Liebe Leser,
nachfolgend veröffentlichter Brief bezieht sich auf den Artikel "Psychologische Dynamiken hinter BDSM und ihre Tücken und ihre Freuden".
Wir Paten empfinden die dort dargestellte Sichtweise auf BDSM als höchst bedenklich, einseitig bis falsch. Darkness hat in ihrem Beitrag Sind BDSMler Opfer? durch eine indirekte Bezugnahme auf den o. g. Artikel versucht, einige der Sachverhalte aus anderer Perspektive zu beleuchten. Manche Mitglieder hegen jedoch den Wunsch, eine Stellungsnahme mit direkterem Bezug zu erhalten. Deshalb veröffentlichen wir den von Luna verfassten Brief an die Autorin.
Wir möchten hiermit den Mitgliedern die Möglichkeit geben, über das Thema Psychologie, BDSM und den Artikel zu diskutieren.
Allerdings verweisen wir zugleich darauf, dass wir keineswegs eine Hetzjagd gegen die Verfasserin des Artikels unterstützen werden. Persönliche Anfeidungen oder gar Beschimpungen werden wir in diesem Blog nicht zulassen. Wir bitten um eine sachliche, inhaltsbezogene Kritik und Diskussion.
Viele Grüße,
Das Paten Team
Offener Brief zum Artikel Die Psychologische Dynamik hinter BDSM und ihre Tücken und Freuden
Liebe Autorin,
inzwischen habe ich zum dritten Mal Deinen Beitrag gelesen. Mehrmals war ich versucht, Dir zu schreiben. Doch wo anfangen? Dein Aufsatz enthält so viele Ansatzpunkte, dass ich eigentlich eine wissenschaftliche Abhandlung schreiben müsste, um meine Kritik in entsprechend verständlicher und vollständiger Weise zu transportieren. Da ich weder Zeit noch Muße dafür habe, versuche ich einfach mit ein paar Anmerkungen das an "Stimmung" und "Einstellung" zu transportieren, was eigentlich einer ausführlicheren Beschreibung bedürfte. Ich hoffe, dass Du mit meiner nachfolgenden fünf Punkte umfassenden Gedankenfetzen-Kritik dennoch etwas anfangen kannst.
Also, los geht’s…:
Erstens:
SM ist nicht DS. - Mir scheint, dass diese Unterscheidung in dem Beitrag nicht immer geglückt ist.
Zweitens:
Das leidige Genderthema verursachte mir beim Lesen Deiner Zeilen Bauchschmerzen. Mir erschien es so, als würde mit der Annahme operiert, dass alle devoten/submissiven und/oder masochistisch Menschen Frauen und alle Männer dominant und/oder sadistisch geneigt seien. Ich möchte daher darauf hinweisen, dass die Neigung nicht ans Geschlecht gekoppelt ist; auch wenn in der Gentledom Community schnell dieser Eindruck entstehen kann.
Im weiteren Verlauf meines Schreibens verzichte ich aus Gründen der Faulheit darauf, verbal herumzugendern und bitte darum, sich selbst sämtlich mögliche Geschlechtsbezeichnungen hinzuzudenken.
Drittens:
Ich bin kein Fan der reinen Tiefenpsychologie. Weil ich oft bei Beschreibungen der Analytiker bzw. der "reinen" Tiefenpsychologen den Eindruck habe, dass Menschen ohne Rücksicht auf Verluste seziert werden: jeglicher Gedanke hinterfragt, in nahezu jede Regung und Richtung Bedenkliches gedeutet, gesucht und gefunden wird – das Seelenleben eines jeden dadurch pathologisiert wird. Eine etwas empathischere, zugewanderte Grundhaltung präferiere ich. Aber das ist Geschmacksache. Somit ist dieser Kritikpunkt rein meinem persönlichen Geschmack gehuldigt.
Viertens:
Mir ist nicht klar, worauf Du mit Deinem Beitrag hinauswillst, worauf Du abzielst. Mein Gedanke, als ich Deinen Beitrag war: Wer soll hier etwas für sich herausziehen können? Das er mit seiner Persönlichkeit, seinem Selbstwertgefühl und seiner Neigung vereinbaren kann? Was möchtest Du vermitteln?
Fünftens:
Das was Du analysierst, sind keine SM-Beziehungen, sondern sog. DS-Beziehungen. DS-Beziehungen sind a) Beziehungen, bei denen b) ein Machtgefälle besteht.
Zur weiterführenden Information: SM-Beziehungen sind solche, bei dem der Eine dem Anderen den Arsch versohlt (oder auf andere Weise weh tut)… Derjenige, der gehauen wird, findet's geil (= der Masochist) – derjenige, der haut, fühlt sich ebenfalls gut (= der Sadist). Masochismus ist mit dem Begriff des Lustschmerzes verknüpft. Es gibt Menschen, die bei Schmerz Endorphine freisetzen und die Masochisten sind dazu befähigt. Es gibt natürlich auch DS&SM Beziehungen sowie BD&DS&SM Beziehungen… aber auch reine Bondageliebhaber-Beziehungen. All das recht kunterbunt zusammengewürfelt unter dem Oberbegriff BDSM-Beziehung.
Meine Kritik ist, dass der Beziehungsaspekt (5.a) in Deinem Beitrag völlig unter geht. Er wird nahezu ausgeblendet. Dabei geht es bei BDSM um nichts anderes als um die Beziehung. BDSM kann nicht allein veranstaltet werden. Man benötigt IMMER einen „Mitspieler“, einen Partner.
