Akademiker und die Partnersuche

In einigen Monaten heiratet meine beste Freundin und da ich selbst derzeit solo bin, musste ich mich an ein interessantes Gespräch mit ihr erinnern, besonders da wir die gleiche Ausbildung genossen und die gleichen Abschlüsse haben. Als sie lange Zeit solo war, unterhielten wir uns über ihre Selektionskriterien und eines davon war: Er muss Akademiker sein!

In letzter Zeit habe ich mich wieder ab und an mit Akademikerinnen über ihre Kriterien unterhalten und sehr viele wollen nicht „nach unten“ eine Verbindung eingehen. Persönlich kann ich es auf der einen Seite verstehen, auf der anderen Seite würde ich es aber eben nicht an diesem fixen Kriterium „Abschluss“ festmachen wollen.

Auch ich habe meine Kriterien in Fragen der Bildung und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, nur ist es mir recht egal, ob meine Partnerin eine Ärztin, Lehrerin, Bankerin, Pädagogin oder Steuerfachangestellte ist. Und für die letzten drei Berufe bedarf es eben keiner (zwingenden) akademischen Ausbildung.

Was sie verdient, nun das ist ebenso wenig relevant, das einzige worauf ich achte ist eben, dass sie auf eigenen Beinen stehen kann da ich nicht will, dass eine Frau später evtl. nur aus finanziellen Überlegungen heraus mit mir zusammen lebt. Bildung hingegen ist mir durchaus wichtig, eine ungebildete oder gar dumme Frau wird mich einfach nicht reizen können, aber Bildung ist für mich nicht das stumpfe Auswendiglernen von irgendwelchen Inhalten, sondern die aktive Beschäftigung mit interessanten Themen.

Meine Einstellung ist aber kein Einzelfall, es scheint sogar nicht wenige Männer zu geben, die eine Nichtakademikerin vorziehen, denn sie meinen diese würde sie mehr anhimmeln und ihnen weniger Paroli bieten.

Wenn man dann noch bedenkt, dass seit dem Jahr 2005 stetig mehr Frauen einen akademischen Erstabschluss gemacht haben, geht die Rechnung eben überhaupt nicht mehr auf. Vor 20 Jahren waren Akademikerinnen im Vergleich zu den männlichen Kollegen eine eher kleine Gruppe, nun aber gibt es immer mehr Frauen, die einen Abschluss vorweisen können und manchmal habe ich das Gefühl, männliche Ärzte werden fast gar nicht mehr ausgebildet.

Also gibt es entweder die Möglichkeit, sich als Frau zu emanzipieren und eben auch als Frau Doktor XY mit einem Sachbearbeiter durchs Leben zu gehen, oder aber sie müssen sich um die kleine Zahl der Soloakademiker bemühen, die zudem eben auch in anderen Gefilden jagen und selbst nicht festgelegt sind.

Emanzipation bedeutet eben, die Rollenbilder aufzugeben und warum sollte sich der Sachbearbeiter nicht um die Kindererziehung kümmern oder aber die Frau Doktor ihren Lebensstandard an den ihres Partners anpassen, der als Sachbearbeiter eben nicht das verdienen wird, was sie verdienen würde, wenn sie sich nicht um die Kinder kümmern müsste.

Wobei hier devote Frauen vielleicht dominanten Frauen gegenüber im Nachteil sind, falls sie sich als besser (aus-)gebildet oder besser verdienend einem Mann nur schwer unterordnen könnten. Ich muss sagen, mich würde es nicht stören wenn meine Partnerin mehr verdient oder vielleicht eine Professur hätte, ich mag eben Frauen, die im Alltag "ihren Mann stehen" aber bei mir „ganz Frau sein können“.

Übrigens, bei meiner besten Freundin hat es, glaube ich, vier Jahre gedauert, bis sie ihren Akademiker hatte und sie ist eine sehr kontaktfreudige Frau, die zwar durchaus Sex mag, aber eben nicht auf BDSM steht.


