Jetzt hab ich ihn also gesehen, den Film aller Filme. Den BDSM-Streifen, der keiner ist. Da hilft das ganze Mediengeplärre nichts. Natürlich sehen wir ein Spielzimmer, diverse Gerätschaften, diverse Toys. Natürlich lässt Christian Grey seine Hand ordentlich auf Anas Po tanzen. Wobei, ordentlich geht vermutlich anders. Aber immerhin. Es ist zu sehen. Genauso wie ein paar schwere Handschellen, diverse Peitschen und ein Ledergürtel. Letzterer kommt auch tatsächlich zum Einsatz. In der Schlussszene. Als Ana wissen will, wie viel Schmerz sie aushalten können muss, um Christian zu gefallen. Um ihm Vergnügen zu bereiten. Denn darauf läuft es letztlich hinaus. Aber der Reihe nach.
Der Film beginnt, wie wir es aus den Trailern kennen – im Grey House. Was nach Anas missglücktem Auftritt in Greys Büro folgt – ihr erinnert euch, sie stolpert hinein und fällt mal gleich auf die Knie, hält sich stark an die Buchvorlage. Nicht nur Fans werden das gut finden. Insgesamt ist die Zusammenstellung der Szenen gelungen. Ob geeignet, das Ende des Films zu erklären, sei allerdings dahingestellt. Aber das später und sowieso nur aus meiner persönlichen Sicht.
Von den wirklich wichtigen Szenen, denen, die wir wohl sehen wollen, fehlt im Grunde keine. Okay, an keiner Stelle des Films sehen wir die beiden beim Shopping. Aber das können wir, denke ich, gut verschmerzen. Dafür gibt’s die Entjungferungsszene – wer hätte das gedacht, und relativ schnell einen Blick ins Spielzimmer. Ach sorry, das war ja umgedreht. Erst Spielzimmer und dann … Aber egal.
Der Sex zwischen den beiden ist nett anzusehen. Im Gegensatz zu manch anderem, der sich dazu äußerte, hatte ich nicht das Gefühl, es gäbe Probleme mit der Chemie der Hauptdarsteller. Im Gegenteil. Besonders Dakota Johnson überzeugt, wenn sie sich sinnlich und hingebungsvoll zeigt. Jamie Dornan mimt natürlich den knallharten Typen. Das nehme ich ihm nicht ganz ab – mir ist er nicht männlich genug. Aber das ist sicher Geschmackssache. Hier profitiert die englische Variante, die, die ich sah, definitiv von der Tatsache, dass man die Originalstimmen der beiden hört. In der deutschen Version trägt Jamies Stimme leider nur dazu bei, ihn noch jungenhafter erscheinen zu lassen, als er visuell sowieso schon rüberkommt.
Für mich hielt der Film eine Überraschung bereit, und zwar im Bezug auf einen relativ wichtigen Zusammenhang. Im Buch fürchtet Ana, dass ihr das dominante Spiel von Christian nicht gefallen könnte. Sie hat Angst, dem nicht gewachsen zu sein. Im Film schmilzt sie dahin, wenn Christian ihr im Spielzimmer seine dunkle Seite zeigt. Eine Pfauenfeder und ein Flogger sind ja auch nicht wirklich dazu angetan, Schmerzen hervorzurufen. Bis hierher wird auch jeder BDSMler sagen: Das ist ja wohl nix. Und hat noch viel weniger mit Sadomasochismus zu tun. Stimmt. Es ist ein Spiel, ein entspanntes, heißes, sinnliches. Was daran sollte Ana nicht gefallen? Hab ich nicht verstanden. Danach wird’s deshalb für mich ein bisschen unglaubwürdig. Und das ist dann auch schon die Zielgerade zum Ende des Films. Ihr wisst ja, wie das Buch ausgeht. Und deshalb wisst ihr auch, dass ihr euch gedulden müsst – denn der nächste Teil kommt bestimmt ;-)
Dass FIFTY SHADES OF GREY aus meiner Sicht kein BDSM-Film ist, sagte ich schon. Da wir aber alle wissen, dass jeder sein BDSM anders lebt, ist auch das hier nur eine Spielart davon zwischen zwei Leuten. Eine durchaus akzeptable Spielart. Eine sehr abgeschwächte, wenn wir an das Buch denken, das Grey dann doch eine Spur dunkler darstellt. Trotzdem gibt der Film – und das scheint mir ein Novum zu sein – auf eine massentaugliche Weise Einblick in die Geheimnisse eines Lifestyles, für den sich inzwischen sehr viele zu interessieren scheinen. Bei dem einen wird das vielleicht für einen Gruselschauer sorgen, bei dem anderen die Neugier auf mehr wecken. Der nächste weiß, dass das nichts für ihn ist. Ich hoffe sehr, dass die etwas andere Gangart von Ana und Christian in ihrem Miteinander nicht als harmloser Spaßevent interpretiert wird. Im Film sieht es danach aus. Aber dass man in einem solch ausgestatteten Spielzimmer, hier als Symbol für BDSM, auch ganz andere Dinge anstellen kann, sollte jedem Zuschauer bewusst sein. Wäre jedenfalls wünschenswert. Ansonsten könnte SHADES OF GREY durchaus falsche Fährten legen. Ich bin sehr gespannt, wie ihr das seht.
