Gedanken zur Dominanz

Persönliche Gedanken zu meiner eigenen Dominanz

1. Teil
(Bereits auf der Seite erschienen, der 2.Teil ist dagegen neu)

„Knie nieder Sklavin!“ ein Satz wie ihn so oder so ähnlich mancher Dom bereits in seiner ersten Nachricht benutzt. Daher ist er für mich ein Synonym dafür, was Dominanz eigentlich genau nicht ist. Ohne Zugang zur Person ist dieser Satz nur das Zeichen für eine gespielte Rolle und damit verbunden nur Ausdruck einer Hoffnung auf spürbare Souveränität, die sich aber bereits durch ihre Verwendung selbst zerstört.

Dominanz ist nicht selbsterklärend und sie muss weder hart, noch direkt, noch unnahbar sein. Wer eine devote Frau auf die Knie zwingen will braucht solche Sätze gar nicht, in der richtigen Situation reicht leichter Druck auf die Schultern oder auch nur ein Blick aus.

Dominanz bedeutet, eine Situation zu beherrschen. Die beste Möglichkeit, einen Menschen zu beherrschen ist die, sein Innerstes zu berühren. Menschen möchten berührt werden und vertrauen können. Zu vertrauen ist eines der größten Geschenke, welches man einer anderen Person machen kann. Jeder Mensch lernt aber schon früh, dass Vertrauen auch missbraucht werden kann und so errichtet jeder um sein Innerstes einen Schutzwall. Vielleicht ist BDSM wie ein Märchen, da gibt es einen mutigen Ritter ohne Fehl und Tadel und eine Prinzessin im Burgturm die auf ihn wartet. So eine Burg zu erstürmen ist schwer, werden die Tore aber freiwillig von Innen geöffnet, ist es ein Triumphzug, der in den ersehnten Kuss endet. Ja BDSM kann die Prinzessin und damit das Innerste befreien und ist deswegen auch so unglaublich intensiv.

Viele haben durch den Alltag vielleicht sogar schon ihre Sehnsüchte vergessen oder verfallen in den erlernten Reflex, den Schutz ihrer Mauern zu suchen. Ist da aber nun jemand, der ganz natürlich und charmant von seinen Sehnsüchten und Erfahrungen berichtet, so vergessen sie dieses Verhalten und projizieren ihre Sehnsüchte in diesen Menschen. Verführen ist das Wissen um die Sehnsüchte eines anderen Menschen, Dominanz muss daher nicht laut sein, um zu wirken, viel intensiver ist sie, wenn sie sich sanft in den Kopf und das Herz des anderen schleicht.

Wer dies schafft hat wirklich erobert und dem wird auch mit frohem Herzen gefolgt. Wer sich eines Menschen in dieser Art bemächtigt hat, der darf ihn nicht enttäuschen, denn das wäre eine Sünde an diesem Menschen.

Natürlich ist Dominanz auch nicht immer leise und sanft, das liegt gar nicht in ihrer Natur. Dominanz ist eine Gewalt und sie darf hart, konsequent und unberührbar sein, solange sie fair und menschlich bleibt. Ein devoter Mensch will Dominanz spüren und wenn er vertraut, dann werden Schmerzen und Erniedrigung ihn nicht verletzen, sondern sie dienen sogar noch dem Wachstum der Verbindung.

 

2. Teil
Diesen Text habe ich kürzlich auf meiner Seite veröffentlicht, und in meinem Blog will ich gerne noch einiges mehr dazu schreiben. Ich hatte am Tag bevor ich diesen Beitrag schrieb ein Date, das erste seit langer Zeit. Wir trafen uns und verbrachten fast vier Stunden miteinander. Eigentlich unterhielten wir uns die ganze Zeit über alle möglichen Themen, vom Internet über BDSM, bis hin zu Fragen der Kindererziehung. Als wir draußen auf dem Parkplatz waren drehte es sich, wobei ich hier nicht schreiben muss, was wir genau machten. Über eine Sache musste ich jedoch schmunzeln, das war ein Satz den sie zum Abschied sagte: „Ich habe so etwas noch nie gemacht aber du bist so unglaublich sympathisch da konnte ich nicht anders. “Ja dieser Satz hat mich zum Nachdenken gebracht, ich habe eine Frau die sonst wohl sehr bedacht ist, in kürzester Zeit dominiert und der Zeitraum in dem ich auf Dom switchte und in dem sie auf die Knie ging, war wohl kaum eine Minute. Wenn eine Frau sagt du bist unglaublich sympathisch bedeutet das meist eher, du bist ein total netter Kerl aber das reicht nicht, lass uns Freunde sein. Wenn nun einem dominanten Mann gesagt wird ich habe das gemacht, weil du so unglaublich sympathisch bist, spricht das auf den ersten Blick nicht gerade für seine Dominanz. Unter Dominanz verstehen die meisten Härte, Unnahbarkeit oder auch Überwältigung, all das war ich bis zu diesem Moment des Switchens ganz sicher nicht, und selbst in diesem Moment musste ich mich nur kleiner Berührungen bedienen, um sie auf die Knie zu zwingen.

