Seit ich mich mit dem Thema BDSM beschäftige, begegnet mir immer wieder ein besonderes Klischee. Nämlich das der überaus weiblich wirkenden, wohlgeformten Sub, die auch unter den schrecklichsten Qualen noch schön und anziehend erscheint (obwohl dann meistens das Make-up im Eimer ist). Sie ist quasi das Pendant zum einfühlsamen, gut gebauten, attraktiven Dom. Während er die Session in der Regel bekleidet vornimmt, ist sie meist nackt und seinen Blicken ausgesetzt.
Über die Zeit hat sich deshalb zwangsläufig eine Vorstellung in meinem Kopf darüber geformt, wie Sub vermutlich mit ihrem Körper umgeht, um stets im perfekten Licht zu erscheinen. Danach steht sie ständig mit dem Rasierer unter der Dusche oder geht regelmäßig zum Waxing, wäscht täglich mal eben so ganz nebenbei ihr (langes) Haar, hat den Trick raus, wie man nach ausgiebiger Verwendung einer Bodylotion sofort und unbeschadet in die Klamotten kommt und kennt die Geheimnisse eines haltbaren, aber natürlich wirkenden Make-ups. Sie läuft, kämpft oder treibt mehrmals wöchentlich irgendeinen anderen angesagten Sport. Sie raucht nicht, trinkt kaum und macht sich ansonsten wenig Gedanken um ihre Ernährung. Was zwar dazu führt, dass manch eine auf hübsch gerundete Hüften kommt und einen gut gepolsterten Po. Dem Dom andererseits bereitet das Vergnügen, denn unter seiner Hand fühlt es sich schön griffig an.
Weil der Körper der Sub beim BDSM das Objekt der Begierde ist und so stets präsent zu sein hat, frage ich mich die ganze Zeit über: Ist einer Sub ihr Körper demzufolge wichtiger als einer Vanilla-Frau? Oder anders und provokanter formuliert: Wirkt eine Sub weiblicher als eine Vanilla?
Wissentlich kenne ich keine Sub. Mir fehlen Vergleiche. Ich muss mich an Fotos, Filmen und Geschriebenem orientieren. In dem Bewusstsein, dass Photoshop auch bei Bildern aus dem BDSM-Bereich funktioniert. Dass viele Fotos bei speziellen Shootings entstehen. Und dass man dafür Models engagiert. Und sich mit einem Model zu vergleichen, macht die normale Sub wohl ebenso wenig wie die Vanilla-Frau.
Trotzdem will ich an dieser Stelle mal knallhart behaupten, eine Sub sei der Vanilla in Sachen Körpergefühl überlegen.
Zu meinem Sub-Klischee gehört auch, dass Sub selten Unterwäsche trägt, häufig High Heels, eher Röcke als Hosen und gern Korsetts. Das wirkt weiblich, oder nicht? Man läuft auf hohen Absätzen anders als mit Ballerinas. In Korsett bzw. Corsage verändert sich nachweislich die Körperhaltung. Und ohne Unterwäsche … das fühlt sich doch heiß an ;-)
Der Alltag jedoch zeigt anderes. Frauen (in Deutschland) scheint die Lust auf ein weibliches Erscheinungsbild abhanden gekommen zu sein. Oder sie haben Angst, von Männern auf ihren Körper reduziert zu werden, wenn sie mit ihren Reizen spielen. Ist der Sub ein solcher Gedankengang unbekannt? Macht sie, indem sie sich entblößt, eine gänzlich neue Erfahrung im Hinblick auf den Kontext von Körper und Geist? Woher nimmt sie die Sicherheit, sich vorbehaltlos zeigen zu können? Oder irre ich mich an dieser Stelle? Tut sie das nur unter Zwang?
Es ist heute nicht so stringent, was mir im Kopf herumspukt. Aber ich finde das Thema auch einigermaßen heikel. Besonders vor dem Hintergrund, dass Doms in Anzeigen gern darauf hinweisen, sie würden Rubenstypen ablehnen. Vielleicht ist mein Sub-Klischee ja völlig aus der Luft gegriffen. Aber irgendetwas muss dran sein an meiner Frage. Denn BDSM rückt für mich den Körper der Frau mehr in den Vordergrund, als das bei anderen sexuellen Neigungen der Fall ist. Wie seht ihr das?
gnaedigste schrieb am 03.11.2014
jede frau die sich begehrt fühlt, wird sich besonders bzw. in ihrer rolle, ihrem sein bestätigt fühlen - ich würde das nicht auf bdsm fixieren
Dass das Begehrtsein eine Bestätigung für ein gutes Gefühl ist, sehe ich ebenso :-)
Wounded-Angel schrieb am 02.11.2014
Hallo Vicky,
wieder kann ich nur aus meiner persöhnlichen Erfahrung sprechen und nicht für andere.