Um zu verdeutlichen, was ich meine, wähle ich das plastische Thema Schlagen. Das Schlagen kann dem SM und/oder DS zugeordnet werden. Je nachdem, ob die Lust am Schmerz (SM) oder die Hingabe (DS) auslösendes Motiv für die Handlung ist. Meine Ausführungen gelten sowohl für SM als auch für DS motiviertes Rumgehaue.
Keiner von uns Mitgliedern der BDSM Subkultur drischt auf den anderen ein (oder lässt sich verprügeln), weil man so am besten seine Aggressionen losbekommt. Das würde keinen Sinn machen. Denn hier erfüllt ein Boxsack doch auch seinen Zweck zu erheblich geringeren Kosten. Insbesondere, was die Investition in Zeit und Gefühle betrifft. Nicht zu vergessen, dass ein Boxsack weder nach Sicherheit verlangt, noch sich wohl fühlen möchte, konsistentes Handeln fordert, Liebesblödigkeiten veranstaltet, Einfühlungsvermögen fordert und vom Boxer ein immenses Selbst-Bewusst-Sein voraussetzt. - Boxhandschuhe an… fertig.. los! That's it. Wozu also der ganze Stress (=BDSM)?
Mein Fazit lautet daher: Wer nur wild drauflos hauen möchte, schlägt auf einen Boxsack ein bzw. auf einen anderen geeigneten Gegenstand oder macht eine Therapie zur Aggressionsbewältigung. Wer aber aus solchen Motiven einen Menschen schlägt, ist kein BDSM-ler, sondern ein riesengroßes Ego-Arschloch.
Zurück zum eigentlichen Thema Beziehung.
Jegliche Beziehung zwischen Menschen lebt von Interaktion. Vielmehr: Beziehungen sind Interaktionsketten oder –loops. Einer Aktion folgt eine Reaktion folgt eine Reaktion usw.. Es ist ein Geben und Nehmen – auf sämtlichen Ebenen. Das Zusammenspiel muss stimmig, die Bilanz von Geben und Nehmen im Mittel für jeden der Beteiligten nach ihrer individuellen, subjektiven Wertung/Wahrnehmung ausgeglichen sein (zu kurzfristigen Ungleichgewichten kommt es immer). Ansonsten kündigt der Benachteiligte die Beziehung. Das ist eine Art Naturgesetz. Einzig die Frage, wann dem Benachteiligten der Geduldfaden reißt, bleibt offen.
So viel also zum "normalen" Teil der DS-Beziehung.
Normal definiere ich hier als das arithmetische Mittel der Beziehungsform eines Kulturkreises (ich mutmaße, dass in Saudi Arabien die als "normal" gewerteten Paarbeziehungen doch erhebliche Abweichungen von denen der Deutschen aufweisen). Andersartig bzw. anders geartet bedeutet somit: eine Abweichung vom Normalen, der Norm, dem arithmetischen Mittel – dem Gewöhnlichen. Folglich ist anders auch außer-gewöhnlich. Ob das nun etwas Gutes ist oder nicht, unterliegt der Wertung eines jeden Einzelnen (der natürlich in seinem Denken von einer gesellschaftlichen Norm geprägt ist, folglich auch in der Bewertung… aber das an dieser Stelle auszuführen, würde vom eigentlichen Thema ablenken). Ob man dann sich als Außergewöhnlicher im Getto (= Dein griffiges Synonym für die Szene) mit anderen zusammenrottet, um normaler oder noch außergewöhnlicher zu erscheinen… das ist eine andere Frage, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte.
Kommen wir zum DS (5.b)… der DS-Beziehung.
In jeglicher DS-Beziehung bestimmen die "Untergebenen", wer ihr Herrscher ist - zumindest langfristig. (Auch bei den von Dir erwähnten Lehrer Schüler Beziehungen; u.a. belegt durch die Frühpensionierungsquote dieser Berufsgruppe.)
Die Untergebenen übertragen die Macht - sie erhalten den "Mächtigen" mächtig – und sie entscheiden, wann er es nicht mehr ist. Nämlich dann wenn sie ihm die Macht wieder entziehen. (Vgl. hierzu Simon, Fritz B., Einführung in die Systemtheorie des Konflikts, S. 98.). Petra Jenner, CEO Microsoft Schweiz, formuliert das folgendermaßen: "Die Macht ist immer nur eine geliehene Macht“ und “Eine Führungskraft darf nie die eigene Position ausnutzen und andere klein machen oder Entscheide fällen, die nicht nachvollziehbar sind und denen die Mitarbeitenden hilflos ausgeliefert sind." (http://www.schweizamsonntag.ch/ressort/menschen/2553/)
Und wenn diese Regeln schon im Business gelten - wie stark werden sie wohl in einer Liebesbeziehung wirken? Vor allem, weil man hier bei Fehlentscheidungen oder gar Machtmissbrauch seine Verantwortung nicht negieren kann. Nicht vor dem andern. Und überaus schmerzlich: auch nicht vor sich selbst. Der Mächtige ist der Mächtige und somit verantwortlich. Aus dieser "Nummer" kommt er bei BDSM nicht raus.
(Selbstredend gibt viele schwarze Schafe. Oben noch recht schmeichelhaft Ego-Arschlöcher betituliert… - Aber dass Missbrauch von Lebewesen kein BDSM sein kann, sein darf, darüber brauchen wir uns wohl an dieser Stelle nicht zu unterhalten, oder?)
