Bildartikel: SM für Anfänger

Für die Bild ein wirklich ungewöhnlich zurückhaltender Artikel. Auch wenn mich einiges an diesem stört, so sind keine eklatanten Fehler oder Vorurteile zu erkennen. Natürlich hätte man zwischen SM und BDSM unterscheiden sollen, aber die Leserschaft wird bei SM sofort etwas erfassen können, was bei BDSM allgemein nicht der Fall sein dürfte. Demnach ist es gutes journalistisches Handwerkszeug, alles ein wenig zu vereinfachen.


Ein Artikel der Bildzeitung vom 23.06.2010: Artikellink
Autorin ANTONIA WAGNERS


Bei Tipp 1 (direkt unter dem Artikel) hätte dennoch eine kurze Ausführung zu SM und BDSM kommen können. Immerhin, wer hier weiter liest, hat ein gewisses Interesse und nun wäre eine Differenzierung möglich gewesen.

Im nächsten Schritt wird die Frage aufgeworfen, ob SM weh tun muss. „Na klar“, könnte man nun denken, immerhin geht es um SM und nicht um DS oder Bondage, aber ohne die Differenzierung zwischen SM und BDSM stimmen auch diese Aussagen. Dennoch gibt es viele Facetten und dem Leser von leichtem Spanking direkt zur Peitsche zu schicken, wenn es eine Steigerung geben soll, ist etwas unglücklich.
Tipp 3 und 4 sind gut beschrieben, doch hey, wie nun ich habe danach die Peitsche ich dachte wir sind bei SM light ;-) Auch bei Tipp 5, den Kerzenwachsspielen, kann man nichts einwenden, jedoch mag manch einer unter Haushaltskerzen auch welche aus Bienenwachs oder vor allem Teelichter verstehen und diese sind weniger geeignet. Zudem wäre ein Hinweis bezüglich der Vermeidung von Wachsflecken sinnvoll gewesen.
Tipp 7 ist schon fast romantisch verklärt, so etwas in der Bild wundert mich doch sehr. Das Safeword als fester Bestandteil des Spiels in Tipp 6 ist umsichtig gewählt. Die Eiswürfel im Tipp 8 dürften bei den aktuellen Temperaturen ebenfalls eine schöne Abwechslung sein.

Tipp 9 zitiere ich gerne:

Ein als sexuell erregend empfundener Körperteil oder Gegenstand, der nicht als das durchgeht, was „üblich“ ist. Füße, Lack, Leder, High Heels oder der Geruch von Leder. Es gibt auch Menschen, die sich in ein Tischbein verlieben. Das nennt man dann allerdings Objekterotik.

Natürlich können neben Körperteilen und Gegenstände auch Eigenschaften und anderes (Verfasserin führt selber den Ledergeruch auf) einen Fetisch bedeuten. Zum Beispiel wenn Frauen auf mächtige Männer stehen oder Männer extrem auf die Jungfräulichkeit, die kaum am Häutchen, wohl aber an einer Eigenschaft (Jungfrau) festgemacht wird.
Dennoch ist eine gewisse Vereinfachung sicher erlaubt und Körperteile wie auch Gegenstände sind eben die häufigsten Formen, bei denen ein Fetisch vorkommt. Jedoch ist ein Fetisch nicht aufs Ungewöhnliche beschränkt. Fast jeder Mann mag den Busen einer Frau, bei manchen kommt aber eine solche Fixierung vor, dass auch hier von einem Fetisch gesprochen werden kann.
Ein Fetisch an sich hat nichts mit SM oder BDSM zu tun, auch wenn es viele BDSMler gibt, die eben auch einen Fetisch haben. Nun gibt es doch noch einen bildzeitungstypischen Satz: „Es gibt auch Menschen, die sich in ein Tischbein verlieben.“ Hmm, ich denke hier sollte zwischen Liebe und Sexualität unterschieden werden. Wenn, dann dürfte das Tischbein ein Sexualobjekt sein, dies wird passend im nächsten Satz auch ausgeführt.

Was den letzten Ratschlag (10) anbelangt, ist er etwas unverständlich und wird dem, der einen Partner hat, der keine Lust auf dieses Experiment zeigt, kaum helfen. Aber der gute Wille zählt und ganz an der Sache vorbei sind die Hinweise ja auch nicht.

Ein wenig scheint es so als wäre Light-SM laut dem Artikel etwas Normales und damit haben sie sicher Recht. In welchem Schlafzimmer der U35 Generation wurde nicht mal ein Seidenschal oder ähnliches genutzt? SM für Fortgeschrittene wird nicht verteufelt, aber schon als etwas Extremes und eher nicht normales dargestellt, zumindest kommt mir dies zwischen den Zeilen so vor. Dennoch ist der Artikel für die Akzeptanz ein Schritt in die richtige Richtung. Die Bild kann aber auch anders. Geht es nicht um die Lightversion, schiebt sie SM bzw. BDSM sehr gerne in die Schmuddelecke ab.

 


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