Ab und an wird aus einer Antwort im Gästebuch ein kleiner Blogeintrag, wie in diesem Fall:
Eva`s Eintrag
Ich beneide dich, lieber Gentledom, dass du das alles schon erlebt hast und scheinbar nie mit deiner Neigung hadern musstest. Es muss schön sein seinen Platz so genau zu kennen und auch immer die passenden Partnerinnen zu haben um dieses ausleben zu können. Für mich ist alles neu, ich bin in einer Beziehung gebunden, habe viele Zweifel und scheine ein Dummdommagnet zu sein. Habe ich mal Kontakt zu einem dominanten Mann stellt sich dieser immer sehr schnell als komischer Kauz da.
Danke dafür, dass ich mich zumindest auf dieser Seite gut aufgehoben und verstanden fühlen darf!
Ganz liebe Grüße
Eva
Meine Antwort
Hallo Eva,
auch ich habe mit meiner Neigung gehadert, nur sicher nicht so intensiv wie es viele andere tun. Jedoch reflektierte ich viel über das „Warum“ dieser Seite in mir, denn in verschiedenen Bereichen steht sie in einem deutlichen Wiederspruch zu meinen sonstigen Überzeugungen.
Mit der Zeit habe ich aber gelernt, dass Gegensätze nicht immer nur trennend, sondern auch verbindend und ausgleichend wirken können. Ich habe diese Neigung und daran wird sich voraussichtlich nichts ändern, wobei ich nichts dagegen hätte, sie nicht zu haben. In dem Fall würde mir nichts fehlen und einiges im Leben wäre leichter. Also mit der „Hurra, ich bin BDSMler“-Fraktion habe ich nicht wirklich etwas gemein.
Am Anfang des Weges steht das eigene Outing, also seine Neigung sich selber einzugestehen und diese auch zu akzeptieren. Erst dann kann man sie mit einem Partner zusammen auch wirklich genießen. Es gibt weniges, was so intensiv ist wie BDSM, gerade wenn es nicht nur ein Spiel zwischen zwei eher Fremden ist.
Meinen Platz im Leben kenne ich recht gut, wobei sich das nicht nur auf den Bereich BDSM beschränken soll. Dom sein ist das eine, das Leben meistern und damit glücklich und zufrieden zu sein, das andere.
Beim Punkt der passenden Partnerin gehe ich mit dir hingegen nicht konform. Natürlich, ich habe und hatte eigentlich immer die Möglichkeit mich mit Affären auszuleben. Dies ist zwar ein wirklich schöner Zeitvertreib und in dem ein oder anderen Fall sogar eine (auf den Kontext BDSM beschränkte Art einer) Beziehung, jedoch eben nicht die Beziehung, die ich vordergründig suche.
Eine Sklavin bringt mir als Mann nicht wirklich etwas und selbst als Dom macht es mich nicht vollkommen glücklich, denn sie ist nur auf Zeit „Mein“. Alle Mühe, die ich mir bei ihr gebe, sie zu formen, zu begleiten und zu unterstützen, die wird irgendwann ein anderer genießen können, der diese Formung unter Umständen sogar nicht einmal zu schätzen weiß.
Kurz, ich bin nicht unglücklich und hatte wohl einen leichteren Start in diesen Bereich als du, die Illusion, dass ich ein perfektes BDSMler Leben führe, muss ich dir dennoch nehmen, auch wenn es sicher Doms geben mag, die meine jetzige Situation ohne tiefere emotionale Bindung und verschiedene Optionen als ideal erachten werden.
BDSM und das eigene Leben mit dieser Neigung definiert jeder anders, aus deiner Perspektive mag ich also im Paradise leben, meine Vorstellung eines solchen Zustandes ist aber eine etwas andere.
Ich wünsche dir von Herzen alles Gute für deine Suche und gerade das Neuentdecken kann auch ein sehr großer Reiz sein. Was du zum ersten Mal machst, wird deinen Puls mehr zum Rasen bringen als etwas, das dir schon gut bekannt ist. Pass auf dich auf und überleg dir gut welche Richtung du mit wem einschlagen willst.
Alles Liebe
Gentledom
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