DS-Beziehungen sind Beziehungen, in denen ein Machtgefälle bewusst herbeigeführt und gelebt wird - mal mehr oder weniger stark ausgeprägt. Ganz nach Gusto der Beteiligten. ABER: die Bedürfnisse aller in der Beziehung involvierter Menschen müssen dabei befriedigt werden. Somit kommt es zur paradoxen Situation: der Mächtige muss sich am (vermeintlich!) "Machtlosen" orientieren, seine Entscheidungen, seine Handlungen auf dessen Bedürfnisse hin abstimmen. Und noch mehr: er muss die Bedürfnisse tatsächlich auch "treffen". Bedeutet: liegt er mit seinen Einschätzungen hinsichtlich der Bedürfnisse des "machtlosen" Parts falsch, sieht er also diese Person "nicht richtig". Fühlt er sich nicht in ausreichendem Maße ein... dann fällt er die "falschen" Entscheidungen, vollzieht Handlungen, die den Interessen des "Machtlosen" zuwiderlaufen.... Somit frustriert er den "Unterlegenen" und beraubt sich auf diese Weise seiner Macht. Weil ihm seine geliehene Macht wieder entzogen wird. Keiner dieser sogenannten unterwürfigen/machtlosen/devoten Menschen hat zum Ziel, sich möglichst klein zu machen, eigene Bedürfnisse nicht befriedigt zu bekommen etc.. Es geht den in einer Beziehung Stehenden immer um einen Zugewinn - zu allseitigem Vorteil.
Der Mächtige muss sich somit immer seiner Macht als würdig erweisen. Die Bewertung (= ob er der Macht würdig ist) erfolgt durch den "Machtlosen". Liefert der Mächtige in der Wahrnehmung des "Machtlosen" eine miese Performance ab… dann ist der Mächtige mächtig gewesen: er wird zum Ex-Mächtigen degradiert. ;) - Und vielleicht ist mit dieser Erläuterung nun offensichtlich, weshalb ich überall diese Anführungszeichen setzen musste.
Da von DS-Beziehung und Zugewinn oben die Rede war, so sollte auch die Frage beantwortet werden: Was ist dieser Zugewinn - in Hinblick auf DS? Nun kommen wir zu dem wirklich bösen Wort für die therapeutische Zunft…. Denn es geht nach meinem Dafürhalten um eine Intensivierung der Gefühle, der Beziehung – durch eine bewusst herbeigeführte SYMBIOSE.
Pfui!? - Für manche sicherlich … Aber für mich: Schön, denn ich liebe so.
Bei BDSM geht es meiner Meinung nach nicht in erster Linie um Macht - das wäre doch recht wenig Output für die ganze Mühe, die man da reininvestiert. Hier geht es um die Menschen. Um Gefühle, die sie sich wechselseitig bereiten, um deren Beziehung, Bindung, die in Ko-Kreation aufs intensivste etabliert, gelebt, zelebriert werden. Bei manchen, wie bei mir, um eine sehr besondere Ausdrucksform der Liebe – Verehrung, Stolz, Anbetung, Respekt, Empathie, Nähe – von Beiden für Beide.
DS-Beziehungen sind ungleichberechtiget Beziehungen… sagt man gemeinhin. Ich bin mir da aber nicht mehr ganz so sicher…. Mein Partner hat andere Rechte als ich. Inhaltlich sind sie verschieden. – Aber habe ich zugleich weniger Rechte als er? Bezieht sich nun ungleichberechtigt auf ein qualitatives oder quantitatives Ungleichgewicht? Diese Frage kann ich nicht beantworten. Genauso wenig, ob ich nun hinsichtlich der Quantität der Rechte "gleich auf" mit meinem Partner liege. Denn diese Rechte lassen sich einfach nicht zählen. ;(
Nur so viel: ich bin nicht Mutter Theresa. Eher ein weiblicher Napoleon. Ich knie vor und für meinen Mann – als Ausdruck meiner UND seiner Verehrung für ihn und für mich, unserer Hingabe, uns.
Meinst Du, diese Gefühle könnte ich bei einer derartigen Geste erleben, fühlte ich mich (dabei) klein?
Mir geht darum, ein für mich zufriedenes, erfülltes Leben zu führen. Mich meiner Persönlichkeit, meinen Bedürfnissen und Eigenschaften gemäß frei (!) zu entfalten. Mir meinen Lebensraum zu schaffen und mich in diesem pudelwohl zu fühlen. Und mit dieser Einstellung denke ich, wenn ich Deinen Aufsatz lese: Was für einen inneren Widerstreit musst Du derzeit erleben? Ich bin der Auffassung, dass es im Grunde genommen egal ist, was die Neigung begründet. Viel wichtiger ist doch, was man daraus macht. Wie man sein Leben gestaltet. Wie man seinen Weg beschreitet… und wie es einem gelingt, auf dieser lebenslangen Wanderschaft Zufriedenheit zu empfinden. Das ist für mich meine größte Herausforderung. Möglicherweise ist sie das auch für Dich? Das wirst nur Du beantworten können. So viel mag ich in das Gelesene nicht hineininterpretieren.
Das waren meine ersten fünf Gedankenfetzen oder vielmehr -brocken (?). Wie schon anfangs erwähnt – sie antworten nur auf Teilbereiche Deines Beitrags. Ich hoffe, dass es mir gelang, durch die grob umrissene Darlegung meiner Gedanken innerhalb dieser Punkte, meine Einstellung zu Deinem Beitrag andeutungsweise und nachvollziehbar darzulegen.