Ich habe das Gefühl, dass viele Männer Dominanz nur als Stärke interpretieren, eben die klassische männliche Sicht. Stärke kann aber nur wirken wenn sie einwirken kann, wer keinen Zugang zu der Person findet, wird seine Stärke nie wirklich entfalten können. Im Internet meinen viele dominante Personen, sie können bereits hier den anderen von Anfang an dominieren. Nur auf welcher Grundlage soll eine solche Dominanz fußen, auf ihren dominanten Grüßen, ihren sich selbst verliehenen Titeln oder was auch immer?

Jemandem der mich virtuell anschreibt, dem antworte ich ganz normal, eigentlich mag ich meinen „Nick“ Gentledom überhaupt nicht in der Kommunikation und nutze meist meinen Vornamen, wenn ich mit jemandem direkt schreibe. Hier auf der Webseite ist das anders, aber das dient eher meiner Privatsphäre denn irgendetwas anderem. Ich habe einen eher seltenen Vornamen, auf der Seite steht ein Teil meines akademischen Hintergrunds und ich bin durch meinen Beruf ab und an in den Medien präsent. Kurz, nicht jeder, der fünf Minuten auf dieser Seite stöbert soll direkt über Google erfahren können, wer ich in der Realität bin.

Natürlich hat jeder seinen eigenen Führungsstil und das ist auch sehr gut so, sonst wären alle Doms gleich und das muss ja wirklich nicht sein, denn entweder wären dann auch alle Subs gleich (wie langweilig) oder wir hätten viele Töpfe ohne die passenden Deckel. Vor einigen Jahren verfasste ich einen meiner Lieblingsblogbeiträge, den „Dom`pteur oder Gärtner“, gerne greife ich die damalige Metapher mit der Rose im Garten wieder auf. Ich weiß, dass ich, um diese Rose zu besitzen, sie nicht ausreißen muss. Sie zu entwurzeln würde immer mit einem Schaden verbunden sein. Vielmehr muss ich sie befreien von dem was sie am Wachstum hindert, falsche Triebe abschneiden oder einfach mich um sie kümmern, selbst dann, wenn mich mal eine ihrer Dornen gestochen hat. Die Rose steht in meinem Garten und damit habe ich die Verantwortung für sie, wenn ich mich nicht um sie kümmerte wäre sie dort allein. Was mir die Rose dafür wiedergibt, dass ich so viel für sie mache? Nun sie ist mein und ich kann mich jederzeit an dieser Rose erfreuen, dies zusammen ist mir Lohn genug.

Eine Rose erfreut das Auge und die Nase, tja das die Rose nur symbolisch für eine devote Frau steht, dürfte jeder wissen oder zumindest erahnen, was mir selbige jederzeit an Freuden schenken kann ;-)

 


Kommentare:


Corina schrieb am 03.01.2016


Guten Morgen Mr. Gentle,

auf was Frau nicht alles triff, wenn sie auch mal den kleinen “Fußnoten“ Beachtung schenkt. ;))

Es stimmt, Dominanz, die nur einem Brüllen des Löwen gleicht, erreicht niemanden auf Dauer im Innersten, jedenfalls erreicht es nicht das Vertrauen. Zur Abschreckung mag es für den Augenblick behilflich sein aber ich würde meinen Schutzwall noch höher errichten. Bei mir besitzt die flüsternde Dominanz vielmehr die Gabe, lange im Herzen nach zu hallen. Eigentlich ist es ein Zusammenspiel von vielen Dingen.

Ich sehe es so...Beispiel Kochen... willst du eine Geschmacksexplosion erleben, nimmst du von dem und dem eine Prise, frische Kräuter, selbst das Anrichten trägt dazu bei, dass es ein Erlebnis für den Gaumen sein kann und zwar so, dass man sich gerne daran zurückerinnert und sich auf diese Gaumenfreude innerlich erneut freut.

Aber es kommt halt auch immer darauf an, ob man nur für den Augenblick satt sein will oder eben seinen Geschmacksknospen etwas Besonderes bieten will. ;))

Wie ich schon erwähnte, es ist ein Zusammenspiel und somit hat körperliche Dominanz durchaus genauso seine Zeit und Ort wie die flüsternde. Dennoch prägt sich die Flüsternde Dominanz viel stärker bei mir ein und diese Stärke ist es auch, die mein Vertrauen erreichen kann, während die körperliche mich nur für den Moment “fesselt“.

Der Grund, dass du dein “Parkplatz-Date“ dominieren konntest, lag vielleicht auch daran, dass du ihr mit all deinen “Komponenten“ eine Geschmacksexplosion beschert hast.

Jedenfalls vielen Dank für diese “Fußnote“.

Die lässt sogar das Herz eines Morgenmuffels höher schlagen. ;))

LG
Corina


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