Sub wird ,,nur'' auf ihren Körper reduziert?
Also gehen wir jetzt mal davon aus, es ist keine Ehelich/Partnerschaftliche Beziehung dann durchaus. Eine Spielbeziehung ist ,,keine Liebe'' sondern eine (Kopfkratzen) nennen wir es mal Sympathie-Beziehung zur Auslebung von BDSM. Selbstbewustsein gehört meines Erachtens dazu!
Körpergefühl?
Naja, man sollte sich schon in seinen Körper wohl fühlen, generell! Wenn ich mich in meinen Körper nicht wohl fühle, wie könnte ich dann damit umgehen wie sich mein Dom mit ihm ,,beschäftigt''?
Sport ist so eine Sache das mach ich für mich weil ich es toll finde mich Fit zu halten.
Die Sache mit dem rauchen!! da verweigere ich die Aussage (Grins)
Kleider/Rock anstatt Hose? In meiner Arbeit Hose! Privat je nach Anlass und Lust sehr gerne Kleid oder Rock. Ich bin für das Höschen ,,aber wie gesagt meine Ansicht nach''.
Zum Thema hohe Schuhe. Ich trag ganz gerne hohe Schuhe, man sollte sich aber darauf sicher Fühlen um sich nicht den Hals zu brechen :-)
Corsagen finde ich an sich schon sehr schön, die trage ich immer gern außer auf der Arbeit. Aber da kenne ich viele Frauen die das tun, ohne das es was mit BDSM zu tun hat.
BDSM rückt den Körper der Frau mehr in den Vordergrund?
JA! darum geht es doch auch!
Als Frau macht man sich doch gene hübsch und wenn dann mal einer schaut, hast du wenigsten deinen Dom einen Grund auf einen Silbertablett serviert dich zu versohlen. :-))
Wunderbar - sexy Aussehen als Grund für die nächste Strafe ;-)
Du hast aus meiner Sicht einen besonders wichtigen Passus in deinem Kommentar, nämlich "Wenn ich mich in meinem Körper nicht wohlfühle, wie könnte ich dann damit umgehen, wenn sich mein Dom mit ihm "beschäftigt"?"
Dieses Beschäftigen ist im BDSM zwangsläufig deutlich intensiver ausgeprägt als beim Vanilla-Sex. Vielleicht nicht per se, aber BDSM-Handlungen fordern dem Körper ja mehr ab und entlocken ihm oft ungewohnte, neue Reaktionen. Sub erfährt ihren Körper also auf andere Weise als eine Vanilla-Frau und das macht, denke ich, sehr viel aus, wenn es um das Körperfeeling geht. Man lernt, Grenzen auszuloten, mit Schwachstellen umzugehen und das im besten Falle in Aktion mit einem empathischen Mann. Ich behaupte mal, dass sich viele Vanilla-Männer selten so intensiv mit dem Körper ihrer Partnerin beschäftigen, wie ein BDSMler. Dadurch erfährt die Sub eine ganz andere Anerkennung als die Vanilla-Frau...
Danke für deine Unterstützung, Wounded-Angel, in das Wirrwarr meiner Gedanken zu diesem Thema ein bisschen Struktur zu bringen. Liebe Grüße, Vicky
Sunshine schrieb am 02.11.2014
Liebe Vicky
Ja mein Körpergefühl hat sich mitunter auch verändert seid dem Teil mit BDSM,gerade nach solch einem Spiel fühle ich mich unheimlich Weiblich und Strahle das wohl auch aus,denn mein Partner sagt dann schon mal "du strahlst Heute morgen so,und dieser Glanz in den Augen.
Aber das war auch auch schon bevor wir einen Zusatzweg beschritten haben,
Ich Denke Es ist Wirklich ein ganz Normaler Prozess in einer Beziehung das man sich Weiblicher und Erotischer fühlt und dieses auch Ausstrahlt,wenn man eben den Partner hat der dieses aus einem Rauskitzelt.
