Was hast du dir dabei nur gedacht fragst du dich, als du den langen Flur entlangschreitest. Du setzt dich auf dem weichen Stuhl, dein Rock sorgsam über die Oberschenkel gelegt. Darunter bist du nackt, genauso wie es vorab besprochen wurde. Kein Halsband, keine Fessel, kein Kontakt. Nur du als stille Voyeurin die zwei BDSMler beobachtet, passiv und still. Die Vereinbarung zwischen euch ist klar, du darfst zuschauen und jederzeit gehen, für dich gibt es erst einmal keine Verpflichtung, außer, dass wenn du nicht gehst, es von deiner Lust abhängt, wie du vielleicht hier eingebunden werden kannst.
Die Sub lächelt dich kurz an, sie schiebt deinen Rock hoch und kniet sie sich vor dich, hebt den Rock an, schiebt ihn leicht zur Seite, sodass sie zwischen deine Schenkel greifen könnte. Halt, so war das nicht abgemacht. Du willst gerade schon aufspringen, da lächelt der Mann und reicht seiner Sub ein blaues Löschpapier, kein ganzes Blatt, nur ein Streifen. Sie reicht es dir und sagt lächelnd: „Klebe es auf deine Vulva, so kann er jederzeit sehen, wie es um unsere Vereinbarung steht.“.
Du hattest dich schon gefragt, was es mit dieser Vereinbarung auf sich hat und im schwachen Licht erkennst du das Wort „Gnade“ scheinbar als Erinnerung an dein Safeword und drei Streifen auf dem Papier, soll damit deine Erregung gemessen werden? Du schaust wohl immer noch etwas irritiert und die Sub fragt dich, ob du es selbst oder sie es platzieren soll. Wortlos gibst du ihr das Papier, ihre Finger platziert das Papier sanft genau über deiner Vulva und sie streicht es glatt.
„Solange es trocken bleibt“, sagt er, „gehörst du nicht zu dieser Session.“ Seine Stimme ist ruhig, fast freundlich, aber sie trägt Gewicht. „Wenn es jedoch feucht wird, wenn Spuren zu sehen sind, dann… sehen wir, wie weit wir gehen dürfen. Jeder sichtbare Strich auf dem Papier steht für eine neue Erlaubnis.“
Langsam dämmert es dir, warum ihr nicht über Tabus sondern über explizite Erlaubnisse im Vorfeld gesprochen habt. Es fühlt sich an, als wärst du in die Falle getappt, aber eine Falle aus der du gerade überhaupt nicht entkommen wollen würdest. Das Papier fühlt sich fremd an, kühl, symbolisch, exponierend. Es zeigt nicht, was du sagst, es zeigt was dein Körper will und was dein Kopf fühlt, ungeschönt und ohne Filter. Du schließt etwas die Augen, willst kurz zu dir finden aber die Neugier ist groß, zu groß.
Als du deine Augen wieder öffnest kniet sich seine Sub gerade vor ihn, er tritt hinter sie und legt ihr ein schmales ledernes Halsband an. Eine liebevolle Szene, wie du sie so nicht unbedingt erwartet hättest. Er geht langsam um so herum, fast nebenbei berührt sein Handrücken ihr Haar und ihre Schulter. Er legt seine Hand unter ihr Kinn und sie steht auf, während seine Hand die Geschwindigkeit bestimmt mit welcher sie sich erhebt. Ein Kuss auf die Stirn und gerade als sie vollständig erhoben ist ein Griff direkt an ihre Kehle und sie wird an die Wand hinter ihr gedrückt.
Du fühlst mit ihr, es ist fast so als ob seine Hand auch deine Kehle umschließt. Bist du schon Teil des Spiels? Dein Körper reagiert, die Schenkel spannen sich leicht, das Atmen wird kürzer. Das Papier, das ist noch an Ort und Stelle, noch ist die Lust aus deinem Kopf aber noch nicht vollends zwischen deinen Schenkeln angekommen.
Sie hingegen, nun du hörst ihre Lust. Die eine Hand an der Kehle, die andere bereits zwischen ihren Beinen und ein Stöhnen, welches dir unbekannt und bekannt zugleich vorkommt. Du hast dir alles anders vorgestellt, es geht schnell, kein langes Vorspiel, sondern direkte Lust und Begierde die du siehst. Seine Hand greift nicht mehr an ihre Kehle, sondern er zieht ihr Haar nach hinten und ihr Kopf wandert mit, eine kleine Verlagerung durch ihn und sie wird an den Haaren abgeführt zum naheliegenden Sofa. Angekommen greift er ihr in den Nacken, sie positioniert sich sofort auf alle Vieren und er dringt in sie ein. Er scheint sich zu nehmen was er braucht, Romantik sehe anders aus, es ist animalisch, es ist direkt und wild. Er kratzt ihren Rücken, er schlägt mit der flachen Hand auf ihren Po. Sie stöhnt, sie genießt, du spürst ihre Lust und dann drückt er sie auf den Bauch, fickt sie weiter und legt seine Hand über Nase und Mund. Wie lange, gefühlt eine Ewigkeit! Aber kaum öffnet er seine Hand, keucht und stöhnt sie laut. Sie atmet tief ein und erst jetzt merkst du, wie du dich an ihrem Atem angepasst hast. Dein Becken drängt sich unbewusst nach vorne. Dich hat bisher niemand beachtet aber du wagst nun selbst den Blick hinunter. Das Papier ist nicht mehr trocken. Ein dunkler Schatten zieht sich diagonal über das Blau. Und noch einer, schwächer. Zwei Linien. Zwei Erlaubnisse, aber noch hat das niemand gesehen.
Genau in diesem Moment dreht er sich während er sie nimmt zu dir um und sagt: „Lies!“ Du bist ertappt und liest was bei der ersten Linie steht: „Ich darf berührt werden“. Und von der Zweiten liest du vor: „Kratzen, Küssen und Beißen erlaubt“. Er lässt von ihr ab, sie dreht sich zur Seite und schaut dich an, während er auf dich zukommt.
Er schaut dir tief in die Augen „Was meinst du“, fragt er, halb zu dir, halb in den Raum, „erscheint gleich die nächste Linie?“ Dann legt er seine Hand an deine Kehle. In dir tobt längst ein Sturm. Deine Gedanken sind ein Chaos aus Erwartung, Nervosität und Lust. Es ist nicht mehr nur dein Körper, der reagiert. Es ist dein Kopf, der längst zugestimmt hat. Du weißt, sobald du noch etwas mehr von ihm spürst, wird auf dem Papier keine Linie mehr trocken sein.
Du weißt, du warst nie nur Zuschauerin. Du warst von Anfang an Teil des Spiels. Nur dein Körper musste das noch einholen. Er lächelt. „Wir werden noch viel Spaß mit dir haben“, sagt er mit Bedacht.