Vor über einem Jahr habe ich mich zum ersten Mal bewusst mit Polyamorie beschäftigt, einem Lebensmodell, das es vielleicht häufiger gibt, als wir denken. Jetzt stolpere ich erneut über das Thema – im Magazin der ZEIT. Die Autorin notiert viele Wahrheiten und ich spüre immer wieder, wie ich zustimmend nicke. Natürlich müssen sich die Liebeskonzepte ändern, wenn Trennungen und Lebensabschnittsgefährten zum Normalfall werden. Warum also halten wir im Bezug auf romantische Liebe so verbissen an den Traditionen fest?
Aber tun wir das wirklich? Gibt es nicht längst deutliche Hinweise darauf, dass Liebesbeziehungen zu mehreren Menschen (zur selben Zeit und mit dem Einverständnis aller) längst in unseren Alltag eingezogen sind? Frauen haben heute nicht mehr nur eine beste Freundin, sondern oft auch einen besten Freund. Und selbst wenn uns diverse Medien weismachen wollen, dass der meist schwul ist – glaubt ihnen nicht! Beste Freunde sind ganz oft hetero, ganz oft ex und noch häufiger diejenigen, die uns in den Arm nehmen, wenn wir Durchhänger haben, die Urlaubsbegleitung mimen oder den Tanzkurs belegen, zu dem der eigene Partner nicht mitgeht. Dafür lieben wir unsere besten Freunde. Und der Unterschied zu unseren Partnern ist – wir schlafen nicht mit ihnen. Die Sache mit dem besten Freund gibt es auch umgekehrt – heißt: beste Freundin für den Mann. Und wenn man als Mann gern shoppen geht, dann vielleicht auch mit der besten Freundin, wenn die eigene Partnerin weder Lust noch Zeit dafür hat. Nur – ist das schon Polyamorie?
Warum ich das Thema aber eigentlich ins Spiel bringe – die Autorin des ZEIT-Artikels sieht sich mit der Aussage einer Freundin konfrontiert, die meint, Polyamorie nehme den Druck aus einer Beziehung. Die eigenen Erwartungen ließen sich auf verschiedene Personen projizieren. Im Klartext: Der Mann, den ihr liebt, muss nicht zwangsläufig euer BDSM-Partner sein. Ihr könnt diese Neigung in einer Spielbeziehung ausleben. Und eine Spielbeziehung hat ja durchaus auch ihren erotischen Aspekt ;-) Sind eine Partnerschaft und eine Spielbeziehung gleichzeitig also Ausdruck von Polyamorie, wenn sie von Partner und Spielpartner akzeptiert werden? Und sind BDSMler, die so leben, damit Vorreiter eines neuen Lebensstils, ohne dass es ihnen bislang bewusst war?
Ich bin sehr gespannt auf eure Kommentare! Eure Vicky
waldgeist schrieb am 26.04.2015
hallo vicky,
ich lebe schon lange so. der ausdruck polyamorie habe ich erst vor ein paar Monaten kennengelernt. als mein mann und ich sm noch nicht für uns entdeckt hatten hatte ich eine Liebesbeziehung mit meiner Freundin. später als wir angefangen haben mit sm war uns klar das mein mann weder mein Sub noch mein dom sein kann. und ich habe angefangen zu suchen. ich baue automatisch eine innige Beziehung zu dem jeweiligen Partner auf. nur einfach so mal mit jemandem spielen kommt für mich nicht in frage.
lg waldgeist
Lieber Waldgeist,
danke für dein Feedback. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Partnerbeziehung (auch wenn "nur" fürs Spiel gedacht) für dich immer mit großer Innigkeit und Intimität einhergeht.
Bewahre dir das. Es ist völlig egal, wie die Bezeichnung dafür ist. Nur der Wert für dich und deine(n) Partner zählt.
Liebe Grüße, Vicky
Hersius schrieb am 14.02.2015
Hallo Vicky,
die Frage was das "große" Wort Liebe ist wage ich nicht zu beantworten.