Viele Grüße,
Luna
pixeldom schrieb am 10.11.2014
mhh,
vielleicht sehe ich es falsch und Denke immer noch wir sind auf einem BDSM Portal, inzwischen wird die Einschätzung ja schweirig;)
Zu diesem Artiekl allerdings, okay, in der Rubrik "der Rätselhafte Patient" auf SPON oder im "Journal of Medical Case Reports" vielleicht richtig aufgehoben, aber mal ernsthaft ...
Spätestens bei, Zitat "Tiefenpsychologische Konzepte verbinden SM mit der psychoanalytischen Theorie der frühkindlichen Sexualität", denke ich an Freund und schalte ab. Wenn dann allerdings ein paar Absätze später von "Ich rate dringend psychisch erkrankten Menschen... " hey, sorry, das geht gar nicht.
Wir sind eine BDSM Plattform und keine Beratungsstelle für psychich erkrankte Menschen. Jedenfalls seh ich das so. Da spreche ich jedem, auch noch so studierem, in diesem Umfeld die Kompetenz ab - das hat hier nichts zu suchen und meiner Ansicht nach gehört dieser Artikel schlicht und ergreifend gelöscht.
Das DS Beziehungen ein Machtgefälle haben ist bekannt, auch wenn sich Newbees darüber ereifern. Wie weit jeder persönlich geht, ist im Rahmen der Community und der Zielgruppe dieser Seite (ab 18 Jahre) schlicht und ergreifend auch seine persönliche Sache. Wer ein "echtes" Problem in einer DS Beziehung hat, braucht wahrscheinlich eher professionelle Hilfe und dies kann dieses Umfeld nicht geben, weder von losgelösten Beiträgen, noch von den Paten.
Von daher gehe ich davon aus, das dier "heiß" diskuttierte Beitrag demnächst um wirklich professionelle Hilfe-Hotlines ergänzt wird.
Ich kann der Ironie des Kommentators 0816 nur beipflichten. Und unter der Hotline Nummer für psyschisch Kranke wären dann ein Link "Wo findet eiegentlich Newbee Sub einen Dom?" auch nicht schlecht. Weil hier lassen wir dann langsam mit solchen obskuren Beiträgen die Newbees unter sich, oder verkuppeln sie mit, wie schrieb 0816, "Da lassen wir mal die verantwortungslosen Schläger drauf los… oder??" Genau ...
weil ein klar denkender Dom bei dem Kasperle Theater aus "pseudo Freud Thesen" gemischt mit "post-pubertierendem Schulhofgeschnattere: "ich hab sog gelesen- ich bin jetzt devot" langsam aussteigt ...
Lieber Pixi,
danke für Dein Kommentar. Ich finde sehr gut, dass Du Deine Einstellung zum Ausdruck bringst.
Natürlich habe ich auch Deine Kritik am Patenblog und meinem Schreiben verstanden.... Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich wirklich froh bin, dass so etwas auch laut geäußert wird. Wir brauchen solche Stimmen. Es liegt in meinem Interesse, dass wir künftig vielfältigere Beiträge bei Gentledom zu lesen bekommen.
Doch so langsam sind auch meine Nerven etwas unten.... Sorgte ich doch vor einigen Tagen für Irritationen, als ich schrieb, es gäbe auch Menschen, die sich bar jeder Lust und außerhalb der Strafe freiwillig (!) aus Gründen der Hingabe vermöbeln lassen (das nennt man halt mitunter DS). Dann habe ich noch das Wörtchen Katharsis in den Raum geschmissen.... Ein eigentlich verbreitetes Wort (auch unter BDSMlern). Bei Gentle den meisten allerdings nur im Zusammenhang mit Debris bekannt - was ich wiederum nicht wusste. Aber: warum sollten die es nicht auch nutzen?
Vielen ist hier der Unterschied zwischen DS und SM nicht bewusst. Eine DS-Beziehung ist für viele ein Mysterium – wenn ihr Schwerpunkt SM ist oder sich ihre Neigung auf den sexuellen Bereich beschränkt. Diese Aussage bezieht sich explizit NICHT nur auf die Newbees, sondern erstreckt sich auch auf erfahrenere Mitglieder.
Insbesondere die ganz Unerfahrenen habe ich bisher als sehr aufgeschlossen und wissbegierig erlebt. Doch wenn sie vorwiegend mit nur wenigen Ausschnitten des BDSM konfrontiert werden – wie bitte, sollen sie von sich aus auf andere Fragen, Themen kommen? Und so 'ziehen' wir Mitglieder groß, die nur von einem Teilbereich des BDSM erfahren. Somit auch diesen nur theamtisieren. Ein Teufelskreis. Zudem: Wenn diese von den vermeintlich 'bösen', weil z. B. auf die Psyche wirkenden, Seiten des BDSM nichts wissen, geraten sie mitunter sehr schnell in wirklich prekäre Situationen. Gefährlich ist das!
Ich sollte und wollte vorsichtig mit den Basics zu beginnen. Nur... ähm... für mich sind das die Bascis! Wo sonst kann ich anfangen?
Glücklicherweise haben wir in der Patengruppe sehr viele engagierte, findige Mitglieder, die sich nun mit der Beantwortung dieser Frage beschäftigen und Lösungen erarbeiten. Liebe Paten, an dieser Stelle Euch ein großes Dankeschön für Euren unermüdlichen Einsatz!
