Kopfkino oder Mindgame?

Spätestens dann, wenn man eines oder mehrerer Sinne beraubt ist, kompensieren wir das mit Kopfkino. Das ist bei Vanilla nicht anders als bei BDSMlern. Nur das bei Letzteren beispielsweise ein Mindgame für die extremere Gangart sorgen kann. Aber Kopfkino ist es letztlich auch.

Doch hilft Kopfkino uns, im Moment zu sein? Oder sorgt es nicht vielmehr dafür, dass wir uns dem Moment entziehen? Der Situation und unserem Partner? Dass wir abtauchen, um ganz egoistisch ein Maximum an Erfüllung zu finden? Jeder für sich? Macht Kopfkino also einsam?

Grundsätzlich empfinde ich Kopfkino als sinnvoll. Mindestens für Solos ;-) Aber auch beim Sex mit meinem Partner. Dass wir jede Menge lustvoller Phantasien haben, ist ja inzwischen erwiesen und gerade erst wieder von einer kanadischen Studie bestätigt worden. Viele der Phantasien werden niemals umgesetzt bzw. sollen gar nicht Realität werden, so jedenfalls die Befragten. Aber welche Funktion haben sie dann? Brauchen wir Kopfkino, um erregt zu sein?

Diese Frage wird vermutlich jeder anders beantworten. Ich für mich würde sie aktuell bejahen. Aber mich lässt der Gedanke nicht los, dass ich, sobald ich meiner Phantasie freien Lauf lasse, nicht mehr bei meinem Partner bin. Bei dem, was er fühlt, was er tut und was er für mich erreichen möchte. Ich lasse ihn zurück und tauche ab in eine Welt, die er nie erreichen kann. Es sei denn, ich spreche mit ihm darüber. Ist das Betrug? Oder einfach ein schnödes Hilfsmittel, um mir zu holen, was ich will, wenn ich merke, dass ich es anders nicht bekomme?

An dieser Stelle würde ich die Grenze ziehen zwischen Vanilla-Kopfkino und BDSM-Mindgame. Das Mindgame wird bewusst eingesetzt, vom Dom provoziert, von Sub mit Gedanken und Gefühlen befüllt. Dom weiß um das Mindgame, Sub nicht zwangsläufig. Aber Dom ahnt zumindest, welche Illusion er provoziert.

Beim Vanillakopfkino hingegen bleibt die Illusion im Kopf dessen, der sie produziert. Während der Partner oft gar nicht weiß, dass es dieses Kopfkino überhaupt gibt.

Womit ich noch nicht so richtig klarkomme, das ist der Faktor Einsamkeit. Beim Vanilla-Kopfkino ist er für mich definitiv gegeben. Beim Mindgame im Grunde nicht. Wie seht ihr das? Macht ihr einen Unterschied zwischen dem einsamen Kopfkino auf der einen und dem gemeinsamen Mindgame auf der anderen Seite? Wo erkennt ihr Parallelen? Lehnt ihr vielleicht das eine oder andere sogar ab?

Ich freue mich wie immer auf euer Feedback. Eure Vicky


Kommentare:


Tristan schrieb am 15.12.2014


Beim Sex mit den Gedanken in eine Traumwelt wegzugleiten ist doch kein Problem, solange ich noch in Kontakt mit meinem Partner bin und dieser nicht beliebig wird. Je konkreter die Fantasien sind, ist es schön, wenn der Partner davon erfährt und so den anderen in seiner Gesamtheit wahrnimmt, inkl. seiner Träume. Dann trennt das individuelle Erlebnis auch nicht die intime Gemeinschaft des Paares.
Wenn meine Partnerin vom Nachbarn träumt, während sie mich spürt, ist sie nicht mehr bei mir. Wenn sie darüber fantasiert, fest verschnürt in einem festlichen Saal benutzt zu werden, während ich sie real nur im heimischen Schlafzimmer festhalte, fühle ich mich als ihr Partner nicht ausgeschlossen.
Genau genommen gilt für die Fantasie das gleiche wie für den Akt an sich: solange es nicht nur um den bloßen Akt an sich geht, sondern die Lust an das gemeinsame Erleben mit dem Partner gebunden ist, stärkt dies die Gemeinsamkeit. Kritisch wird es erst, wenn der Partner nur noch als bloße Projektionsfläche für die ganz egoistischen Bilder im Kopf genutzt wird.
Tristan


Antwort auf diesen Kommentar

"Wenn meine Partnerin vom Nachbarn träumt, während sie mich spürt, ist sie nicht mehr bei mir. Wenn sie darüber fantasiert, fest verschnürt in einem festlichen Saal benutzt zu werden, während ich sie real nur im heimischen Schlafzimmer festhalte, fühle ich mich als ihr Partner nicht ausgeschlossen." ... Genau das macht für mich den Unterschied, Tristan. Es ist die Art der Phantasie, die darüber entscheidet, ob man Kopfkino als einsam oder zweisam wahrnimmt. Und der Fakt, ob man darüber spricht oder sie verschweigt. Doch selbst wenn Details ungesagt bleiben - solange wir selbst die Protagonisten unserer jeweiligen Phantasien sind, halte ich Kopfkino für eine Bereicherung. Wenn aber Fremde unsere Plätze einnehmen, ist das vielleicht nicht in jedem Fall verletzend, aber das Wissen darum macht einsam.

