Der Reiz der Jugend (und des Alters)

Interessant, dass besonders oft Frauen sagen, dass Männer mit dem Alter attraktiver werden und Frauen eben nicht. Dies ist natürlich eine rein subjektive Wahrnehmung. Ich für meinen Teil finde, dass auch die Attraktivität bei Männern ab Ende Zwanzig in der Regel abbaut, aber als heterosexueller Mann habe ich da auch vielleicht einen ganz anderen Blick dafür.

Vielleicht mag der Faktor Erfolg und Sicherheit ein entscheidender Grund sein, warum sich junge Frauen für ältere Männer interessieren könnten. Reifere Männer haben sich vielleicht im Leben schon bewiesen - das gibt natürlich ihnen, aber auch ihrem Gegenüber ein Gefühl von (Selbst-) Sicherheit und für viele bemisst sich Erfolg eben auch an der sozialen Stellung und den Sicherheiten (Geld, Abschlüsse etc.). Dass Erfolg anziehend ist, dürfte außer Frage stehen, auch wenn jeder den Faktor „Erfolg“ unterschiedlich bewerten dürfte. Sieht man mal von Leuten wie Christian Grey ab, so sind viele Männer die Mitte zwanzig sind eben noch im Studium und/oder in der Selbstfindungsphase und/oder wollen sich die Hörner abstoßen. Im Leben bewiesen haben sich damit aber die wenigsten von ihnen.

Neben dem Status, den sich ein Mann mit den Jahren erarbeiten kann ist bei ihm in der Regel auch die emotionale Reife weiter fortgeschritten, da es dabei eben auch um Reife geht, wäre alles andere auch verwunderlich. Die Tatsache, dass ältere Partner bereits eine entsprechende Lebenserfahrung und emotionale Reife haben (sollten), macht sie für jüngere Frauen attraktiv. Bei einem solchen Mann erleben sie Rückendeckung, Orientierung und auch eine starke Schulter, alles Faktoren die auch mit Dominanz in Verbindung gebracht werden können.

Meine letzte Beziehung hatte ich mit einer 30 jährigen, die letzten drei Affären waren 22, 23 und 31 Jahre alt. Der Alterunterschied beträgt also zwischen 4 und 13 Jahre. Blicke ich zurück und schaue mir die größten Altersunterschiede in meinen Beziehungen an, so liegen diese bei - 10 Jahren (ich 33, sie 23) bis + 7 Jahren (ich 22, sie 29). Bei Affären lag der Altersunterschied jeweils zwischen - 13 Jahren (ich 31, sie 18 Jahre) und + 13 Jahren (ich 22, sie 35 Jahre). Das Alter einer Person spielt für mich meist keine übergeordnete Rolle. Nur Frauen jenseits der 35 Jahre reizen mich aktuell als Partnerin nicht, einfach da ich gerne Kinder hätte und es ab einem gewissen Alter immer schwerer werden würde. Nun aber zurück zum eigentlich Thema.

Ich halte mich für aufgeschlossen und recht vorurteilsfrei. Dennoch sind mir Männer, die gezielt ausschließlich nach sehr viel jüngeren Frauen suchen suspekt. Ich komme nicht umhin mich zu fragen, warum derjenige es nicht mit einer Frau seines Alters aushält. Meine Vermutung dabei ist dann, dass er jemanden sucht, den er leichter kontrollieren und beeinflussen kann und Frauen in seinem Alter seine Maschen einfach aufgrund ihrer Lebenserfahrung, zu leicht durchschauen. Es ist schon auffällig, dass einige Männer in der Szene, die selbst schon länger jenseits der Vierzig und Fünfzig sind, immer mit sehr jungen „Dingern“ an ihrer Seite rumrennen.

Meine letzte Affäre wurde häufig von älteren Männern angeschrieben. Irgendwann fing sie deshalb an, jedem Mann über 50 einfach nur noch zu schreiben: „zu alt“. Die Reaktionen waren interessant. Viele beschwerten sich, dass dies ja nicht sein könne, sie seien ja so erfahren und so junggeblieben. Andere meinten, solch ein Ausschlusskriterium müsste ins Profil. Jetzt mal ehrlich, warum sollte das ins Profil? Ich kenne nur wenige Frauen, die mit Anfang zwanzig einen Mann wollen, der ihr Vater sein könnte. Daher gehe ich grundsätzlich als Mann schon mal davon aus, dass ich ab einem gewissen Alter keine Chance mehr habe und dieses ständige „junggeblieben“ wirkt ab einem gewissen „Reifegrad“ einfach nur noch lächerlich, das gilt übrigens für beide Geschlechter.