Selbst mit diesen sehr soften Beiträgen des Paten Blogs erhielten wir mitunter das Feedback, wie heftig es auf manche wirke. Dabei ist hier alles noch mehr als gemäßigt und keineswegs das 'Endziel' erreicht. Welches sich aber durchaus auch nach dem richtet, was wir überhaupt leisten können - und wie die Gruppe an sich aufgebaut ist. Der Blog kann nicht zu einem für die Erfahrenen avancieren. Das wäre zum Einen zu einseitig. Zum anderen besteht nach wie vor das ganz große Problem, dass ich keine Autoren finde, die ein wenig mehr als über das Übliche schreiben können/wollen. Teilweise aus Unsicherheit, wie es im Forum oder in der Com gewertet wird (also ob sie für ihre Anti-Mainstream-Haltung einen shitstorm über sich ergehen lassen müssen). Oder, wenn es um extremere Formen geht, aus schlichtem Mangel an solchen Mitgliedern. Sprich: ich rede mir hier gerade den Mund fusslig, erziele mitunter Mini-Erfolge (seit nahezu zwei Wochen wurde ich nicht mehr gefragt, was eine gute Sub ausmacht!), bin aber zugleich auch gefrustet, weil ich es gerne anders hätte.... Und so langsam erschleicht sich mir der Eindruck, dass ich hier für die geeigneten Beiträge und die kritischen Stimmen sorgen soll - und zwar so, dass jeder damit glücklich ist und niemand zu viel Denk-Arbeit aufgehalst bekommt. Das macht unlustig.
Hier stelle ich nämlich immer wieder fest: es gibt Weltmeister im Meckern. Aber wenn's dann darum geht, etwas tatkräftig zu ändern, sich aktiv für irgendetwas einzusetzen und für etwas gerade zu stehen... dünnt sich diese Gruppe doch stark aus (dafür aber auf überaus stark engagierte Mitglieder). Es ist halt einfacher, zu beklagen statt zu bewegen. Und das ist ein Umstand, den ich, neben dieser einseitigen Sicht auf BDSM, wirklich ätzend finde. Wenn so vielen Leuten etwas gegen den Strich geht - dann sollten sie m. E. auch etwas dagegen tun. Es nicht nur von anderen verlangen. Kaum aber spreche ich diejenigen darauf an, gibt es irgendeinen Grund, der Engagement verhindert (Zumeist: es hat doch eh keinen Zweck. Meine Frage: Warum sind sie dann überhaupt noch da???). Bestes Beispiel war mein Beitrag im Forum kurz vor meinem Abgang. Noch heute beschweren sich die Mitglieder über die Misstände. ABer KEINER hat sich offen dazu geäußert. So bleibt alles beim alten. Und darüber resignieren dann wiederum einige, die sich bisher sehr engagierten.
Dich, lieber Pixel, möchte ich aus dieser Kritik ausschließen. Dir gebührt großer Dank angesichts dessen, was Du für die Com leistest. Dass Du für Dich auch etwas aus Deinem zeitintensiven ehrenamtlichen Engagement an Zugewinn herausziehen möchtest, empfinde ich als absolut legitim.
Daher, liebe Leser,
falls Ihr über etwas schönes, interessantes zu breichten wisst – sei es eine tolle Session, eine etwas ungewöhnlicher Erfahrung/Lebensweise – schreibt uns diese bitte! Wir brauchen ein wenig Nahrung für unseren Pixel und die anderen 'alten Hasen'! Ansprechpartner dafür sind Genteldom, Abigail, Luna. Ich wäre Euch sehr verbunden, wenn ihr in großer Anzahl an dieser Aktion '(Unter)Haltet die vernünftigen, erfahrenen Doms mit interessanten Geschichten' teilnehmen würdet. Danke!
Liebe Grüße,
Luna
P.S.: Falls es Dich beruhigt: eine Hotline wird es bei Gentledom wohl nie geben. Hierfür gibt es bereits Spezialisten, z. B. Mayday SM: www.maydaysm.de
Zudem ist dort eine sehr interessante, fundierte Studie zum Thema SM und Psychotherapie downloadbar: www.maydaysm.de/206,0,0,0,0,0.htm
Vicky Vanilla schrieb am 10.11.2014
Liebe Luna,
danke für dein ausführliches Feedback auf meinen Kommentar.
Deine Worte haben mich sehr berührt. Mir war natürlich nicht klar, wie deine DS-Beziehung aussieht. Überhaupt sind DS-Beziehungen für mich ein wenig rätselhaft.
Ich freue mich, dass du es in deinem Beitrag so verständlich erklärt hast. Im gleichen Atemzug bin ich betroffen, dass du offensichtlich für deine Lebensumstände wenig Verständnis erfährst - so liest es sich zumindest in deinem Feedback auf meinen Kommentar.
Ich selbst bin überzeugt davon, dass nicht nur der devote Teil dem anderen ein Geschenk macht - wenn wir in diesem Bild bleiben, sondern auch der dominante dem devoten. Denn der devote hat Bedürfnisse, die der dominante erfüllen muss (in diesem Kontext ein blödes Wort). Im Grunde geht es also um gegenseitige Bedürfnisbefriedigung (dass das voller Liebe geschehen kann, stelle ich nicht in Frage).
