Will ich einen Dom oder einen dominanten Mann?

In der Tat eine Frage, die sich keineswegs leicht beantworten lässt. Das Problem ist, ich weiß nicht, wie ich den einen vom anderen unterscheiden soll. Und es kann sein, dass ich deshalb mit diesem Beitrag an meine Grenzen stoße. Aber ich vertraue auf euch – ihr seid so wunderbar mit eurem Feedback – garantiert bin ich auch dieses Mal nach euren Kommentaren klüger als jetzt ;-)

Ich könnte die Sache aus psychologischer Sicht betrachten und erst einmal klären, was es überhaupt bedeutet, dominant zu sein. Da reicht vielen vermutlich nur ein Blick auf den eigenen Chef und schon sehen sie sich Aug in Aug der Dominanz gegenüber. Die Psychologie sagt: Wenn uns jemand beherrschen oder kontrollieren will, ist das Ausdruck von Dominanz. Ein Alphatier, das Synonym für einen dominanten Menschen, gilt zusätzlich als autoritär und machthungrig. Attribute, die hervorragend zu vielen Chefs passen. Aber kann man Dominanzgebaren im Job auf selbiges beim Sex übertragen?

Meine Erfahrung sagt – und ich vermute, ihr bestätigt mich darin: nicht zwangsläufig. Ich habe beruflich ausgesprochen erfolgreiche, weil dominante Männer getroffen, die im Bett wenig davon anklingen ließen. Aber auch der umgekehrte Fall ist mir begegnet. Mit der Dominanz ist es eben nicht so einfach. In dem einen Kontext kann sie hervorstechen, im anderen überhaupt nicht vorhanden sein. Das ist wie mit einer devoten Frau, die im normalen Alltag nicht als solche erkennbar ist, weil sie als Führungskraft im Job absolut authentisch wirkt. Authentizität scheint mir in diesem Zusammenhang sowieso das Zauberwort zu sein.

Also, was jetzt? Dom oder dominantes Gebaren? Aktuell tendiere ich zu Letzterem. Das hat vermutlich mit meinen Vorstellungen von „meinem“ BDSM zu tun. Darin kommen nämlich weder Erniedrigung vor noch großer Schmerz, kein Petplay und kein Spielzimmer. Ich überlege noch, ob wegen fehlendem Mut oder aus Mangel an Erfahrung. Aber „mein“ BDSM scheint ein softes zu sein. Ich möchte „nur“ die Verantwortung aufgeben, die Führung, die Kontrolle und meine Grenzen. Er darf bestimmen, was getan wird, wann und auf welche Weise. Er darf mich hart anpacken und seiner Überzeugung Nachdruck verleihen, dass er weiß, was für mich gut ist. Und das nicht nur beim Sex, sondern bereits im Vorfeld. Ich mag Alltagserotik, wann immer es möglich ist. Auf dem Event, zu dem wir gehen, oder bei einem Spaziergang, von mir aus auch gern beim Einkaufen auf dem Markt oder beim gemeinsamen Shopping. Blicke, Gesten, eine Hand, die sich souverän auf meinen Hintern schiebt – Subtilität ist mein Favorit. Dirty Talk dazu – perfekt. Bleibt die Frage: Ist das schon BDSM?

Ja, ich weiß, ihr werdet sagen, das muss jeder für sich definieren. Aber ist es vielleicht so, dass es einen Dom nur im Kontext BDSM gibt? Dominante Männer auch ohne? Ich glaub das irgendwie nicht. Und ich denke, dass nicht der Härtegrad eines Spiels darüber entscheidet, ob es unter die Rubrik BDSM fällt. Wie seht ihr das? Unterscheidet ihr zwischen Dom und dominantem Mann? Wenn ja, warum? Und gibt euch auch ein dominanter Mann das, was ihr von einem Dom erwartet?


Kommentare:


Corina schrieb am 30.12.2014


Hallo Vicky,

da liegt man auf der Couch, nimmt sein Handy und stößt auf so einen interessanten Blog. Dom oder nicht Dom, das ist also die Frage. Hm, Ich sehe es so (als Vanilla Sis ;)) ein Dom ist auch nur ein Mann. Wenn du jemanden kennenlernst, dich verliebst und du weisst vorher nicht, dass er ein DOM ist, dann stellt sich die Frage doch sowieso im Nachhinein garnicht mehr oder seh ich das falsch? Es kommt auch drauf an, was dir in einer Beziehung wichtig ist. Jedenfalls finde ich deine Gedankengänge immer sehr anregend und freu mich auf das, was nächstes Mal in deinem Köpfchen vorgeht. ;)) Liebe Grüße von der müden Corina


Antwort auf diesen Kommentar

Liebe Corina,

doch, ich sehe das ähnlich. Wenn man sich verliebt hat, stellt sich die Frage nicht mehr. Dann kann man nur hoffen, dass es auch neigungsmäßig so läuft, wie man es gern hätte. Wer auf BDSM steht, wird ohnehin darauf achten, sich einen Partner zu suchen, der für diese Neigung offen ist. Das merkt man ja spätestens beim ersten Sex, ob da einer im Bett nur zart ist oder auch hart sein kann (bzw. möchte).