Aber habt jetzt erst mal Spaß mit dem Film! Eure Vicky
Btw: Auf meinem Autorenblog gibt's eine Rezension mit einer etwas anderen Sichtweise auf FIFTY SHADES OF GREY ;-)
Jako Do schrieb am 15.02.2015
Auf die Gefahr hin, hier allein mit dieser Ansicht zu stehen:
Ich muss mal Dampf ablassen. Mir geht der Hype um „fifty shades of grey“ mittlerweile total gegen den Strich. Als der Hype anfing, habe ich mich darüber gefreut, dass das Thema SM/ BDSM enttabuisiert wird. Das ist aus meiner Sicht längst überfällig.
Der wahre Grundgedanke des BDSM wurde noch immer nicht verstanden.
Leider sehe ich aber auch, dass durch das Buch bzw. den Film ein völlig falsches Bild von dem vermittelt wird, was dort als SM bezeichnet wird. Plötzlich meint jeder, der seiner Partnerin die Augen mit einem Seidenschal verbindet und ihr ein paar Klapse gibt, knallharter SMler zu sein.
Ich habe keine Lust darauf, dass eine komplette Szene missverstanden wird und auf diese Soft-SM-Spielchen reduziert wird.
Gleichzeitig sehe ich auch die Gefahr, dass es gerade jetzt, wo der Film anläuft, viel Sch... passiert. Besonders der dominante Part trägt, wie wir alle wissen sollten, große Verantwortung für das körperliche und psychische Wohlergehen des / der Anderen.
Ohne die Erfahrung und/ oder professionelle Heranführung wird es viele Verletzungen geben. Wenn nicht sogar noch Schlimmeres! Ich fürchte, dass sich Frauen auf „Spiele“ einlassen denen sie nicht gewachsen sind. Und ich fürchte, dass Herren im Rausch der Gefühle die Grenzen aus den Augen verlieren.
Und die Medien bekommen es mal wieder nicht hin, eine seriöse Berichterstattung und Aufklärung zu bieten.
Hier werden Ahnunglose auf ein Thema losgelassen, das Sie nicht begreifen.. und die weichgespülte mainstream Variante, die der Film vermittelt, wird der Realiätät nicht gerecht. Bleibt nur zu Hoffen das grössere Unfälle durch Leute die keine grenzen (er)kennen ausbleiben. Sonst könnte der Schuss nach hinten losgehen. Und BDSM richtig "in Verruf" geraten..
Viele Grüße an euch, Jako Do
Hallo Jako Do,
danke für dein Feedback und klar kannst du gerne auch Dampf ablassen. Du bist nicht allein mit der Tatsache, dass dir der Hype auf die Nerven geht. Das empfinden auch andere so. Und du wirst es nicht glauben, selbst mir ist es streckenweise über, die immer gleichen Gedanken zum Film zu lesen.
