Ich hasse Schmerz. Was nicht heißt, dass ich damit nicht umgehen könnte. Frauen sind schließlich bekannt dafür, dass sie einiges aushalten. Kann ich auch, aber ich würde nicht behaupten, dass ich es gern täte. Im Gegenteil, nach Möglichkeit weiche ich Schmerzen aus.
Ehe ich begriff, dass nicht jede Sub auf Schmerz steht, hat es gedauert. Man kann devot sein, ist aber nicht zwangsläufig Masochistin. Schläge vom Dom gibt es allerdings wohl irgendwann für jede Sub. Jedenfalls in den Romanen. Dort wird interessanterweise selten ein Unterschied zwischen devot und masochistisch gemacht. Dafür sehr oft von Lustschmerz gesprochen. Mir ein wenig zu oft. Obwohl ich gewillt bin zu glauben, dass sich Schmerz wandeln lässt. Ab einem bestimmten Punkt. Aber so differenziert Schmerzwahrnehmung ist, wünschte ich mir auch die Adaption desselben in erotischen SM-Romanen. Es reicht mir einfach nicht, wenn der Autor die Figur sagen lässt: Ah, Lustschmerz – wie toll!
Der Schmerz ist das eine. Viel spannender finde ich das, was man sich ausdenkt, um Schmerz zuzufügen, sprich die Fantasie der Doms. Vermutlich sollte ich in diesem Fall besser Sadisten sagen. Und ehrlich? Genau das ist es, was mir beim BDSM Angst macht.
Ich habe schon vor Jahren Klassiker gelesen, die diesbezüglich einiges zu bieten haben. Kennt jemand von euch die Bücher von Jean de Berg? Das Bild oder Die Frau? In der Geschichte „Die Rosen von Bagatelle“ geht es recht harmonisch zu. Es ist nur der Dorn einer Rose, der der zarten Anne zum Verhängnis wird. Beim „Martyrium des Sebastian“ braucht man da schon bessere Nerven, denn seine Herrin zückt ein Messer. Aber was es wirklich heißt, masochistisch veranlagt zu sein und echte Qualen erleiden zu wollen, hab ich erst realisiert, als ich mir den Film SM-Richter ansah. Das war starker Tobak. Wobei die schlimmsten Szenen gar nicht gezeigt wurden. Denn dass es im wahren Leben noch härter lief, als im Film dargestellt, offenbarte sich bei der Verhandlung im Gerichtssaal und im Anschluss an den Film in den Interviews, die mit dem echten Richter und seiner Frau geführt wurden.
Der Film selbst steht hier nicht zur Debatte. Wohl aber der Schmerz. Ich stelle mal eben die Behauptung in den Raum, dass das Nicht-begreifen-können der Ambivalenz des Schmerzes das größte Problem für grundsätzlich Außenstehende wie auch für BDSM-Neulinge ist. Bei allem, was man in diesem Kontext liest, frage zumindest ich mich häufig: Könnte ich das aushalten? Würde ich das wollen? Und wenn, warum? Für wen? Jeder von uns kennt Schmerz, die meisten fürchten sich davor. Warum will dann Sub Schmerz ertragen? Warum will der Sadist oder Dom Schmerz geben? Verpasst der Vanilla etwas, weil er niemals erlebt, wie sich Schmerz in Lust wandelt? Ist es vielleicht wie beim Zahnarzt? Wo man die quälende Behandlung über sich ergehen lassen muss, um hinterher Erleichterung zu finden?
Möglicherweise liege ich falsch mit meinen Vermutungen, aber ich habe das Gefühl, BDSM ohne Schmerz geht nicht. Was fange ich also mit den gerade mal 14 % an, die mir der Test für meine masochistische Ader zugesteht? Nähere ich mich mit der Feststellung, dass Schmerz nichts für mich ist, der Erkenntnis, dass BDSM nichts für mich ist? Oder hab ich einfach nur keine Ahnung, wie schön Schmerz sein kann?
Darüber reden wir noch – deshalb geht’s im nächsten Beitrag mal ganz ausführlich um den BDSM-Test.