Zu deiner Frage in deiner Antwort: "Es gibt viele Beziehungen, in denen der Sex einschläft. Muss deshalb der Beziehungsstatus Polyamorie verloren gehen? "
Sex kann und muss aber nicht eine Rolle spielen, wo ich mich unwohl fühle ist, wenn Liebe mit Lust verwechselt wird. Das würde ich in der Konstellation Liebesbeziehung und zur gleichen Zeit eine "Spielbeziehung" sehen. Ich würde das nicht als Polyamorie bezeichnen. Den Schwerpunkt einer "Spielbeziehung" sehe ich im körperlichen mehr als auf dem seelischem. Schätze ich die Person oder liebe ich die Person weil sie mir diesen Aspekt erfüllt es auszuleben? In meinen Augen wird es zur Polyamorie, wenn wir feststellen können, wie gleichberechtigt nahe alle Beteiligen zueinander stehen, sich Lieben? oder eine Beziehung aufgebaut haben. Ob der Begriff Beziehung treffend ist oder wie eng man sie beschreiben sollte.
Zugegebener Maßen auch die körperliche Erfüllung Auswirkungen auf die Seele haben.
Vielleicht sind einfach die Grenzen fließend und wir suchen einfach nur zu sehr nach einer passenden Antwort für uns und für die Gesellschaft.
Grüße Hersius
Meinst du nicht, Hersius, dass ich für meine Spielbeziehung ebenso tief empfinden kann, wie für meine Partnerbeziehung ohne BDSM? Ich weiß es nicht. Ich war noch nie in dieser Situation. Aber ich denke, wenn Polyamorie möglich ist, dann ist es auch möglich, mit einer Partnerin eine Beziehung mit BDSM und mit der anderen gleichzeitig eine ohne zu führen.
Aber du hast recht - die Frage ist, wie gleichberechtigt alle Beteiligten dabei sind.
Und ich stimme dir auch insofern zu, als dass es tatsächlich beinahe zur Manie geworden ist, für alles und jedes eine Antwort zu finden. Letztendlich ist es Sache der beteiligten Partner, Beziehungen zu gestalten, die von Akzeptanz und Toleranz geprägt sind. Wo das nicht passt, nützt auch die beste Definition nichts ;-)
Hab ein entspanntes Wochenende! Liebe Grüße, Vicky
Hersius schrieb am 13.02.2015
Guten Abend Vicky,
ich musste erst einmal nachlesen was das Wort Polyamorie bedeutet oder besser, was man versucht damit auszudrücken.
Polyamory findet am auf Wikipedia und setzt sich laut pedia aus polýs „viel, mehrere“ und lateinisch amor „Liebe“ zusammen.
Für mich stellen sich einige Fragen, wenn ich mir diese selbst beantworte:
Spielbeziehung; muss ich jemanden lieben um mit ihm zu spielen? Nein
Partnerschaft; muss ich jemanden lieben um mit ihm eine Partnerschaft einzugehen? Nein
Ich denke es werden einige Dinge, Begriffe angesprochen, die ich nicht mit Polyamory in Zusammenhang bringen würde. Es kann sicher Bestandteil einer Polyamory sein, aber macht es das ganze Beziehungskonzept aus?
Nicht jeder verbindet mit dem Begriff Liebe das selbe.
Kann man es als Liebe bezeichnen wenn ich einen „besten Freund“, „beste Freundin“ habe? Persönlich würde ich einen Freund mehr mögen als andere.
Wenn sich Menschen finden die mit dem Wort Liebe die selben Dinge verbinden und sich zu einander hingezogen fühlen, den Willen aufbringen ihren Lebensweg gemeinsam zu beschreiten würde ich das als Polyamory bezeichnen. In wie weit es hier ein Geben und Nehmen gibt und wie lange man bereit ist etwas zu geben, hängt von den einzelnen Personen dieser Beziehung ab.
Ob ich bei dem was ich schreibe auch "Richtig" liege, wer weis...ob es ein "Richtig" oder "Falsch" gibt. Ansichten auf jeden Fall.
Grüße Hersius
Guten Abend, Hersius,
danke für deinen Kommentar und dafür, dass du den Fokus auf etwas ganz Entscheidendes legst. Nämlich auf die Frage: Was genau ist Liebe?
Polyamorie geht genau davon aus, dass wir anderen, eben mehr als einem Partner, zur selben Zeit Liebe entgegenbringen. Und das setzt natürlich voraus, dass diese Partner eine möglichst große Schnittmenge haben im Bezug auf das Empfinden oder Definieren von Liebe.