Kommentare:


Fionnghal schrieb am 11.09.2012


Emanzipation und die Kehrseite der Medaille

Hallo Gentledom,

ich finde die Überlegungen hier sehr interessant und will mal meinen Senf dazu geben. Ich muss dazu ehrlich sagen, mir ist es egal was mein Partner verdient oder welchen Abschluss er hat, solange ich mich mit ihm über Dinge unterhalten kann, die mir und ihm wichtig sind, und die Lebensziele nicht miteinander kollidieren. Bitte nicht falsch verstehen, Bildung und Interesse am Weltgeschehen ( auch mal nach zu forschen damit man sich seine Meinung bilden und fundiert vertreten kann ) ist Grundvoraussetzung. Aber so etwas kriegt man ja schnell mit was da so vorhanden ist ;-) Ich habe sehr oft festgestellt, dass viele Männer nicht mit Frauen umgehen können, die im Leben ihren "Mann" stehen und unabhängig sind. Ich muss dazu sagen, ich habe Abitur gemacht, studiert, einige Jahre ein Restaurant geleitet und bin jetzt als Veranstaltungsleiterin in einer Konzertagentur und Discothek tätig. Das ist eine ziemliche Männerdomäne ;-)) Da ich mich um rund 80 Mitarbeiter und um Bands und Crews kümmer, muss ich ein sicheres und souveränes Auftreten haben. Das schreckt aber viele Männer ab. Da sehen wir mal was uns die Emanzipation gebracht hat ;-)) Aus einigen Gesprächen mit meinem besten Freund und Kollegen habe ich dann erfahren, dass viele Männer bei solchen Frauen nicht das Gefühl haben gebraucht zu werden. Frei nach dem Motto: Sie gibt bei der Arbeit den Ton an, sie kann und will ihre Meinung fundiert vertreten und lässt sich kein x für ein u vormachen, das könnte Probleme geben ( als wenn ich mich nur über meinen Job definiere ! ). Ja, ich gebe es zu, ich kann einen Nagel alleine in die Wand schlagen ohne dass das Bild hinterher schief hängt und tapezieren und Laminat verlegen kann ich auch. Ich entschuldige mich hiermit dafür ;-( Ich bin so erzogen worden ( danke Papa !! ). Vielleicht sollte ich mich demnächst einfach dumm stellen und wenn das Bild dann schief hängt sagen : Na, das hast du ja toll gemacht, ich hätte das nie gekonnt... nein, ich würde daran ersticken ;-)
Ich kann mir ehrlich gesagt nichts schöneres vorstellen als im privaten speziell im sexuellen mal "einfach" die Führung abzugeben ( egal ob an jemanden mit gut oder schlecht bezahltem Job ), nicht jedem sagen zu müssen was er zu tun hat und nicht alles zu hinterfragen ( ich liebe meinen Job aber es ist nur ein Job ). Keine Frage, ich interessiere mich seit Jahren für BDSM habe mich aber aufgrund vieler Internetseiten immer wieder abschrecken lassen. Im Endeffekt ist es mir egal was mein Partner verdient ( hauptsache er geht arbeiten ;-)), ob er Akademiker ist oder Eisverkäufer ( auch nicht schlecht, ich liebe Eis ) ... man muss das Gefühl haben zu Hause angekommen zu sein, sich fallen lassen zu können und mit seinen Stärken und Schwächen akzeptiert zu werden. Vielleicht ist das auch die Suche nach karierten Maiglöckchen ;-)) Mir scheint Männern wird das behaupten im Job zugestanden und dann sind sie ein "Mann" und Frauen sind keine Frau mehr wenn sie dasselbe tun. Ich liebe diese Welt, aber manchmal ist sie mir suspekt ;-))

Liebe Grüße,

Fionnghal


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Fionnghal,
na das ist ja fast ein eigener Blogbeitrag geworden ;-) ich denke so wie dir geht es vielen Frauen, zumindest ist das die Erfahrung die ich im Bekanntenkreis gemacht habe. Also nicht den Kopf hängen lassen (Brust raus) und nicht verbiegen... Den passenden Partner gibt es dann sicherlich auch wenn die Suche etwas dauert...
Liebe Grüße
Gentledom

married schrieb am 22.05.2012


Mögliche Hintergründe...

