oder auch: „Von der Unfähigkeit, der Realität ins Auge zu sehen“
Immer wieder höre ich, wie sich gerade weibliche Dommes über „Wunschzettel und Erwartungshaltungen“ beklagen. Männliche Doms hingegen scheinen in der Regel überhaupt kein Problem damit zu haben, die Wunscherfüller ihrer Sklavinnen zu sein.
Stellt sich mir natürlich die Frage: Woher kommt das? Liegt es womöglich daran, dass die weiblichen Dommes dominanter sind als die Männlichen? Oder liegt es ganz im Gegenteil daran, dass das dominante Selbstverständnis dieser Damen auf eher wackligen Füßen steht? Oder fehlt hier schlicht und ergreifend die Reflektion über das "wie und warum"?
Um diesen Fragen näher auf den Grund zu gehen, hier einfach mal der Versuch, uns „von hinten ranzupirschen“.
Was ist es denn überhaupt, das zwei Menschen dazu bewegt, sich in einer derartigen, durch ein klares Machtgefälle gekennzeichneten Beziehung zusammenzufinden, wenn nicht ihre eigenen Bedürfnisse und ihre eigene Lust?
Daraus ergibt sich stringent, dass auch eine solche Konstellation – wie auch jede andere Beziehung – letztlich nur Sinn macht, wenn darin beide ihre Träume und Wünsche erfüllen bzw. erfüllt bekommen können. Die Macht von Top beruht letztlich darauf, dass sub sich „freiwillig“ unterordnet.
Warum jedoch sollte sub dies dauerhaft gerne tun, wenn die eigenen Bedürfnisse dabei vollkommen auf der Strecke bleiben?
Auf der anderen Seite ist natürlich auch vollkommen klar, dass es einem wirklich dominant veranlagten Menschen jede Lust verderben muss, sub überhaupt noch in irgendeiner Weise zu „bespielen“, wenn diese(r) bestimmen will, was zu tun und zu lassen ist.
Also, Wünsche, Träume und Erwartungen hat sub in jedem Falle - genauso wie auch Top. Frage ist nur, wie man damit umgeht – wie beide damit umgehen. Wenn Top wirklich dominant und sub wirklich submissiv ist, wird es letztlich Top sein, der/die die Art dieses Umganges gestaltet bzw. darüber bestimmt. Erst, wenn Top es versteht, die Träume und Wünsche von sub nicht als Einschränkung sondern im Gegenteil als Kapital zu begreifen, wird es wirklich gelingen, sub (im positiven Sinne) abhängig und süchtig zu machen.
Und nein, das heißt im Regelfall sicher nicht, dass klare Wunschzettel abzuarbeiten sind, um sub „wunschlos glücklich“ zu machen. Da reicht es im Regelfall schon vollkommen aus, wenn Top sich aus der Palette der Träume und Wünsche von sub genau die als "Auslöser" herauspickt, die auch ins eigene Wunschprogramm perfekt hineinpassen.
Wenn Top die Wünsche und Träume von sub hingegen bewusst vollkommen negiert, beraubt sie (und ja, hier schreibe ich jetzt in Anlehnung an den ersten Absatz ganz bewusst SIE) sich damit im Grunde selbst ihrer eigenen Machtbasis.
Auch Herrschen will gelernt sein!
* eine Ausnahme bilden hier natürlich echte Fetischisten, die ohne einen ganz bestimmten Auslöser „einfach nicht können“. Da macht es dann tatsächlich überhaupt keinen Sinn, wenn genau dieser eine Kick nicht beide kickt.
Verfasser NobleMan
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