In mir sind Zweifel und Ängste... liebe ich ihn nun doch? Ich mag mich nicht mehr verlieben, das bereitet so viele seelische Schmerzen und Abhängigkeiten. Ich wäre ihm dann schutzlos ausgeliefert - ohnmächtig gefangen und wehrlos gegen jedwede seelische Gewalt, die er mir antut...
R. ist nun schon die zweite Woche verreist. Mit seiner Freundin. Genießt mit ihr vier Wochen die Sonne, das Meer und noch mehr? Mehr mit ihr?
Ich weiß, ich darf keine Besitzansprüche erheben. Bin nur seine Affäre, keine Gefühle sind da für mich seinerseits. Oder? Oder doch ein wenig?
Ein Jahr schlafe ich nun schon mit ihm, vertraue ihm, habe so vieles neues Intensives mit ihm erlebt. Völlig schwerelos und leicht. Und sicher habe ich mich gefühlt - habe ihn nicht geliebt, einfach nur die Zeit genoßen mit ihm.
Schließlich sind wir so verschieden - er, der Großstadtmensch - ich, die das Dorfleben und die Natur liebt. Er ist ein einsamer Wolf und ich habe Sehnsucht nach einem Kind und Familie. Das alles hat meinen Geist klar sehen lassen und aufkeimende Gefühle erstickt.
Und ich fragte ihn, was wohl mit mir falsch sei, daß ich immer noch unverheiratet und kinderlos bin. Seine Ratschläge, dieses zu ändern, machen optisch aus mir eine schwarze Witwe, distanziert, leicht arrogant mit perfekt lackierten Fingernägeln, teurem Schmuck.
Exklusiv soll ich sein, nicht mehr so offen auf alle Menschen zugehen, keine bunte Kleidung mehr tragen, keine Nähe mehr schenken. Eine dunkle Perle sein, die sich nur für einen öffnet.
Aber so bin ich nicht, so kann ich nicht sein, so will ich nicht sein. Ich bin bunt, ich bin emotional, ich habe ein offenes Herz und ich mag es, Menschen zuzuhören. Wenn ich mich denn so ändern muss, nein, dann bleibe ich lieber Single. Dann bleibe ich unverheiratet und allein in meiner Wohnung.
Ich kann es auch mittlererweile allein aushalten in meiner Wohnung, habe Fortschritte gemacht und mich mit dem Borderline arrangiert. Doch Weihnachten rückt näher - Zeit für Depressionen, Zeit für Liebe? Sind die Festtage der Grund, daß ich meine, zu lieben? Oder bilde ich mir das nur ein?
Ich vermisse R. Wenn wir SM-Stammtischtreffen haben, vermisse ich ihn an meiner Seite. Immer allein und ich würde gern sagen, das ist meiner, ich bin sein, ganz und gar. Ihn nachts in meiner Nähe wissen.
Die Hochzeit einer Freundin steht bevor im März und wie gern hätte ich ihn an meiner Seite.
Auslöser für meine ganze innere Misere war nur eine Nachricht von ihm. Immer war er zwar liebevoll, sexuelle bemüht, hat doch aber immer die Distanz bewahrt und klare Grenzen gezogen. Seine Nachricht war unter anderem: Ich verreise nun und ich werde an Dich denken. Jeden Tag und jede Nacht!
Seit dieser Nachricht sind die Schranken in meinem Kopf gefallen. Zu unserem baldigen Jahrestag habe ich ihm einen rührigen Jahresrückblick geschickt - er hat zu meinem Glück mit beigetragen. Er freute sich, dankte mir ebenso, aber hier nun wieder mit Dank für die Freundschaft.
Keine rührende Liebe, aber dem Abschlusssatz: Und nächstes Jahr wird alles noch besser!
Was bedeutet nun so etwas? Ist der Mann wirklich gefühllos ggü mir, wie er behauptet?
Ich bin unsicher, habe Sehnsucht, aber auch Zweifel. Will ich denn seine Partnerin sein? Von einem notorischen Fremdgänger?
Das ich dann die Sonntage habe mit ihm und in der Woche sucht er wieder eine neue Affäre? Nein, ich will einen Partner für mich. Vielleicht ist es eine Illusion, aber wer möchte nicht die Einzigste, der Einzigste sein?