Und es einem so vermittelt das man es als Frau auch Glaubt.
Denn seien wir mal Ehrlich ,manchmal bewegen Männer sich da immer auf Dünnem Eis,und egal was sie sagen,wir legen ihnen das anders aus*schmunzel*
Über deinen letzten Satz muss ich auch schmunzeln, Sunshine ;-) Und grundsätzlich stimme ich dir zu. Leuchten in den Augen kriegen wir auch nach Vanilla-Sex - wenn's erfüllend war :-) Und erotisch und weiblich fühlt man sich auch hinterher. Ich hab immer so'n Erotik-Feeling-Schub, wenn wir abends irgendwohin gehen, ich mich sexy anziehe und wir dann ununterbrochen flirten. Ein gutes Körpergefühl ist schon cool ;-)
Hab einen schönen Abend, Sunshine! LG Vicky
Sunshine schrieb am 02.11.2014
Hallo Vicky
Das Körpergefühl als Vanilla wicht sicher nicht von dem einer Sub ab.
Es hängt vom Auge des Betrachter ab,und wie er es seinem gegenüber vermittelt.
Ich kann da nur aus meiner Sicht Sprechen ,und dieses so gut wie möglich zu Beschreiben versuchen.
Also da ich beide Seiten Lebe,was durchaus möglich ist,denn Letzten Endes führen ja wenn man man Ehrlich ist alle noch ein "Ganz Normales Leben"
Arbeit,Haushalt,Kinder.
Das Körpergefühl hat sich durch meinen Partner Verändert,da ich nicht durch Seine Augen sehen kann (leider) zeigt er es mir dann durch Seine Berührungen,das er mein Ganzes so annimmt und Akzeptiert wie es ist,und das ist alles andere als Makelos,so wie man es eben immer in den Romanen zu Lesen bekommt.
Der einzige Unterschied den ich nun ziehen würde ,ist während des Spiels mit dem sogenannten Schmerz .
Nehmen wir an ich würde mir auf den Daumen hauen mit dem Hammer,jammer ich los ,das es eben nur dieser eine Reiz ist den mein Gehirn gerade Signalisiert bekommt.
Und nun kommen wir dazu das ich die Klemmen angesetzt bekomme (Schmerz) wird ans Gehirn gesendet ,aber Zeitgleich werde ich an anderer Stelle Berührt auf Zarte weise was einem Gänsehaut oder oder verursacht,kommt das auch Zeitgleich als Impuls ans Hirn,und schon haben wir eine Mischung und alles ist gar nicht mehr so schlimm.
Ich fühle mich Natürlich Weiblicher ,Erotischer,weil mein ganzes Betrachtet wird,aber das wird es sowohl im Vanilla Bereich als auch in dem Zusatz den wir genießen.
Ich hoffe es ist nicht ganz so wirr ,wie ich es gerade Empfinde*lach*
Schön das du weitermachst
LG Sunshine
Hallo Sunshine,
schön, wieder von dir zu lesen :-) Dass man als Sub ein anderes Schmerzgefühl hat, als als Vanilla, glaub ich gern. Mich würde jetzt noch interessieren, ob sich dein sonstiges Körpergefühl (weiblicher, erotischer) wegen BDSM verändert hat oder ob es aus deiner Sicht eine völlig normale Entwicklung in einer Beziehung ist - egal, ob BDSM oder Vanilla.
Liebe Grüße, Vicky
Trasognata schrieb am 02.11.2014
Hm ganz schön viele Klischees werden ausgepackt.. die meisten kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Ich kenne gerade unter den "Rubensdamen" viele subs. Und professionelle Fotos haben mit der Realität - genauso wie außerhalb von BDSM-Pfaden - nicht soo viel zu tun.
Außerdem fokussierst du dich in dem Beitrag auf subs. Aber gerade Dommes sind doch oft in LLL, Korsetts und High Heels unterwegs.
Bitte nicht als persönliche Kritik auffassen, Vicky, ok? :)
Nein, nein, Trasognata, ich fasse es nicht persönlich auf :-) Mir sind die Klischees absolut bewusst. Aber genau damit möchte ich ja gern aufräumen. Deshalb werfe ich viele Fragen auf und bin dieses Mal wirklich auf euer Feedback angewiesen, um auch für mich mehr Klarheit zu bekommen.
Danke für deinen Kommentar. Ein Stück weit hilft er (mir) weiter :-) Liebe Grüße, Vicky