Polyamorie geht auch davon aus, dass diese Partner sexuelle Beziehungen zueinander haben. Aber an dieser Stelle scheiden sich aus meiner Sicht eben die Geister. Auch wenn Sex als etwas Normales in Beziehungen gilt, ist es nicht unbedingt und zwangsläufig etwas Übliches. Es gibt viele Beziehungen, in denen der Sex einschläft. Muss deshalb der Beziehungsstatus Polyamorie verloren gehen?
Ich halte Polyamorie für ein mögliches Modell des zufriedenen und erfüllten Miteinanders. Mit oder ohne Sex, aber schon mit einer bestimmten Art von Liebe füreinander. Auch für mich gibt es an dieser Stelle kein Richtig oder Falsch. So wie im BDSM sollte hier jeder seine Sichtweise als die für ihn eben gültige betrachten. Im Idealfall stimmt sie mit der des oder der Partner(s) überein.
Danke für diesen Impuls und liebe Grüße! Vicky
Corina schrieb am 03.02.2015
Hallo Vicky,
also das ist ja mal wieder ein interessantes Thema, das hier zur Diskussion steht. Hm,.. also Polyamorie... Ich finde, so eine Lebensgemeinschaft kann nur dann funktionieren, wenn sich jeder darüber im Klaren ist, welche Rolle er bei Demjenigen einnimmt und es nicht zu einem Hin- und Hergezerre kommt. Zum Beispiel.. Eine Frau hat eine Spielbeziehung und dazu noch eine Liebesbeziehung jeweils mit zwei unterschiedlichen Männern. Die Spielbeziehung hilft ihr ihre Bedürfnisse zu stillen, so dass sie in ihrer Liebesbeziehung nichts weiter vermissen braucht. Ist das fair? Wenn beide voneinander wissen und es keine Revierstreitigkeiten gibt, warum nicht... Ich kann es mir aber ehrlich gesagt nicht so recht vorstellen, das es wirklich so einfach ist. Ihrem Liebespartner könnten immer wieder unterschwellig Zweifel kommen. Zweifel darüber, das er ihre Bedürfnisse nicht im vollen Umfang befriedigen kann. Zweifel darüber, das sie sich vielleicht doch mal in ihren Spielpartner verliebt.. Oder aber er steht über den Dingen und genießt es eine ausgeglichen Frau an seiner Seite zu haben. Es kommt halt immer auf den idividuellen Menschen drauf an. Ein gesundes Gleichgewicht, das alle gleichermaßen stärkt, sag ich jetzt mal so. Aber warum sucht sie sich dann nicht einfach einen Mann, der ihr beides geben kann? ... Ganz ehrlich, darauf habe ich keine Antwort und das sollte auch jeder für sich selber entscheiden. Ja, wir leben in einer Zeit, wo es kaum noch Lebensgemeinschaften gibt, die ewig halten, doch Ausnahmen bestätigen natürlich wieder mal die Regel. ;)) Ich denke, das es einfach eine Lebensgemeinschaft ist, die zwar für den ein oder anderen in einem idealen Licht erstrahlt, doch für andere existiert immer noch das klassische Beziehungsmodell. Na Ich lass mich mal überraschen, wie sich das alles so weiterentwickelt. ;)) Wir Menschen sind ja auch "Rudeltiere" und deshalb suchen wir die Gesellschaft von anderen.
Jedenfalls, hast du mein Köpfchen schon wieder zum Nachdenken angeregt.
Vielen Dank dafür ;))
LG
Corina
Danke, liebe Corina, für dein Feedback. Zweifel gehören in der Liebe immer, na gut, sagen wir oft, dazu. Wer kann sich schon sicher sein, dass es hält? Dass man mit dem Partner auf immer verbunden bleibt? Genau so glaube ich, dass es nicht leicht ist, sich auf Polyamorie einzulassen, seinen Partner mit anderen zu teilen. Auch hier wird man immer wieder von Zweifeln geplagt sein, ob das richtig so ist.
Vielleicht hat die Fähigkeit, dem anderen mehr als sich selbst zuzugestehen, mit wahrer Liebe zu tun. Und mit einer gewissen Abgeklärtheit, Reife. Vielleicht ist Polyamorie nichts für ganz Junge? Viele Fragen und viele Antwortmöglichkeiten. Das Wichtigste ist wohl immer, dass man sich mit der eigenen Beziehungskonstellation wohl fühlt und andere nicht verletzt. Sich verletzt zu fühlen, ist wiederum etwas, das jeder für sich entscheiden muss. Ach je - ein Teufelskreis. Wir brauchen ganz viel Selbstreflexion, um den zu durchbrechen, fürchte ich ;-)
Liebe Grüße, Nora
Ruby schrieb am 31.01.2015
Huhu Vicky,
also ich würde beste Freude jetzt nicht mit dem Polyamorie-Bereich in Verbindung bringen.
