruhe, den Abstand, die Zeit ... oder was auch immer gebe ... um in dich zu gehen und zu überlegen was du willst.
Fühl hin, fühl zu deiner Frau ... deinen Kinder ... zu dem Preis der Freiheit, zu mir, die dir in dieser Hinsicht wirklich KEINERLEI Versprechungen macht, machen will!
Es ist DEIN LEBEN, deine VERANTWORTUNG!!! Ganz ehrlich, für alles andere fehlt mir die Kraft und Stärke ... das Vertrauen, sowohl in dich, als auch in mich selbst.
Tut mir leid!In L....FayeSeine Antwort:
Wow, der hat gesessen!
Panik, Chaos im Kopf, Chaos im Bauch und extremes Durcheinander im Herzen.
Mir wird schlecht, habe das Gefühl, mich übergeben zu müssen.
Tausende von Zügen im Kopf, alle unterschiedlich. Ja, du lässt mich nicht schlafen.
Interessant, welchen Eindruck ich bei Menschen hinterlasse; deine Mama!
Boah, Superscheiße wie es im Kopf rauscht.
Ich meine: Hat Sie Recht? Würde ich alles hinter mir lassen? Alles aufgeben?
Ich bekomme die Antworten nicht. Mist, wo sind die bloß?
ANGST!!!
Eines weiß ich genau (ich würde sagen: definitiv): Es war nicht nur Sex, oh NEIN, nach 10 Jahren Suche ... diese Intensität hat einen Grund, welche?
Eventuell die Liebe seines Lebens oder die eine wirkliche echte Liebe im Leben?
Ich lehne mich vielleicht weit aus dem Fenster, wenn ich sage bzw. dies schreibe: Ja, es ist so (und schon kommen die Tränen), das wird es sein.
Und wieder mal habe ich mich in die Situation rein manövriert, aus der ich nicht rauskomme, Scheiße.
Diesen Platz, welchen Du in meinem Herzen hast (du erinnerst Dich), die Blicke welche ich Dir gegeben habe:
ICH LIEBE DICH NOCH IMMER!
Mein schöner Fluch und Segen: Faye.
Bin am heulen, doch ist es nicht befreiend oder reinigend, sondern es tut weh, uns fallen zu sehen.
Ich höre jetzt auf zu schreiben und nehme wieder ein Lied mit Dir mit: Viva la Vida.
Mein Gott, ich fühle mich so mies, leer, verlassen und allein.
Der nächste Morgen:
Ich atme ganz flach und denke SCHONHALTUNG. Wenn man sich den Ellenbogen stößt und der Musikknochen jault und aufquietscht, dann hält man sich den Arm und wartet, bis der Schmerz nachlässt. So fühl ich mich...
Man spürt es nicht, es kündigt sich nicht an ... nichts kündigt sich an ... nicht der Umstand, dass ER plötzlich wieder in meinem Leben auftauchte, nicht der Tatbestand, wie sich das Herz plötzlich öffnet, es einfach anfängt, wieder zu bluten ... still und leise ... wie die Klaue des schwarzen Tieres, der nackten Angst und Panik erneut nach einem greift, einen umklammert, die Luft zum atmen nimmt und man in diesem Griff erfriert und erstarrt.
Wieder einmal endet etwas, bevor es eigentlich so wirklich beginnt ... wieder einmal geht Selbstliebe vor Nächstenliebe ... wieder einmal stoppe ich etwas, weil es mit meinem allertiefsten Ich nicht harmonieren will.
Ich hab einfach mehr verdient, als den Status der Konkubine! Ich bin mir einfach zu Schade für diesen Kladderadatsch ... und ich kann diese Form von Schmerz einfach nicht mehr ertragen. Es muss doch anders gehen ... anders möglich sein ... oder?
Der Morgen zieht sich wie Kaugummi ... im Bahnhof ist es ruhig und tosend laut zugleich ... eine Bimmelbahn zieht vorüber und mit ihr der Spruch: Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.
Was für ein Ärschken er doch ist ... dieses fucking P.S. ... 2018 ... der spinnt doch wohl ...
Ich schau mich im Spiegel an und sehe das Antlitz einer ewig gespaltenen Seele mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich schließe die Augen und mir entfleucht ein Stoßseufzer: Lieber Gott, lass es Montag werden, lass mich arbeiten gehen ... lass Zeit vergehen, lass den Schmerz von dannen ziehen ... lass mich vergessen ...
Das Telefon klingelt, es ist meine Teamleiterin, mein Stoßgebet wurde erhört, meine Versetzung genehmigt, in zwei Wochen arbeite ich in einer anderen Niederlassung. Neue Kollegen, ein komplett neues Aufgabengebiet. Ich bin dankbar dafür. Es wird mich ablenken, ich werd mich in die Arbeit stürzen, funktionieren und im Hintergrund die zehn Jahre alte Narbe, die neu aufgerissen wurde, wieder heilen lassen.
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