Danke für deinen Kommentar, Tristan.

Liebe Grüße, Vicky

Sunshine schrieb am 02.12.2014


Hallo Vicky

Auch ich schleiche mich mal wieder hier rein :-)

Also wenn ich von meinem Kopfkino ausgehe,kann ich wohl sagen das es mich nicht einsam macht,im gegenteil es bereichert mich.
Ich könnte mir nicht vorstellen keines zu haben,gerade wenn ich am Lesen oder Schreiben bin.
Und nein nicht nur Erotik sondern generell.
Denn ich kann mir sogar innerlich die Orte dazu vorstellen die Kulissen kommt immer darauf an wo es Spielt,dann sogar die Kleidung*räusper* wenn vorhanden*lach*
Die Musik die Spannung verschiedener Situationen

Aber ich kann mir vorstellen ,das es bei manchen durchaus so sein kann ,oder als Einsamkeit Empfunden wird.

Wenn ich ein Beispiel nennen würde.
Ich Lese ein Buch und mein Partner befindet sich im Raum,merke wie er mich beim Lesen Beobachtet,und irgendwann dann ganz leise vor sich hin Murmelt,das wir das ,was sich gerade in meinem Kopf abspielt dann wohl mal Testen müssen,so wie meine Augen Leuchten beim Lesen.
JA eindeutig ich bin dabei nicht Einsam :-)

Die Vorstellung er könnte sich während dessen ,etwas oder eine andere Vorstellen*nachdenk* sollte ich Leiber nicht hinter kommen während dessen*hüstel* wäre sicher Schmerzhaft für ihn je nach dem.

Mindgame puh ja,ich glaube solche Situationen hatte ich auch schon ,manche Begriffe sind bei mir immer noch nicht so Geläufig,oder vermischen sich,wo ich auch kein hehl von mache,und wenn ich dafür belächelt werde(dann ist das eben so).

Ich hoffe der Beitrag passt irgendwie hier rein,und ist nicht ganz so wirr wie ich Denke :-)

Liebe Grüße
Sunshine


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Sunshine,

dein Beitrag passt, natürlich. Ich freue mich, dass du wieder geschrieben hast! Und dass es ein positives Beispiel von Kopfkino ist, was du beschreibst. So machen Phantasien wirklich Spaß ;-) Zumal du mit deinem Lächeln beim Lesen bei deinem Partner ebenfalls Kopfkino auslöst - vielleicht plant er in dem Moment ja schon ein Mindgame? Wer weiß ;-)

Und mach dir keine Gedanken wegen der Begrifflichkeiten. Auch ich habe inzwischen gelernt, dass man BDSM nicht darauf reduzieren sollte und kann. Viel wichtiger ist das Gefühl, das man miteinander hat, und dass man sich wohlfühlt dabei. Völlig egal, wie wir die Spielart dann nennen.

Liebe Grüße, Vicky

Drachenbraut schrieb am 02.12.2014


Kopfkino, ja das ist für mich ein schwieriges Thema.
Mein letzter Partner war Fetischist. Er brauchte seine Fantasiewelt zwingend, um wirklich Lust zu empfinden/kommen zu können.
Das war für ich als Partnerin eine schwierige Sache, gerade auch weil diese Fetische nur sehr begrenzt auch meinen Vorlieben entsprachen. Ich wusste bei jedem Mal blasen, bei allem was wir taten, dass er im Kopf nie bei mir war. Dass er immer in seine Fantasiewelt abdriftete und ich damit eigentlich nur "Wichtsvorlage"/Handersatz war.

Und ja, dann macht Kopfkino furchtbar einsam. Beide.


Antwort auf diesen Kommentar

Liebe Drachenbraut,

vielen Dank für deinen Kommentar. Du bestätigst genau das, was ich als Kopfkino auch kenne. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie du dich gefühlt hast. Ich befürchte fast, man kann wenig dagegen tun, wenn jemand so sehr in seine Fantasiewelt abtauchen muss, um Erfüllung oder überhaupt Lust zu finden. Hoffentlich hast du dann mit dem nächsten Partner das Glück, dich beim Sex nicht einsam fühlen zu müssen. Das wünsche ich dir von Herzen!

Liebe Grüße, Vicky

Ruby schrieb am 01.12.2014


Huhu Vicky (unter den Starken Männern), ^^

mal wieder ein sehr schöner Beitrag der zum nachdenken anregt. =)
Danke dafür. ^^

Wie sehe ich denn das mit der Fantasie?

Nun, Kopfkino ist das, was ich mir hier hinter meinem PC vorstelle wenn ich eine Geschichte schreibe und mir ausmale, was alles mit mir gemacht werden könnte oder ich mal ausprobieren will (ob die dann wirklich so toll sind, ist eine andere Geschichte). Oder die *Wichsvorlage*, wie man sie so schön nennt. Das ist für mich Kopfkino, wenn eben durch (hin und nur einem ganz kleinen) einen Funken, ein Impuls ausgelöst wird der Oscarreif im Kopf abgespielt wird.

