Die Lust zu Dienen

Um zu erläutern, warum man Zufriedenheit darin findet, anderen oder jemandem bestimmten zu dienen, bedarf es meiner Meinung nach zunächst erst einmal der Erklärung des Wortes selbst. Da ich von mir nicht behaupte die Weisheit mit dem berühmten Löffel gefressen zu haben, machte ich mich also in den unendlichen Weiten des Internets auf die Suche danach.

Ich war mir sicher, irgendwo einen Eintrag zu finden, der mir ausreichend genug dieses Wort in seiner Bedeutung erklären würde. Aber trotz meiner Recherche fand ich weder im Duden noch auf irgendwelchen anderen Seiten auch nur einen einzigen Hinweis darauf, was dieses Wort eigentlich aussagt. In Anbetracht dessen, dass wir das Wort „Dienen“ gerne auf vielfältige Weise verwenden, war meine Ausbeute doch sehr bescheiden. Zwar fand ich Begriffe wie Dienerin, Diener und Dienerschaft als auch noch folgende Wörter wie: helfen, aufwarten, assistieren. Doch keines davon vermag das Dienen auch nur ansatzweise näher zu bringen. Es bleibt, ohne es eigentlich zu wollen, ein abstrakter Begriff, den jeder nach Belieben für sich deuten kann. Wobei dieses Wort für einige Menschen, zu denen auch ich mich zähle, durchaus eine ganze Lebenseinstellung bedeuten kann und somit sehr wohl eine große Rolle spielt. Dennoch wird man zugeben müssen, dass manche Begriffe demzufolge vielmehr ein Synonym für unbestimmte Vorstellungen von etwas sein können.

Der Begriff Dienen lässt sich auch nicht dadurch, dass man versucht in schillernden Worten zu erklären warum man gerne dient, aus seiner Abstraktion schälen, sondern für diejenigen, die damit lediglich das allgemeine Dienen verbinden, stets ein Buch mit 7 Siegeln bleiben.
Dennoch möchte ich mit diesem Text zumindest ein wenig dafür tun, dass man versteht, warum es Menschen gibt, die Dienen um des Dienens willens.

enn mich jemand, der sich nicht in der Welt einer dominant-devoten Beziehung auskennt, danach fragen würde, warum ich freiwillig diene, so wäre meine Antwort darauf relativ spontan: „Weil es mich glücklich macht“ und demzufolge ist es eher schwer nachzuvollziehen. Allerdings, und das ist der entscheidende Punkt, sind unsere Vorstellungen vom Dienen mit Sicherheit nicht dieselben. Während derjenige mich wohl lediglich im Geiste als putzendes und Forderungen erfüllendes Weib eines Mannes sieht, so gehen meine Gedanken diesbezüglich in eine völlig konträre Richtung. Sie haben nichts gemein mit den profanen Tätigkeiten wie Kochen, Aufräumen oder Putzen, sondern gehen sehr viel tiefer. Mein Dienen ist eine Reise in die Welt meiner tiefsten Emotionen. Das Dienen eröffnet mir neue Horizonte und ermöglicht mir das zu sein, was ich in meiner Seele und aus voller Überzeugung sein möchte: die Dienerin meines Herrn. Unabhängig davon in welcher Form ich ihm diene. Es ist jedes Mal und immer wieder erneut ein dermaßen tief gehendes Empfinden, dass ich es kaum mit Worten beschreiben kann. In dieser Welt gibt es keinen in Unterwäsche auf dem Sofa sitzenden Partner, der lauthals danach verlangt, dass man ihm das Bier aus dem Kühlschrank holt und die Puschen bringt. Noch weniger hat es etwas damit zu tun, dass man sich als Frau zur Haushalssklavin machen lässt. Zwei Menschen, die sich in einer solchen von der Norm abweichenden Beziehung befinden, wissen sehr wohl den Wert des gegenseitigen Tuns zu schätzen. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen und für beide die Erfüllung ihrer Lebenseinstellung.

Man darf nicht davon ausgehen, dass devot veranlagte Frauen ständig in gebeugter und unterwürfiger Haltung durchs Leben gehen. Die meisten devoten Frauen, einschließlich meiner eigenen Person, sind sehr selbstbewusste, eigenwillige und selbständig denkende und handelnde moderne Frauen, die im Beruf und auch innerhalb ihrer Beziehung sehr wohl wissen, was sie wollen. Der einzige bestehende Unterschied ist, dass man weniger und in machen Fällen sogar gar keine Gleichberechtigung im herkömmlichen Sinne innerhalb des Zusammenlebens feststellt. Allerdings schließt dies keinesfalls die Akzeptanz und den Respekt des Partners aus.