Der Beitrag selbst ist allerdings aus einer anderen Intention heraus entstanden. Nämlich vor dem Hintergrund, dass Vanilla gerade BDSM entdeckt und in dem Glauben lebt, sie bräuchte jetzt einen Dom. Ich wollte hinterfragen, welche Ähnlichkeiten und Unterschiede es zwischen einem Dom und einem dominanten Mann gibt.

Aber im Grunde sollte die Partnerwahl - wohlgemerkt Partnerwahl - nicht vor diesem Hintergrund stattfinden. Andere Dinge sind wichtiger. Und die Sache mit hart und zart ergibt sich über feine Antennen, Chemie und Ähnliches. Hoffe ich jedenfalls.

Danke, Corina, dass du mit deinem Feedback noch mal einen Impuls zum Thema gegeben hast!

Liebe Grüße, Vicky

realiste schrieb am 18.12.2014


Hallo,

dann schreibe ich mal meinen ersten Kommentar auf einer BDSM-Plattform ;-)

Ich finde die Unterscheidung zwischen DOM und dominantem Mann sehr interessant. Das ist mir selber noch nie in den Sinn gekommen.

Ich hatte in den letzten Jahren 2 DOMs, die sich selber auch so bezeichnet haben. Bei beiden entwickelte sich schnell eine Beziehung aus der (sehr erfüllenden) Spielbeziehung. Beide sind letztendlich daran gescheitert, dass die Männer leider nicht in der Lage waren, im Alltag den DOM abzuschalten und zum Lebenspartner zu werden. Und Dominanz in Fragen, wer den Müll rausbringt, welcher Film geschaut und wann was wie gebügelt gehört stößt mich ab.

Vielleicht wäre das mit einem dominanten Mann leichter zu bewerkstelligen?


Antwort auf diesen Kommentar

Eine gute Frage, Realiste.

Ich glaube, deine beiden Männer haben da was missverstanden im Hinblick auf Dominanz. Für mich wäre es auch ein No-go, wenn ein Dom das Machtgefälle dafür ausnutzt, sich von unliebsamen Arbeiten fernzuhalten oder mir seinen Willen in jeder Situation aufzuzwingen. Ich bin sicher, es geht auch ganz anders. Aber das hat was mit Augenhöhe zu tun. Die muss man als Dom im normalen Zusammenleben mit einer Frau erst einmal aushalten.

Danke für deinen Kommentar! Ich freue mich darüber, dass gerade ich es war, die dich dazu inspirieren konnte ;-)

Liebe Grüße, Vicky

Wounded-Angel schrieb am 08.11.2014


Liebe Vicky,
ich denke du suchst keinen Dom in dem Sinne das du eine Spielbeziehung führen möchtes.
Das wäre wohl etwas zu grob/hart in deinen Fall.
(obwohl du es bestimmt schon im Kopf ausprobiert hast ,,die Sachen mit dem Kopfkino'')
Es kommt ja auf deine persöhnlichen wünsche an!
Nur Spielbeziehung oder Beziehung oder tiefergehende Beziehung mit evt. späterer Heirat vielleicht auch Kinder.
Du hast aber auch das Bedürfnis etwas härter geführt zu werden ich denke Beziehungsmäsig und Sexsuell.
Du suchst einen beziehungsfähigen Mann der für dich dein ,,Dom'' ist.
Ob jetzt härter oder sanfter das kannst nur du für dich entscheiden das nimmt dir keiner ab.
Häng dich nicht so an der Bezeichnung BDSM auf ob es das ist oder nicht!
Liebe, sei es zu BDSM (der Spielart) oder einer Person mit der du vielleicht mehr als Blümchensex machst, ist nun mal fesselnd auf die eine oder andere Weise.
(Seil oder Herz) ;-)
Sich führen lassen über den Sex hinaus im ,,normalen Leben'' tja wenn es nicht soweit geht das du dein komplettes ich auf gibst und noch deinen eigenen Willen treu bleibst ,,ok''.
Aber bedenke im ,,normalen Leben'' gibst kein Safeword!!!
(bei BDSM schon!)
Dominanter Mann ok, der einen Beschützt auch ok, an den man sich anlehnt und weiss er steht zu einen, ja auf jeden Fall!
Bleib dir selbst Treu! Wer weiß denn besser als du selbst was ,,Du'' willst?

Ganz Liebe Samstags-Grüße
Wounded-Angel


Antwort auf diesen Kommentar

Liebe Wounded-Angel,

deinen Hinweis, sich nicht zu sehr auf die Bezeichnung BDSM zu versteifen, finde ich absolut wichtig. Wenn auch vieles eine Frage des Wordings ist, muss man es nicht daran festmachen. Vielleicht ist es so, wie du vermutest. Das spräche für den dominanten Mann, aber nicht für den Dom im grundsätzlichen BDSM-Verständnis. Und wenn es so wäre, wäre es für mich ok. Denn es geht mir genau darum, mich selbst nicht zu verlieren.