Mehr als Freundschaft wird es erst dann, wenn Intimitäten ausgetauscht werden, also Sex, BDSM oder eben beides vereint, aber das ist auch noch nicht Polyamorie. Die entsteht doch erst dann wenn man mehr als eine Person liebt, sei es jetzt in einem Offenen-Beziehungsmodell oder gar die berühmten Drei-Ecks-Beziehungen (wo auch wirklich alle drei miteinander was haben).
Ist man Solo und hat 3 Frauen die einem gerne den Popo verhauen und mit denen man sich gut versteht. aber nicht in die Kiste hüpft gemeinsam. Sehe ich z.B. eher als ein Offenes-Solo-Beziehungsmodell an. Früher hat man einfach Kuschelfreudschaft dazu gesagt, ich Solo, du Solo, dann lass uns Spaß haben wenn wir es brauchen, gute Freunde sein, aber jeder geht zu sich nach Hause danach. ^^
Aber selbst eine Offene-Beziehung, wo sich beide lieben und einer oder beide sich bestimmte Sachen sich auswärts holen, ist noch nicht Polyamorie, denn geliebt wird nur einer und nicht mehrere.
Ob Frauen oder Männer Bindungsängste haben oder nicht, und daher lieber viel-gleisig fahren, kann ich nicht sagen. Ich bin kein Soziologe. Ich habe vor kurzen einen Sendung im Fernsehen gesehen, wo es um Frauen ging und warum sie sich meist den Falschen/Unpassenden Partner aussuchen. War recht interessant, vor allem wie die Mag. Prof. Dr. etc. da dann gesagt hat am Schluss, am besten Sie suchen sich einen Moppeligeren Partner (stand im Kontext dazu, das Männer mit etwas Speck, mehr Östrogen Produzieren und daher die Partnerin anscheinend besser verstehen oder auf sie eingehen können), den die bleiben auch in der Finstersten Stunde bei ihnen.
Ziehe ich das jetzt mit in den Vergleich, dann kann es schon sein, das eine Frau sagt, ich will mich nicht Festlegen und Pick mir die Rosinen aus dem Kaiserschmarrn, ob das Erfüllung bringt, bezweifel ich mal, aber so könnte man die Heutige Bereitschaft, mehr als nur einen Fixen Partner zu haben gut erklären.
Wie das bei Männern aussieht? Die waren doch schon immer so, oder nicht? Also das sie "oft" mehrere Frauen geliebt haben, blöd war es halt nur, wenn es aufgeflogen ist. *ggg*
Als neu-zeitige Erscheinung sehen ich Polyamorie nicht an, wir gehen nur offener damit um, so wie mit BDSM oder Homo/Transsexualität und dadurch sieht es natürlich anders aus, als vor 10 Jahren. Aber wirklich verändert in der Masse, hat es sich nicht. ^^
Mehrere Menschen zu lieben, kann ich mir für mich nicht vorstellen. Wenn dann die Eine oder ich bleibe alleine. Aber eine Offene Beziehung kann ich mir schon vorstellen, also das ich mit meiner Partnerin/Herrin zusammen (BDSM) lebe und sie sich den Sex außer Haus holen darf. Aber das wäre dann nach meiner Ansicht, wieder nur eine O-B und nicht Polyamorie. =)
Ich hoffe das mein Senf nicht zu unverständlich war. ^^
Liebe Grüße,
Oliver
Lieber Oliver,
wie immer ein herzliches Danke für deinen Kommentar :-) Auch ich halte Polyamorie nicht für etwas Neues. Ich habe schon vor zwanzig Jahren eine Dreierkonstellation kennengelernt, die ich damals nicht verstand, von der aber alle sagten: Das ist halt so - die sind einfach immer zusammen. Heute weiß ich natürlich, warum. Und ich bin froh darüber, dass wir inzwischen sehr viel offener mit Beziehungsmodellen umgehen, als das beispielsweise bei unseren Eltern der Fall war. Ob die Modelle, die sich in naher oder ferner Zukunft entwickeln werden, tatsächlich noch neu sind, sei dahingestellt. Auch in der Vergangenheit hat es schon die unglaublichsten Varianten gegeben. Neu ist vor allem, dass drüber gesprochen, dass es thematisiert wird.