Dein Kommentar beeinhaltet zweierlei. Zum einen die Unfähigkeit der Medien zu seriöser Berichterstattung. Damit war allerdings zu rechnen. Der Hype ist letztlich ein Ergebnis der Medien. Sie haben Step by Step dafür gesorgt, dass er so groß werden konnte. Jetzt ergehen sie sich (wie übrigens viele von uns) in pseudowissenschaftlichen Analysen darüber, was denn nun wirklich hinter diesem Film stecken könnte. Das ist derzeit müßig, wenn sie aus der Analyse des Romans vor zwei Jahren nichts gelernt haben. Sollten sie gelernt haben, bin ich gespannt, ob es das ganz große Erwachen gibt und in welche Richtung das geht. Aber ehrlich? Ich glaub nicht dran.
Zum anderen sprichst du über die Gefahr, der sich Anfänger aussetzen, wenn sie denn nun SM ausprobieren. Doch ist die wirklich real? Oder besser gesagt, eher gegeben, als vor dem Film? Wer ausprobieren will, tut das auch ohne "Fifty Shades of Grey". Und wer Risiken eingeht, hätte das ebenso ohne den Film getan. Nur dass es jetzt vielleicht mehr sind, als es ohne den Film gewesen wären.
Grundsätzlich traue ich den Leuten zu, dass sie erkennen - wie übrigens bei jedem anderen Film, der fiktive Elemente enthält, dass das hier nur Kino ist. Man muss es nicht für bare Münze nehmen. Wer träumen will - ach kommt Leute, lasst sie doch! Das ist übrigens Aufgabe von Kino - die temporäre Entführung des Zuschauers in eine Welt voller Illusionen. Haben solche Filme wie Pretty Woman nicht anders gemacht.
Ein letzter Gedanke - irgendwas muss dran sein an dieser Geschichte, dass sie Millionen bewegt. Und jetzt auch die, die die Bücher nicht gelesen und den Film vermutlich nicht gesehen haben. Bestseller stoßen immer in eine Erklärungslücke. Denn wir suchen Zeit unseres Lebens nach Lösungen für unsere Probleme. Und diesbezüglich ticken wir alle irgendwie ähnlich - wir greifen nach jedem Strohhalm. Wenn also irgendjemand den Film braucht, um mit der Nase auf Probleme in der eigenen Beziehung gestoßen zu werden und fortan darüber zu sinnieren, wie er da rauskommt, dann ist das eben so. Aber "Fifty Shades of Grey" als große Gefahr darzustellen für physisches und psychisches Wohlbefinden, widerstrebt mir. Das wäre ja, als wollten wir normalen Erwachsenen ihre gesunde Urteilsfähigkeit von vornherein absprechen.
Danke für deine Impulse zur Diskussion, Jako Do, und liebe Grüße! Vicky
Luisa schrieb am 14.02.2015
Du hast es auf den Punkt gebracht "auf eine massentaugliche Weise Einblick", es wäre falsch nun einen "echten" BDSM Streifen zu erwarten. Es ist eine Liebesgeschichte mit ein wenig Porno und soll möglichst viele Menschen ansprechen, denn die Macher wollen damit Kasse machen. Es ist kein Film für die BDSM Szene mit tollen und heftigen Spielszenen, aber ganz ehrlich hätten wir das, nachdem viele von uns eh auf das Buch eingeprügelt haben, überhaupt gewollt? Wäre das nicht ein Problem gewesen wenn nun gezeigt würde, dass man eine Session durchaus auch mit bösen Kabelbindern oder auch einer Krawatte haben kann? Ich werde ihn mir sicher in den kommenden Tagen anschauen neugierig bin ich nämlich durchaus auf diesen Mommyporn :)
Ein interessanter Aspekt, liebe Luisa! Dafür hätte der Drehbuchautor dann ein bisschen vom Roman umschreiben müssen. Vielleicht wäre das ja sogar im Sinne der Fans gewesen. Kann durchaus sein, dass die auch gern mal eine etwas härtere Variante gesehen hätten. Die vielen Diskussionen um die FSK-Freigabe legen das nahe. Was das unter SMlern ausgelöst hätte, werden wir so nun wohl nie erfahren. Zu schade, eine wirklich verschenkte Chance ;-)
Interessiert dich noch eine andere Sichtweise auf den Film (ohne Spoiler)? Dann kannst du dem Link folgen, den ich diesem Beitrag gerade hinzugefügt habe.