Sunshine schrieb am 26.10.2014
Liebe Vicky
Da wirst du wohl recht haben.
Und ich habe die Erfahrung machen können,das wenn man denn,dann etwas Vernichtendes über ein Bestimmtes Buch sagt,sich auf sehr dünnem Eis Bewegt.
Ich kann nur hoffen das es sich einige zu Herzen nehmen ,und dann hier auf der Seite Landen,um sich Richtig zu Informieren.
Und ich Denke das deine Einträge auch viel Gelesen werden,oder ich hoffe es doch sehr,gerade weil Du es aus einer anderen Perspektive Schreibst,die sie vielleicht dann auch Erreicht.
Also an die Mitleser nicht Schüchtern sein und Ruhig ein Feedback hier lassen.
So mache ich das ja auch ;-)
P.S : ein Nachtrag noch was die Perfektion angeht,ich hoffe nicht das die Autoren es umschreiben,gerade die Dom´s sind doch sowas von Kopfkino ;-) denn Wirklich von einem Bierbäuchigen in Jogginganzug wollen wir dann ja doch auch nicht Lesen ;-)
Aber die Damen dürfen dann Ruhig mal ein Paar Rundungen haben.
LG Sunshine
Bierbäuchiger in Jogginganzug - haha, das wäre wohl wirklich das extreme Gegenteil von erotisch ;-)
Insgeheim hoffe ich ja auch, dass meine Texte dem ein oder anderen, der sich als BDSM-Anfänger oder - Neuling fühlt, Mut machen, genauer hinzuschaun, nachzufragen und sich mit den Informationen auseinanderzusetzen. Auf dieser Seite hier kann man wirklich endlos lesen ...
Ich jedenfalls finde es toll, Sunshine, dass du immer wieder kommentierst und damit meine Sicht auf die Dinge durch deine ergänzt :-)
Danke! Vicky
Sunshine schrieb am 26.10.2014
Na ja was heißt auf Perfektion verzichten,für die Kopfkinos ist es sehr schön,aber eben um sich damit vergleichen zu können sehr weit Entfernt von der Realität.
Aber dafür sind die dann ja auch nicht vorgesehen,und sollten auf keinen Fall als Leitfaden genutzt werden.
Das ist glaube ich auch das Problem,das es bei einigen Lesern der Romane dann irgendwie Ausufert,und sie sich nun an einem Roman Orientieren oder es versuchen genau das nun in die Realität umzusetzen.
Und das geht in den meisten Fällen nach hinten los.
Nach dem Motto.
Hey Schatz ich habe da etwas Gelesen,und ich möchte das du das nun auch mit mir machst.
Schön das ich dazu beitragen kann ein Thema mit Fest zu zurren :-) bin Gespannt.
Ich fürchte, Sunshine, es sind erstaunlich viele Leute, die sich an diesen erotischen Romanen orientieren. Insofern kann man den Wert einer Seite wie der von Gentledom, die für viele BDSM-Neulinge Licht ins Dunkle bringt, gar nicht genug betonen. Fragt sich nur, ob die Erotik-Romanleser sich hier überhaupt informieren.
Liebe Grüße, Vicky
Sunshine schrieb am 25.10.2014
Hallo Vicky
Es ist für ein Kopfkino sehr gut Beschrieben,sich vorstellen zu können wie es anfühlen könnte,allerdings dann im Realen damit in keiner weise vergleichbar ist.
Ich bin aber Persönlich der Meinung, das es auch BDSM ohne Schmerz geben kann,da es so weit Gefächert ist.
Und nein ich finde mich da in den Romanen nicht wieder.
Nicht wenn es um die bestimmten Kapitel geht.
Was die Sturheit der zu Sub geht (die aber erst noch Überzeugt werden muss)
Da könnte ich dann eventuell mithalten.
Aber das ist die Art wie mein Partner mich haben möchte,es wäre Langweilig wenn ich sofort nachgebe,und immer alles Richtig mache ;-)
Leider ist es in den Romanen dann ja immer so ,das einfach alles zu Perfekt ist.