Auch wenn man den devoten Teil einer D/S- (dominant-devot) Beziehung allgemein als Sklavin bezeichnet, ist das nicht mit der allgemeinen Auffassung von Sklaverei, wie wir sie aus früheren geschichtlichen Zeiten kennen, gleichzusetzen. Niemand wird zu etwas gezwungen, es sei dann man sieht gelegentliche Strafen als Zwang an.
Ich diene völlig freiwillig und das, obwohl ich ansonsten eher zu den Menschen gehöre, die delegieren und führen können. Ich schlüpfe auch nicht in eine Rolle, die ich je nach Lust und Laune einnehme. Anders als ein Schauspieler erwarte ich keinen Applaus für das was ich tue und es fällt auch kein Vorhang nach beendeter Vorstellung. Mein Dienen geschieht im Leisen und Stillen, ohne irgendwelche Zuschauer. Wenn ich mich vor meinem Herrn hinknie und ihm zum Beispiel ein Getränk reiche, so tue ich dies, weil ich damit meinem Partner ganz deutlich zeigen möchte, wie sehr ich seine Position als meinen Herrn akzeptiere. Ebenso gehorche ich ihm aus diesem Grund und füge mich seinen Wünschen, was nicht bedeutet, dass ich nicht anderer Meinung als er sein kann und darf. Dass ich ein Leben als „dienende Sklavin“ führe, dazu wurde ich nie gezwungen. Alles, was ich tue, mache ich aus freien Stücken heraus und weil es mir ein Bedürfnis ist es zu tun. Immerhin war der Weg dorthin für mich ein langer und schwieriger Kampf. Das Wissen, devot zu sein und die Akzeptanz sind bekanntlich zweierlei. Heute sehe ich es als manifestierte Lebenseinstellung. Die Vorstellung, meine Neigung nicht mehr ausleben zu können, erschreckt mich mittlerweile ebenso wie vor Jahren die Vorstellung es ausleben zu wollen.

jede devote Frau mag sicherlich etwas anderes dabei empfinden, wenn sie dient. Und daher kann ich es auch nur subjektiv für mich analysieren und beschreiben. Wenn ich diene, dann diene ich aus einem Grundbedürfnis heraus. Es macht mir Freude, gibt mir eine tiefe innere Zufriedenheit und bereitet mir in höchstem Maße Lust. Somit ist das Dienen mit Sicherheit auch ein Teil meiner Sexualität.
Das Dienen, das Gehorchen und die Fremdbestimmung sind für mich eng mit meinem Lustzentrum verbunden. Ohne das Ausleben meiner Devotion ist Sexualität für mich kaum noch möglich. Nicht, dass mir das reine Miteinanderschlafen keine Lust mehr bereitet, aber mit dem Aspekt es als dienende Sklavin zu tun oder einfach benutzt zu werden, ist mein Lustempfinden um ein vielfaches höher geworden.
Seit ich es ausleben kann, sind Hemmungen und Widersprüche innerhalb meiner Person und meiner Sexualität verschwunden. Endlich war es mir möglich mich in meiner Ganzheit zu akzeptieren und das, was ich fühle nicht mehr in Frage zu stellen.
Es hat auf wundervoller Weise aus zwei sehr unterschiedlichen Wesen, die in mir lebten, Einen werden lassen. Ich behaupte nicht, dass die Devotion, der Wille zu dienen, mich zu einem besseren Menschen hat werden lassen, aber dennoch zu einer Person, die ich selber lieben kann.

Verfasserin Brianna


Kommentare:


Noch keine Kommentare.

Einen Kommentar schreiben:

Bitte alle Felder ausfüllen!

Die e-mailadresse wird nicht veröffentlicht!
Dein Kommentar wird erst sichtbar nachdem er von einem Moderator freigeschalten wurde!
    Offener-Blog
    Du willst Dich nur zu einem Thema äußern, welches Dir unter den Fingernägeln brennt oder hast keine Zeit häufiger zu schreiben? Nun, dann kannst Du gerne diesen Blog nutzen. Achte aber bitte auf einen guten sprachlichen Stil und einen nicht jugendgefährden
Die neusten Artikel
     
  •   Devote Männer und Feminismus am Beispiel Damenwäscheträger
  •   Das (vergebene) Potenzial ältere Doms
    Ich bin jung, ich bin schlank, ich bin solo und Sub. Egal wo ich mich ... [mehr]
  •   Vom Kick der Demütigung im BDSM
    Vor einigen Monaten hat sich meine Lieblingsautorin dazu entschieden ... [mehr]
  •   Exhibitionismus
    In der letzten Ausgabe habe ich bereits von meinem Dauerklienten Olaf ... [mehr]
  •   Dogplay
    Eines der größten Vorurteile beim Petplay ist, dass es sich hier im ... [mehr]
Neue Kommentare
     
  •   Gottfried schrieb am 01.08.2025
    Nachtrag zu meinem Beitrag vom 10.7.2025 Der Vorwurf, dass es an ... [mehr]
  •   Stilvoller Lehrling schrieb am 23.07.2025
    "Ein Mann, der verheiratet ist und mit seiner Frau zusammenwohnt, ... [mehr]
  •   Gottfried schrieb am 17.07.2025
    In diesem Blog geht es vorwiegend um Jüngere Subs und ältere Doms. ... [mehr]
  •   Submissive99 schrieb am 15.07.2025
    Toller Beitrag, er sollte in der Com an all jene verschickt werden, ... [mehr]
  •   Luisa schrieb am 13.07.2025
    Ich kann mich dem nur anschließen, es stimmt mit meiner bisherigen ... [mehr]