Egal wie lange ein Paar/Ehepaar zusammen ist oder wie vertraut/glücklich sie sind. Sobald sich der Gedanke an ihre Sexualität verändert, ist auf einmal das Vertrauen in den geliebten Partner erschüttert. Selbst bei Paaren, die vorher über alles geredet haben, ohne Furcht oder Zweifel an den andern. Auf einmal befürchten sie, dass ihr Partner sie nicht mehr versteht, dass er sie nicht mehr liebt oder noch schlimmer, als pervers/krank verurteilt. Alles nur, weil sie BDSM Fantasien haben.
Jedes Outing trägt Gefahren mit sich, weil man nie weiß wie sein Gegenüber, darauf reagieren wird. Die Angst davor ist verständlich. Und wenn man das Thema BDSM noch nie, auch nicht im Allgemeinen angesprochen hat, wird es schwierig. Da das Kopfkino des sich potentiellen outen Wollenden, Horrorszenarien hervorbringt. Die so gar nicht stimmen.
Da kann ich nur raten, ruhig zu bleiben und einmal ganz sachlich über ihre Beziehung nachzudenken. Dabei sollte sich der/die Outing Willige/r, einige Fragen stellen.
Kann ich mit meinem Partner über ALLES reden?
Nimmt mein Partner mich ernst?
Vertraue ich meinem Partner?
Wie sieht unser Sex aus?
Werden auch meine sexuellen Wünsche berücksichtigt?
Das Outing ist in der Regel kein Problem, wenn man in einer intakten Beziehung seinen Gegenüber vertrauen kann. Über wirklich alles Sprechen kann. Er/sie einen Ernst nimmt. - Und wenn man dabei nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt.
Dann bleibt im Prinzip die Frage nach den Sexpraktiken.
Können die Partner offen darüber sprechen, was ihnen gefällt und wird auf die Wünsche des anderen eingegangen, ist das Outing nicht ganz so schwer.
Wie sieht der Sex im Einzelnen aus?
Ist es immer reiner Kuschelsex?
Dann besteht die Möglichkeit, erst einmal das Thema BDSM allgemein zu thematisieren. Z.B. in dem man einen BDSM-Roman auf dem Wohnzimmertisch liegen lässt und über den Inhalt des Buches diskutiert. Dabei hört er/sie, wie sein Partner auf das Thema reagiert. Er/Sie sollte sich nicht davon abschrecken lassen, wenn der Partner zuerst etwas zurückhaltend/ablehnend auf das Thema reagiert. Oft ist es nur Unwissenheit. Da kann man mit gezielten Fragen oft mehr erreichen.
Beispiele:
Wusstest du, dass im BDSM alles einvernehmlich geschieht? Dass beide es wollen?
Wusstest du, dass der Dom/Top nur das seiner Sub/Botten/Sklavin antut, was sie will? Das sie/er jederzeit die Möglichkeit hat ihn zu stoppen, mit Hilfe des Safewords?
Wusstest du, dass jeder BDSMler sein eigenes BDSM lebt?
Wenn die Diskussion erst einmal im Gange ist, stellt sich schnell heraus, ob da Neugierde geweckt wird oder sich die Ablehnung beim Partner weiter verstärkt.
Gehen wir vom schlimmsten Fall aus, der bei weitem nicht die Regel ist. Er/sie muss sich überlegen, ob er sich weiter hin outen möchte oder lieber darauf verzichtet und seine Bedürfnisse unterdrückt oder andere Wege sucht.
Wobei ich nichts von Lügen oder Betrügen halte. Es gibt auch die Möglichkeit, mit Wissen des Partners, sein BDSM auszuleben. In dem der Partner zulässt, er/sie sich einen Dom sucht. Er muss auch nicht allem zustimmen, kann Vereinbarungen treffen. Es ist eine Abmachung zwischen drei Menschen.
Diese Entscheidung kann einem keiner abnehmen. Das muss jeder selber für sich entscheiden. Ich persönlich finde es nicht gut, wenn darauf gedrungen wird, sich zu outen, selbst vor dem Partner. Oft wird behauptet, man kann seine Neigung nicht ständig unterdrücken und glücklich werden. Jeder muss selber entscheiden, ob er ohne oder mit BDSM leben möchte und wie stark sein Wunsch danach ist. Keiner von uns kann in den andren Menschen hinein sehen, was ihm Wichtiger ist. Es muss genügen ihm alle Möglichkeiten zu zeigen, ohne ihn zu beeinflussen. Den mit den Konsequenzen muss er/sie später alleine klarkommen.
