Warum ich über BDSM schreibe 1

Es war ein Buch, das mich dazu animierte, aber nicht der Klassiker. Die GESCHICHTE DER O ist sicher eine nette Offenbarung. Doch kein anderer Roman, in dem es um BDSM geht, hat mich so beeindruckt, wie L'IMAGE von Jean de Berg. Keine Ahnung, woher ich den Tipp hatte. Ich erinnere mich aber daran, dass ich viel Geld ausgab für diese drei schlichten roten Bände. Denn neben dem Roman gab es in demselben Kontext einen Band mit Kurzgeschichten und einen mit Essays. Ich wollte sie alle. Und es war mir egal, was sie kosteten.

Um die Autorin Jean de Berg brodelte von Anfang an die Gerüchteküche. Man wusste wohl, dass ihr Roman aus Bewunderung für und unter dem Einfluss der GESCHICHTE DER O entstanden war – heute mit dem Begriff Fanfiction bezeichnet. Aber wer genau hier seinen sadomasochistischen Phantasien freien Lauf gelassen hatte, wurde zunächst nicht klar. Auf jeden Fall löste das Erscheinen des Romans einen Skandal aus. Was nicht verhindern konnte, dass 20 Jahre später der Film zum Buch unter dem Titel THE PUNISHMENT OF ANNE herauskam. Jetzt seid ihr im Bilde, oder?

Die Geschichten von Jean de Berg faszinierten mich. Ich hatte mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen können, dass BDSM zu thematisieren, nicht zwangsläufig Pornographie sein musste. De Berg jedoch beschrieb Demut und Schmerz wie die Facetten eines Kunstwerks. Ihre atmosphärisch dichten Bilder lösten Schauer und Wollust zugleich aus. Ich verstand nicht, was da in mir vorging. Aber ich spürte intuitiv, dass ein Thema, das emotional so polarisierte, seine Berechtigung haben musste.

An der ersten erotischen Geschichte, die daraufhin entstand, feilte ich ewig. Ich schickte meine beiden Protagonisten auf eine mittelalterliche Burg. Und das Finale ihrer erotischen Begegnung fand auf der hölzernen Balustrade einer alten Bibliothek statt. Das liest sich so:

… Tomas löste das Tuch, das seine Begleiterin um den Hals trug, und wand es ihr in einer schnellen Bewegung so um den Kopf, dass sie ihm nunmehr blind ausgeliefert war. Zwischen ihren leicht geöffneten Lippen sah er ebenmäßige weiße Zähne schimmern. Er holte tief Luft und blieb für einen Moment bewegungslos. Dass sie ihm jetzt nicht mehr in die Augen blicken konnte, gab ihm Sicherheit. Und es erregte ihn so sehr, als wäre er leibhaftig in die Geschichte des scharlachroten Buches eingetaucht. Er begann, ihre Wangen zu streicheln, ihren sinnlichen Mund und den Hals, fuhr mit einem Finger am Dekolleté hinab und berührte den obersten Knopf ihrer Jacke. Er hörte ihren Atem lauter werden, während seine Finger sich zum nächsten Knopf hin bewegten und dabei immer wieder den leicht gewölbten Ansatz ihres Busens liebkosten. Sie trug einen nachtblauen Büstenhalter, der ihre Brüste nur spärlich bedeckte. Als er ihr die Jacke von den Schultern streifte, begann sie zu zittern.
       „Schschsch …“ Er legte seine Hand mittig auf ihr Brustbein und wartete, bis sie sich beruhigt hatte. Dann folgte er einer plötzlichen Eingebung, zog das Taschenmesser hervor und ließ die Klinge herausspringen. Bei dem unbekannten Geräusch erschrak sie, wand ihren Kopf irritiert umher. Wieder wartete er einen Moment. Er war versucht, den kalten Stahl auf ihr weiches Fleisch zu pressen. Er wusste nicht, woher dieser flüchtige Gedanke plötzlich kam. Mit einer schnellen Bewegung durchtrennte er die dünnen Träger des Büstenhalters, drückte die Klinge zurück und ließ das Taschenmesser wieder in seinem Sakko verschwinden.
       Ihr Atem ging jetzt stoßweise. Noch immer war ihr Mund leicht geöffnet. Tomas sah, wie ihr Busen rhythmisch wogte, griff nach der Spitze der Halbschalen und zog den Stoff herunter. So konnte er ihre weichen, runden Brüste ungestört betrachten. Die zarten Knospen hatten sich bereits aufgerichtet und ragten ihm entgegen. Halbnackt saß Olivia vor ihm …

Morgen erzähle ich euch, warum es für mich einen Unterschied macht, BDSM-Stories zu schreiben oder BDSM in einer Geschichte zu thematisieren.


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    Vicky
    ... theoretisch informiert, praktisch angefixt, aber bisher nicht auf den Punkt gekommen – fragt sich: Warum lässt mich BDSM nicht los? Ein persönliches Mindgame der Autorin NORA AMELIE. …
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    Das ist nicht nur ein BDSM Spiel. Wenn ein Mann fantasie voll ist, und ... [mehr]