Eine anstrengende Woche im Job ist vorbei... geläutert von der Bankenkrise, den Turbulenzen an den Kapitalmärkten. Gefühlte tausend Rückfragen von Kunden jeden Tag, kaum geschlafen in der Nacht und wenig Pausen eingelegt. Und trotzdem bin ich innerlich so aufgeregt, könnte Bäume ausreißen und hätte die Energie gerade, mein ganzes Leben hier niederzuschreiben.
Doch immer wissend, daß die Insomnia zu einer Psychose führen kannn... da lauere ich schon seit einiger Zeit drauf, wann es denn kommt, dieses seelische Abheben. Kann man das spüren oder merken das nur die anderen?
Immer am Limit des Lebens, das ist ein Traum und das suche ich mir zu erfüllen, in der dunklen schillernden Welt des BDSM.
Dabei wenig darauf aus, Schmerzen zu erleiden, dafür aber in die Seele des anderen zu tauchen und ihn auszufüllen bzw. sich fallen zu lassen, gesteuert von dem Willen des Partners.
Ihr könnt das nicht verstehen? Ihr sagt, das sei krank? Ja, vielleicht ist es das. Doch wer bestimmt die Regeln, was normal ist? Ihr? Gott? Ich habe mich gehaßt, lange Jahre: meinen Körper, der zu fett ist und ständig schmerzt. Der jeden Tag sich durch diese Schmerzen bemerkbar macht und durch den vielleicht meine Seele um Hilfe ruft? Aber warum muß sie nur ständig so laut schreien?
Gestern habe ich den Film Fight Club gesehen - genial - und ich war wie besessen ein paar Stunden, da es so faszinierend ist, diese Macht über andere Menschen. Die sich freiwillig führen lassen und ihr Glück dabei finden. Keine Angst mehr und frei von dem Materiellen.
Ich bekenne mich als Fan von sektenartige Gruppierungen und doch ist alles immer nur Phantasie bisher. Niemals habe ich mich angeschlossen an eine extreme Gruppe, bin immer mitgeschwommen und untergetaucht in der Allgemeinheit - das klassische Mauerblümchen.
Doch ich will raus! Verdammt noch mal raus! Fühle mich wohl in der Sadomasofetischwelt, die jeden so sein läßt, wie er ist und doch nicht zu einem harmonischen Miteinander führt. Jeder entwickelt so seine Profilneurosen, wie mein bester Kumpel B. zu sagen pflegt.
Mehr Schein als Sein, so daß das SM-Spiel fade und langweilig sein wird. Und doch beten wir sie an im Internet. Diese Welt, die such ich, beginne zu nutzen, um jeden an meinen Gedanken teilhaben zu lassen.
Gerade warte ich auf die Erfüllung einer Aufgabe durch meinen jungen Sklaven.
H. ist bildhübsch, 23 , Sportler, Student und er wird mir die Stiefel lecken und wahnsinnige Erregung fühlen, wenn ich ihn demütigen werde.
Es gibt ein solches Übermaß an jungen knackigen devoten Männern, daß es einem die Sprache verschlägt. Wir - ich bezeichne die Smler als meine Familie! - wir sind das Ergebnis der heutigen Gesellschaft. Vollgestopft mit Ängsten, seelischen Nöten und doch soviel Tiefgründkeit und Einfühlsamkeit, die einfach nicht benötigt werden von dem oberflächlichen elendigem Pack um uns rum.
Das klingt hart, aber als Bordie fühle ich so tief und intensiv. Die feinen Schwingungen, die von den Seelen der anderen ausgehen. Wie habe ich das gehasst früher, diese Empfindsamkeit. Doch mittlererweile weiß ich sie zu schätzen, mich abzugrenzen und sie zu nutzen.
Im Job z.B. mich einlassen auf den Kunden und ihm dadurch ein Wohlgefühl zu vermitteln. Uns Bordies wird ja nachgesagt, wir manipulieren. Das stimmt! Doch nie um willentlich Böses zu tun, sondern immer aus der Furcht vor Einsamkeit und Versagen heraus. Wir beweisen uns immer wieder neu und sehen uns selbst nur durch die Spiegelung des anderen. Was der andere über micht sagt, ist meine Persönlichkeit. Das glaube ich, doch könnte ich dann wirklich hier schreiben, wenn alles tatsächlich leer in mir wäre?
Die Fähigkeit der Manipulation beginne ich gerade aktiv als Domina zu entwickeln. Nicht professionell - rein zu meinem Spaß und ich mag das auch nur mit sehr jungen Männern, da dadurch automatisch das Machtgefälle entsteht. Ich muß erst seelisch noch wachsen, um einen gleichwertigen Mann zu Boden zwingen zu können, kraft meiner Ausstrahlung.
Mein junger Sub H. schreibt gerade eine Geschichte für mich - eine erotische. Das erregt mich sehr, wenn ich weiß, daß sich solch ein intelligenter Mann vor mir erniedrigt und mir Lust bereiten will. Was interessiert mich der reine Akt? Fuck my brain - das ist die Zauberformel, die wir verehren.
Die geistige Erregung, die absolute Hingabe und wie befriedigend es ist, die Peitsche auf dem Körper zu fühlen. Diesen kurzen scharfen Schmerz, der wohldosiert auf dem Körper verteilt wird. Das ist wahre Hingabe und Einfühlsamkeit. Das ist das wahre Geschenk des dominanten Partners und sein größter Liebesbeweis. Soll er doch ficken, wen er will! Schlagen nur mich allein!
H. schreibt, er arbeitet gerade eifrig an der Geschichte. Das ist eine einfache Aufgabe zur Erziehung in der Ferne. Leider wohnt er drei Zugstunden von mir entfernt, was regelmäßige Treffen erschwert. Erschwerend kommt noch hinzu, daß ich meinen neuen Freund nicht betrügen will. Aber kann ich wirklich ohne SM leben?
Meine SM-Familie sieht das eher negativ. In der Regel haben wir alle Spielbeziehungen nebenher, aber ich bin angeboren ehrlich. Das ist der Nachteil als Bordie, daß man schlecht lügen kann. Vorteil und Sieg für mein Gegenüber, daß meine Offenheit und Geradlinigkeit schätzt. Aber lügen und betrügen nicht alle um mich herum? Warten wir es ab.... noch ist H. in weiter Ferne.
Ich bin scharf auf ihn, keine Frage, erinnere mich einfach noch zu genau an unser erstes und einzigstes Treffen bisher, als ich ihn vom Bahnhof abholte und der völlig unerfahrene Junge seine erste SM-Lektion von mir erhielt. Wie sollte eine Frau da nicht sofort feucht werden, wenn er nackt vor einem kniet, mit devot gesenktem Blick, leicht zitternd vor Erregung und etwas Furcht. Und wie er sich geschämt hat wegen seiner stundenlangen mächtigen Erektion! Das erschreckt einen selbst am meisten, wenn man merkt, daß einen diese Perversionen so erregen. Dem anderen sich auszuliefern, auf den Knien vor ihm kriechen, gefesselt benutzt zu werden.
Sein Herz schlug ihm bis zum Hals und wie er erleichtert nach dem Spiel sich auf mein Sofa flegelte. Wieder diesen frechen Unterton in der Stimme und doch auch sich artig bedankt bei mir. Ich mag das sehr, diese Höflichkeit und das Dankesagen in der SM-Welt. Ich bedanke mich auch immer nach einer gelungenen Session. Intensive und exzessive Sexualität macht süchtig.... und das ist das Problem.