Ich hoffe, du hast Spaß im Kino! Wenn du einen Tipp hören magst, schau dir die englische Fassung an. Die Stimmen der beiden sind hier passender als in der deutschen - der Genuss also "tiefer" ;-)
Danke für dein Feedback und liebe Grüße, Vicky
Kari schrieb am 12.02.2015
Ich bin mal gespannt. Das erste Buch habe ich erst kürzlich gelesen und den größten Kritikpunkt dürfte der Film wohl ausmerzen: der schlechte Schreibstil der Autorin.
Ich bin auch gespannt, wie manche in meinem weiteren Umfeld darauf reagieren. Ich weiß von ein paar Leuten, die gerne, ohne weiter zu hinterfragen, andere zitieren und der Meinung wären (ohne je das Buch gelesen zu haben), dass Christian Grey ein Vergewaltiger wäre und ihn heillos verurteilen, ohne mal daran zu denken, dass er bloß eine fiktive Person ist. So einen Wirbel gab es um Voldemort oder Cersei Lannister bei denen nie. ;)
Das ist immer ein großes Problem - Dinge zu bewerten, von denen man eigentlich keine Ahnung hat oder die man nur vom Hörensagen kennt. Ich bin gespannt, was du dann zum Film sagst, Kari.
Viel Spaß im Kino und liebe Grüße, Vicky
Melanie schrieb am 12.02.2015
Danke für diese tolle Review.
Du beschreibst es tatsächlich so wie ich das Buch empfunden habe und auch so wie ich die Trailer und Ausschnitte gesehen habe.
In erster Linie ist es eine Liebesgeschichte mit Zugabe von etwas dunkelerem ;-) es kommt auch der Ansatz von SM vor.. Ich glaube
Richtig BDSM zu sehen hätte man Ana's Vorgängerinnen im Redroom sehen müssen ;-)
Ich mag die Liebesgeschichte von beiden, das sie beide Kompromisse machen müssen.
Ich kann mit Jamie Dornan als Christian Grey gut leben, immerhin spielt er einen 27 Jährigen, unser Nachbar ist zufällig so alt und schaut weitaus jünger aus als der Schauspieler.
Ich bin aber schon ein bisschen froh das ich vorher schon mein SM gefunden habe, vor 50SoG - sonst hatte es mich aber bestimmt drauf gestoßen!
Danke für dein Feedback, Melanie!
Liebe Grüße, Vicky
Sonja schrieb am 11.02.2015
Also ich finde deinen eindruck in den Film finde ich echt prima. Ich lasse mich weiter überraschen auch wen ich noch ein Paar Tage warten muss, und freue mich jetzt schon auf Teil 2 auch Wen ich noch nicht überzeugt bin das es in der Besetzung bleibt. Leider Gruß Sonja
Danke, Sonja.
Liebe Grüße, Vicky
Corina schrieb am 11.02.2015
Hallo liebe Vicky,
danke für deinen Einblick, was einen auf der Leinwand alles erwartet, Positives und auch eher Enttäuschendes. :))
Hab ich das jetzt richtig gelesen, das Ende ist offen? Sowas mag ich ja gar nicht. ;) Dann warte ich mal auf den zweiten Teil, bevor ich mir ein endgültiges Bild über den Inhalt des Films machen kann, obwohl ich schon etwas neugierig bin, um ehrlich zu sein. ;))
Liebe Grüße
Corina
Du hast richtig gelesen, Corina. Der Film endet wie das Buch. Wenn ich ehrlich bin, war ich damit auch nicht glücklich. Zumal niemand weiß, wie lange es bis zum nächsten Teil dauert. Aber wer das Buch kennt, kann sich seinen Teil ja denken.
Du wirst ja dann noch sehr lange warten müssen, bis du dir beide Teile anschauen kannst. Musst dich bis dahin wohl mit den Medienberichten zufrieden geben - und die übertreiben, entweder in die eine oder in die andere Richtung ;-)
Liebe Grüße und bis bald wieder, Vicky