Danke für deine Worte und liebe Grüße, Vicky

Sunshine schrieb am 08.11.2014


Dom oder Dominanter Mann.

Also ich Spreche nun mal aus meiner Sicht.
Da ich mich nun nicht als Sub bezeichne und es mir auch nicht so wichtig ist wie manch anderen ,ist ergo mein Partner nun auch nicht der Dom wie andere nun darauf bestehen als solche gesehen bzw genannt zu werden.
In der Hinsicht würde ich sagen ich habe einen Dominanten Partner ,dem ich mich füge und von dem ich mich lenken lasse wenn mir/uns danach ist.
Auch deine Ansicht von Alltagserotik brachte mich zu schmunzeln,denn auch das ist etwas ,was ich zu schätzen weis,seid ich diese Beziehung habe,auch wen ich mich erst daran gewöhnen musste,das ein Mann so sehr zu mir steht wie ich bin und das auch jedem zeigt wie sehr er mich Begehrt ,selbst in der Öffentlichkeit.
Und glaube mir ich bin schon mehr wie einmal Rot angelaufen,bei dem was mir mitten an der Vollen Kasse ins Ohr Geflüstert wird*hüstel*

Ich bin mir auch nicht ganz sicher ob man Dominanten Mann und Dom auf gleicher Stufe abstellen kann,so weit will ich mich aus dem Fenster lehnen.
Aber Parallelen sehe ich durchaus.
Ich könnte ja nun auch schreiben ,das ist eben Ansichtssache ;-)

Liebe Grüße Sunshine

P.S: auch von mir ein Lob,und mach weiter so.


Antwort auf diesen Kommentar

Schön, deine Ansicht zu dieser Frage zu lesen, Sunshine! Ich sehe mich nämlich auch nicht als (potentielle?) Sub und insofern ist mir unklar, wie tief drinnen im BDSM der für mich relevante Mann stecken sollte. Ob es dann ein Dom wäre, mit dem ich zusammen sein wollte, oder doch "nur" ein dominanter Mann.

Über die Parallelen zwischen beidem dürften auch gern mal die Männer hier sinnieren :-)

Liebe Grüße und danke für dein Lob! Vicky

AnneSThaesie schrieb am 08.11.2014


Wow, du spricht mir so sehr aus dem Herzen. Mehr kann ich auch gerade nicht sagen, mir fehlen schlicht die Worte :) Danke


Antwort auf diesen Kommentar

Macht nichts, AnneSTaesie, du kannst jederzeit mehr schreiben :-) Aber ich freue mich, dass du meine Gedanken nachvollziehen kannst.

Liebe Grüße, Vicky

Einen Kommentar schreiben:

Bitte alle Felder ausfüllen!

Die e-mailadresse wird nicht veröffentlicht!
Dein Kommentar wird erst sichtbar nachdem er von einem Moderator freigeschalten wurde!
    Vicky
    ... theoretisch informiert, praktisch angefixt, aber bisher nicht auf den Punkt gekommen – fragt sich: Warum lässt mich BDSM nicht los? Ein persönliches Mindgame der Autorin NORA AMELIE. …
Die neusten Artikel
     
  •   GESCHICHTENWETTBEWERB – Runde 3
    Heute habe ich eine besondere Neuigkeit für euch - eine Einladung zum ... [mehr]
  •   „Höschen aus!“, denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne
    Ich wette, genau dieser Satz ist DER Klassiker eines BDSMlers. Der ... [mehr]
  •   SM in Romanen – Go oder No?
    Für mich als Autorin eigentlich eine ziemlich unbequeme Frage. Man ... [mehr]
  •   Bettgeflüster 2
    Als Stimmenfetischist hab ich mich ja bereits geoutet. Und wie muss ... [mehr]
  •   Bettgeflüster 1
    Laut oder leise? Tief oder hoch? Sachlich, verbindlich, abweisend – ... [mehr]
Neue Kommentare
     
  •   Rheinpfeil1977 schrieb am 03.09.2016
    Hallo Vicky, den Spruch "Höschen aus!" mag ich auch sehr. Er zeigt ... [mehr]
  •   Corina schrieb am 18.07.2016
    Hallo Vicky, uih, das sind ja tolle Neuigkeiten. Dann will ich mal ... [mehr]
  •   June schrieb am 23.05.2016
    Liebe Vicky, ich denke eher nicht, dass Mann/Dom es toll fänd, wenn ... [mehr]
  •   eve adam schrieb am 09.05.2016
    Hallo Vicky, An diesem Punkt stehe ich gerade, ich bin in so einer ... [mehr]
  •   gabigrau schrieb am 08.04.2016
    Das ist nicht nur ein BDSM Spiel. Wenn ein Mann fantasie voll ist, und ... [mehr]