Für mich gibt es BDSM-Geschichten und Geschichten, in denen BDSM thematisiert wird. Meine Stories sind Letzteres. Wollte ich echte BDSM-Geschichten schreiben, solche, die einem unter die Haut gehen, die authentisch wirken, müsste ich reale Erfahrungen mit BDSM haben. Natürlich kursiert unter Autoren regelmäßig der Gorki-Spruch, man müsse nicht in einer Pfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel schreiben zu können. Aber man sollte sich schon in einer Küche auskennen, um das zu tun, oder?
Ich thematisiere also BDSM und das gibt mir erstaunlich viele Möglichkeiten, Sexualität zu reflektieren und auszuprobieren. Ich stelle es übrigens nicht einmal als BDSM heraus. Denn dass das Geschehen keine andere Wertung erfährt, nur weil man es konkret bezeichnen kann, hatten wir ja bereits diskutiert. Dennoch scheue ich auch nicht davor zurück, meinen Protagonisten Gespräche über das Spiel um die Dominanz in den Mund zu legen.
Warum ich das tue? BDSM interessiert mich persönlich. Und ich habe das Gefühl, dass es neben mir vielen anderen Frauen (und Männern?) ähnlich ergeht. Es gibt Webseiten wie diese hier, auf denen man sich darüber informieren kann. Es gibt Ratgeber in Buchform. BDSM-Romane, in denen reale Praktiken und solche, die vielleicht nur der Phantasie des Autors entsprungen sind, beschrieben werden.
Aber ich selbst möchte mich auch auf eine Metaebene begeben. Auf der sich die Romanhelden der Auseinandersetzung mit diesem Thema stellen. Nicht einfach nur loslegen, sondern auch die Hintergründe dieses Bedürfnisses beleuchten. Weniger Aktion (obwohl die dazu gehört, keine Frage), mehr inneres Outing. Was macht der Wunsch, diese Neigung auszuleben, mit einer Frau? Schafft sie es, sie als Bestandteil ihrer Sexualität zu akzeptieren? Mit ihrem Partner darüber zu reden? Sie vor allem auch auszuleben? Was geschieht also bei einem Outing mit einer bestehenden oder sich anbahnenden Beziehung?
Das finde ich spannend. Darüber wollen wir (Frauen) mehr erfahren. Wir wollen uns mit unseren Ängsten und Wünschen, Hoffnungen oder Befürchtungen in den Protagonisten einer Geschichte wiederfinden, uns identifizieren können. Unsere Phantasien auf Funktionsfähigkeit in der Realität überprüfen. Ich denke, das kann Literatur durchaus leisten. Wenn sie sich nicht darauf beschränkt, nur Unterhaltung zu bieten. Wenn sie mehr sein will, als ein bloßes Aneinanderreihen erotischer Szenen. BDSM als ernst genommenes Thema in einem Roman – was spricht dagegen?
Geschrieben am: 22.12.2014
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Erotisch erzählt
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