Bei Polyamorie, denke ich, kommt es auf den Faktor Liebe an. Und zwar im romantischen Sinne. Da der Sex oft auch in langjährigen Beziehungen keine große Rolle mehr spielt, würde ich ihn nicht zwangsläufig zur Voraussetzung für Polyamorie machen. Vertrauen und Offenheit hingegen schon.
Liebe Grüße, Vicky
Dirk DerBergGraf schrieb am 30.01.2015
Hallo Vicky, eine sehr interessante Fragestellung die Du hier in den Raum wirfst. Wir leben in einem unglaublich Luxus, den wenigsten ist das bewusst. Ich mein damit das wir keine Gemeinschaften mehr bilden müssen um versorgt und abgesichert zu sein, von daher lösen sich alte Konzepte wie Ehe und Familie auf. Auch spirituell, religiös leben wir hier in absoluter Freiheit, also entwickeln sich neu "Lebensmodelle". Eigentlich bin ich selbst ein "Beziehungsmensch" und wünsche mir eine feste Partnerin, für die ich der "Herr" die Nr.1 bin, genauso gibt es Frauen die nicht teilen wollen. Und doch mache ich mehr und mehr die Erfahrung, (auf Frauen zu treffen ob "normal" oder sexuell anders unterwegs) das es immer schwieriger wird sich fest zu binden, das kann die unterschiedlichsten Gründe haben. Ob es daran liegt das Menschen mit einem gewissen Intellekt, Lebenserfahrungen, Bindungsängsten, beruflichen Anforderungen oder einfach die Gier nach mehr und Vielen ist, ist individuell. Wir leben in einer Art Partner- Überschuss.
Doch tragen wir alle ohne Ausnahme Wünsche wie Liebe, Geborgenheit, Vertrautheit, sexuelle Erfüllung, soziales Umfeld und Kommunikation in uns.
Also sind wir in einer Art Übergangsphase, vielleicht ähnlich wie die Kommune in den 70er, nur das man sich nicht nach freiem Sex darum prügelt wer den Abwasch macht, sondern das es privaten Raum geben wird und gemeinschaftlich genutzten. Wenn man noch im Saft steht für die eine oder andere Party, Orgie, Session... und im Alter für den Karten- Spieleabend. Ich habe jetzt schon ein paar Freundinnen+ und einfach Freunde, alle können sich einen Ruhestand im Altersheim nicht vorstellen. Wichtig ist offen zu sein und Menschen zu finden die passen... LG Dirk
Hallo Dirk,
danke für dein Feedback! Diese fehlende Bindungslust kann ich auch beobachten. Es fällt den Leuten zunehmend leichter, sich von einem Partner zu lösen und eine neue Beziehung einzugehen. Weil man vielleicht noch nicht das gefunden hat, was man sucht? Die Hoffnung, den idealen Partner zu treffen, stirbt offensichtlich zuletzt ;-) Und das alles vor dem Hintergrund, dass wir dennoch, wie du schon sagst, nach Liebe und Vertrautheit suchen. Die stellt sich aber nicht so einfach ein, wenn der Halbzeitwert einer Beziehung bei wenigen Monaten liegt.
Ich bin sehr gespannt darauf, welche Formen des Miteinanders sich ergeben haben, wenn wir mal in die Jahre kommen. Polyamorie scheint mir gar nicht so weit weg von einem Idealzustand zu sein. Ist es doch DIE Gelegenheit, sich in einer größeren Gemeinschaft auf die eigenen Stärken zu konzentieren, während die Schwächen nicht mehr gar so schwer wiegen, weil andere sie wiederum mit ihren Stärken ausgleichen.
Es ist schade, dass das Ganze tatsächlich ein bisschen Kommunen-Geruch hat. Lässt sich wohl aber nicht verhindern, solange das im Erfahrungsschatz der Generationen verhaftet ist. Ich sehe es jedenfalls wie du: Es ist wichtig, sich mit den Menschen zu umgeben, die zu einem passen, mit denen man sich wohlfühlt. Es wird also darauf hinauslaufen, dass es im Alter mehr Interessengemeinschaften geben wird als bislang. Vielleicht dadurch auch weniger Konfliktpotential?
Liebe Grüße, Vicky