Der Dom ist Perfekt und weis genau von Anfang an was er seiner Zukünftigen Sub zumuten kann,nur alleine dadurch das sie miteinander Sprechen.
Wer also authentisch wirkende SM-Romane schreiben will, sollte auf Perfektionismus bei Dom und Sub lieber verzichten. Ich habe gerade wieder ein entsprechendes Buch auf meinem Reader. Darüber muss ich wirklich mal was texten. Insofern zurren wir gerade gemeinsam eines der nächsten Themen fest, Sunshine. Danke für deine Unterstützung dabei!
Liebe Grüße, Vicky
Trasognata schrieb am 25.10.2014
Ich mag deine Beiträge irgendwie, auch wenn ich als "alter Hase" (liest sich furchtbar mit 29) eine ganz andere Perspektive darauf habe. Ich bin auch keine knallharte Masochistin, aber in gewissen Situation erzeugt der Schmerz eine einzigartige Dynamik, die ich schwer beschreiben kann.. Wie einst ein Dom von mir formulierte: "Wenn du mir gehörst, ich alles mit dir machen kann, und dich die ganze Zeit nur streicheln würde, würde das ganze Konstrukt keinen Sinn mehr ergeben".
Für MICH jedenfalls gibt es daher tatsächlich keinen BDSM ganz ohne Schmerz, aber bestimmte Szenen aus dem Film "SM Richter" (der absolut großartig und fern von jeglichem Shades of Grey Mist ist!) kann ich mir auf gar keinen Fall mit mir als Protagonistin vorstellen. Aber bestimmt gibt es auch Doms und subs, die das anders sehen..
Außerdem ist Schmerz nicht gleich Schmerz. Wenn der Dom Erfahrung und Einfühlungsvermögen hat, wird er dich nicht übefordern! Und was die 14 % angeht, der Appetit kommt beim Essen :)
Ich freue mich, dass dir meine Texte gefallen, Trasognata. Besonders deshalb, weil du die Dinge, über die ich schreibe, ja aus einer anderen Perspektive betrachtest. Es hilft mir in meinen Gedankengängen, den Wahrnehmungen einer Sub zu folgen. Also gib gern weiter Feedback zu dem, worüber ich hier so sinniere ;-)
Was SM-Richter betrifft - der Film hat gespaltene Gefühle bei mir hinterlassen. Auf halber Strecke habe ich sogar unterbrochen, weil es mir zu heftig wurde. Aber für mein Verständnis war das Bonusmaterial, hier besonders die Interviews, ganz wichtig. Es hat mich sehr betroffen gemacht, welche tiefgehenden Folgen die Geschichte für das belgische Paar gehabt hat. Streckenweise konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, sie hätte, wenn sie gekonnt hätte, alles rückgängig gemacht. Auch wenn sie es an keiner Stelle zugab, aber sie schien mir nach all dem gebrochen zu sein. Und ich bewundere, dass die beiden dennoch einen gemeinsamen Weg gefunden haben, mit den Ereignissen umzugehen ...
Auf deinen letzten Absatz baue ich, Trasognata :-)
Liebe Grüße, Vicky
Sunshine schrieb am 25.10.2014
Also ich Oute mich mal als viel Leserin des Erotik Genres und meist geht es um Dom und Sub,na gut meist eben zu Überzeugende Sub *schmunzel*
Das mit dem Schmerz ,hat auch mich eine ganze weile Beschäftigt,wieso,weshalb und warum.
Ich hätte mir nie vorstellen können das ich so etwas mal mit Genuss vergleichen würde.
Allerdings habe ich mittlerweile die Erfahrung gemacht,das Schmerz durchaus auch anders Wahrzunehmen ist ,wie der dem man ansonsten lieber vermeidet.
Natürlich bleibe ich weiter dran hier zu Lesen,und bin Gespannt was es über den Test zu Berichten gibt.
Liebe Grüße Sunhine
Hallo Sunshine,
ist dann aus deiner Erfahrung heraus der Lustschmerz in den Erotik-Romanen realistisch beschrieben? Gibt sicher Unterschiede, aber so im Großen und Ganzen? Findest du dich da wieder?