Nun, die meisten Menschen kennen mich als Frohnatur und zum Glück bin ich das auch, aber wo viel Licht ist, ist eben auch Schatten und seit langer Zeit finde ich mich in einer melancholischen Stimmung wieder. Natürlich ganz gegen den Trend der WM- und Sommerbegeisterung. Keine Sorge lieber Leser, zu einem öffentlichen Seelenstriptease neige ich nicht und die spannendste Frage ist hier, wie diese Phase durchlebt und beendet wird.
In den letzten 25 Jahren kann ich mich eigentlich nur an drei ähnliche, wenn auch jeweils intensivere Momente erinnern. Das intensivste Mal wurde durch den Tod einer mir sehr nah stehenden Person verursacht und ich ging den falschen Weg des temporären Verdrängens. Die anderen beiden Male wurden durch Frauen hervorgerufen, in denen ich mich sehr getäuscht hatte (zum Beispiel: Mindgame).
Nach den weiblichen Enttäuschungen lenkte ich mich mit anderen Frauen ab, sprich ich führte mehrere Affären gleichzeitig und spürte so zumindest die oberflächliche Nähe und hatte viel Spaß. Vielleicht ist das am besten zu vergleichen mit einem kleinen Kind, das einen Trotzkopf hat, sich aber nicht nochmals an der Herdplatte verbrennen will.
Sicher ist es auch kein Zufall, dass seit vielen Jahren mein erster "normaler" Sex außerhalb einer Liebesbeziehung gerade erst stattgefunden hat. Es war wohl auf das Bedürfnis der Nähe und des Spürens einer anderen Person zurückzuführen.
Wer nun glaubt, ich würde Leere gerne mit Sex füllen, liegt nur zum Teil richtig. Das ist bei mir eine Art Erstehilfeverband, nicht mehr und nicht weniger. Für den ersten Moment ist es passend, danach hilft dieses Mittel nicht und wie ich mich kenne, wird das später wieder in viele Gespräche mit Freunden, vielleicht auch einigen Blogeinträgen und/oder Sport münden. Danach bin ich innerlich gereinigt und offen für Neues, im Idealfall für eine erfüllende Beziehung.
Und ein wenig Karma ist derzeit vielleicht ebenfalls dabei. Auch wenn es nicht meine Absicht war, habe ich wohl mehr Herzschmerz verursacht als ich in meinem Leben selber erleiden musste. Alles in allem empfinde ich die Situation als unangenehm aber gut, denn sie zeigt mehr als deutlich, dass ich als Mann geliebt werden will und auch wenn BDSM ein nicht unwichtiger Teil meines Lebens ist, den ich dauerhaft kaum verdrängen oder verleugnen könnte, so ist er nicht die am stärksten treibende Kraft. Wäre dem so, würde ich neben meiner aktuellen Affäre alte Affären „reaktivieren“ und mich so daran erfreuen.
Spüren bedeutet zu leben und Emotionen, gleich welcher Natur sie sein mögen, sind wohl die intensivste Form des Lebens. Die jetzige Situation sollte mir ein Ansporn sein, das ein oder andere zu überdenken und vielleicht auch zu ändern.
Ina schrieb am 15.07.2010
Wahnsinn,
dass es doch noch Menschen gibt, die sich so ehrlich und unverblümt noch selbst reflektieren können und trotzdem (oder gerade darum) noch bei der Wahrheit bleiben!
Wenn auch nicht gerade zu der aktuellen Situation, das war ein Seelenstriptease, wie es sie in der Öffentlichkeit nur selten gibt!
Hallo Ina,
ich rede recht offen über meine Gefühle, Vergangenheit oder was auch immer mich gerade beschäftigt. Natürlich gibt es auch Zeiten in denen ich wenig kommunikativ bin, dies ist aber recht selten der Fall und somit wäre ein Seelenstriptease für mich ganz etwas anderes.
Die Fähigkeit zur Selbstreflexion ist mir sehr wichtig denn ohne diese würde ich mich als Mensch nur sehr viel langsamer entwickeln können. Der Mensch reift mit seinen Erfahrungen und auch damit wie er mit ebendiesen umgeht.
Liebe Grüße Gentledom