Ich weiß, dass BDSM, egal auf welche Weise, eine Sache ist, die auch viele Intellektuelle anspricht. Da ich beim BDSM immer von tiefen Gefühlen ausgehe, denke ich, dass dieses Interesse genau damit auch zu tun hat. Tiefe Gefühle, eintauchen in eine neue Welt mit neuen Interpretationsmöglichkeiten, den Körper und die Psyche auf eine vielleicht völlig anders reflektierte Weise erfahren, Kopfkino und Hirnen in neuen Dimensionen - das ist spannend, macht neugierig, bringt vielleicht die Erfüllung, die es mit "normalem" Sex nicht gibt. Ich würde mir wünschen, dass diese Lebensweise mehr Akzeptanz erfährt! Und dazu gehört jede Form von BDSM. Auch die, die du ansprichst und in der du lebst. Mir war bislang nicht bewusst, dass es hier so viele Anfeindungen gibt.
Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass sich das ändert. Ich habe Respekt davor, wie du lebst. Und ich würde bei Gelegenheit gern mehr darüber erfahren.
Alles Liebe für dich und liebe Grüße,
Vicky
Liebe Vicky,
vielen Dank für Deine Rückmeldung!
Um ein wenig das Bild zu vervollständigen: von vielen Mitgliedern hier in der Com habe ich große Unterstützung und Akzeptanz erfahren. Von manchen allerdings nicht. Es gibt, wie überall im Leben, solche und solche Menschen.
Dennoch: die Intoleranz unter BDSMlern ist ein Thema für sich. Viele sind ihr ausgesetzt. Von manchen BDSMlern wird das, was 'heftiger' als das eigene BDSM erscheint, als 'krankhaft', 'schädlich' abgewertet und denjenigen, die eine Spur 'softer' ihr BDSM praktizieren, das Etikett 'kein richtiger BDSMler' verpasst.
So erlebe ich meinen normalen Freundes- und Bekanntenkreis sowie die nahezu alle Newbees in der Com als aufgeschlossener, als einige der langjährig erfahrenen BDSMler. Verrückt, nicht wahr? Denn jeder von uns möchte gerne von anderen Toleranz und Offenheit entgegengebracht bekommen. Warum leben wir dann diese Werte nicht?
Deine Auffassung bezüglich der gegenseitigen Bedürfnisbefriedigung von dominantem und devoten Part teile ich uneingeschränkt. Ich empfinde es als richtig, in diesem Zusammenhang von Bedürfnissen zu reden - auch wenn es um Liebesbeziehungen und BDSM geht. Wir Menschen sind keine selbstlosen Wesen. - Warum also nicht dazu stehen, dass wir in einer Liebesbeziehung etwas für uns 'herausziehen', einen Zugewinn erfahren wollen?
Deine von mir nachfolgend zitierte Beschreibung von BDSM finde ich sehr gelungen. Meiner Meinung nach geht es bei BDSM um Emotionen. (Das muss aber nicht auf jeden zutreffen - denn auch ich kann einfach nur ein wenig über meinen Tellerrand, mein BDSM hinausblicken, den Rest aber nicht erfassen....)
"Da ich beim BDSM immer von tiefen Gefühlen ausgehe, denke ich, dass dieses Interesse genau damit auch zu tun hat. Tiefe Gefühle, eintauchen in eine neue Welt mit neuen Interpretationsmöglichkeiten, den Körper und die Psyche auf eine vielleicht völlig anders reflektierte Weise erfahren, Kopfkino und Hirnen in neuen Dimensionen - das ist spannend, macht neugierig, bringt vielleicht die Erfüllung, die es mit "normalem" Sex nicht gibt."
Dazu ergänzen würde ich: es bleibt spannend! Einmal angefixt.... wird es zur Sucht. In meinem Fall zum ganz persönlichen Emotions-Erlebens- und Beziehungsfetisch. ;)
Liebe Grüße,
Luna
0816 schrieb am 10.11.2014
Liebe Luna, liebe Paten,
zunächst einmal vielen Dank für die Mühe, die Ihr Euch macht.
Ich freue mich sehr, dass es nun, nach geraumer Zeit, eine Rückmeldung auf den Artikel von Frau Masha gibt.
Da ich kein Psychologe bin oder eine derartige Ausbildung habe, ist es mir nicht möglich auf diese Feinheiten einzugehen. Ich hatte ein ungutes Gefühl bei dem, was ich las. So verstehe ich jetzt ein wenig mehr.
Mein ungutes Gefühl verstärkte sich bei den Ratschlägen, die dort gegeben wurden. Einer fällt besonders auf:
Zit: „Ein verantwortungsbewusster Dom wird sich niemals an junge und unerfahrene Frauen ranmachen, dessen Willen leicht zu brechen ist, weil sie nicht gefestigt genug sind in ihrer Entwicklung oder an psychisch erkrankte Menschen.“
Daraus schließe ich: Da lassen wir mal die verantwortungslosen Schläger drauf los… oder??
Wir konnten aber auch aus den Ausführungen von Frau Masha lernen:
Zit: „Krankhaft ist dann wenn es körperlichen oder psychischen Schaden verursacht. Dies kommt dann zustande wenn ein sadistisch veranlagter Mensch anderen Menschen Leiden aufzwingt. Das heißt jedes STOP dass nicht sofort als solches geachtet wird ist ein Missbrauch des Gegenübers.“
Das sind echte Neuigkeiten!
Direkt weiter:
Zit: „Wenn die Grenze nicht geachtet wird, dann wird es gefährlich für den sadistisch und auch masochistisch veranlagten Menschen. Dies kann schwere psychische Folgeschäden nach sich ziehen.“
Der arme Sadist… :-)
Gute Ratschläge gab es ja auch:
Zit: „Ich rate dringend psychisch erkrankten Menschen, wenn sie ihre sexuelle Neigung in diesem Bereich ausleben wollen, dies unbedingt in Begleitung eines in diesem Bereich erfahrenen Psychotherapeuten ihres Vertrauens (diese sind jedoch nicht leicht zu finden) machen.“
Das ist ne Prima Idee. Ich stelle mir dann vor, dass immer als Trio zur Party gegangen wird.
