Hannah begleitet Bernhard in einen Club der besonderen Art. Ein Test, den sie unbedingt bestehen möchte. Aber wie, wenn man schon an der passenden Kleiderwahl scheitert?
Für all jene, die die ersten beiden Teile verpasst haben, geht's hier noch mal zum Anfang der Geschichte ...
DARKSIDE - Teil 3
... Hannah war schockiert, wandte sich schnell wieder ab und begegnete dem Blick von Susi, die ihr ungefragt einen neuen Drink hinstellte. Hannah steckte den Trinkhalm zwischen die Lippen und zog den kühlen, bittersüßen Cocktail ohne abzusetzen in sich hinein.
„Nicht so hastig!“ Mit diesen Worten nahm Bernhard ihr das Glas weg. Er legte seine Hand weit oben auf ihren Schenkel, beugte sich ein wenig vor und schob ihr seine Zunge in den Mund. Er schmeckte nach Bier. Sein Kuss elektrisierte Hannah ganz gegen ihren Willen. Sie fühlte ein Ziehen in den Brustwarzen und ein zunehmendes Kribbeln im Unterleib. Das Summen in ihren Ohren vereinigte sich mit dem lauter werdenden Stöhnen der Frau, die wenige Meter neben ihr zu ungeahnten Höhenflügen ansetzte.
„Macht dich das an?“, fragte Bernhard mit seiner tiefen Stimme, in der deutlich Verlangen mitschwang. Seine Hand glitt zwischen Hannahs Beine und presste sich auffordernd gegen ihre Scham. „Zieh die Hose aus!“, flüsterte er.
„Was?“ Hannah hielt den Atem an und drückte ihn mit beiden Händen von sich weg. „Spinnst du?“
„Hab dich nicht so!“ Er lachte leise. „Das Teil ist völlig fehl am Platze!“
In der Tat machte Hannah die Hitze des Raumes zu schaffen. Unter den Hosen trug sie halterlose Strümpfe, die sie draußen ein wenig vor der Kälte hatten schützen sollen. Aber um nichts in der Welt würde sie hier vor allen Leuten nur in Slip und Strümpfen rumlaufen! Sie war doch keine Nutte!
Mit Schwung rutschte sie vom Barhocker. „Ich muss zum Klo!“ Die High Heels fühlten sich plötzlich wacklig an. Hannah musste darauf achten, nicht ungelenk zu wirken. Als sie um die Ecke in Richtung Toilette bog, wünschte sie sich, auf diesen Gang verzichtet zu haben. An der Wand, auf die sie zusteuerte, hing ein Andreaskreuz – so viel wusste sie immerhin. Daran hatte man einen Mann mit gespreizten Gliedmaßen fixiert. Er trug eine Augenbinde. Um Hüften und Lenden waren Lederriemen gewunden, die seine bloßen Genitalien übergroß erscheinen ließen. Zu seinen Füßen gab es mehrere Sofas. Darauf saßen Männer und Frauen und beobachteten ihn. Sie sprachen mit gedämpften Stimmen. Hannah war froh darüber, dass gerade nicht sie in ihrem unpassenden Outfit Aufmerksamkeit erregte, und folgte dem Schild mit den unverkennbaren Symbolen eine schmale Treppe hinunter in den Keller. Sie hoffte, nicht auch dort Augenzeuge obszöner Spielereien zu werden. Ein Mann kam ihr entgegen. Sie hatte ihn zuvor im Dunstkreis der stöhnenden Frau bemerkt. Er grinste sie an, öffnete leicht den Mund und ließ seine Zunge hervorschnellen. Einer Panik nahe huschte Hannah an ihm vorbei.
* * *
Als sie die rettende Nasszelle erreichte, atmete sie tief durch. Sie fühlte sich schwach auf den Beinen. Doch wer wusste, was sie sich hier wegholen würde, wenn sie sich setzte. Es musste irgendwie so gehen. Fieberhaft dachte Hannah darüber nach, ob sie Bernhard dazu bewegen konnte, den Club zu verlassen. Aber sie waren gerade erst angekommen. Sein Spott über ihr prüdes Benehmen wäre ihr so gewiss wie das Amen in der Kirche. Und wenn sie beginnen würde, das Ganze unter einem neuen Aspekt zu betrachten? Aus wissenschaftlicher Sicht beispielsweise. Ja, warum nicht? Sie könnte in Gedanken prozentuale Vergleiche anstellen – wer, wie oft, mit wem und so. Oder – weniger wissenschaftlich – einfach gucken, ob tatsächlich alle Frauen komplett rasiert waren, wie immer behauptet wurde. Sie musste sich allerdings eingestehen, dass das Naheliegendste nur der Selbsterfahrungstrip sein konnte, von dem Bernhard gesprochen hatte. Was sollte sie tun? Sich darauf einlassen? Mitspielen? Nein – um Gottes Willen! Das kam nun wirklich nicht in Frage! Gucken und gut.
Hannah wusch sich die Hände und betrachtete sich im Spiegel. Ihr Gesicht wirkte überhitzt. Aus dem hochgesteckten Haar fielen Strähnen über Augen und Schultern. Just out of bed, dachte sie. Na, wenigstens etwas Verruchtes! Und wenn sie die Hose nun doch ausziehen würde? Dann trüge sie Strümpfe und schwarze Panties. Zu einem Shirt, das im Rücken geschnürt war wie ein Korsett. Vielleicht noch immer nicht der optimale Aufzug. Aber zumindest angepasst. Fragte sich nur noch, ob sie die Traute hatte.
Hannah zog einen Lipgloss aus der Hosentasche und pinselte mit flatternden Händen auf den Lippen herum. Der Gedanke, sich von der schützenden zweiten Haut zu trennen, ängstigte sie. Gleichzeit stieg da etwas wie eine Euch-werd-ich’s-zeigen-Mentalität in ihr auf. Was hatte sie zu verlieren? Hier kannte sie niemand. Sie war weit weg von daheim. Und im Zweifelsfall würde Bernhard sie doch wohl beschützen! Wieder dachte sie an die stöhnende Frau. Beschützen – davor?
Intuitiv presste sie die Schenkel aneinander. Nicht alles, was sie wahrnahm, berührte sie unangenehm. Susi mit ihren knackigen Höschen und ein paar andere Frauen fand sie sogar äußerst sehenswert. Insgeheim hatte sie sich schon gewünscht, diese bescheuerte Hose rechtzeitig gegen ein hübsches Kleid eingetauscht zu haben. Damit hätte sie sich heute Abend deutlich attraktiver gefühlt.
Die Tür zum Waschraum schwang auf und eine Blondine mit einer Kleopatra-Frisur trat ein. Sie trug ein rotes Lederkorsett, das ihren nackten Busen stützte. Kleopatra lächelte und verschwand in einem der beiden Abteile. Augenblicklich stand Hannahs Entschluss fest – sie wollte sexy sein! ...
Noch keine Kommentare.