Wer also gezielt und vorwiegend auf deutlich jüngere Partner schielt und vielleicht sogar nur mit solchen einen Beziehung eingehen will, der sollte sich vielleicht Gedanken über seine eigene Beziehungsreife und die Eigenwahrnehmung machen.

Für viele mag eine 18 jährige Frau ein Mädchen sein, also jemand, den man noch nicht begehren darf. Ich sehe das anders, für mich ist es eine erwachsene Frau, sie darf wählen, Alkohol konsumieren, kann allein klagen, eine Wohnung beziehen, hat keinen Erziehungsberechtigten mehr, kurzum: sie ist eine junge, aber grundsätzlich bereits selbstbestimmte Frau.

Körperliches Begehren lässt sich auch kaum an einem Alter festmachen und ich hoffe, das verbiegt nun niemand in die Richtung pädophil. Persönlich finde ich die Gesetzeslage sogar zu lasch, und zwar deshalb, weil grundsätzlich jeder Erwachsene (selbst jener der 60 Jahre alt ist) mit einer 14 Jährigen legal Sex haben kann, zumindest wenn sie nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen, beziehungsweise er ihre Unerfahrenheit (Unreife) nicht ausnutzt, macht mir ein ungutes Bauchgefühl. Ich würde bei der Altersklasse 14 und 15 Jahre eine Grenze so um die 25 Jahre als Höchstgrenze beim Partner favorisieren.

Wenn ich durch die Stadt schlendere und sehe eine junge, sexy Frau, springt natürlich auch mal mein Kopfkino an, und ich werde sicher nicht vorher zu ihr gehen und fragen „Hey du bist du eigentlich 16 oder 22 Jahre alt?“ Eine Person, die ich als begehrenswerte Frau wahrnehme, ist für mich eine Frau. Außer ich merke dann doch an irgendetwas, dass sie es eben nicht ist. Es ist mein Kopfkino und damit nichts Reales.Wäre es real, würde ich hingegen schon nach dem Alter fragen. Ich sehe eine schöne junge Frau und habe meine Fantasien, die ich übrigens genauso mit einer Frau von Mitte dreißig hätte, welche mein Kopfkino anregt. Ich finde es inzwischen sehr schwer, das Alter von Menschen aus Altersgruppen zu schätzen, mit denen ich wenig in sozialem Kontakt stehe. Die 22 jährige mit der ich eine Affäre hatte, hätte ich auf 18 getippt, die 23 jährige hingegen auf 25 Jahre. So werden schnell aus einem realen Jahr Unterschied sieben wahrgenommene Jahre.

Ich kann mir mit einem Teenager keine Liebesbeziehung vorstellen, unsere Reife, Lebenspläne und Ansichten werden einfach zu unterschiedlich sein. Solch eine Frau begehren und mit ihr eine reine BDSM Beziehung führen, darin sehe ich aber kein Problem. Bei einer reinen BDSM Beziehung geht es um den gemeinsamen Spaß, Vertrauen, eine Entwicklung und eben nicht um gemeinsame Kinder oder andere Zukunftspläne. Begehren, eine gewisse Reife, Sympathie, Wertschätzung und Offenheit erwarte ich in einer solchen Spielbeziehung, das kann auch bei und mit einer 18 jährigen Frau gegeben sein.
 
Ob eine Beziehung scheitert oder glückt hängt für mich sehr von der Kompatibilität der Ansichten, Zukunftspläne und den jeweiligen persönlichen Wertvorstellungen ab. Stimmt es hier nicht überein, kriselt es mittelfristig bei gleichaltrigen Paaren ebenso wie bei Paaren mit großem Altersunterschied.


Kommentare:


Freche Schülerin schrieb am 18.11.2018


Interessant, deine Gedanken zu diesem Thema zu lesen.

Ich bin weiblich, 33 Jahre jung, und hatte ja bis jetzt bis auf eine Ausnahme ausschließlich Beziehungen mit Frauen, die um mindestens 20 Jahre älter als ich waren, also vom Alter her "meine Mutter hätten sein können".... ;-)

Schon als Jugendliche spürte ich in mir dieses Faible bzw. die Sehnsucht nach einer mütterlichen Partnerin. Geborgenheit, Sicherheit und Halt sind für mich die wichtigsten Punkte in einer Beziehung; und die Interessen einer Frau 50 plus unterscheiden sich, wenn sie denselben Bildungsstand hat wie ich, kaum von Meinen, die nicht gerade alterstypisch sind.

