Hier ist es - mein Weihnachtsgeschenk für euch. Von heute an erzähle ich euch eine erotische Geschichte in Fortsetzungen. Pünktlich zu Silvester findet sie ihr Finale. Und am Neujahrsmorgen, wenn wir ins neue Jahr starten, erfahrt ihr, welche Autorin hinter dem Pseudonym Vicky Vanilla steht. FROHE WEIHNACHTEN euch allen!
DARKSIDE
Hannah änderte immer wieder ihre Sitzposition. Erst stellte sie die Beine nebeneinander, dann schlug sie das eine über das andere. Ihren Händen erging es ähnlich. Im Schoß, auf der Armlehne – nirgends hielten sie es aus. Hannah spürte Bernhards amüsierte Seitenblicke, während er den Wagen souverän durch den abendlichen Straßenverkehr lenkte. Sie kannte den Mann erst seit ein paar Wochen. Von Anfang an hatte sie seine Präsenz fasziniert. Ein schlanker, trainierter Typ, der die Blicke auf sich zog und durch nichts aus der Ruhe zu bringen war. Und dann diese sonore Stimme! Hannah fühlte sich häufig wie hypnotisiert. Sie schaute in Bernhards dunkle, von Lachfältchen umgebene Augen, lauschte seinen Worten und begriff die Welt nicht mehr. Er hatte sie zu ihrem großen Leidwesen bereits mehrmals dabei ertappt, dass sie nicht wahrnahm, wenn er mit ihr sprach.
Hier, im Auto, auf der Fahrt zum DARKSIDE, schwiegen sie. Dieser Abend war Bernhards Idee. Er hatte von seinem Wunsch berichtet, ihr eine gänzlich unbekannte Welt zu öffnen. Es sei ein Club, der ihr gefallen würde. Angeblich war er mit jeder seiner Freundinnen schon dort gewesen. Mit jeder. Wie sich das anhörte! Als wären seine Beziehungen zu Frauen wie eine Aufgabenliste, die es abzuarbeiten galt. Wollte sie sich da wirklich einreihen? Vermutlich würde sie das DARKSIDE schon deshalb nicht mögen.
Er hatte ihr nicht viel darüber berichtet. Es wie eine Art Test beschrieben. Sie solle sich ein bisschen sexy anziehen. Am liebsten ein Kleid. Und wenn sie mutig genug sei, keinen Slip darunter. Aha, hatte Hannah gedacht, ein Sexclub also. Sie hatte gehofft, mehr zu erfahren. Aber Bernhard war einsilbig geblieben. Sie würden etwas trinken und sich unterhalten. Vielleicht auch tanzen. Sie stünde doch darauf, andere Menschen zu beobachten. Und genau das könne sie dort zur Genüge. Mehr war nicht aus ihm herauszubekommen.
Hannah rutschte in ihrem Sitz weit nach hinten, hielt den Atem an und ließ ihn dann hörbar entweichen. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass Bernhard zu ihr herüber schaute. Aber sie wandte den Kopf nicht, starrte statt dessen angespannt geradeaus. An den Hinweisschildern erkannte sie, dass es stadtauswärts ging. Ansonsten hatte sie jegliche Orientierung verloren. Es schneite. Das Industriegelände, in das sie eingebogen waren, erschien ihr vollkommen fremd. Und in den Seitenstraßen wirkte die dünne Schneedecke unberührt. Hannah wurde plötzlich bewusst, wie einsam es hier war. Unwohlsein legte sich wie ein Korsett um ihren Magen.
„Aufgeregt?“, fragte Bernhard.
Hannah nickte.
Er legte die rechte Hand auf ihr Knie und sagte mit einer Stimme, die ihr durch und durch ging: „Es wird dir gefallen! Entspann dich!“ Die Hand schob sich zielstrebig zwischen ihre Beine. „Aber in diesen Klamotten ist es viel zu warm. Wirst sehen!“
Hannah hatte sich geweigert, ein Kleid anzuziehen, denn im DARKSIDE schien ihr alles möglich. Außerdem hatte sie ihre eigenen Vorstellungen von Sexclubs. Sie hoffte zwar noch immer, dass es sich nicht um einen solchen handelte. Aber im Grunde ihres Herzens rechnete sie damit, dass sie heute Abend diesbezüglich ihre Unschuld verlor. An der Seite von Bernhard ließe sich das sicher ertragen. Hannah fühlte sich sowieso hin und hergerissen zwischen prickelnder Neugier und grundsätzlicher Ablehnung. Würde er sie mit seiner hypnotischen Aura womöglich gefügig machen? In jedem Fall wollte sie verhindern, intim berührt zu werden. Also trug sie heute Hosen.