Ende Dezember erst werde ich ihn wiedersehen, wer weiß, vielleicht habe ich mich dann wieder entliebt. Wäre sicher besser für meine erschöpfte Seele. Nochmal einen solch schlimmen Liebeskummer wie bei I. und M. werde ich nicht mehr durchhalten. Nochmal ein solcher Seelenschmerz und ich werde sicher das Leben nehmen. Also zur Vorsicht besser die Liebe verschmähen, ihr ausweichen, ihr entkommen, ihr entgehen.
Gerade komme ich aus dem Kino - ein Liebesfilm mit Happyend. Aber niemals ist das so im wahren Leben. Oder doch? Ein Paar war mit dabei - die passen sehr gut zusammen und sind wohl auch super glücklich.
Aber hat Gott das auch für mich vorgesehen?
Ich mache ihm die Arbeit aber auch nicht leicht. Ich werde immer fülliger, immer pfundiger. Das machen die Antidepressivatabletten. Sei März nehme ich sie und ich habe rasend schnell zugenommen. Doch wenn ich sie wieder absetze, dann schlafe ich nicht mehr.
Die Stimmungsschwankungen bringen dann mein derzeit halbwegs ruhiges Leben wieder aus dem Lot. Ich sitze in der Falle. Das ist ein verdammter Teufelskreis. Schlank sein oder seelisch krank sein? Was ist die besser Alternative? Sagt ihr es mir? Der Gesellschaft gefallen und damit Ruhe zu haben? Oder glücklich zu sein mit Makeln?
Wenigstens mache ich wieder mehr Sport. Mein Körper fühlt sich auch schon etwas muskulöser an. Sogar R. hat es bemerkt und mich gelobt. Ich will ihm gefallen, will daß er mich begehrt. Wobei ich mich nicht beklagen kann. Auch nach einem Jahre ist seine große Lust auf meinen Körper ungebrochen.
Schön war mit ihm das Wochenende in Hamburg - die Extravaganza war rappelvoll, aber ich habe mich wohlgefühlt. Viel zu sehen, gute Musik und eben das ganze WE mit R. Vorher auf der Reeperbahn gebummelt und am Sonntag eine Hafenrundfahrt genossen.
Es was schön, aber es ist nunmal so, daß wir nur die schönen Seiten des Lebens genießen. Ich bin für seinen Spaß da - die Abwechslung zum Alltag, aber eben nicht der dauerhaft gewünschte Alltag. Ich bin der langersehnte Ausflug - die verbotene Frucht.
Ein wenig einsam fühle ich mich auch, weil sich unser Stammtisch wieder mal geteilt hat. Aber auch ich kann diesmal nicht mehr zu dem Stammi gehen, da neue Leute dort erschienen sind, die es nicht gut mit mir meinen: Ich muss fliehen und das macht mir Angst.
Ich benötige doch Schutz in der SM-Welt, fühle mich allein dort wie in einem wilden Raubtierhaufen und der R. ist doch nur ein halber Schutz. Könnte ihn im Notfall ja nicht erreichen. Keine Adresse, keine Telefonnummer. Der Mann hat seine normales Leben komplett abgeschirmt.
Nun muss ich ein neues Netzwerk suchen, das mich behütet und beschützt. Mein Schattendrache fehlt mir außerdem, doch ich konnte seine Suiziddrohungen nicht mehr aushalten. Konnte die Last seiner Ängste nicht mehr allein tragen. Wo ich mich selbst doch kaum tragen kann... habe ihn an seine Mutter verraten. Habe meinen Drachen verraten und nun zürnt er. Redet nicht mehr mit.
Klar, ich kann es verstehen, aber darf ein Mensch einen anderen wirklich immer mit Selbstmordgedanken belasten? Ich bin keine Psychologin, war überfordert, habe seine Mutter um Hilfe gebeten. War das falsch? War das richtig? Ich weiß es nicht.
Ich weiß gerade irgendwie gar nichts mehr im Leben. Ecke überall an, verändere mich, verliere die Nähe zu meinen Freunden, sehe vieles mit anderen Augen. Sehne mich zwar nach Nähe, doch tief in mir ist viel mehr der Wunsch nach Ruhe und Zurückgezogenheit...
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