Ihr Paten, liebe Luna, macht weiter so!
Danke und liebe Grüsse
0816
Lieber 0816,
Dein durchaus kritisches Schreiben ließ mich beim Lesen schmunzeln. Schön, wenn es gelingt, bei solch einem ernsten Thema, den Humor zu bewahren. Und überaus schmeichelhaft, dass wir Dir zu tieferem Versändnis verhelfen konnten. ;)
Danke, dass Du uns auf diese amüsant, ironische Weise Dein Stimmungsbild so plastisch vermittelst.
Liebe Grüße,
Luna
just me1980 schrieb am 10.11.2014
Hallo Luna.
Endlich schafft es mal jemand, zu sagen (schreiben), was es an zwischenmenschlichen Fähigkeiten braucht um sich seiner selbst bewusst zu werden und ausleben zu können.
DANKE für deinen und auch Darkwings offenen Brief.
Hoffentlich wirds verstanden.
LG
Hallo Just Me 1980,
vielen lieben Dank auch an Dich!
Mir liegt es leider nicht mich kurz zu fassen - aber Du hast es wunderbar auf den Punkt gebracht.
Liebe Grüße,
Luna
Vicky Vanilla schrieb am 10.11.2014
Ich bedanke mich gleichermaßen bei euch, liebe Paten, und bei dir, Luna, für die Veröffentlichungen dieses Offenen Briefes. Für mich als BDSM-Einsteigerin (?) ist all das, was BDSM ausmacht, schwer zu durchschauen. Angefangen mit der Definition, über die ich einmal (von einem BDSMler) las, man könne die Initialen durchaus und der Einfachheit halber auf SM abkürzen (inzwischen weiß ich, dass das so nicht stimmt). Bis hin zu psychologischen Aspekten des Schmerzempfindens. Da meine Erfahrungen nicht nur, aber weitgehend theoretische sind, muss ich mir auf alles meinen eigenen Reim machen. Denn BDSM ist ganz offensichtlich in allererster Linie Ansichtssache.
Ich hatte den Beitrag „Die psychologische Dynamik des BDSM“ schon gelesen. Für mich strotzte er voller Gedankenansätze, die mich teilweise verwirrten, so dass ich zwar zuende las, aber nicht zuende interpretierte. Nach dem Offenen Brief von heute habe ich den Beitrag noch einmal gelesen. Und zumindestens kann ich jetzt genauer sagen, was mich irritierte. U. a. nämlich die Auffassung, man bräuchte professionelle Hilfe, wenn SM zur Obsession wird und man einen Leidensdruck verspürt. Ich fühlte mich unangenehm berührt, denn in der Tat bin ich in Gedanken derzeit sehr bei diesem Thema. Doch bin ich deshalb krank?
Was mich ebenso irritierte, war der Rat an psychisch erkrankte Menschen, die ihre sexuelle Neigung ausleben wollen, sich einen Therapeuten als Begleiter zu suchen. Nichts gegen Therapeuten als Begleiter auf einer sexuellen Entdeckungsreise, aber hier wird mir erstens die Allmacht der Profis zu sehr in den Vordergrund gerückt. Zweitens frage ich mich, ob psychisch Erkrankte diesen Beitrag überhaupt sinnvoll zu interpretieren in der Lage sind und drittens gefällt mir die Kombination BDSM und Psychotherapie per se nicht.
Aber ich will hier nicht allzu weit ausholen, sonst wird mein Kommentar zu lang. Übrigens eine Sache, die mich bereits beim Beitrag gestört hat. Denn schon wegen der Länge (und dann in meinem Fall wegen der Verwirrung) ist man nicht geneigt, an der Sache dran zu bleiben. Was ich also sagen will, ist: Der Offene Brief hat einiges für mich gerade gerückt. Insofern unbedingt noch einmal DANKE an Luna!
Es ist mir bereits sympathisch, dass du nicht gewillt bist, alles bis ins letzte Detail auseinanderzunehmen. Analyse ist gut, aber sie sollte nahe an der Realität bleiben und im Sinne der Sache nicht zu sehr ins Philosophische abdriften. Einfach deshalb, weil sie von vielen dann nicht mehr als hilfreich angesehen wird.
Was mir an deinem Beitrag außerdem gefällt, sind die Ausführungen zu DS und SM. Für einen Anfänger ist das schwer auseinanderzuhalten. Nicht grundsätzlich, aber in seiner Wirkung und seiner Bedeutung. Dass du die DS-Beziehung so genau unter die Lupe nimmst, hat sicher damit zu tun, dass du sie offensichtlich selbst präferierst, aber sei's drum – es ist schließlich dein Beitrag zu dieser Diskussion. Mir hilft er jedenfalls dabei, mein eigenes Verständnis von BDSM und den entsprechenden Beziehungen zu überdenken und zu konkretisieren.