Dann gibt es eine Stufe dazwischen bevor das Mind-Game bzw. dann der Brain-Fuck einsetzt.
Ich nenne diese mal: *Zwischen den Welten*

Z.b.: Beim Sinnes-Entzug. Wenn man mir Sinne entzieht, z.b. Sehen und Hören, dann verstärken sich meine anderen Sinne und die Konzentration steigert sich bzw. verlagert sich dann eben auf die Empfindlichkeit der Haut oder auf den Geruchssinn, bevor dann irgendwann das *in sich sinken* eintritt.

Das Mind-Game funktioniert bei mir nur bei Androhungen, wobei man bei mir das schon können muss. So zu sagen, ich muss es der Person glauben können bzw. wissen, das Sie dies auch wirklich machen würde. Lehre Drohungen sind bei mir nicht wirksam, da kommt nicht mal das Kopfkino in gang. Mehr Schein als Sein, dann kann man mich ordentlich in Boxhorn jagen. ^^

Der Mind-Fuck und die Steigerung in ein Fear-Game reihen sich dann danach ein.
Der funktioniert aber nur in einem Spiel, wenn man mit Halsband am Boden kniet. Dann kann man sehr schön meine Vorlagen gegen mich verwenden und wie man dann sagt: *Man hat sich selbst gefickt*, weil man ja nicht die Klappe halten konnte. Aber genauso sind dann auch die Täuschungen, genauso effektiv. Z.b. Man tut so als würde es jetzt Schläge mit XXY geben, auch noch das Geräusch dazu machen, aber tatsächlich klatscht dann nur das Paddel auf den Popo.
Geht aber genauso mit verbundenen Augen und einer Kerze und dann gibt es statt Wachs, dann den Eiswürfel. Und so in die Richtungen.

Und dann am Schluss eben das Fear-Game, um das nicht falsch zu verstehen, Angst heißt nicht Tabu oder Grenzüberschreitend. Sonder eben etwas vor dem man Angst oder halt sehr sehr viel Respekt hat oder nicht machen will (aber eben kein Tabu und auch keine Grenze). Es richtet sich eben explizit auf gewisse Dinge, die einem dann *Angst* machen. Man dann auch nicht mehr aufhören kann, daran zu denken oder darüber nachzudenken. Und dann eben auch die Durchführung, also das die Angst dann wirklich auf Exempel geprüft wird. Wobei man sich das wie einen Bungeejump vorstellen muss, der Schritt über die Brüstung ins leere ist Horror, am besten ist ein Stups von hinten, aber fällt man mal, ist es einfach nur geil oder es ist doof. *fg* ^^

So unterscheide ich das mal für mich.
Aber egal um nun Kino (irgendwo/irgendwann hat man ja die Idee aufgenommen) oder Mind, es gehören immer 2 dazu. In wie weit wer die treibende kraft ist, hängt von der Fantasterie der Personen ab. (Dom) Ist jemand aufmerksam, so wir er auch leicht eine Reaktion bei der anderen Person auslösen können, weil er/sie weiß wo die wunden Punkte sind. (Sub) Liefert jemand von alleine Vorlagen, Äußerungen die einem zum Verhängnis werden, so muss man diese nur ergreifen. Ab besten wenn sie ausgesprochen werden oder dann hinterrücks wenn man nicht mehr daran denkt.

Für das Kopfkino brauche ich nur meine Gedanken, wobei ich nie wieder einen Kopf-Orgasmus erleben will, denn danach fühlt man sich wie vom LKW überrollt. *ggg*

Dann freue ich mich mal schon auf deinen nächsten Artikel.

Liebe Grüße
Oliver


Antwort auf diesen Kommentar

Lieber Oliver,

immer wieder schön, deine Kommentare zu lesen :-) ... und Vicky und die starken Männer passt ja mal wieder ;-)))

Danke, dass du das Thema um Beispiele aus der Realität bereichert hast und um deine persönliche Sichtweise auf das Mindgame. Nach deiner Beschreibung ist es eine Art Steigerungsform des Kopfkinos. Gut nachvollziehbar, ja. Und auch für mich würde es nur funktionieren, wenn der Aktive dabei authentisch rüberkommt. Mindgame hat also letztlich auch was mit Konsequenz zu tun.

Kannst du darüber hinaus mein Einsamkeitsgefühl beim Kopfkino nachvollziehen? Kennst du das? Beim Mindgame gibt es das nicht, oder? Denn das findet ja eigentlich in einem ganz anderen Kontext statt. Außerdem führt Sub es nicht bewusst herbei, sondern in diesem Fall Dom. Es kann also durchaus sein, dass ein Mindgame erst im Nachhinein als solches wahrgenommen wird. Denn Sub weiß im Grunde ja gar nicht, wann es gespielt wird. Oder liege ich falsch?

Liebe Grüße, Vicky

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