Wenn aber in der Diskussion die Neugier geweckt wurde, ist es ein leichtes dessen Kopfkino ans Laufen zu bekommen. Dann ist der Weg zum Outing recht kurz und man kann gemeinsam Informationen einholen und BDSM zusammen erforschen.
Im günstigsten Fall kamen bereits Spuren von BDSM im gemeinsamen Sex vor. Fesseln, grobes Anfassen, den Partner nicht zum Orgasmus kommen lassen usw. In diesen Fällen, kann man seinem Partner in einem günstigen Moment, seine Wünsche/Bedürfnisse erzählen.
Wesentlich schwieriger gestaltet sich das Outing, wenn nicht über ihre Wünsche/Bedürfnisse gesprochen wird, Sex überhaupt nicht thematisiert wird. Nicht in jeder Ehe/Partnerschaft wird über Sex geredet. Oft liegen die Gründe in der eigenen Erziehung und haben nichts mit fehlemden Vertrauen zu tun. Eltern können das spätere Sexualleben ihrer Kinder stark beeinflussen. Was den Betroffenen meistens gar nicht klar ist. Sex wird gemacht aber es wird nicht darüber gesprochen. Dabei ist es egal, wie sich der Sex gestaltet.
Man kann davon ausgehen, dass in diesem Fall kein Outing zustande kommt. Betroffene sollten sich einen Sexualtherapeuten suchen oder besser noch mit seinem Partner zusammen hingehen. Denn dort ist professionelle Hilfe erforderlich.
Wenn in einer Beziehung überhaupt nicht gesprochen wird, bzw. nur über Kinder, Haus, Auto usw. Eben nur über das Notwendigste. Stimmt etwas nicht in der Beziehung und man sollte erst dieses Problem in den Griff bekommen, bevor man sich über BDSM Gedanken macht. Eine Paartherapie kann dabei helfen.
Es grüßt Euch
KleinesSubBiest
Fantasie13 schrieb am 10.11.2014
Hallo KleinesSubBiest,
"Outing oder nicht Outing" das ist die Frage.
Ich könnte mein Outing auf die von dir beschriebene Art und Weise versuchen und meinen Partner durch alle möglichen Hinweise auf das Thema BDSM aufmerksam machen.
Aber das hilft mir nicht weiter. Da Ich meinen Partner sehr gut kenne und er überhaupt nicht dominant ist, kann ich mein BDSM nicht mit ihm leben.
Daher erscheinen mir die Möglichkeiten die ich habe nur sehr suboptimal:
1. Outing ... und hoffen, dass er mit einer externen Spielbeziehung einverstanden ist.
2. Weiter wie bisher..... einfach alles verdrängen.
3. Heimlich eine Spielbeziehung suchen... und hoffen er merkt nichts.
Mit keiner dieser Varianten bin ich glücklich...
Vielleicht gibt es noch andere Lösungen für mein Problem ...
Liebe Grüße
Fantasie
Hallo Fantasie,
dein Problem kann ich sehr gut verstehen. Für dich sehen deine Möglichkeiten nicht glücklich aus.
Ich für mich, würde deinem Partner eine Chance geben, wenn du ihn liebst und nichts unnötig riskieren möchtest. Natürlich könnte es passieren, das er entsetzt ist; dass er vielleicht nicht auch eine dominante Seite hat. Aber er könnte dich auch überraschen und Interesse an BDSM haben. Das ist ein Thema, was man seinem Partner nicht unbedingt gesteht, wie du selber weißt. Dominanz im Alltag und in BDSM sind zwei ganz verschiedene Sachen. Auf jeden Fall wärst du ehrlich zu ihm und würdest ihn nicht hintergehen.
Egal, wofür du dich entscheidest, überlege es dir gut.
Ich wünsche dir viel Glück.
Liebe Grüße
k-s-B
Dark_Sunny schrieb am 17.10.2014
Hallo KleinesSubBiest,
"Schatz, ich hab' BDSM! - Das Outing vor dem Partner" so ähnlich ist es in unserer Partnerschaft auch abgelaufen, als sich meine Partnern geoutet hat. :-) :-)
Jetzt durchstreife ich das Internet, um meiner Subby ein guter Dom zu sein, aber die ersten Erziehungsmassnahmen mußte ich "leider" schon ergreifen. :-)
Gruß
D_S
Hallo D_S,
dann lies dir viel Wissen an und genieße deine neuen Erfahrungen mit deiner Sub.
Liebe Grüße,
kleines-sub-Biest