Wieder grinste Bernhard, als könne er ihre Gedanken lesen. Mit einem gekonnten Griff ließ er das Lenkrad kreisen und bog auf einen riesigen Parkplatz ein. Hannah blickte weiter angestrengt nach vorn. Von einem Club, wie sie ihn erwartete, war weit und breit nichts zu sehen. Nur über einem der Eingänge des zweistöckigen kastenförmigen Gebäudes, vor dem sie hielten, war ein unscheinbares Schild angebracht. Das sollte dieses ominöse DARKSIDE sein? Zumindest hatten wohl schon mehrere Besucher den Weg hierher gefunden. Der Platz war gut gefüllt. Hannah drehte sich leicht nach links und begegnete Bernhards Blick. Dieses anzügliche Grinsen kriegte er offensichtlich nicht aus dem Gesicht.
„Wir sind da“, sagte er.
Sie nickte.
„Möchtest du aussteigen?“
Sie schwieg, obwohl ihr Entschluss seit Stunden feststand. Sie wollte sich das Ganze anschauen. Nur in dieser Sekunde, genau jetzt, begann dummerweise ihr Mut zu sinken. Bernhard würde es sicher gleich bemerken …
Er gab ihr einen Klaps auf den Schenkel und öffnete die Fahrertür. „Na los!“, sagte er und stieg zuerst aus. Dann kam er um den Wagen herum und reichte ihr die Hand. „Sei vorsichtig mit deinen Schuhen! Es ist glatt!“
Mein Gott, war er heute fürsorglich. Sollte sie das als versteckten Hinweis werten? Hannah griff nach Bernhards Hand wie nach einem Rettungsanker und ließ sie auch dann nicht los, als sie schon sicher stand. Sie trug ihre schwarzen Manolo Blahniks. Nichts für schneeglatte Straßen. Aber sie wollte ja auch tanzen und die restliche Zeit des Abends auf einem Barhocker verbringen. Das sah mit High Heels am besten aus.
Auf dem Weg zum Eingang verstärkte sich das mulmige Gefühl erneut. Hannah warf einen kurzen Blick über die Schulter, als hätte sie von irgendwoher Geräusche vernommen. Tatsächlich aber versuchte sie sich einzuprägen, wo sie waren. Doch das schien aussichtslos. Sie kannte die Gegend nicht. Und ihr Orientierungsvermögen war nicht erst seit heute für die Katz. Sie hatte an jedem unbekannten Ort Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden. Was hätte sie darum gegeben, genau jetzt an dieser Stellschraube in ihrem Hirn drehen zu können!
Bernhard betätigte einen Klingelknopf. Der Ton riss Hannah aus ihren Gedanken. Eine Metalltür öffnete sich leise surrend zu einer Art Schleuse. Dahinter eine zweite Tür, die jemand aufhielt. Der gedrungene muskulöse Typ mit Glatze grinste Bernhard an und klopfte ihm auf die Schulter, als würden sie sich lange kennen. Dann schielte er mit einem merkwürdig fragenden Blick zu Hannah hinüber, sagte aber nichts.
„Das ist Hannah“, stellte Bernhard kurz vor. Er legte einen Arm um ihre Hüften und schob sie mit Nachdruck weiter auf einen dicken schweren Theatervorhang zu. Dahinter waren Bargeräusche zu hören, Stimmengewirr und ein angenehm rhythmischer Sound ...
Chicagomay schrieb am 25.12.2014
Sehr ansprechender Schreibstil mit vielversprechenden Spannungsbogen.
DANKE :-)
LG Vicky
wounded-angel schrieb am 23.12.2014
Liebe Vicky
du hast mit deiner Geschichte mein interesse geweckt.
Bin gespannt wie's weiter geht ;-)
Lieben Gruß
Wounded-Angel
Danke, Wounded-Angel :-) und liebe Weihnachtsgrüße für dich!
Vicky