Der US-amerikanische Streifen REMEDY wurde schon 2013 gedreht, ist aber erst gestern in die deutschen Kinos gekommen. Wobei Kinos nun wirklich übertrieben ist. Der Film läuft in gerade einmal drei deutschen Städten in insgesamt vier Programmkinos. Und das als OmU. Aber ich wollte es wissen. Ich wollte den Film sehen, dessen Kinostart in Deutschland wir wohl lediglich dem Hype um FIFTY SHADES OF GREY zu verdanken haben. Hier für euch mein Eindruck ...
Der Filmvorführer begrüßt mich schon an der Eingangstür. Im Foyer ist es ruhig, kein Publikum. Noch fünf Minuten bis zum Beginn. Verschmitztes Grinsen beim Ticketverkäufer am Bartresen, als ich ihm meinen Kartenwunsch vortrage. Ich sei vorläufig die Einzige. Er kassiert vier Euro und bestätigt auf meine Nachfrage, sie würden das Gerät auch extra für mich anwerfen. Unglaublich! Das hab ich noch nie erlebt. Ein ganzes Kino allein für mich – was für ein Luxus!
Es ist wirklich nicht schlimm, dass dann doch noch zwei weitere Besucher auftauchen. Geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid. Zunächst haben wir aber nur die Qual der Wahl. Der Weg zum Kinosaal führt durch Regale voller Filmcover, verwinkelte Flure, eine Tür, die zu einem Wohnzimmer passt. Und schließlich der Vorführraum. Plüschsessel, einer aus Leder? Sofa, Stuhl oder klassische Kinositzreihe? Nachdem ich in den Plüschsesseln mit einem unguten Gefühl versinke, entscheide ich mich doch für die Kinobestuhlung. Schließlich stehen uns zwei Stunden Hardcore bevor. Die muss ein Autorenrücken erst mal durchhalten ;-)
Was immer ihr irgendwann über REMEDY hört – dieser Film ist vor allem eines: Düster. Glaubt man beim Trailer noch, die Bildqualität mancher Sequenzen wäre möglicherweise einem digitalen Klau zuzuschreiben, wird beim Original schnell klar, dass Absicht dahinter steckt. Licht soll hier nicht die Szene ausleuchten oder Glitzerwelten erschaffen. Licht fällt hier auf großporige Haut, dicke Schminke und ungeschminkte Körperteile. Gleich zu Beginn auch in den Mund eines merkwürdigen Kunden. Er steht auf Zahnarztbehandlungen, hat sein Instrumentarium gleich mitgebracht. Der Typ ist echt nichts für schwache Nerven.
REMEDY erzählt von einer jungen Frau, die aus einer Laune heraus einen Job in einem New Yorker BDSM-Studio annimmt. Zunächst als Domina. Absolut witzig die Szene, in der die Kolleginnen – Frauen, wie sie das Leben schreibt – ihr beibringen, was sie über Schlagen und Fesseln wissen muss. Dass die Wünsche der Kundschaft oftmals ganz andere sind, lassen sie natürlich weg. Remedy passiert also, was passieren muss. Der Film beschönigt nichts, hat aber auch seine humorvollen Phasen. Remedys Fesselungen beispielsweise halten nicht. Also wird der Kunde, den sie eigentlich binden soll, zum Lehrer in Bondagetechniken. Letztlich liegt Remedy selbst zum Paket verschnürt vor ihm und beide schütten sich aus vor Lachen.
Allerdings wird schnell klar, dass Sub-Sessions mehr Geld bringen. Und Remedy scheint die Einzige zu sein, die die Nachfrage zuverlässig befriedigt. Mal erträgt sie Schläge, mal Demütigungen. Dabei braucht es keine Inszenierung harter Spiele. Der Film deutet an, lässt aufblitzen und wo andere Bilder (bewusst) fehlen, ist es Remedys Gesicht, das genügt. Ihre Augen, Schweißperlen auf der Haut, bebende Nasenflügel, der leicht geöffnete Mund. Immer wieder ihr Mund. Ihr Gesicht, in dem niemals Lust geschrieben steht. Bis auf eine Ausnahme – der Switcher. Meine Lieblingsszene. Denn wenn Remedy und er sich gegenseitig mit dem Paddel beglücken, spürt man Zuneigung, Spaß und aufkeimende Freude aneinander. Der einzige Lichtblick in der Düsternis des Films, der durch schnelle Cuts und harte, laute Beats geprägt ist.
Was bleibt, ist ernüchternd. Ist der normale, ungeschönte Alltag in einem amerikanischen Großstadt-Hinterhaus-Dungeon, das BDSM-Dienstleistungen verkauft. Schmuddelig, semiprofessionell und über weite Strecken äußerst fragwürdig. Remedys (Re)Aktionen zeigen, dass ihr die Misere bewusst ist. Aber ihr Stolz lässt nur die Chance, das durchzuziehen. Ob sie am Ende in jenem Café, in dem sie dem Switcher im Real Life begegnet, neue Jobangebote studiert? Wäre ihr zu wünschen. Ihre Geschichte jedenfalls ist sehenswert!
Wer den Trailer noch nicht kennt, den findet ihr auf YouTube. Und mehr Infos zum Film auf der Filmseite direkt - schaut euch unbedingt die FAQ an, die sind spannend!
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