Ich bedanke mich gleichermaßen bei euch, liebe Paten, und bei dir, Luna, für die Veröffentlichungen dieses Offenen Briefes. Für mich als BDSM-Einsteigerin (?) ist all das, was BDSM ausmacht, schwer zu durchschauen. Angefangen mit der Definition, über die ich einmal (von einem BDSMler) las, man könne die Initialen durchaus und der Einfachheit halber auf SM abkürzen (inzwischen weiß ich, dass das so nicht stimmt). Bis hin zu psychologischen Aspekten des Schmerzempfindens. Da meine Erfahrungen nicht nur, aber weitgehend theoretische sind, muss ich mir auf alles meinen eigenen Reim machen. Denn BDSM ist ganz offensichtlich in allererster Linie Ansichtssache.
Ich hatte den Beitrag „Die psychologische Dynamik des BDSM“ schon gelesen. Für mich strotzte er voller Gedankenansätze, die mich teilweise verwirrten, so dass ich zwar zuende las, aber nicht zuende interpretierte. Nach dem Offenen Brief von heute habe ich den Beitrag noch einmal gelesen. Und zumindestens kann ich jetzt genauer sagen, was mich irritierte. U. a. nämlich die Auffassung, man bräuchte professionelle Hilfe, wenn SM zur Obsession wird und man einen Leidensdruck verspürt. Ich fühlte mich unangenehm berührt, denn in der Tat bin ich in Gedanken derzeit sehr bei diesem Thema. Doch bin ich deshalb krank?
Was mich ebenso irritierte, war der Rat an psychisch erkrankte Menschen, die ihre sexuelle Neigung ausleben wollen, sich einen Therapeuten als Begleiter zu suchen. Nichts gegen Therapeuten als Begleiter auf einer sexuellen Entdeckungsreise, aber hier wird mir erstens die Allmacht der Profis zu sehr in den Vordergrund gerückt. Zweitens frage ich mich, ob psychisch Erkrankte diesen Beitrag überhaupt sinnvoll zu interpretieren in der Lage sind und drittens gefällt mir die Kombination BDSM und Psychotherapie per se nicht.
Aber ich will hier nicht allzu weit ausholen, sonst wird mein Kommentar zu lang. Übrigens eine Sache, die mich bereits beim Beitrag gestört hat. Denn schon wegen der Länge (und dann in meinem Fall wegen der Verwirrung) ist man nicht geneigt, an der Sache dran zu bleiben. Was ich also sagen will, ist: Der Offene Brief hat einiges für mich gerade gerückt. Insofern unbedingt noch einmal DANKE an Luna!
Es ist mir bereits sympathisch, dass du nicht gewillt bist, alles bis ins letzte Detail auseinanderzunehmen. Analyse ist gut, aber sie sollte nahe an der Realität bleiben und im Sinne der Sache nicht zu sehr ins Philosophische abdriften. Einfach deshalb, weil sie von vielen dann nicht mehr als hilfreich angesehen wird.
Was mir an deinem Beitrag außerdem gefällt, sind die Ausführungen zu DS und SM. Für einen Anfänger ist das schwer auseinanderzuhalten. Nicht grundsätzlich, aber in seiner Wirkung und seiner Bedeutung. Dass du die DS-Beziehung so genau unter die Lupe nimmst, hat sicher damit zu tun, dass du sie offensichtlich selbst präferierst, aber sei's drum – es ist schließlich dein Beitrag zu dieser Diskussion. Mir hilft er jedenfalls dabei, mein eigenes Verständnis von BDSM und den entsprechenden Beziehungen zu überdenken und zu konkretisieren.
Auch das Thema Interaktion finde ich extrem wichtig. Für mich gehört zum BDSM ein hohes Maß an Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit, von beiden Seiten. Und für mich gibt der devote oder masochistische Part nicht seine Verantwortung ab, wenn er sich dem Dominanten oder Sadisten hingibt, wie im Artikel „Die psychologische Dynamik ...“ dargestellt. Sicher ist soetwas denkbar, quasi die totale Auslieferung in die Hände des anderen. Aber auch das wäre ja „nur“ eine Art des Auslebens von BDSM, nämlich TPE (wenn ich das richtig sehe, korrigiert mich gern, wenn's nicht stimmt), wie es zumindest für mich nie in Frage käme. Mein BDSM wäre immer eines mit beidseitiger Verantwortung. Machtgefälle ja, Selbstaufgabe nein.
Für meinen eigenen Blog lerne ich u. a., nicht weiter so vordergründig in die Genderfalle zu tappen. Auch bei mir sind Subs weiblich, Dominante männlich. Weil ich eben weiblich bin und bei mir die entsprechende devote oder masochistische Neigung vermute und aus diesem Aspekt heraus meine Beiträge schreibe. Aber es ist hilfreich, immer mal wieder klarzustellen, dass Neigungen nicht geschlechterspezifisch festzumachen sind.
Für den Beitrag von dir, Luna, für den Auslöser-Beitrag und das Feedback von euch, liebe Paten, unter dem Titel „Sind BDSMler Opfer?“, das ich jetzt noch gar nicht gelesen habe, wünschte ich mir, man könnte sie an exponierter Stelle zusammenführen. Das würde die Debatte sehr erleichtern.
Liebe Grüße, Vicky
Binemaja schrieb am 11.11.2014
Liebe Vicky,
du sprichst mir wieder mal aus der Seele. Vielen Dank für deinen Kommentar.
Ebenso an Luna und Darkwing, die mit Worten entspechend erläutern und umgehen können.
LG, Binemaja
Danke, Binemaja :-)