Auch das Thema Interaktion finde ich extrem wichtig. Für mich gehört zum BDSM ein hohes Maß an Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit, von beiden Seiten. Und für mich gibt der devote oder masochistische Part nicht seine Verantwortung ab, wenn er sich dem Dominanten oder Sadisten hingibt, wie im Artikel „Die psychologische Dynamik ...“ dargestellt. Sicher ist soetwas denkbar, quasi die totale Auslieferung in die Hände des anderen. Aber auch das wäre ja „nur“ eine Art des Auslebens von BDSM, nämlich TPE (wenn ich das richtig sehe, korrigiert mich gern, wenn's nicht stimmt), wie es zumindest für mich nie in Frage käme. Mein BDSM wäre immer eines mit beidseitiger Verantwortung. Machtgefälle ja, Selbstaufgabe nein.
Für meinen eigenen Blog lerne ich u. a., nicht weiter so vordergründig in die Genderfalle zu tappen. Auch bei mir sind Subs weiblich, Dominante männlich. Weil ich eben weiblich bin und bei mir die entsprechende devote oder masochistische Neigung vermute und aus diesem Aspekt heraus meine Beiträge schreibe. Aber es ist hilfreich, immer mal wieder klarzustellen, dass Neigungen nicht geschlechterspezifisch festzumachen sind.
Für den Beitrag von dir, Luna, für den Auslöser-Beitrag und das Feedback von euch, liebe Paten, unter dem Titel „Sind BDSMler Opfer?“, das ich jetzt noch gar nicht gelesen habe, wünschte ich mir, man könnte sie an exponierter Stelle zusammenführen. Das würde die Debatte sehr erleichtern.
Liebe Grüße, Vicky
Liebe Vicky,
vielen herzlichen Dank für Dein schönes, wertvolles Feedback. Wir scheinen doch eine sehr ähnliche Denkweise zu haben.
Deinen Wunsch nach einer 'örtlichen' Zusammenlegung von Artikel, Blogbeitrag und Brief kann ich gut nachvollziehen. - Leider war das nicht möglich.
Zur Ehrenrettung der Therapeuten möchte ich allerdings anmerken, dass sehr viele auch einen empathischen, pragmatischen und v. a. lösungsorientierten Stil pflegen. Die Auffassung vertreten, dass es darum geht, seine Bedürfnisse ins Selbstbild und ins eigene Leben zu integrieren. Solch eine Unterstützung kann durchaus sinnvoll sein.
Auf SM bin ich nicht näher eingegangen, da bei Gentledom sehr viel über dieses Thema geschrieben wird.
Ganz anders sieht es allerdings beim Thema DS aus. Hier besteht m. E. noch Aufklärungsbedarf. Insbesondere, was die Unterschiede zwischen DS und SM sind und was DS-Beziehungen als solche anbelangt. Gerade bei TPE/ (24/7) DS/ EPE-Beziehungen scheinen einige einem üblen Klischeebild verhaftet zu sein. Verknüpfen eine solche Beziehungsform beispielsweise miteiner allgemeinen Lebensunfähigkeit des devoten Parts. Dies hat unter anderem zur Folge, dass sich gerade devote Menschen in solchen Beziehungsformen nicht gerne explizit äußern. Es bereitet einfach keine Freude, an einer Debatte teilzunehmen, bei der einem von vornherein die Fähigkeit zum selbständigen Atmen und Denken abgesprochen wird. Ergebnis des Ganzen ist, dass weiterhin dieses Schubladendenken besteht – ohne dass 'Outsidern' ermöglicht wird, das Bild zu revidieren. Im Prinzip werden die 'Fronten' des Unversändnisses auf diese Weise verfestigt.
Ich selbst zähle mich nicht (mehr) zu den Spielern, habe neben meinen devoten auch masochistische Bedürfnisse – bin also ein Kombipaket. Auch gehöre ich zur oben benannten Gruppe der Menschen, die, auf Grund ihrer Lebensform, von einigen für hohl wie Stroh abgeurteilt werden.
Nun versuche ich ein allgemeines Verständnis zu schaffen, was DS-Beziehungen sein können und auf diese Weise dem klischeebehaftetem Denken, wie im kritisierten Artikel, zu widersprechen. Ich möchte zum Nachdenken bzw. Überdenken der Vorstellungen, zur Toleranz für andere Lebens- bzw. Liebesstile ermuntern.
Für DS sind m. E. einzig und allein die Wörtchen Dominanz und Hingabe (Submission ist teilweise leider auch wieder irreführend) kennzeichnend. Dabei sind die hier gerne geäußerten Sätze wie "Submission ist ein Geschenk" nicht gerade hilfreich. Denn Submission/Devotion ist meiner Meinung nach kein Geschenk. Die gibt es nicht für lau. Hingabe des Devoten verlangt zugleich Hingabe des Dominanten. Im Prinzip ziehen beide blank voreinander. Investieren auf ihre Weise gleich viel.
Wenn man dennoch auf das Wörtchen Geschenk besteht, so müsste man hier Gleichberechtigung walten lassen und schreiben: Submission UND Dominanz sind Geschenke.
Aber in erster Linie möchte ich mit meinem Brief verhindern, dass sich hier jemand auf Grund seiner Neigung abstempeln lässt oder gar als abartig versteht. Das kann nicht Sinn und Zweck einer BDSM-Com sein.
Daher lautet mein Apell: Lasst Euch bitte nicht vom Gewäsch anderer irritieren (auch nicht von meinem). Erfreut Euch an dem, was Euch an Spannendem (= Neigung) gegeben wurde. Egal wie diese Neigung konkret ausgestaltet sein mag: Genießt Euch und Eure Befähigung, auf diese tiefe, vielfältige, besondere Weise zu fühlen, zu erleben.
Viel Vergnügen dabei!
In diesem Sinne....
Liebe Grüße,
Luna