Hallo lieber Gentledom,

ich kann es mir nicht verkneifen auch hierzu Etwas zu schreiben. Vielleicht ist das Problem, dass sich die sexuelle Neigung nicht immer vollkommen von der Persönlichkeit trennen lässt und somit die eine oder andere devote Person eben auch im Alltag lieber die Verantwortung abgibt und nicht danach strebt "die Führung" bei Irgendetwas zu übernehmen. Auch wenn das vielleicht nur ein unterschwelliger Charakterzug sein mag, könnte es sich auf die Ausbildung und Karriere auswirken. Und selbiges gilt natürlich auch umgekehrt. Viele, gerade gebildete Männer mit Hang zur Dominanz reizt immernoch das "dumme, brave Heimchen am Herd" (überspitzt formuliert) doch einen Tick mehr als die toughe Buisnessfrau die sich nur im Verborgenen unterwerfen lässt. Zumindest habe ich solche Erfahrungen gemacht. Ich selbst habe keine "akademische Laufbahn" vor oder hinter mir aber meiner Meinung nach ein Mindestmaß an Grips und Benehmen. Mir gefällt eben mehr bewundernd aufzublicken als selbst für solche Dinge bewundert zu werden. Das fand ich nie erstrebenswert. Solange ich auch mal ein Paar gute Bücher lese, gute Musik höre und nicht komplett kulturell verblöde brauche ich keine Titel o.Ä.. Mir reicht das was in meinem kleinen Köpfchen ist und ich bin damit einfach so ganz zufrieden. ;)
Sicherlich ist das nur ein Blickwinkel aber es schien mir zumindest erwähnenswert.
Liebe Grüße
married


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo married,

nicht gerade wenige sexuell dominante Menschen haben große Komplexe und zum Teil dient BDSM einer Kompensierung selbiger. Das geht natürlich mit einer Frau die nicht auf gleicher Augenhöhe ist bei weitem besser als mit einer die einen eh schon bewundert. Wobei Akademiker eh nur ein Indiz für Grips ist, keine Garantie :-D

Liebe Grüße

Gentledom

Julia schrieb am 21.05.2012


Schlawiner

Du bist echt ein Schlawiner ;) ich hatte noch nie so ein schönes, tiefgründiges und unterhaltsames Internetdate wie mit dir. Es ist sehr schade, dass es zwischen uns wohl nicht passt. Auf jeden Fall bin ich aber inzwischen um ein Vorurteil ärmer. Diese SM Sache scheint gar nicht so zu sein wie ich es mir immer vorgestellt habe. Ich finde es sehr interessant wie du dich geoutet hast und denke das ist der richtige Weg. Ich glaube du wirst eine Partnerin auch glücklich machen können die nicht devot ist und drücke dir die Daumen für deine Suche! Aber mal ehrlich erhältst du über diese Seite denn noch nicht genügend Anfragen ;)

Liebe Grüße

Julia (Akademikerin ohne den absoluten Anspruch er muss studiert haben)


Antwort auf diesen Kommentar

Hallo Julia,


auch mir hat unser Treffen gut gefallen und wenn du mal in meiner Ecke bist können wir uns gerne auf ein Eis oder einen Kaffee treffen. Ich persönlich fand die beiden Jungs am Nachbartisch sehr süß die plötzlich wirklich große Ohren bekommen haben :-D du wirst sicher den richtigen Mann für dich finden, ob nun über Internet oder real wird sich zeigen, auf den Mund gefallen oder schüchtern sind wir ja beide nicht ;-)


Liebe Grüße

Gentledom

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