Erotisch reizen mich Frauen in meinem Alter überhaupt nicht, auch wenn sie vielleicht "objektiv gesehen" glattere Haut u.s.w. haben, und von vielen Menschen als attraktiver empfunden werden.
Gerade die Lebenserfahrung, in sich geerdet sein, und sich selbst von Herzen anzunehmen, wie es eher ältere Frauen tun, wirkt auf mich anziehend; und auch, was das Aussehen betrifft, finde ich eine 58 Jährige oft attraktiver als eine 33 Jährige.
Wenn sich Frauen (oder auch Männer) in diesem Alter zwanghaft jünger stylen u.s.w., finde ich das allerdings überhaupt nicht anziehend - im Gegenteil. Ich finde, Jeder sollte zu seinem Alter stehen, und sich natürlich geben.

Übrigens kenne ich einige Frauen in meinem Alter, die mit einem Mann zusammen sind, der ihr Vater sein könnte; auch einen Mann, der mit einer Frau zusammen ist, die seine Mutter sein könnte.
Und ich stehe auf reife Frauen, und mache daraus keinen Hehl.
Weder die deutlich jüngeren Partner solch einer Beziehung noch die Älteren müssen deshalb automatisch unreif sein.

Was für einen jungen Menschen an einem deutlich älteren Partner anziehend sein kann, kann ich nur von mir beschreiben: Ich fühle mich geborgen, beschützt und gut aufgehoben; werde ruhiger und geerdeter.
Umgekehrt kann es für Jemanden jenseits der 50 erfüllend sein, fürsorglich zu sein.
Das bedeutet nicht, dass ich keinen Handgriff selber tue, oder unselbständig bin oder keine Verantwortung für mein Leben übernehme. Ich empfinde es als erholsame Regression.
Abgesehen davon, dass das durch einen großen Altersunterschied natürliche Machtgefälle für mich sexuell sehr reizvoll ist.
Ebenso ist der Wunsch, sich zu "kümmern" und fürsorglich, mütterlich/väterlich zu sein, nicht automatisch damit verbunden, dass man sich nur wohl fühlt, wenn man mehr Macht und Kontrolle hat als der Partner.
Man muss halt immer verantwortungsbewusst mit einer Überlegenheit umgehen, und reflektieren, und auch selbstkritisch sein. Aber das sollte ohnedies Jeder.


Antwort auf diesen Kommentar

Ein sehr spannender Kommentar, vielen Dank dafür!

dreamer schrieb am 15.12.2013


oh ja

gerade männer um die 50 und älter haben vergessen mal in den spiegel zu schauen..schmunzel...jede frau kann in jedem alter noch atraktiv sein..es liegt an der frau selber was sie aus sich macht...
dominante männer sollten aber auch alltagstauglich sein und das sind die wenigsten ..weil sie ja schon soviel schlechtes erlebt haben in ihrem leben..eine runde mitleid...


Antwort auf diesen Kommentar

Ich will lieber Kekse anstelle von Mitleid :) Aber ich weiß was du meinst... Das Anspruchsdenken vieler Doms ist sehr hoch und ihre Selbstwahrnehmung "etwas" verzerrt....

Jay-Liz schrieb am 27.07.2013


Schwierige Sache

Das Problem liegt für mich schonma darin, dass ich meine Bekannten in meinem Alter als "Jungs" und nicht als Männer sehe, egal wie grün sie noch hinter den Ohren sind. Wobei bei einem Alter von 21 vielleicht auch noch die letzten Züge der Pubertät eine Rolle spielen mögen und man den Weibchen nachsagt da ein wenig schneller zu sein. Somit dürften dann für eine 18 Jährige wohl eher ältere Männchen ihr im Reifegrad näher sein.
Beispiel: Habe mich letztens mit einem 20 Jährigen Kumpel und dessen Herzblatt getroffen. Die waren so verrückt, dass ich ihn erstmal fragen musste wie alt er genau ist. Hätte ich schätzen müssen, wäre er nicht älter als 14 gewesen.
Und vielleicht seh ich das als Mutter bei "meinen Jungs" auch nur noch strenger.
Andererseits kann das nicht erklären warum 50 Jährige Männer und 18 Jährige Frauen...
Zu Männern die nur gezielt nach jüngeren Partnerinnen suchen: vlt. hast du Recht und sie suchen sie wirklich nur weil sie einfacher zu "handhaben" sind. Aber ich glaube, dass auch viel (verstecktes) geringes Selbstbewusstsein dahintersteckt. Denn schließlich können sie ja dann mit ihrer perfekten vor Jugendlichkeit nur so strotzenden Partnerin angeben und sich so Bestätigung holen, was für ein toller Hecht sie doch sind.
Ich hoffe ich habe jetzt nicht allzu verworren geschrieben

LG Jay-Liz


Antwort auf diesen Kommentar

Also ich konnte dir folgen ;)

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